Hallo, ich fürchte, es ist schon eine 10 von 10. Nach 29 Beziehungs- und 21 Ehejahren habe ich meine Ehe vor 4 Monaten selbst beendet. Und zwar nicht, weil von meiner Seite aus keine Liebe mehr da war, sondern weil ich merkte, wie sich meine Frau immer weiter von mir entfernte und einfach kein Reden mehr half. Wir hatten uns auseinandergelebt. Dies tat mir so weh, dass ich glaubte, die Reißleine ziehen zu müssen. Ich konnte es nicht mehr ertragen, neben dem Menschen zu leben, den ich so sehr liebte, dem es aber offensichtlich in Bezug auf meine Person nicht so ging.
Meine Frau, die immer die wesentlich aktivere in unserer Beziehung war, lebt nun ihr Leben, scheint zufrieden und befreit zu sein und nutzt die gewonnene Freiheit. Ich, der sich von der schmerzenden Beziehung befreien wollte, fiel dagegen in ein tiefes Loch, aus dem ich bisher nicht einmal ansatzweise herausgekommen bin. Mir war die Ehe mit meiner Jugendliebe (wir sind zusammengekommen als sie 16 und ich 18 war) immer das Wichtigste. Dafür habe ich alles getan und leider auch vieles andere vernachlässigt. Das dass ein Fehler war, sehe ich vollkommen ein. Es war nie ihre Aufgabe, mich glücklich zu machen. Doch leider habe ich es so gesehen und darüber mich selbst aufgegeben um Anerkennung, Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen. Doch irgendwann zog das wohl nicht mehr und vermutlich wurde ich für sie uninteressant / langweilig. Das Ende vom Lied habe ich ja bereits vorweggenommen. Unglücklicherweise leide ich so sehr darunter, diese Frau nicht mehr um mich zu haben und die wenige Zeit, die sie mir noch geschenkt hat, mit ihr zu genießen. Es stellen sich mir Existenz- und Sinnfragen. Mein Verstand ist sehr weit. Ich kriege mein Leben auf die Reihe und mache halt das, was jetzt nötig ist (Haus auf-/ausräumen, Hausverkauf, Wohnungssuche ....). Doch die Gefühle sind noch so sehr bei meiner Frau, obwohl sie mir zweifelsfrei gesagt hat, dass sie für mich keine Liebe mehr empfindet. Das schmerzt wahnsinnig, und mir fehlt inzwischen hier und da die Kraft, einfach weiter zu machen und nach vorne zu blicken.
Ich weiß gar nicht genau, ob ich hier auf Antworten, Lösungsansätze oder tröstende Worte warte ... oder aber ob ich mir das einfach nur von der Seele schreiben möchte. Ich habe bereits so viele Ansätze zur Lösung ausprobiert, doch die Gedanken wandern wie von einem Magneten gezogen immer wieder in die einst so glückliche Vergangenheit mit ihr. In solchen Momenten macht mein Leben für mich gar keinen Sinn mehr. Und diese Momente werden leider nicht weniger. Egal, ob ich mir meine Schmerzen von der Seele schreibe, mir den Boxsack vorknöpfe, mit Freunden oder mit meinem Therapeuten darüber rede ... alles bringt nur sehr kurzzeitige Erleichterungen, ehe ich mich wieder in meinen grüblerischen Gedanken verstricke, alles neu beleuchte, wieder Lösungsansätze suche und mich jeden Tag dafür bestrafen könnte, diesen Schritt gegangen zu sein, obwohl er vom Verstand her der richtige war.
Ich hoffe auf etwas Linderung, wenn ich endlich nicht mehr in unserem Haus wohnen muss und eine neue Umgebung habe. Doch gleichzeitig ist es für mich ein weiterer endgültiger Schritt, der das von mir so Gewollte (diese verdammt tolle Frau in meinem Leben zu halten) immer unwahrscheinlicher macht - obgleich mein Verstand weiß, dass es kein Zurück mehr gibt.
Erschwerend kommt hinzu, dass ich eben den ganzen Hausstand auflöse, unsere gemeinsame Vergangenheit praktisch abwickle und immer wieder mit ihr in Kontakt treten muss, um zu klärende Dinge mit ihr abzusprechen. Dies klappt allerdings sehr gut ... viel zu gut! Wir begegnen uns mit viel Respekt, Fairness und Freundlichkeit. Keiner möchte dem anderen etwas Böses. Ich würde so gerne wütend auf sie sein oder sogar mal Hass empfinden, doch ich spüre nur diesen puren Kummer über das Aus unserer Ehe.
Kennt jemand eine ähnliche Situation? Was hat euch geholfen, wieder ins Leben zu finden und den Partner zu vergessen, bzw. mit neutralen Augen zu sehen? Ist es wirklich die strikte Kontaktvermeidung und die Zeit? Ich muss dazu sagen, dass ich mich dazu zwinge, unter Menschen zu gehen, Freunde zu treffen, auf Leute zuzugehen, Sport zu machen .... Doch wie gesagt, ich bin wie in einem Treibsand, aus dem ich nicht herauskomme.