Moin fengaraki,
interessantes Thema. Und ich glaube, dass du aus der Denkschleife, in die du dich da manövriert hast, nur alleine raus kommen kannst. Dein Mann ist mittlerweile machtlos. Er kann sich auf den Kopf stellen und dir jeden Wunsch von den Augen ablesen es würde nicht reichen, denn deine Wünsche sind diffus, unrealistisch und entspringen einer Denkweise, die dir und euch als Paar absolut nicht gut tut.
Um dich mal da heraus zu holen,
überzeichne ich, provoziere ich. Und ich hoffe, dass du den Kern dessen, was ich sagen will, erkennen kannst und dein Denken dann bestenfalls auch verändern kannst.
Im Mittelpunkt deiner Denke steht aus meiner Sicht (und die kann natürlich falsch sein, dann korrigiere mich bitte) die Tatsache, dass dein Mann SCHULD an all dem ist, was dir fehlt. Er hatte schließlich seinen Spaß und du hast ihm vergeben und gnädig wieder aufgenommen. Das ist der erste Denkfehler. Niemand hat dich gezwungen ihn wieder aufzunehmen. Es war DEINE Entscheidung und ich gehe davon aus, dass du die nicht getroffen hast, um ihm einen Gefallen zu tun, sondern dass du es DEINETWEGEN getan hast. DEIN Lebensplan wäre am Ende gewesen, deine Umgebung weg, alles ein Scherbenhaufen und irgendwie hätte es weiter gehen müssen. Darum hast du dich entschieden, einen Neuanfang mit ihm zu wagen und die Beziehung zu erhalten. Nochmal: Du hast das DEINETWEGEN getan, weil es dir damit besser ging.
Zitat:>> Andererseits, er hatte das prickelnde Erlebnis, das Abenteuer, Abwechslung, Begehrtwerden und Hormonrausch und ich hänge hier immer noch in der Langzeitehe ohne das alles rum.<<
Nächster Denkfehler. Er HATTE das. Ist lange her, war kurz und verdammt anstrengend. Er war zerrissen, hat das schließlich beendet und zahlt seitdem an dich zurück. Seit 1,5 Jahren ist er in der Rolle des Täters und du bist das Opfer. Seit eineinhalb Jahren beschäftigt er sich mit seinen Schuldgefühlen und versucht es irgendwie wieder gut zu machen, während du ihm klar machst, dass es so einfach nicht ist. Der Preis, den er zahlt, ist verdammt hoch. Mag sein, dass das angemessen ist, aber wie lange soll er noch zahlen?
Ich sage es mal ganz provokant: Es steht dir doch frei, genau dasselbe zu tun. Dann kriegst du auch mal einen schönen Hormonschub, beendest es, bittest deinen Mann dich zurück zu nehmen und dann zahlst du denselben Preis und versuchst 1-2 Jahre lang, alles wieder gut zu machen. Klingt völlig bescheuert - ist es ja auch aber es kann helfen, solche schrägen Denkversuche mal zu machen und damit mal in die Rolle des anderen zu schlüpfen.
Zitat:>>Aber er fühlt sich machtlos irgendwie. Er fragt immer wieder, was er tun könnte, aber ich kann und ich will ehrlich gesagt auch nicht einfach eine Patentlösung hinwerfen. Ich finde, er ist nun am Zug, er will ja was von mir (hoffe ich jedenfalls). <<
Und hier zeigt sich, wie groß dieser Denkfehler ist. Wie lange ist er denn noch am Zug mit dem Wiedergutmachen? Wann hört das endlich mal auf, wann seid ihr wieder ebenbürtig und auf Augenhöhe? Ich sehe hier immer den unausgesprochenen Satz: Auf die Knie, wenn du was von mir willst! und das ist gruselig. Du bist der Richter, er ist der Angeklagte. Nicht mehr rund um die Uhr, aber immer mal wieder mit kleinen Nadelstichen. Denn er hatte etwas, das du nicht hattest. Dann soll er sich mal lang machen. Du wartest ab, was er sich noch einfallen lässt. Gänsehaut.
Zitat:>>Es ist diese innere Unsicherheit, ob er nun einfach in den bequemen Ehehafen zurück rudern will, weil es laut seiner Aussage ja nicht so prall gelaufen ist. Ich hinterfrage das innerlich einfach ständig.<<
nun einfach? Erstens ist das nicht nun, sondern es ist viel Zeit vergangen. Zweitens ist das schon gar nicht einfach.
Zitat:>>Die Affäre meines Mannes ist nun knapp 1 1/2 Jahre her, wir sind 16 Jahre verheiratet, 21 Jahre zusammen. Es dauert wahrscheinlich einfach seine Zeit<<
Nein. Die Zeit heilt da gar nichts. Das müsst ihr schon selber hinkriegen, vor allem aber du bist jetzt an der Reihe. Habt ihr denn beim Neuanfang professionelle Hilfe dazu geholt, um die Verletzungspakete mal auf den Tisch zu legen und nach Möglichkeiten zu fragen, wie man die heilen kann?
Zitat:>>Ich hab ihn auch gefragt, warum er nicht mal mit mir so heiße leidenschaftliche Dinge texten konnte. Hätte mir auch gefallen. Stattdessen immer der Einheitsbrei, tagein tagaus. Das ärgert mich auch bis heute, und das hab ich ihm schon x-mal gesagt, dass uns mal Spontanität und Leidenschaft gut tun würde.<<
Gesagt? Oder hast du es auch schon versucht? Dein Wunsch und dein Anliegen ist völlig in Ordnung, aber es geht dabei um euch als PAAR. Ihr habt zur Zeit ein GEMEINSAMES Problem, es ist nicht sein Problem. Nicht ER kann das lösen, sondern nur ihr als Paar könnte das lösen.
Dafür noch mal an den Anfang zurück: Es war DEIN Wunsch und Wille, dass die Ehe fortgesetzt wird und ihr miteinander einen Neuanfang wagt. Niemand hat dich dazu gezwungen und die Nachteile, die du bei einer Trennung gehabt hättest, wären groß gewesen (vermute ich zumindest). Wenn sie nicht groß sind, kannst du immer noch gehen. Es steht dir frei, du bist frei. Er ist frei. Ihr seid freiwillig zusammen. Und weil das so ist, habt ihr auch beide die Aufgabe, daraus das denkbar Beste zu machen. Aber bitte ebenbürtig und auf Augenhöhe, gleich berechtigt und nicht einer auf den Knien während der andere sagt: Das reicht nicht!
Ich hoffe, du kannst trotz der krassen Überzeichnung verstehen, was ich sagen will. Ich hoffe ebenso, dass du erkennen kannst, wo der wahre Kern darin steckt und
dass du selber eine ganze Menge an deiner Gedankenwelt verändern kannst, damit es für euch als Paar wieder besser und ausgeglichener wird.
Euer Problem ist nicht neu, es ist nicht einzigartig, es tritt täglich auf und wird täglich gelöst. Und damit es auch bei euch gelöst werden kann, braucht es nicht noch mehr Jahre, sondern das kann morgen beginnen. Alles Gute wünsche ich euch!