Ihr Lieben (Fremden),
ich möchte mich gerne zu Wort melden, weil ich seit Tagen diesen Thread (und andere) mitlese, aber so aktiv für mich, dass ich gerne was dazu sagen möchte hier.
Nämlich erstmal, dass es mir hilft, bei Euch mitzulesen. Wirklich, Ihrs. Ich bin sehr sehr dankbar dafür. Ich selbst habe noch keinen Thread aufgemacht, sicher muss ich das bald, wenn der Kummer zu groß wird, aber nur kurz hier jetzt zu mir: Ich bin seit 2,5 Wochen getrennt (worden), es lief richtig dumm, zwei Wochen lang der erste und schlimmste Kummer, darum begann ich auch hier zu lesen, weil ich nicht mehr weiter wusste.. nun will er mich zurück, aber ich glaube das alles nicht so schnell - naja, Ihr wisst ja, wie sehr es um Vertrauen geht und all das, wie sehr man leidet, ich bin weiterhin getrennt geblieben bis jetzt und bibbere nur jedem Abend entgegen (die Abende sind die schlimmsten), denn er meint es vermutlich nicht ernst. Es ist zum Kotzen und ich sehe kein Ende, fürchte mich vor dem nächsten unausweichlichen Brocken an Kummer.
Ich möchte Euch hier jetzt aber vor allem sagen, dass, hier mitlesen zu dürfen, das hat mir Mut gegeben, um für mich ein bisschen besser zu wissen, was ich wert bin und was ich brauche. Denn damit bin ich in das letzte Gespräch gegangen, ohne Eure - indirekte Hilfe - wäre das schlimmer gewesen.
Und ich möchte auch zu ein paar Sachen noch etwas anmerken, ich hoffe, ich bringe Eure Threads nicht durcheinander.. zum Beispiel zu dem Wunsch, sich einfach für zwei Monate ins Koma zu legen, in der Hoffnung, dass dann der Schmerz überstanden sein könnte..
.. Foster Wallace schreibt in einem Buch über jemanden, die schlimme Depressionen hat, und in die Klinik kommt, mit Ärzten reden muss und all das, und denen nur sagt: Könnt Ihr mich nicht für drei Monate in ein Koma legen, dann bin ich danach erholter? Daran musste ich denken.
Ich beschäftige mich leider viel mit Depressionen, da ich selbst betroffen bin und seit Jahren kämpfe. Nun habe ich ein Hörbuch gehört, darin geht es darum - ich muss ausholen, tut mir leid - dass Depression eventuell das ist, wenn das default brain, also der Zustand, in dem man nichts tut (das Gehirn sozusagen im Leerlauf ist), sondern nur träumt oder grübelt, überhand nimmt. Ursache davon ist ein unausgeglichener Hirnhaushalt bio-blabla und so, who knows, der das default brain zu sehr verursacht. Aber ich finde das sehr treffend, und leider werde ich es nicht schaffen, das hier adäquat zu beschreiben. Vielleicht am besten so: Es ist ein Zustand, in dem man alles, was einem passiert, persönlich nimmt, und das leider - da es einem nicht gut geht - in schlechter Weise. Man bewertet alles schlecht, macht sich selbst unglaublich fertig. Also, wirklich: unglaublich *beep* fertig.
Das sind Depressionen, aber ich denke, das kann auch auf diesen schlimmen Liebes-Kummerzustand zutreffen.
Wenn ich mir mich anschaue: alles zerfällt, alles nagt, alles wirft mir alles vor. Also, jetzt, im Liebeskummer.
Und ich habe keine Ahnung, was man da machen kann. Ich finde es nur - zumindest ein bisschen - helfend, darüber zu lesen. Und damit kann man auch den Wunsch verstehen, dieses arme rotierende Hirn einfach Mal in den Ruhezustand versetzen zu können - so wie der Wunschgedanke eines Komas von 2 Monaten. Denn die Gedanken sind so selbstzerfleischend, man findet keinen Schutz davon, hat keinen Raum für sich, wie soll man überhaupt noch können.
So bleibt mir hier nichts Kluges weiter zu sagen - weil eben das Gehirn ganz durcheinander ist, es fehlt an Liebe, an Geborgenheit, an Struktur, die mal da war. Vielleicht kann man aber (unbedingt) sagen, hey, das bist trotzdem nicht alles Du, nicht Ihr, es ist etwas durcheinander geraten, aber mit etwas Zeit kommt auch das Gefühl, das man mal für sich selbst hatte, zurück. Nämlich dann, wenn man ein bisschen nur den Moment spüren kann, die zermürbenden Gedanken weniger werden, weil man - selbst - immer noch da ist, auch wenn alles noch so schlimm ist und wird und kein Ende zu nehmen scheint. Ich sage das hier nicht als: Hey, ich sage Mal was Hoffnungsvolles - yaaaay - , was eh nicht durchdringt, wenn man im Kummer ist, sondern nur als Beobachtung. Einfach nur so.
Und noch was Anderes. Mit 31 und 33 - hey, neinneinnein. Das ist ein schönes Alter (ich sage das Mal, weil ich auch so alt bin, haha) - im Ernst. Als Frau, oder als Mann, in diesem Alter kann man zum Beispiel viel besser wissen, was man mag. Ob sexuell, emotional, all das. Es ist eigentlich ein super Alter, um getrennt zu sein und sich etwas Passenderes zu suchen. Etwas VIEL passenderes, bereicherndes. Und abgesehen davon gilt das für jedes Alter. Stellt Euch vor, Ihr hättet mit diesem Partner jetzt kids, und es würde nicht weiter laufen aber Ihr bleibt in der Beziehung. Na gut, ich gehe hier zu weit, dafür ist der Kummer und Verlust grad zu groß. Aber es ist ein herrliches Alter, grade als Frau. (sagt meine Oma auch, darum stimmt das alles einfach)
Ich finde, Ihr macht alles gut. Toll sogar. Ich rauche auch, abends. (sonst nie) Ihr seid nicht allein. Ich bin froh, dass Ihr schreibt und dass es Euch gibt.
Mara