Ich grätsche ja ab und zu mal in diesen Thread rein und gebe euch eine andere Sichtweise mit, wohl wissend, dass es nichts gibt, was einem wirklich effektiv aus dem Loch raushilft, wenn man gerade drin steckt. Dennoch möchte ich noch mal einen anderen Lösungsansatz mitteilen. Ich weiß, dass das hier im Forum auf wenig bis gar keine Gegenliebe stößt, wie ich damals mit dem Problem umgegangen bin, aber es war für mich wirklich der einzige Weg raus aus dem emotionalen Dilemma:
Natürlich habe ich es- als ich im grässlichen Liebeskummer feststeckte- zunächst mit den üblichen Tipps versucht: Ich war von mir selber angenervt, weil ich- eigentlich recht selbstbewusst und gut organisiert sowie sehr lösungsorientiert unterwegs- in dieser Spirale feststeckte, die mich wochen- und monatelang lähmte. Ihr kennt das: nichts ist mehr wirklich wichtig, alles, was einem vorher Spaß machte, interessiert einen auf einmal nicht mehr, man hofft im Grunde genommen 24/7, dass der Ex sich wieder meldet, selbst die allerkleinste Antwort oder belangloses Zeug, was dieser - meist aus Mitleid oder Langeweile- von sich gibt in unsere Richtung, baut einen für ein paar Sekunden auf, gibt einem für einige Minuten einen Push, nur um danach- wenn dieser maue Kontakt wieder erlischt- wieder in das tiefe Loch zurück zu sinken. Ich nannte das damals Gefangensein und ich empfand es genau so. Ich hatte die Kontrolle über mein Leben verloren, das hört sich jetzt recht dramatisch an, aber so fühlte ich mich. Egal was es war, Arbeit, Kinder, Freunde, alles was mir in glücklichen Zeiten so enorm wichtig war, trat in den Hintergrund für diese elende Gedankenspirale. Ich hielt mich zunächst brav an alles was so geraten wird: absolute Kontaktsperre, mich mit schönen Dingen ablenken, Freunde treffen, ich ging sogar zu einer Therapeutin , so verzweifelt war ich über meinen eigenen erbärmlichen Zustand. Aber statt besser wurde es mit zunehmender Kontaktsperre immer schlimmer. Gedanklich stellte ich den Ex auf ein Podest, je länger die Beziehung her war, desto verklärter sah ich sie: er und nur er war der ideale Partner für mich, er gab mir alles, was ich brauchte, er war so empathisch, man konnte so gut mit ihm reden, er war so einfühlsam, er bekochte mich immer so schön, die kuscheligen Abende auf dem Sofa.... Dass was ich heute sehen kann, das verdrängte ich komplett: dass er alles andere als ein idealer Partner war, dass er gerne über sich selber laberte , dass er zu Hause immer nur Billigkram kochte, der selten lecker war und das ganze dann mit z wei Kerzen kaschierte, nur weil er absolut keine Lust hatte, mit mir Essen zu gehen. Dass die kuscheligen Abende auf dem Sofa ganz schön langweilig waren, weil ich Fernsehen auch zu Hause alleine kann..... nein , das sah ich damals in meinem Kummer nicht.
Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich wusste, irgendwas muss passieren, damit ich aus diesem Loch rauskomme. Also startete ich in meiner Verzweiflung zwei Aktionen: ich meldete mich bei einer Single-Börse an und ich bombadierte den Ex mit Nachrichten. Ja, ihr hört richtig ! Ich tat genau das wovon immer strengstens abgeraten wird und ich kann euch sagen, es war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich schrieb auf der SB mit allen Typen, die es so gibt: die, die fremd gehen wollten, die mit komischen Vorlieben, Machos, Langweiligen.... es war lustig, lenkte mich ab und brachte mich definitiv auf andere Gedanken. Getrofffen habe ich natürlich keinen von denen und seriösen Männern habe ich gar nicht erst gechrieben, bzw. das ganze direkt wieder einschlafen lassen, um niemanden zu verletzen. Aber Männer, die eindeutig dort unterwegs waren, um Frauen zu vera.... waren einfach perfekt für meine Zwecke, da ich ohne schlechtes Gewissen dort eine Rolle spielen konnte um dann irgendwann diese Männer fallen zu lassen. Das hat die nullkommanull gejuckt, die schrieben ja mit zig Frauen parallel. Meine Stimmung wurde besser. Zeitgleich schrieb ich dem Ex, nein , eigentlich muss ich sagen, nervte ich ihn ! Ich bat um eine persönliche Aussprache, bat immer wieder um Treffen, damit er mir mal ins Gesicht sagt, was eigentlich nicht mit ihm stimmt. Wahrscheinlich war ich die größte Nervensäge aller Zeiten, aber je mehr ich nervte, desto besser ging es mir. Er hätte mich jederzeit blockieren können oder mich bitten, ihn nicht mehr anzuschreiben, das tat er aber nicht. Also trieb ich das ganze so lange auf die Spitze, bis er mir schrieb, dass er sich von mir bedrängt fühlte, dass das nichts mehr wird, NIE mehr, dass ihm mein Verhalten überhaupt nicht gefällt u.s.w. Damit hatte ich dann das was ich wollte: eine ganz klare Aussage von ihm, kein Wischiwaschi wie vorher. Dieses Knallharte brauchte ich, das war für mich die Erlösung. Von diesem Tag an schrieb ich ihm nie wieder und ich begann, ihn klar zu sehen ohne diese rosarote Brille. Das Verliebtheitsgefühl ging weg und zwar sehr schnell.
Aus diesem Grunde sehe ich Ratschläge wie schreibe ihm bloß nicht etwas kritisch . Warum nicht ? Schlimmer als jetzt kann es doch sowieso nicht werden ? Und wenn einer das Bedürfnis hat, dem Ex einen zehn Seiten langen Brief zu schreiben, denke ich immer why not?. Was hat man denn zu verlieren ? Nur damit man nicht als bedürftig dasteht ? Das ist doch sch.. egal, als was man dasteht, es geht doch darum, dass es einem wieder besser geht. Und wenn ich bei einer 10/10 dastehe, kaum Freude empfinden kann, tagtäglich in diesen Gedanken festhänge, spielt es da noch eine Rolle, vor dem Ex als nicht bedürftig dazustehen ? Ist doch total egal was der denkt, Hauptsache, ich werde den Druck los, ich kann mal alles loslassen was mich beschäftigt. Und wenn er sich darauf gar nicht meldet ? Ja und ? Was soll denn noch schlimmer werden ? WEnn er schreibt: lass mich in Ruhe, du nervst ! ? Ja Glückwunsch, dann weißt du doch woran du bist !
Also, ich hoffe, mit diesem Tipp völlig entgegen der Forums-Meinung habe ich euch nicht verschreckt, aber ich denke, mal eine völlig andere Herangehensweise zu lesen, ist ja auch nicht verkehrt.
15.05.2021 08:25 •
x 12 #21444