Zitat von miaumi:Meine Trennung ist heute genau 3 Monate her. Für alle, die noch ganz am Anfang stehen, möchte ich ein paar Worte niederschreiben, wie es bei mir so ...
Wenn @miaumi so frei ist, ihre Gedanken aufzuschreiben um Mut zu machen, dann würde ich mich dem gerne anschließen:
Die Trennung damals hat mich zerschmettert (und dieses Wort ist definitiv nicht übertrieben). Sie hat eine Lebenskrise in mir ausgelöst, die ich so, zuvor, noch nie erlebt hatte.
Es traf mich aus heiterem Himmel. Ich schlief drei Monate nicht mehr als 3 Stunden. Ich aß alle paar Tage mal eine Kleinigkeit. Ich war körperlich und mental ein absolutes Wrack. Ich fand keine Akzeptanz, da man mir die Trennungsgründe nicht nannte. Ich habe jedes einzelne Wort, jedes Verhalten, jeden Moment der Beziehung noch einmal durchlebt und analysiert. 24/7, in Träumen, IMMER!
Ich war körperlich und geistig so erschöpft... hatte schwere Depressionen inklusive suizidaler Tendenzen. Nicht weil meine Ex weg war, sondern wegen der Art und Weise wie mit mir umgegangen wurde. Das man mir nicht aufrichtig gesagt hat, was passiert war. Das man mich so respektlos behandelt hat. Meine gesamte Weltanschauung und Wertvorstellung wurde zerstört... ich hätte damals nicht geglaubt, dass ich das überleben werde.
Hab ich aber! Als ich an dem aller tiefsten Punkt angekommen bin, wurde mir klar, dass es Menschen gibt, die meine Werte teilen, die schon zwei Jahrzehnte an meiner Seite sind und die mich niemals schlecht behandelt haben. Menschen die mich lieben, Menschen die mich brauchen.
Ich musste mein Mindset ändern. Für mich, für sie, damit ich gut aus dieser Nummer herauskomme.
Ich habe angefangen rationaler über die Situation nachzudenken. Versucht herauszufinden, warum ich so zerschmettert wurde. Wie ich mich zukünftig schützen kann. Wie ich körperlich und geistig etwas für meine Gesundheit tun kann. Ich habe herausgefunden, warum diese Frau nicht gut für mich war. Das ich in einer toxischen Beziehung gefangen war, in der ich mir nicht die Freiheit genommen habe, mich um mich selber zu kümmern.
Ich habe Projekte gestartet, wieder an mir gearbeitet, wahnsinnig viel geredet, wahnsinnig viel Sport, gesund ernährt, etc.
Ich bin wieder zur Therapie gegangen, was meine Sicht auf die Dinge, auf rationaler Ebene, noch mal weiter geschärft hat. Was mir dabei geholfen hat, zu verstehen, warum meine Ex nicht in der Lage war mir die Aufrichtigkeit entgegen zu bringen, die ich anderen entgegenbringe. Es hat mir geholfen zu verstehen, dass ich nicht von anderen Menschen erwarten sollte, dass sie so handeln, wie ich es tun würde. Es hat mir geholfen zu verstehen, mich zukünftig zu schützen, indem ich Menschen nach ihrem Tun beurteile und nicht nachdem was sie sagen.
Jetzt sind 7 Monate rum. Gestern war mein Geburtstag, vorgestern ihrer. Ich hatte unbewusst etwas Angst vor diesen Tagen. Hatte Angst vor einer Art Rückfall. Ich hatte keinen. Ich habe natürlich vermehrt darüber nachgedacht, was sie wohl gerade macht, was ihr Neuer ihr wohl geschenkt hat. Ob sie auch mal an mich gedacht hat. Allerdings habe ich das sehr bewusst wahrgenommen. Nicht versucht diese Gedanken zu verdrängen. Ich habe sie zugelassen und sie dann auch wieder losgelassen. Keiner dieser Gedanken beschäftigte mich besonders lange.
Ich empfinde mittlerweile nicht mal mehr Wut für sie. Ich habe manchmal einen leichten Anflug von Melancholie, weil es eine Zeit gegeben hat, in der wir sehr schöne Sachen erlebt haben. Es ist ein bisschen so wie die Erinnerung an die Kindheit oder die Jugend. So als würde man einen Seufzer ausstoßen und sagen: "das war echt schön damals".
Ich habe verstanden, dass diese Etappe meines Lebens, die drei Jahre Beziehung, und die 7 Monate jetzt, nach der Trennung, einen absoluten Mehrwert darstellen.
Ich habe mich selber besser kennengelernt, als ich mich jemals zuvor kannte. Ich habe irrationale, komplett emotionsgesteuerte, Nachrichten an die Ex geschrieben. Ich habe mich verletzlich gezeigt, mich selber verloren, mich entfremdet und mich gefragt, wer ich eigentlich bin. Ich habe mich wieder gefunden. Fühle mich wertvoller als jemals zuvor in meinem Leben. Ich gehe respektvoller mit mir selber um und ich habe den Anspruch, dass man mich wertschätzt. So wie ich meine Partnerin wertschätze. Ich werde nie wieder, völlig blind, meine Liebe verschenken, ohne selber dafür Liebe zurückzubekommen.
Diese Angst, dieser Schmerz, dieser Verlust, die Depression, der Gedanke, das eigene Leben zu beenden, weil man so ausgelaugt und schwach war, dass man die Gedanken nicht mehr aushalten konnte.... All das hat mich dazu gebracht, eine neue Version von mir zu erstellen. Mit neuen Zielen, neuer Selbstachtung, neuen Ideen und neuer Stärke, denn eins ist klar: in Zeiten von Corona diesen Weg gegangen zu sein, zeigt mir, wie stark ich bin!
Und glaubt mir: auch ihr werdet wahnsinnig stolz auf euch sein und sehen, was ihr in eurer Verarbeitung alles erreicht habt. Manchmal ist der Blick vielleicht getrübt, aber ihr werdet wieder klar sehen können und neu angreifen!
Bleibt stark! Solltet ihr dennoch mal die Sorge haben, dass ihr es nicht schafft, dann traut euch professionelle Hilfe aufzusuchen! Depressionen sind keine Schande!