@Die andere Seite
Hallo, vielen Dank für deinen Post. Es ist schon interessant auch mal die andere Seite zu so einer Geschichte zu hören und ich gebe Dir in vielen Dingen recht, dass man irgendwann nochmal das besondere sucht bevor das Leben vorbei ist. Aber auch in Deiner Geschichte sehe ich ein ganz großes "aber".
Es gehören wie in vielen Dingen wohl immer zwei dazu. Zwei, wenn man zueinander findet. Zwei, wenn man heiratet. Zwei, wenn man sich trennt.
Jeder macht in seinem Leben Fehler, es gibt Höhen und Tiefen und es gibt Probleme, die man nur zu zweit lösen kann. Ich verstehe, was Du sagen willst, aber ich verstehe nicht, dass man nicht zu zweit versucht die aufgestauten Probleme zu lösen. Eine langjährige Beziehung sollte das wert sein, besonders wenn der Partner von den Problemen nicht einmal etwas ahnte oder wußte. Oftmals registriert man die Dinge nicht, die sich da aufstauen. Man handelt unbewußt oder sagt etwas, was bei dem anderen falsch ankommt.
Warum also setzt man sich nicht hin und sucht das Gespräch und überlegt, wie man Dinge ändern kann. Ich wette, dass einige hier froh gewesen wären, wenn sie von den Problemen, die zur Trennung geführt haben, etwas gewusst hätten. Aber wenn der Partner nicht spricht, dann spricht er nicht und man bleibt ahnungslos.
Wenn man aber spricht, den Spiegel vorgehalten bekommt und zusammen überlegt was aneinander stört und versucht daran zu arbeiten, dann ist es für jeden auch nach einer angemessenen Zeit leichter, wenn man dann sagt: Ich glaube es funktioniert doch nicht.
Sicher tut es dann immer noch weh, aber innerlich beginnt man dann schon sich auf eine mögliche Trennung vorzubereiten. Man hat die Chance sich damit auseinanderzusetzen und wird nicht eiskalt erwischt. Du darfst nicht vergessen, dass es so immer einen Partner gibt, der so etwas nie für möglich gehalten hätte und der vorhatte mit dem anderen den Lebensabend zu verbringen.
Für diesen zurückgebliebenen Partner bricht mehr als nur eine Welt zusammen. Er beginnt sich selbst in Frage zu stellen, hat seelische und körperliche Schmerzen und verliert den Boden unter den Füßen. Und das ist weitaus schlimmer, als vorher mal ein kleines Gespräch zu führen. Man steht von einer Sekunde zur nächsten vor dem Nichts und alles, woran man geglaubt hat, ist plötzlich weg.
Gerade wenn man so lange Zeit miteinander verbracht hat, wäre es nur fair, ein klärendes Gespräch zu suchen, bevor man so einen Schritt tut. Das hat in meinen Augen auch mit dem Respekt voreinander zu tun und der Verantwortung füreinander, denn irgendwann einmal hat man sich ja geliebt.
Ich will nicht verurteilen, dass jemand den Sinn in seinem Leben sucht oder in Frage stellt. Klar ändern sich die Menschen und die Interessen, aber man sollte doch zumindest versuchen, den Partner, für den man sich mal entschieden hat, auf diesen Weg mitzunehmen und ihn nicht einfach sich selbst überlassen. Es gibt nichts schlimmeres als sich ausgenutzt und weggeworfen zu fühlen oder als ein Mensch zweiter Klasse. Denn mehr bleibt vom Selbstbewußtsein erstmal nicht übrig.
Ich will jetzt nicht Dich oder Deine Geschichte hier beurteilen, versteh' das bitte nicht falsch, aber es ist mir zu leicht zu sagen: Ich war schon lange unglücklich. Denn zum Unglücklichsein gehören auch immer zwei und wenn sich nur einer davon auf eine neue Reise begibt, dann ist das bitter und unverständlich für den anderen.
Oftmals ist es ja auch so, dass die Gefühle füreinander unter großem Druck erst einmal begraben werden. Hat man finanzielle oder berufliche Probleme oder Probleme mit sich selbst, dann sieht man auch nur noch sich selbst und der Partner löst sich erstmal im Nichts auf. Er ist aber nicht weg, genauso wenig wie die Gefühle einfach weg sind. Bei den meisten liegen sie nur unter dem Alltagstrott begraben und Schuld daran ist man eigentlich selbst. Ich will jetzt nicht sagen, dass das bei mir oder bei Dir so ist - bei mir sowieso nicht, denn ich weiß eigentlich gar nicht mehr, wen ich da geheiratet habe

- aber ich finde, dass viele es sich einfach zu leicht machen.
Sorry, aber das ist meine Meinung, wenn auch im Moment sicher nicht ganz unvoreingenommen.
LG
Kristallherz