Zitat von CiRa78: Letzte Woche hat er sich bei mir ausgeweint. Er befindet sich anscheinend in einer ganz komischen Phase, hat sich eine 20 Jahre jüngere angelacht, sollte was offenes werden und nun klammert sie. Er will aber nicht, weil er mit dem Altersunterschied nicht klar kommt. Habe ihm gesagt, dass ich die falsche Ansprechpartnerin bin und er sein Problem selbst klären muss, ich es aber sch. finde. Na ja, seitdem schreibt er mir wieder täglich, wie sehr er mich liebt. Ich hoffe das nimmt irgendwann ein Ende. Er tut mir auch wahnsinnig leid und ich werde diese Schuld immer mit mir tragen.
Also ausweinen würde ich mich bei meinem Ex niemals und er sich bei mir auch nicht. Unsere Trennung verlief reibungslos bis harmonisch. Obwohl ja der Auslöser seine Affäre mit unserer gemeinsamen Freundin war, mit der er jetzt auch zusammen ist. Ich habe ihm deswegen nie Vorhaltungen gemacht, denn ich bin mir meiner Anteile an dieser Geschichte durchaus bewusst. Ich kam einfach nicht über meine Fehlgeburt hinweg und habe mich in dieser Zeit sehr gehen lassen. Das war einfach der Scheidepunkt, an dem unsere Beziehung scheiterte und ab da unaufhaltsam auseinander driftete. Seine Affäre war da nur eine Randerscheinung und bestenfalls der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Angesichts der Gesamtsituation hätte ich ihm das sogar verziehen und war bereit, die Karre aus dem Dreck zu ziehen. Das wollte er aber nicht. Er blieb dann eben bei ihr. Ich dachte bisher immer, dass er dort sein -oder wenigstens ein- neues Glück gefunden hat. Sie ist ja viel aktiver und sportlicher als ich. Die beiden laufen regelmäßig zusammen Wettkämpfe, wandern lange, anspruchsvolle Touren im Urlaub und sind auch sonst auf einer Wellenlänge. Ich dachte, das wäre genau, was er gesucht und bei mir vermisst hat. Seit unserem letzten Treffen bin ich da nicht mehr so sicher. Auch seine Nachrichten sind in letzter Zeit ungewöhnlich zutraulich. Er ist weit abgekommen vom rein sachlichen Austausch und ab und zu verirrt sich sogar wieder ein Kusssmiley in seine Nachrichten. Ich werde einen Teufel tun, diese zu erwidern.
Aber mit dem Loslassen tue ich mich auch schwer, bzw. frage ich mich, inwieweit man solch einen langjährigen Lebenspartner überhaupt loslassen kann und muss? Ich hatte ja letztens ein Gespräch mit meiner Ex-Schwägerin, die schwer an Krebs erkrankt ist. Sie hat nun überall Metastasen und ihre noch verbleibende Lebenszeit scheint dadurch sehr reduziert zu sein. Ich war geschockt und schrieb darauf hin ihren Ex-Mann, meinen Ex-Schwager an, um nach den Kindern zu fragen. Er wollte von allem nichts wissen und verwies mich in relativ kühlem Tonfall auf seine Kinder. Ich werde aber einen Teufel tun und die kontaktieren. Sie werden auf mich zukommen, wenn sie meine Hilfe brauchen, denn wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis. Ich will sie aber nun nicht zusätzlich verunsichern, denn obwohl ich weiß, worauf das ganze hinaus läuft, denke ich, dass sie es zur Zeit noch erfolgreich verdrängen werden. Da will ich lieber nichts falsches sagen. Über das Verhalten ihres Vaters war ich aber schockiert. Er war mit meiner Schwägerin über 30 Jahre zusammen. Wie kann er ihren bevorstehenden Tod nun so abspalten und sich komplett da raus ziehen? Soviel Loslassen könnte ich niemals und verurteile es ehrlich gesagt auch. Ich finde das fast schon unmenschlich.