Zitat von Mayla:
Ich danke dir für diesen Satz, denn beim Lesen habe ich gemerkt, wie gegensätzlich ich das empfinde. Vor 15 Jahren hätte ich wohl ähnlich Despektierliches über die Aufgaben einer Hausfrau bzw. eines Hausmannes geschrieben.
das ist keineswegs despektierlich gemeint. Sondern Erfahrung.
Zitat von Mayla:Im Gegesatz zu dir, denke ich inzwischen ganz anders. Kinder brauchen keine Betüddelung, aber sie brauchen jemanden, der verlässlich für sie da ist, der ihnen Halt und Sicherheit gibt. Die Intensität der Begleitung ändert sich natürlich mit den Jahren. Je nach Alter brauchen Kinder mehr oder weniger Betreuung und Fürsorge. Aber sogar bei meinen Großen sehe ich, wie wichtig es ist, dass ich sie im Auge habe, nicht um mich einzumischen oder aufzudrängen, sondern, um sie still durch eine schwierige Zeit zu begleiten, um wachsam zu sein, um Kraft und Energie für Gespräche zu haben.
Mit diesem Satz rennst du bei mir offene Türen ein. Er steht in keinster Weise im Widerspruch zu meiner Auffassung, dass als 100% Hausmann/-mutter irgendwann die letzte Socke gestopft ist. Wir sind beide nach einiger Zeit aus 100% in 80% Teilzeit gegangen- um eigene Freizeit zu bekommen. Aber für unsere Kinder sind wir da. Nur nicht 24/7. Aber das ist nicht schlimm, weil sie selber auch nicht 24/7 überhaupt Zeit haben, ihr Päckchen loszuwerden. Aber wir finden uns. Und dann kann ich mit der Tochter wirklich hoch emotionale, philosophische Gespräche führen oder mit dem großen über Zukunftspläne..Oder auch in Ruhe mal meckern, weil die Spülmaschine nicht eingeräumt ist.
Zeit ist etwas Qualitatives, nichts Quantitatives.
Zitat von Maya:Meine Erfahrung ist, dass unsere Kinder nicht noch mehr materielle Dinge brauchen, auch nicht mehr Reisen in noch exotischere Orte dieser Welt, sie brauchen Begleitung, Fürsorge, Halt und Gemeinschaft. Weder eine pädagogische Fachkraft (falls es sich überhaupt um eine Fachkraft handelt), noch eine staatliche Institution, kann die Eltern ersetzen. Es ist schön und begrüßenswert, dass inzwischen die Betreuungsmöglichkeiten ausgebaut wurden, ich nutze sie auch, aber sie ergänzen allenfalls das Familienleben. Wir können Institutionen nicht unsere elterliche Verantwortung übertragen.
Nein, wir können unsere Elternrolle nicht abgeben. Aber wir können sie ergänzen. Und das tun die Institutionen zweifellos. die Familie ist die Keimzelle, aber die Welt besteht aus mehr. Für die Kinder dazusein heißt auch nicht, sie überall hin zu kutschieren. Kinder haben 2 Füße, meist ein Fahrradund wenn sie älter sind auch ein Mofa/Roller.
Zitat von Maya:Ich bin auch eine von den Frauen, die Beruf und Familie unter einen Hut bringen wollen. Nach Außen hin scheint mir das bestimmt auch zu gelingen, aber ich weiß ja, wie oft ich mich ausgebrannt fühle und von allen Seiten unter Druck gesetzt, eben, weil Elternsein so viel mehr bedeutet, als Ecken zu putzen und Unkraut zu zupfen. Diese innere Unruhe überträgt sich auf das ganze Familiensystem und sorgt für Spannung. Trotzdem mag ich meinen Beruf, aber der Spagat hat seinen Preis. Ich weiß nicht, ob ich mich mit meinem Wissen von heute anders entscheiden würde (manchmal hat man ja auch keine Wahl), aber ich habe eine ganz große Wertschätzung gegenüber allen Hausfrauen und Hausmännern und ich wünschte mir sehr, dass sie ihre Berufung nicht als weniger wichtig oder weniger wertvoll sehen.
Auch dieses Gefühl der Zerissenheit sehe ich. Und habe es auch gespürt. Unser Weg aus der Ehekrise ist gleichzeitig für mich auch ein Weg in die Familie zurück. Für mich heißt die Lösung Teilzeit. Dann bekomme ich alles unter einem Hut. Grundordnung, bzw. Verhinderung des völligen Chaos, Verwirklichung, Altersabsicherung, Leben und Input von außen.
Und diesen Druck kann man zulassen, oder aber auch nicht. Ich will gar nicht mehr perfekt sein. Ich habe eine Putzfrau und freue mich( zwangsweise) am Löwenzahn.
Ich sehe nicht auf Hausfrauen und - männer hinab. Falls das so herüber kommt, dann tut es mir leid. Ich finde sogar, dass jeder so ein Dasein mindestens eine gewisse Zeit auch lebt. Aber weniger wegen eines Haushalts. Sondern, um zu erleben, wie die Kinder wachsen. Und das geht so unglaublich schnell. Aber andererseits kann ich es nicht nachvollziehen, wenn Frau ihr Leben lang dem Mann den Rücken freihält. Es bleibt nichts für einen selbst. Und das ist schade.
Zitat von Maya:Das bedeutet nicht, dass man als Hausfrau oder Hausmann nicht an die eigenen finanzielle Absicherung im Alter denken darf. Das eine schließt das andere ja nicht aus. Im Fall von Frigga wäre das ja gegeben gewesen, wenn nicht der Eheman - aus welchen Motiven auch immer - die materiellen Güter des gemeinsamen Lebens für sich beanspruchen würde. Aber nur, weil der Mann sich nicht partnerschaftlich verhält, heißt das nicht, dass das Lebenskonzept von Frigga falsch war.
Ob etwas "falsch" oder "richtig" ist, stellt sich ja oft erst hinterher heraus. Ich halte es dann für akademisch im Nachgang zu sagen: Wie blöd war denn das..... Aber jeder sollte seine Entscheidung auf möglichst vollständige Basis setzen. Und das ist oft nicht der Fall. Es gibt nun einmal Konsequenzen aus allem, was wir tun. Auf der anderen Seite können wir Menschen auch nicht mit allem rechnen.
Zitat von Maya:Frigga, du kennst den Wert deiner Arbeit. Das kann dir niemand nehmen, das ist das Schöne. Ich merke schon beim Lesen, wie du trotz des Schocks in deine Kraft kommst. Dir stehen spannende und chancenreiche Zeiten bevor und das meine ich durch und durch positiv.

ja, es wird eine spannende und chancenreiche zeit. Ohne Frage. Und Frigga macht durchaus den Eindruck, als wenn sie auch wieder eine Phase des Lebensglück erreichen wird. Aus eigener Kraft, mit einem Übergangspartner oder mit dem Next. I