Zitat von Zerknirschter:Hallo zusammen, bei uns ist es jetzt ernst geworden. Ich hatte bereits vor längerem im Trennungsforum geschrieben und von den Problemen geschrieben. Die Kurzfassung: verheiratet seit 8 Jahren. Die Kinder 5 und 8, der große mit Ar. und starker Intelligenzminderung aufgrund Frühgeburt. Die letzten Jahre waren sehr ...
Puh, das ist ganz schön hart aber echt nachvollziehbar. Bei mir war es ähnlich. Ich habe auch irgendwann angefangen mich zurückzuziehen, nicht mehr zu diskutieren, einfach nur noch hinzunehmen aber das hat meine ex natürlich auch gemerkt und (zu recht) bei der trennung bemängelt.
Ich lese viel von Überlastung sowohl bei dir als auch bei deiner noch frau. Eine Paartherapie ist kein Garant dafür das man nicht mehr streitet sondern eher das man lernt zu kommunizieren (in meinen Augen). Die Frage ist also in wie weit die Erwartungshaltung an die Paartherapie da vielleicht zu hoch gegriffen war.
Nun, ihr habt euch für die Trennung entschieden und ich kann dir nur aus eigener Erfahrung sagen das es zunehmend schwieriger wird wenn ihr euch nicht räumlich trennt. Ja, das mit den Kindern ist übel und die werden wahrscheinlich am meisten leiden aber irgendwann kommt der Punkt an dem das zusammenleben eher zu qual wird.
Bezüglich Anwälte... wenn ihr miteinander reden und dinge klären könnt, käme eine einvernehmliche Scheidung (dann hat nur einer einen Anwalt, spart Geld) in Frage. Auch lege ich jedem ans Herz eine Scheidungsfolgenvereinbarung notariell abzuschliessen. Das spart diskussionen weil vieles im vorfeld geklärt wird.
Nun, zu deinen eigenlichen Fragen:
" Es fühlt sich wie das Aufgeben der Familie an...Versagen... Schei...e"Ja. Auch ich hatte Gedanken wie z.B. das ich es nicht geschafft habe die Familie zusammenzuhalten und ich habe mich tatsächlich geschämt. Aber, irgendwann habe ich gelernt das fast IMMER zwei dazu gehören. Es ist eben nicht nur meine Aufgabe die Familie zusammenzuhalten und auch ich muss weder alles Aushalten noch ertragen oder mit mir machen lassen. Meine Grenzen waren einfach auch erreicht.
Nur damit du das nicht falsch verstehst, als diese Gefühle dann vorbei waren, kam der Schmerz, die Trauer weil man(n) sich an das schöne klammert, sich fragt ob man das jemals wieder haben wird usw....
" Wie seit ihr damit umgegangen?"Nun...ich für meinen Teil habe große Probleme damit. Ich habe das volle Programm aufgefahren... Tagebuch, Therapie, Medikamente, manchmal Alk. (ganz schlechte wahl!), Selbsthilfegruppen, Coachings, Bücher und viel und offen reden. Das wichtigste ist es sich ein stabiles soziales Netzwerk aufzubauen mit Menschen denen du wirklich vertraust und mit denen du wirklich über alles reden kannst. Irgendwann (falls nicht schon passiert), wird wahrscheinlich das Gefühl kommen das du mit allem alleine bist, dann ist es gut wenn man nen Kumpel anrufen kann. Seit der Trennung ist der Kontakt zu meiner Familie (meiner Mutter und ihrem Lebensgefährten und meiner Tochter) intensiver geworden. Töchterchen hat die Organisation der Weihnachts und Sylvesterparty übernommen und mich auch das einer oder andere mal in Kölner Clubs geschleppt. Mit meiner Mutter kann ich einfach quatschen und da sie im gleichen Haus wohnt kann ihr relativ einfach zu ihr rüber gehen. Klingt doof aber alleine zu wissen das man diese Möglichkeit hat, ist schon viel wert.
"Wie habt ihr die Zeit überstanden?"Noch gar nicht. die Trennung selbst ist nun etwas über ein halbes Jahr her. Sie ist vor 3 monaten erst ausgezogen und die erste Zeit war nochmal richtig hart. Zwischendurch hatte ich sie nochmal getroffen und geredet und neue Hoffnung geschöpft aber das ist bei mir ne andere Situation als bei dir und ich habe gemerkt das mir das nicht gut tut. Ich versuche einen Tag nach dem anderen anzugehen. Suche mir Unternehmungnen an denen ich teilnehmen kann, fahre wieder jeden Tag ins Büro. Die Wochenenden sind manchmal schwierig aber ich merke wie das "aushalten" einfacher wird. Mir ist bewusst das ich es einfacher habe (meine Tochter ist erwachsen und ausgezogen und ich bin wirklich frei).
Es gibt verschiedene Aussagen wie lange das alles dauert... eine regel sagt es dauert halb so lange wie die Beziehung gedauert hat. Eine andere "Regel" besagt es dauert mindestens 1 Jahr damit man mal alle besonderen Tage ohne den Partner erlebt hat.
Das allerwichtigste......
Du bist nicht allein. Du bist nicht der einzige. Andere waren schon genau da wo du jetzt bist und haben es auch geschafft. Es braucht dummerweise Zeit und glaub mir, es gibt keine Möglichkeit das abzukürzen!
Ein letzter tipp.... auch wenn es schwer wird und erhebliche nachteile mit sich bringt.... wenn ihr beide wirklich 100%ig sicher seid das ihr nicht mehr zusammenkommt, schaut doch ob ihr die räumlliche Trennung irgendwie hinbekommt. das gibt euch beiden den Raum zu heilen.