Zitat von Smashed: Viele Menschen, sagt Seidler, entwickeln daraufhin ein traumakompensatorisches Schema: Die letzte Beziehung war eine Katastrophe, sie ist gescheitert, man war am Boden, aber die nächste, die wird besser, und nicht nur das: Die wird, nein, muss alle Wunden heilen. Wenn sie das aber nicht schafft, sondern ebenfalls den Bach runtergeht, fühlen die Betroffenen nicht nur den Schmerz dieses einen Rückschlags, sondern dazu den der vorangegangenen Trennungen. Das Leid summiere sich, und irgendwann, das könne schon sein, sagt Seidler, komme man an seine Grenzen, wieder Hoffnung zu haben für einen neuerlichen Anlauf.
Hierzu möchte ich noch etwas sagen, weil ich mir auch schon Gedanken darüber gemacht habe, warum mich diese Trennung so extrem aus der Bahn wirft. Ich kann mir das nicht allein mit der Liebe, die ich noch für ihn empfinde und der überraschenden Trennung erklären.
Spontan habe ich gedacht, obiges Zitat trifft auf mich nicht zu.
Meine beiden langjährigen Beziehungen gingen relativ schmerzlos zu Ende. Die Trennungen waren überfällig. Der Gaul war nicht nur tot, sondern bereits verwest. Daher praktisch kein Liebeskummer, der Selbstwert hat nur einen Streifschuss abbekommen und ist innerhalb weniger Wochen komplett ausgeheilt. Ich hege keinerlei Groll gegen die beiden und es kommen null unangenehme Gefühle hoch, wenn ich an die Beziehungen zurück denke. Mit beiden bin ich heute gut befreundet.
Dann fiel mir meine erste große Liebe ein. Den Knallkopf habe ich schon total vergessen- obwohl er mich in den 1,5 Jahren mehrfach betrog. Als ich es herausfand, dachte ich, ich sterbe. Ungefähr 4 Wochen lang. Dann lernte ich Langzeitbeziehung 1 kennen
😁 Den Schmerz, den ich damals empfunden habe, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen.
Meine Almost-Lover musste ich gedanklich erst einmal zusammen kratzen. Aber auch da: Nix. Nada. Niente. Da hängt mir nichts mehr nach.
Aber dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich weiß gar nicht, warum ER mir nicht in den Sinn kam, obwohl wir nach über 3 Jahren Kontaktpause vor ein paar Monaten sogar noch einmal gechattet haben.
Er war der "Vorgänger" meines aktuellen Ex und wir hatten knapp 2 Jahre eine On/Off-Bettgeschichte. Ich war noch nicht einmal sonderlich verliebt in ihn, aber er hat mich in den Wahnsinn getrieben, weil er nie richtig greifbar war. Je mehr er sich zurück zog, desto mehr wollte ich ihn.
Ich hatte sehr schnell den Verdacht, dass er verheiratet ist und eine Familie zu Hause sitzen hat, weil wir uns immer nur bei mir getroffen haben und er am Wochenende nie Zeit hatte. Ich habe ihn mehrfach darauf angesprochen und er hat immer wieder beteuert, dass ich mir das nur einbilde.
Mein Bauchgefühl ließ mich nicht los und als ich mich das erste Mal trennte, gestand er mir, dass er einen Sohn aus einer früheren Beziehung hätte, der die Wochenenden bei ihm verbringt.
Damit gab ich mich zunächst zufrieden, bis die nächsten Ungereimtheiten auftauchten. Wir hatten endlose Diskussionen, zig Trennungen und jedes Mal hat er mich wieder zurück gequatscht.
Fast forward: Bei unserem letzten Off war ich fix und fertig. Ich habe an meinem Verstand gezweifelt, weil ich ständig das Gefühl hatte, er verschweigt mir etwas, konnte aber nichts beweisen. Er hat mir permament eingeredet, ich würde mir alles zusammen spinnen, er hätte mir die komplette Wahrheit erzählt.
Da ich ich aber leider keine Ruhe gäbe, würde er keinen Sinn mehr in der Beziehung sehen.
Ich habe monatelang versucht, irgendetwas über ihn heraus zu finden. Nichts.
Aber dann hatte ich ihn! Eine Online-Todesanzeige seiner Mutter.
Es trauern: Hans und Lieschen Müller mit Thomas und Andreas (Namen geändert)
Nicht nur, dass er ZWEI Söhne hatte, sondern ganz offensichtlich auch eine Ehefrau.
Ich WUSSTE es!
Bei unserem kürzlichen Chat habe ich dann mal beiläufig gefragt, ob er seine "Ex" nach mir geheiratet hat oder ob er schon verheiratet war, während er mit mir ins Bett gestiegen ist. Darauf habe ich dann keine Antwort mehr bekommen und war blockiert
😂 OK, ich komme endlich zum Ende, aber DAS ist die Parallele zu meinem Ex.
Seine Lügen, seine Nicht-Greifbarkeit, seine Salamitaktik, dieses Hin und Her.. das löst haargenau die gleichen Gefühle in mir aus wie ich sie in der "Beziehung" vor ihm hatte. Mein verzweifeltes Bemühen um seine Liebe, die Worte : Es ist und wird alles gut. Mein nicht Loslassen können.
Aber was mache ich mit der Erkenntnis? Wie hilft mir das?