Hallo zusammen,
seit Oktober dreht sich mein Welt in einer unglaublichen Geschwindigkeit, mir fällt es manchmal schwer, dass das alles gerade mir passiert - aber wenn ich mir hier umschaue, dann geht es wohl vielen so. Sowohl mit der Tatsache als auch mit dem Gefühl dabei.
Kurz zu mir, 45 Jahre, davon 20 in Beziehung, 15 Jahre Ehe, drei Kinder von 6 bis 13, Haus und Hund.
Im Oktober wurde mir auf Nachfrage von meiner Frau (48) eröffnet (sie verhält sich merkwürdiger als sonst), das sie die Beziehung zu mir beenden wolle, sie würde keine Liebe mehr empfinden. Das hätte sich über die Jahre hingezogen und es hat sich von Jahr zu Jahr verschlechtert. Sie hätte kein Vertrauen und vor allem kein Respekt mehr vor mir. Also das Ende der romantischen und intimen Beziehung. Ich dachte, ich wäre im falschen Film. ich würde jetzt sagen - klassisches Walking Wife Syndrom - die Botschaften an mich sind nicht richtig angekommen und ich habe die falschen Antworten geschickt. Es scheint - neben dem normalen Ehekrams zwei wesentliche Fehler gegeben zu haben - banal, aber durchaus dumm: Zum einen hätte sie mir gerne gefallen - übertragen gesagt mir die Zeitung gebracht, mir eine Wanne eingelassen, einen Kaffee gegeben. Ich bin vom Typ her, der immer sagt, lass nur, ich mache es selbst. Das andere ist, dass ich ihrer Art und Weise nie kontra gegeben habe - und sie war sehr herausfordernd. Es hat sich herausgestellt, dass sie dies oft spielerisch einsetzen wollte, und ich immer zurückgewichen bin, anstelle Paroli zu bieten. Banal, aber da ging der Respekt flöten.
Nun, wie es auch sein mag - auf dem Weg zur Paartherapie kam dann auch heraus, dass es andere Menschen in ihrem Leben gäbe, an die sie sich gebunden fühlte - zwar nur virtuell, aber immerhin. In der einen Stunde hatten wir dann sehr intensiv kommuniziert (und machen das noch immer) - auf die Frage ob wir uns denn auf ein gemeinsames Ziel einigen könnten, da kam nichts von ihrer Seite, sie bekräftigte, das sie sich eine Rückkehr zu allen Eheaspekten nicht mehr vorstellen könne.
Da ging dann bei mir die große Aktion "Deine Frau, das unbekannte Wesen - lerne sie kennen" los. Unter anderem habe ich gelernt, dass ein Element die nachlassende Attraktivität des Mannes und Unlust bei mir gepaart mit den obigen Elementen bei ihr über 3 Jahre gefestigt hat, dass wenn sie keine Lust verspürt, es auch keine Liebe sein kann. Und seid dem scheint sie unterwegs auf der Suche nach irgendetwas, von dem sie denkt, dass ich es ihr nicht mehr geben kann.
Ich habe sie zuallererst einmal über mich aufgeklärt - vielleicht ein klassischer Fehler - wie es in mir vorgeht und dass mich das umwirft, dass ich sie über alles Liebe. Quasi mal als Antwort auf die Feststellung, dass es ja uns beiden so ginge.
Das war alles Anfang, Mitte Oktober. warum auch immer, wir haben weiterhin nebenher gelebt und geschlafen. Meine Frau meinte noch, den Unterschied würde ich gar nicht mitbekommen.

. Und tatsächlich, mit drei Kindern und Hund kann man seine Zeit gut rumbekommen. bis auf die Abende. Meine Frau hat sich der unbekannten Onlinebeziehung gewidmet, und ich habe auf irgendetwas gewartet - wahrscheinlich auf ihre Besinnung.
Im November schien sich dann diese Beziehung zu vertiefen und ein erster Besuch wurde vereinbart, aufgrund von Logistik und Corona Mitte Dezember. Ich bin ein ziemlicher Kopfmensch und habe das irgendwie verarbeitet - also Eifersucht weg 6 scheine ich nicht zu haben. Was mich fertig macht ist, dass emotionale. die Verliebtheit.
Der Besuch war nicht ganz so wie erwartet, die Emotionen meiner Frau wurden nicht erwidert und die Weihnachtszeit wurde mit (irrationalem) Liebeskummer verbracht - wir haben viel geredet und ich habe etwas abgelenkt. Es war nicht schön anzusehen.
Das hat sich dann irgendwie zwischen den Jahren im Sand verlaufen, sie hat mir dann ihr Handy zur Verwahrung gegeben, damit sie nicht ständig draufschaut.
Anfang Januar hatte sie es sich "mal" genommen und hatte im Internet Kontakt mit jemandem anderen gefunden - ähnliche Story wie eben, lange Telefonate in der Nacht, gechattet und was weiß ich nicht alles - ich weiß es nicht und will es auch nicht wissen.
Nach 5 Tagen kam dann die Ansage, dass sie dort hinfahren will und man sich näher kennen lernen will. Da habe ich es glaube ich kapiert, und habe sie aus dem Schlafzimmer herauskomplimentiert, nett und höflich, aber mit der klaren Aussage - ich kann nicht ruhig neben Dir schlafen. Mit dem Handy in der Hand habe ich immer das Gefühl, da liegt jemand anderes mit im Bett. Eigentlich lange überfällig. Jetzt liegt sie im Arbeitszimmer und ich kann wirklich besser schlafen.
Ich habe mir auch vorgenommen, dass ich jetzt zuallererst an mich denke, wenn es mir nicht gut geht, dann kann ich den Kindern nicht gerecht werden, und die brauchen mich mehr denn je. Ich kann Gefühle erzeugen, aber keine Liebe erzwingen. Also versuche ich mit mir selbst klar zu kommen.
Irgendwann Mitte November hatte ich dann auch angefangen, mir die Zeit zu vertreiben, weil ich nix besseres zu tun hatte und die Abende sehr lang waren - ich brauche eigentlich ja keine Entschuldigung. Die Kontakte liefen interessanterweise relativ schnell in Richtung meines Beziehungsstatus und auch wenn ich sicherlich absolut toxisch bin, so habe ich doch eine Reihe von netten Menschen kennengelernt, die mich ganz ohne Eigeninteresse aufgebaut haben, und mir ein wenig Selbstwertgefühl wiedergegeben haben. Ich kann nicht so tun, als wäre ich Single und ungebunden, das wäre mir zu unehrlich gewesen. Denen bin ich wirklich dankbar, es war eine finstere Zeit mit vielen schwarzen Flecken auf der Seele. Und mit vielleicht unbegründeter Hoffnung. Meine Frau sagte öfters, sie wünsche sich eine Zeitmaschine, um viele Dinge ungeschehen zu machen.
Auf meine Angebote, an der Beziehung zu arbeiten, ggfls. erst mal mit gemeinsamen Aktivitäten (ohne Handy) und sich dann an Annäherung zu wagen, da ist sie nicht eingegangen. Was immer sie sucht, es ist noch nicht vorbei.
Meiner Frau gefielen meine Kontakte nicht, die eigentlich (unbeabsichtigt) harmlos waren, sagte aber, dass sie unmöglich etwas dagegen sagen könne, ich müsse mir das selbst überlegen.
Nun ist es Mitte Januar, 3 Monate nach der lautlosen Explosion. Über 5 Ecken wurde ich nun von jemandem kontaktiert, die warum auch immer, mehr als nur Interesse zeigt und das auf sehr nette unaufdringliche Art und Weise. Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich im absoluten Chaos lebe, und das sich das sicherlich kurzfristig nicht vereinfachen wird. Die Person selbst lebt in Trennung, die Scheidung ist unterwegs. Das bringt viele Gedanken mit sich, inwiefern welchen Gemütszustand das gerade anspricht - ich denke viele davon - fühlt sich auf alle Fälle gut an. Auch bei uns sind extrem viele Nachrichten hin und hergegangen, alles äußerst jugendfrei und sehr intensiv - eigentlich ist das ein abklopfen mit Richtung. keine Ahnung, was dahinter wartet. Wir haben uns verständigt, dass wir uns treffen müssen um das einem Realitätscheck zu unterziehen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass daraus mehr wird, ist äußerst klein - so surreal ist die Ausgangslage. Aber wissen kann man es erst hinterher, und einen Kaffee sollte man mal investieren.
Meine Frau reagiert auf die Aussage, dass ich auch mal fahren werde , sehr allergisch - sofortige Scheidung aufgrund des Vertrauensverlusts. Und dass ich mir einfach nicht genug Mühe machen würde, sie von mir zu überzeugen - wenn mir wirklich daran etwas liegen würde, dann würde ich nicht nach 3 Monaten einknicken, bei richtiger Liebe hätte ich Jahre gekämpft. Das würde ihr nur zeigen, das es am Ende wäre.
Und nun stehe ich da, mit großen Augen und großen Entscheidungen vor der Brust. und frage mich, was ich eigentlich alles noch verbrochen habe. Fakt ist, dass ich eine Ehe ohne Liebe nicht führen kann, nicht für die lange Zeit, bis "die Kinder alt genug sind", und mir auch eine platonische Ehe nur bedingt vorstellen kann - da muss einfach alles andere so genau sitzen, damit niemand unzufrieden bleibt.
Verrückte Welt - Mad World