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Ungleichgewicht Beziehung nach Affäre

Löwin45

Löwin45

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Zitat von KPeter:
Niemand hat dich gezwungen ihn wieder aufzunehmen. Es war DEINE Entscheidung und ich gehe davon aus, dass du die nicht getroffen hast, um ihm einen Gefallen zu tun, sondern dass du es DEINETWEGEN getan hast.

Genau das bringt es auf den Punkt.
Eine Affäre zu verzeihen und es erneut zu versuchen, ist eine Entscheidung die der Betrogene auch für sich selbst trifft - mit allen Konsequenzen.

Mein Partner ist NICHT für eine mein Lebensglück verantwortlich.
Das ist sicherlich schwer zu akzeptieren. Es ist aber eine wichtige Erkenntniss.

Wenn ich mich aber dazu entschließe meinen Lebensweg weiterhin gemeinsam mit meinem Mann zu gehen, dann treffe ich diese Entscheidung vorrangig ja auch für mich.

Ja klar, wenn ich ihm nicht verzeihen könnte, dann ginge das nicht. Darüber gibt es keinen Zweifel.
Dennoch, Verzeihen ist nicht nur ein mildtätiger Akt sondern beruht in erster Linie auf eigenem Interesse.
Wenn ich nicht verzeihe, dann trage ich Groll in mir, und das vergällt mein weiteres Leben.
Aber wirkliches Verzeihen ist auch schwer. Denn es verlangt auch einiges an Disziplin und Umdenken. Es geht eben nicht um Verdrängen, das so oft stattdessen praktiziert wird.
Wenn ich einem Menschen wirklich verzeihen möchte, dann kann ich diesen nicht bei jedem Streit wieder und immer wieder auf die Anklagebank setzen.

Ja, es stimmt. Die Aufarbeitung einer Affäre war ein sehr schwieriger und schmerzhafter Prozess. Wir sind beide oft an unsere Grenzen gekommen. Aber, letztendlich haben wir uns selbst und uns gegenseitig in einer Tiefe kennengelernt, die uns beiden vorher nicht bewusst war.

Natürlich war ich damals wütend und verletzt, als ich von der Affäre erfuhr.
Selbstverständlich war es mein Mann der in diesem Fall große Fehler gemacht hatte und nicht ich.
Da gab es nie einen Zweifel.
Aber ich habe mich dennoch nie überlegen gefühlt so nach dem Motto: "ICH die Gute und DU der Böse"
Denn so funktioniert es nicht.
Jeder Mensch macht Fehler - auch ich.
Wichtig wären Gespäche auf Augenhöhe. Ich wollte weder in die Rolle des Opfers noch in die Rolle des Richters. Denn beides hätte mir nicht gut getan. Das eigene Wohl dabei im Blick zu behalten, ist aber wichtig.

Viel hing damals von dem ab, was mein Mann an Worten und Taten folgen ließ.
Nun ich konnte ihm verzeihen - mit allen Konsequenzen. Ja, und das habe ich dann für mich getan, auch wenn er davon letztendlich ebenfalls profitiert hat.

Übrigens, ich habe es bis heute nicht bereut, und es ist schon einige Zeit her.

Zitat von KPeter:
Nein. Die Zeit heilt da gar nichts. Das müsst ihr schon selber hinkriegen,

Das sehe ich genauso.
Worauf will man denn warten?
Dass man es vergisst?
Das klappt nicht.
Entweder man verzeiht einander oder eben nicht.
Die Zeit ändert da nichts.

Gestern 10:52 • x 1 #31


Gast-1307

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Zitat von Löwin45:
Viel hing damals von dem ab, was mein Mann an Worten und Taten folgen ließ.

Das war für mich auch sehr entscheidend!

Gestern 11:03 • #32


paulaner

paulaner

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Zitat von Löwin45:
Mein Partner ist NICHT für eine mein Lebensglück verantwortlich.

Naja, das ist so ein Satz, den ich ziemlich zwiespältig betrachte.
Wenn ich das einfach mal umdrehe, also wenn mein Partner mich ständig schlecht behandelt, dann ist er für mein Lebensunglück schon zuständig.
Also ich sehe mich als Partner meiner Frau schon so, dass ich teilweise schon für ihr Lebensglück verantwortlich bin.

Es ging aber ja um Ungleichgewicht.
Und das entsteht eben durch Fremdgehen. Das kann man dann aber auch nicht mehr ändern.
Einer von beiden erlaubt sich etwas, genießt es, hat seinen Spass, und das alles heimlich, weil es eben nicht darum geht, dass das jetzt beide dürfen. Im Gegenteil, der andere hat sich bitteschön weiterhin an die selbstgesteckten Regeln zu halten.
Und wenn dann der betrogene Partner bereit ist, es noch mal zu versuchen, dann bleibt dieses Ungleichgewicht halt trotzdem bestehen.
Es ist dann lediglich Vergangenheit. Also einer von beiden hat sich etwas erlaubt, usw., was der andere deshalb noch lange nicht darf (und wahrscheinlich auch gar nicht will).
Das ist eine Schieflage.
Und damit muss man zurechtkommen, unabhängig von Verzeihen oder Vergeben.

Gestern 11:06 • x 2 #33


Wurstmopped

Wurstmopped

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Zitat von Gast-1307:
Das war für mich auch sehr entscheidend!



Für mich war das, das wichtigste! Einfach mal ein wenig Süßholz raspeln und ein wenig Zeit ins Land gehen lassen und dann weiter wie vorher, wird nicht funktionieren. Ich wollte, dass mir meine Frau zeigt, das sie mich wirklich will und nicht nur den Teil von mir, der ihr Sicherheit und eine planbare Zukunft verspricht!
Und da sind die Ansprüche des betrogenen nicht gerade niedrig, ich denke auch, das hier dann viele Beziehungen an die Grenzen stoßen und dieser Neustart nach 1-2 Jahren doch in einer Trennung endet!

Gestern 11:09 • x 1 #34


Wurstmopped

Wurstmopped

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Schuld und Sühne sind keine Kategorien in denen man hier denken sollte, es geht darum, dass der "Täter" die Verantwortung übernimmt und danach handelt! Er die Affäre aufarbeitet, dem betrogenen die Defizite die er hat darlegt und ihm zeigt das er daran arbeitet!
Verzeihen muss man sich in erster Linie immer selbst! Der Betrüger, das er so dumm war alles auf Spiel zu setzten und Familie und Kids verletzt zu haben und der Betrogenen, es nicht rechtzeitig bemerkt zu haben und die ganz entscheidende Frage, würde ich mir einen 2ten Betrug verzeihen können?

Gestern 11:25 • x 2 #35


Wurstmopped

Wurstmopped

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Zitat von paulaner:
Naja, das ist so ein Satz, den ich ziemlich zwiespältig betrachte.
Wenn ich das einfach mal umdrehe, also wenn mein Partner mich ständig schlecht behandelt, dann ist er für mein Lebensunglück schon zuständig.
Also ich sehe mich als Partner meiner Frau schon so, dass ich teilweise schon für ihr Lebensglück verantwortlich bin.

Es ging aber ja um Ungleichgewicht.
Und das entsteht eben durch Fremdgehen. Das kann man dann aber auch nicht mehr ändern.
Einer von beiden erlaubt sich etwas, genießt es, hat seinen Spass, und das alles heimlich, weil es eben nicht darum geht, dass das jetzt beide dürfen. Im Gegenteil, der andere hat sich bitteschön weiterhin an die selbstgesteckten Regeln zu halten.
Und wenn dann der betrogene Partner bereit ist, es noch mal zu versuchen, dann bleibt dieses Ungleichgewicht halt trotzdem bestehen.
Es ist dann lediglich Vergangenheit. Also einer von beiden hat sich etwas erlaubt, usw., was der andere deshalb noch lange nicht darf (und wahrscheinlich auch gar nicht will).
Das ist eine Schieflage.
Und damit muss man zurechtkommen, unabhängig von Verzeihen oder Vergeben.


Mir ist der Focus hier zu sehr auf, "Du hast was getan, was ich nicht durfte, darf..."
Regeln wurden gebrochen, darum ist die "alte" Beziehung auch beendet! Punkt!
Und ich denke hier herrscht meist ein Missverständnis, denn der Betrüger will oft den Status Quo vor dem Betrug zurück, der Betrogenen jedoch einen kompletten Neuanfang! Und dass ist wie beim neu Kennenlernen, mit dem Unterschied, dass einem die negativen Charakterzüge des Betrügers hier bekannt sind. Das kann man nicht ausblenden, der Betrüger kann einen nur durch sein Verhalten (Aufarbeiten der Affäre) und den Offenen Umgang damit zeigen, dass er sich in Zukunft an diese "Regeln" halten wird. Nur hat das wenig mit der Leichtigkeit eines Kennenlernen im Sinne von verlieben im klassischen Sinne zu tun! Und je nach tiefe der Verletzung und des Vertrauensbruch, stößt man hier halt an Grenzen!

Gestern 11:36 • x 1 #36


Löwin45

Löwin45

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Zitat von Wurstmopped:
Einfach mal ein wenig Süßholz raspeln und ein wenig Zeit ins Land gehen lassen und dann weiter wie vorher, wird nicht funktionieren. Ich wollte, dass mir meine Frau zeigt, das sie mich wirklich will und nicht nur den Teil von mir, der ihr Sicherheit und eine planbare Zukunft verspricht!

Genau!
Daher kam es mir auch mehr auf die Taten an.
"Worte", wenn sie dann gut gewählt werden, sind wichtig. Aber es musste auch so gelebt werden.
Anfangs gab es so viele Worte, so viele Beteuerungen, dass mir fast die Luft wegblieb.
Erst als ich wirklich fühlen und somit glauben konnte, dass ich ihm als Mensch immer noch sehr wichtig bin, dass er es sehr bereut und wirklich nur mich in seinem Leben möchte, konnte ich weitergehen.
Denn ich zweifelte damals an allem und stellte alles in Frage. Ich legte jedes seiner Wort auf die Goldwaage - stellte aber nicht nur ihn sondern auch mich und mein Verhalten auf den Prüfstand.

Ich glaube, besonders wichtig war mir, dass er erkannte und wertschätzte, dass ich dies alles leisten würde - aber eben nur einmal.
Seine Furcht mich zu verlieren, half mir auch mein eigenes Gefühl meiner Wertigkeit wieder zu erlangen.

Ganz klar, empfand ich damals auch Wut über seinen gelebten Egoismus. Denn - ja - ich ich hätte es mir ja auch gönnen können - so ein bisschen Abwechslung - und bin doch immer brav und treu geblieben.
Solche Gedanken bringen aber nix.
Mal abgesehen davon, dass ich glaube , dass solche "Abwechslung" i.d.R. extrem teuer bezahlt werden.

Wenn ich heute darüber nachdenke....
Auch wenn ich gerne flirte und andere Männer ohne weiteres auch attraktiv finde, käme eine Affäre niemals in Frage.
All dieses Leid möchte ich in keiner der Rollen je wieder erleben.

Gestern 11:51 • x 2 #37


Löwin45

Löwin45

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Zitat von paulaner:
Naja, das ist so ein Satz, den ich ziemlich zwiespältig betrachte.
Wenn ich das einfach mal umdrehe, also wenn mein Partner mich ständig schlecht behandelt, dann ist er für mein Lebensunglück schon zuständig.
Also ich sehe mich als Partner meiner Frau schon so, dass ich teilweise schon für ihr Lebensglück verantwortlich bin.

Einverstanden!
Ja klar, ist mein Partner in der Lage mich glücklich oder auch unglücklich zu machen. Genauso wie dies umgekehrt in meiner Macht liegt.
Das hatte ich damit nicht gemeint.

Es ist eher so, dass ich mich selbst dazu entschließe, ob ich mit meinem Mann eine Partnerschaft führen möchte und bin somit selbst für meine Entscheidung verantwortlich.
Ob ich dies als Glück empfinde, obliegt mir ganz alleine.
Ich plane mein Leben für mich und stehe zu meinen eigenen Entscheidungen.
Ich lasse zu, was ich zulassen möchte und lehne ab, was ich ablehnen möchte.
Sorry, ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken soll.

Gestern 12:03 • x 1 #38


EM_1966

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Hallo,
ich finde das Thema ungeheuer spannend...klar, auch deshalb weil ich jetzt gut 2 Jahre nach dem Aufdecken des "Zweitlebens" meiner Frau bin.
Ungleichgewicht - spüre es jeden Tag und weiss einfach nicht wie ich es wegbekommen soll. Sie hat gelogen und betrogen, war in ihrer Blase, ich wurde in der Zeit auch verbal erniedrigt...und habe es aber einfach nicht geschnallt was da vor sich geht. Fühle mich dadurch benachteiligt, dass sie den ganzen Hormonrausch hatte, ich nicht. Fühle mich dadurch erniedrigt, dass sie mit ihm tollen S hatte und ich nicht. Leider spüre ich auch nach wie vor nicht, dass da Begehren wieder zurück gekommen ist. Weder bei ihr noch bei mir.
Klar frage ich mich auch, warum ich nicht verzeihen kann bzw. möchte. In unserem Fall sind wohl einfach zu viele Grenzen überschritten worden, die ich hier gar nicht im Detail darlegen möchte. Diese führen eben für mich zu einem Gefühl der Erniedrigung - Ungleichgewicht ist da schon zu schwach formuliert.
Liebe und Begehren als die zwei wichtigen Gefühle - stimme zu, die sollten noch irgendwo vorhanden sein. Oder zumindest nach einer gewissen Zeit wieder zurückkommen. Ist aber irgendwie nicht der Fall.
Für mich war es eine bewusste Entscheidung trotzdem noch in der Beziehung zu verharren - einfach um mich rechtlich auf eine Trennung vorbereiten zu können.
Habe aber trotzdem eine Angst in mir, diese dann auch zu vollziehen. Verlustängste, allein zu sein...ich weiss es nicht genau.
Eine länger andauernde Affäre zu verzeihen halte ich für extrem schwierig. Bei beiden bleibt da natürlich was im Kopf hängen. Auch beim Betrüger: glaube ich wirklich, dass er/sie sich nicht doch manchmal an die schönen, leidenschaftlichen Momente zurück erinnert? Und dann auch vergleicht, wenn auch nur unbewusst ? Ich kann es mir nur schwer vorstellen. Da fängt aber dann das Ungleichgewicht wieder an...als Betrogener dies irgendwo zu unterstellen und sich damit als 2.Wahl zu fühlen. Schon nen ziemlicher Teufelskreis...und ich finde da immer noch nicht raus.
Viel Glück !

Gestern 12:08 • x 3 #39


SirVival

Das Gefühl des Ungleichgewichts kenne aus einer früheren Beziehung.
Ich dachte auch, ich sei irgendwie ins Hintertreffen geraten und war auch irgendwie neidisch auf meine Frau, weil sie ja so etwas tolles erlebt hatte und ich nicht.
Auf der anderen Seite, hatte ich den Anspruch an mich selbst, eben nicht fremdzugehen, weil ich ja Moral und Anstand hatte und mich dadurch als qualitativ höherwertiger Mensch fühlen konnte.
Die Frage war, nutzt mir dieses Gefühl, lindert es den Schmerz? Natürlich nicht, im Gegenteil.
Erst die Nächte im Bett einer anderen Frau, brachten für mich die ersehnte Erlösung. Es tat mir so unendlich gut, ein seelischer Befreiungsschlag ohne gleichen. Schuldgefühle oder ein schlechtes moralisches Gewissen, stellten sich erstaunlicherweise danach nicht ein. So kehrte wieder Frieden in mich selbst und damit in meine Beziehung.

Gestern 12:11 • x 1 #40


Wurstmopped

Wurstmopped

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@EM_1966

Danke für Deinen Beitrag! Diese Erfahrung habe ich so ähnlich gemacht! Es ist sehr schwierig nach einer Affäre wieder in die Beziehung zurückzufinden, so meine Erfahrung. Wie Du es beschreibst, dass die Frau betrogenen hat, hatte einen Grund und der Respekt geht dabei zuerst flöten. Wie will ich aber den Menschen wieder begehren können, vor dem ich den Respekt verloren habe, schwierige Nummer! Und jepp, man fragt sich als betrogener dann natürlich, was ist der wahre Grund dafür das der Betrüger noch bei mir ist? Letzendlich will man begehrt werden so wie die Affäre auch, klar doch, sic mit weniger zufrieden zu geben warum, der ganze Kampf und Aufwand nur um eine gute 1A Wahl zu sein und den Sicherheits und Statusansprüchen des Partners gerecht zu werden?!?
Und wie Du es beschreibst, da kann ich dir nur den Rat geben, gehe den Schritt, trenne Dich! Probiere es aus, wenn Deine Frau dich wirklich will, dann kämpft sie, wenn nicht, dann hast Du eine Chance ein Frau zu finden die dich wieder aus ganzem Herze liebt und begehrt! Klar git es da auch keine Sicherheit, dass sie Dich irgendwann auch mal betrügen könnten, aber deine Antennen sind geschärft und Du kannst jetzt rechtzeitig die Notbremens ziehen!

Gestern 12:25 • x 1 #41


Isely

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Zitat von Löwin45:
Ich glaube, besonders wichtig war mir, dass er erkannte und wertschätzte, dass ich dies alles leisten würde - aber eben nur einmal.
Seine Furcht mich zu verlieren, half mir auch mein eigenes Gefühl meiner Wertigkeit wieder zu erlangen.


Das ist bei uns auch so, mein Mann bedankt sich öfters dafür das ich ihm diese Chance gebe. Auch er hat Angst, sehr grosse Angst mich zu verlieren, manchmal nehm ich das an und manchmal denke ich auch, jetzt hat er Angst, wo war seine Angst damals ?

Ich habe manchmal so für mich das Gefühl ich sei eine Bedürftige, dass ich das Leben weiterhin mit ihm teile, aber so möchte ich natürlich nicht rüber kommen, schon gar nicht bei ihm.
Es ist eben nicht einfach, nach solch einer Geschichte.Im Kopf spielen sich immer die gleichen Abläufe ab, manchmal bin davon regelrecht erschlagen, vorallem an meinen dunklen Tagen.

Gestern 13:05 • #42


fengaraki

fengaraki


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Zitat von KPeter:
Moin fengaraki,
interessantes Thema. Und ich glaube, dass du aus der Denkschleife, in die du dich da manövriert hast, nur alleine raus kommen kannst. Dein Mann ist mittlerweile machtlos. Er kann sich auf den Kopf stellen und dir jeden Wunsch von den Augen ablesen es würde nicht reichen, denn deine Wünsche sind diffus, unrealistisch und entspringen einer Denkweise, die dir und euch als Paar absolut nicht gut tut.

Um dich mal da heraus zu holen, überzeichne ich, provoziere ich. Und ich hoffe, dass du den Kern dessen, was ich sagen will, erkennen kannst und dein Denken dann bestenfalls auch verändern kannst.

Im Mittelpunkt deiner Denke steht aus meiner Sicht (und die kann natürlich falsch sein, dann korrigiere mich bitte) die Tatsache, dass dein Mann SCHULD an all dem ist, was dir fehlt. Er hatte schließlich seinen Spaß und du hast ihm vergeben und gnädig wieder aufgenommen. Das ist der erste Denkfehler. Niemand hat dich gezwungen ihn wieder aufzunehmen. Es war DEINE Entscheidung und ich gehe davon aus, dass du die nicht getroffen hast, um ihm einen Gefallen zu tun, sondern dass du es DEINETWEGEN getan hast. DEIN Lebensplan wäre am Ende gewesen, deine Umgebung weg, alles ein Scherbenhaufen und irgendwie hätte es weiter gehen müssen. Darum hast du dich entschieden, einen Neuanfang mit ihm zu wagen und die Beziehung zu erhalten. Nochmal: Du hast das DEINETWEGEN getan, weil es dir damit besser ging.


Nächster Denkfehler. Er HATTE das. Ist lange her, war kurz und verdammt anstrengend. Er war zerrissen, hat das schließlich beendet und zahlt seitdem an dich zurück. Seit 1,5 Jahren ist er in der Rolle des Täters und du bist das Opfer. Seit eineinhalb Jahren beschäftigt er sich mit seinen Schuldgefühlen und versucht es irgendwie wieder gut zu machen, während du ihm klar machst, dass es so einfach nicht ist. Der Preis, den er zahlt, ist verdammt hoch. Mag sein, dass das angemessen ist, aber wie lange soll er noch zahlen?

Ich sage es mal ganz provokant: Es steht dir doch frei, genau dasselbe zu tun. Dann kriegst du auch mal einen schönen Hormonschub, beendest es, bittest deinen Mann dich zurück zu nehmen und dann zahlst du denselben Preis und versuchst 1-2 Jahre lang, alles wieder gut zu machen. Klingt völlig bescheuert - ist es ja auch aber es kann helfen, solche schrägen Denkversuche mal zu machen und damit mal in die Rolle des anderen zu schlüpfen.


Und hier zeigt sich, wie groß dieser Denkfehler ist. Wie lange ist er denn noch am Zug mit dem Wiedergutmachen? Wann hört das endlich mal auf, wann seid ihr wieder ebenbürtig und auf Augenhöhe? Ich sehe hier immer den unausgesprochenen Satz: Auf die Knie, wenn du was von mir willst! und das ist gruselig. Du bist der Richter, er ist der Angeklagte. Nicht mehr rund um die Uhr, aber immer mal wieder mit kleinen Nadelstichen. Denn er hatte etwas, das du nicht hattest. Dann soll er sich mal lang machen. Du wartest ab, was er sich noch einfallen lässt. Gänsehaut.


nun einfach? Erstens ist das nicht nun, sondern es ist viel Zeit vergangen. Zweitens ist das schon gar nicht einfach.


Nein. Die Zeit heilt da gar nichts. Das müsst ihr schon selber hinkriegen, vor allem aber du bist jetzt an der Reihe. Habt ihr denn beim Neuanfang professionelle Hilfe dazu geholt, um die Verletzungspakete mal auf den Tisch zu legen und nach Möglichkeiten zu fragen, wie man die heilen kann?


Gesagt? Oder hast du es auch schon versucht? Dein Wunsch und dein Anliegen ist völlig in Ordnung, aber es geht dabei um euch als PAAR. Ihr habt zur Zeit ein GEMEINSAMES Problem, es ist nicht sein Problem. Nicht ER kann das lösen, sondern nur ihr als Paar könnte das lösen.

Dafür noch mal an den Anfang zurück: Es war DEIN Wunsch und Wille, dass die Ehe fortgesetzt wird und ihr miteinander einen Neuanfang wagt. Niemand hat dich dazu gezwungen und die Nachteile, die du bei einer Trennung gehabt hättest, wären groß gewesen (vermute ich zumindest). Wenn sie nicht groß sind, kannst du immer noch gehen. Es steht dir frei, du bist frei. Er ist frei. Ihr seid freiwillig zusammen. Und weil das so ist, habt ihr auch beide die Aufgabe, daraus das denkbar Beste zu machen. Aber bitte ebenbürtig und auf Augenhöhe, gleich berechtigt und nicht einer auf den Knien während der andere sagt: Das reicht nicht!

Ich hoffe, du kannst trotz der krassen Überzeichnung verstehen, was ich sagen will. Ich hoffe ebenso, dass du erkennen kannst, wo der wahre Kern darin steckt und dass du selber eine ganze Menge an deiner Gedankenwelt verändern kannst, damit es für euch als Paar wieder besser und ausgeglichener wird.

Euer Problem ist nicht neu, es ist nicht einzigartig, es tritt täglich auf und wird täglich gelöst. Und damit es auch bei euch gelöst werden kann, braucht es nicht noch mehr Jahre, sondern das kann morgen beginnen. Alles Gute wünsche ich euch!


Vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Es ist gut, auch andere Meinungen zu hören, denn oft verhaart man in einem engen Tunnelblick.

Mein Mann wäre gar nicht Schuld daran, was mir fehlt. Es hat mir ja nichts gefehlt in dem Sinne. Ihm hat ja etwas gefehlt. Nun ist allerdings etwas hinzu gekommen, was man vielleicht als Neid, Misgunst etc. bezeichnen kann. So nach dem Motto wie paulaner scjon schrieb, er hat sich einfach was rausgenommen, aber ich sollte mich doch bitte an die vorgegebenen Regeln halten. Das ist unfair. Er erwartet zwar micht mehr, dass ich mich an diese Regel halten muss, aber gefallen tut ihm das ganz und gar nicht.

Ja, es war meine freie Entscheidung, ihn zu behalten, aber ich sage dir auch warum. Erstens hängt ein immenser Rattenschwanz an einer Trennung mit Immobilie und Kind. Da geht es plötzlich um noch einen Menschen, der gar nix dafür kann. Und zweitens will ich mir nicht sagen lassen, ich hätte es nicht wenigstens versucht. Da gesteht man sich ja noch mehr Schwäche ein. Ich bin auch kein Mensch, der Problemen aus dem Weg geht. Das kann eher der EM.

Paartherapie haben wir zwei Stellen aufgesucht. Die erste war ein Psychologe der sofort meinen Mann bzgl. S. allein behandeln wollte (da war ich völlig überflüssig). Nein danke. Und von der Caritas war die gute Frau zwar sehr nett, aber sie meinte, wir hätten schon sehr viel reflektiert, geredet und aufgearbeitet, wir würden das auch gut ohne sie schaffen. Das haben wir allerdings auch wirklich gut bis dato geschafft, war zwar anfangs natürlich hoch emotional, aber ich denke das ist normal. Mein Mann rennt auch nicht davor weg, auch wenn's unangenehm wird.

Von der Ratio klingt es einfach, aus der Opferrolle hervorschlüpfen zu müssen, doch emotional ist das ein zäher Weg denke ich. Taten sind auf jeden Fall wichtig. Macht er ja auch, und ehrlich gesagt, einen so langen Atem hätte ich ihm nicht zugetraut. Er, der immer nur das macht, was Spass macht, und alles, was anstrendend ist, wird auf andere abgewälzt oder erst gar nicht angepackt. Vielleicht ist der Ursprung von Sohnemanns Autismus mit ADS-Zügen daher begründet. Er sollte sich auch mal testen lassen.

Gestern 13:14 • x 1 #43


paulaner

paulaner

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Zitat von EM_1966:
Fühle mich dadurch erniedrigt, dass sie mit ihm tollen S hatte und ich nicht.

Das wolltest du aber doch nicht wirklich, oder?
Sorry. Kurzer Spass am Rande

Gestern 13:15 • x 1 #44


fengaraki

fengaraki


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Zitat von Wurstmopped:
Und jepp, man fragt sich als betrogener dann natürlich, was ist der wahre Grund dafür das der Betrüger noch bei mir ist? Letzendlich will man begehrt werden so wie die Affäre auch, klar doch, sic mit weniger zufrieden zu geben warum, der ganze Kampf und Aufwand nur um eine gute 1A Wahl zu sein und den Sicherheits und Statusansprüchen des Partners gerecht zu werden?!?


Das erinnert mich an das, was ich als erstes nach dem Auffliegen der Affäre gedacht habe. Ich kam mir vor, wie an der Weggabelung abgestellt zu sein, er ist den falschen Weg gegangen mit allen Vergnügen, und als es in die Hose ging, hat er mich an der Weggabelung wieder aufgepickt. Das Gefühl der 2. Wahl und Notgroschen war sehr groß. Jetzt plötzlich will man mich wieder?!? Jetzt soll ich wieder begehrenswert sein, wo man mir vorher noch diverse Klopper an den Kopf werfen konnte und bei der AF Süßholz raspeln konnte?!?
Nein, das wünscht man sich als Betrogener auf keinen Fall.

Gestern 13:47 • x 1 #45




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