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Ungleichgewicht Beziehung nach Affäre

Wurstmopped

Wurstmopped

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Zitat von fengaraki:

Das erinnert mich an das, was ich als erstes nach dem Auffliegen der Affäre gedacht habe. Ich kam mir vor, wie an der Weggabelung abgestellt zu sein, er ist den falschen Weg gegangen mit allen Vergnügen, und als es in die Hose ging, hat er mich an der Weggabelung wieder aufgepickt. Das Gefühl der 2. Wahl und Notgroschen war sehr groß. Jetzt plötzlich will man mich wieder?!? Jetzt soll ich wieder begehrenswert sein, wo man mir vorher noch diverse Klopper an den Kopf werfen konnte und bei der AF Süßholz raspeln konnte?!?
Nein, das wünscht man sich als Betrogener auf keinen Fall.


Und wie hast Du das für Dich aufgelöst? oder einfach die Zeit für dich arbeiten lassen`?

Gestern 13:50 • #46


Knusperkatze

Knusperkatze

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Zitat von fengaraki:

Das erinnert mich an das, was ich als erstes nach dem Auffliegen der Affäre gedacht habe. Ich kam mir vor, wie an der Weggabelung abgestellt zu sein, er ist den falschen Weg gegangen mit allen Vergnügen, und als es in die Hose ging, hat er mich an der Weggabelung wieder aufgepickt. Das Gefühl der 2. Wahl und Notgroschen war sehr groß. Jetzt plötzlich will man mich wieder?!? Jetzt soll ich wieder begehrenswert sein, wo man mir vorher noch diverse Klopper an den Kopf werfen konnte und bei der AF Süßholz raspeln konnte?!?
Nein, das wünscht man sich als Betrogener auf keinen Fall.


Danke für den Vergleich. Das trifft irgendwie den Nagel auf den Kopf, genauso fühle ich mich auch sehr oft. Ein ziemlich heftiger Trigger.

Gestern 13:59 • #47


Jeanny1307

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@fengaraki Bei uns ist es etwas über zwei Jahre her, dass die Affäre meines Mannes ans Licht kam. Ich kann so gut nachvollziehen, wie es dir geht, weil ich im Moment in derselben Gedankenschleife hänge. Ich empfinde es auch als sehr ungerecht, dass er sich "das herausgenommen hat" und bin irgendwie auch neidisch, weil ich jetzt "brav" sein soll, um der Ehe noch eine Chance zu geben. Das ärgert mich irgendwie.

Ich habe immer noch viele Zweifel, viele Fragen. Ich will unbedingt "seinen Film sehen", alles verstehen und für mich erklären können. Was lief davor mir ab, was für ein Leben lebte er eigentlich in der Zeit? Ich brauchte sichtbare, unwiderlegbare Beweise für mich, warum er überhaupt noch hier ist. Aber die kann es einfach nicht geben. Anders als bei dir hatten wir kein Haus, keine Kredite, keine Kinder usw, sondern hätten ganz leicht eine Trennung durchziehen können. Das hilft mir an schweren Tagen, die immer wieder regelmäßig kommen. Aber ich komme auch nicht aus diesem Auf und Ab heraus.

Gestern 14:13 • #48


paulaner

paulaner

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Zitat von fengaraki:
Das erinnert mich an das, was ich als erstes nach dem Auffliegen der Affäre gedacht habe. Ich kam mir vor, wie an der Weggabelung abgestellt zu sein, er ist den falschen Weg gegangen mit allen Vergnügen, und als es in die Hose ging, hat er mich an der Weggabelung wieder aufgepickt. Das Gefühl der 2. Wahl und Notgroschen war sehr groß. Jetzt plötzlich will man mich wieder?!? Jetzt soll ich wieder begehrenswert sein, wo man mir vorher noch diverse Klopper an den Kopf werfen konnte und bei der AF Süßholz raspeln konnte?!?
Nein, das wünscht man sich als Betrogener auf keinen Fall.

Danke für diese Beschreibung. Das trifft es sehr gut.
Das ist genau das Gefühl, was ich meiner Frau immer versuche zu erklären. Ich sage dazu halt "Warmhalten".

Gestern 14:15 • x 2 #49


Wurstmopped

Wurstmopped

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Zitat von paulaner:
Danke für diese Beschreibung. Das trifft es sehr gut.
Das ist genau das Gefühl, was ich meiner Frau immer versuche zu erklären. Ich sage dazu halt "Warmhalten".

Jepp, da hilft es auch nicht wenn der Partner es 1001 mal versichert, Nein du warst, bist nie Wahl 1a gewesen....die Taten sagen halt was anderes. Und wenn der Partner dann nicht überzeugt und einen nicht das Gefühl gibt, man ist begehrt, dann ist die Beziehung eigentlich eine Qual....auf Dauer ...nur wie lange wartet man dann och und hofft das der Partner wieder begehren spürt und es auch in Taten umsetzt? Und hey, man kann dem Partner ja auch nicht böse sein, es ist ja kein nicht wollen, es ist ein nicht können! Und das macht so traurig und letztendlich muss man dann gehen!

Gestern 14:23 • x 2 #50


fengaraki

fengaraki


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Zitat von Wurstmopped:

Und wie hast Du das für Dich aufgelöst? oder einfach die Zeit für dich arbeiten lassen`?


Gänzlich aufgelöst hat sich dieses Gefühl noch nicht. Es gibt immer mal wieder Tage, da kocht das hoch. Aber bei weitem nicht mehr so, wie am Anfang. Ich denke, die Reue und die Taten schwächen das Ganze immens ab.

Gestern 14:24 • x 1 #51


paulaner

paulaner

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Zitat von Wurstmopped:
Jepp, da hilft es auch nicht wenn der PArtner 1001 mal versichert, Nein du warst, bist nie Wahl 1a gewesen....die Taten sagen halt was anderes.

Noch besser ist "Ich habe dich immer geliebt" ;-)

Gestern 14:26 • x 1 #52


Wurstmopped

Wurstmopped

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Zitat von paulaner:
Noch besser ist "Ich habe dich immer geliebt" ;-)

Wie auch immer, spannend ist ja das hier und jetzt und da will man das Gefühl haben begehrt zu sein und da macht der Partner große Augen und bittet um Verständnis....

Gestern 14:28 • #53


KPeter

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@löwin
>>Übrigens, ich habe es bis heute nicht bereut, und es ist schon einige Zeit her.<<
Ein sehr wichtiger Satz. Denn das habe ich in Begleitungen immer wieder erlebt. Wer es überwunden hat, bereut es nicht, sondern erlebt oft genau das:

Zitat:
>>Die Aufarbeitung einer Affäre war ein sehr schwieriger und schmerzhafter Prozess. Wir sind beide oft an unsere Grenzen gekommen. Aber, letztendlich haben wir uns selbst und uns gegenseitig in einer Tiefe kennengelernt, die uns beiden vorher nicht bewusst war.<<

Das ist ja das, was in meinen Augen den "Neuanfang" ausmacht. Man fängt etwas Neues miteinander an, es ist ein gemeinsames Projekt, bei dem man sich im Klaren ist, dass es scheitern kann. Aber wenn man es zulässt, neue Seiten von sich für den anderen sichtbar und fühlbar zu machen, dann wird die emotionale Nähe größer als sie es vorher war. Und das ist letztlich der Hauptbestandteil der Liebe.

Zitat:
>>Eine Affäre zu verzeihen und es erneut zu versuchen, ist eine Entscheidung die der Betrogene auch für sich selbst trifft - mit allen Konsequenzen.
Wenn ich mich dazu entschließe meinen Lebensweg weiterhin gemeinsam mit meinem Mann zu gehen, dann treffe ich diese Entscheidung vorrangig ja auch für mich.<<

Mehr noch: Ich treffe diese Entscheidung IN ERSTER LINIE für mich. Es besteht kein Anlass, dem Partner, der fremd gegangen ist, der mich belogen und betrogen hat, einen Gefallen zu tun. ICH will es probieren, ICH will herausfinden, ob der Mensch, der so lange der wichtigste für mich war, wieder eine wichtige Rolle einnehmen kann. Die ist zwar völlig anders als vorher, aber nicht weniger wichtig. ICH will nicht alleine sein und ICH will meinen Lebensplan nicht leichtfertig aufgeben.

>>Verzeihen ist nicht nur ein mildtätiger Akt sondern beruht in erster Linie auf eigenem Interesse.
Wenn ich nicht verzeihe, dann trage ich Groll in mir, und das vergällt mein weiteres Leben.
Aber wirkliches Verzeihen ist auch schwer. Denn es verlangt auch einiges an Disziplin und Umdenken. Es geht eben nicht um Verdrängen, das so oft stattdessen praktiziert wird.
Wenn ich einem Menschen wirklich verzeihen möchte, dann kann ich diesen nicht bei jedem Streit wieder und immer wieder auf die Anklagebank setzen.<<
Das hast du wunderbar formuliert, Löwin. Hier haben wir das ganze Paket auf dem Tisch. Dazu gehört vieles, das oft nicht bedacht wird. Es gehört dazu, dass derjenige, der ausgebrochen ist, um Verzeihung bittet. Und diese Bitte um Verzeihung darf nicht von "aber, du hast ja auch" oder anderen Einschränkungen flankiert sein. Wer um Verzeihung bittet, muss das aufrichtig, ohne Einschränkung und von ganzem Herzen tun. Und dann es gehört dazu, dass man sich eine angemessene Frist nimmt. Und wenn man nach dieser Frist beschließt, dem anderen die Verzeihung zu gewähren, ist man nicht auf Augenhöhe, sondern deutlich darüber. Dann ist es ausgesprochen und innerhalb weniger Stunden wird diese Augenhöhe wieder hergestellt. Dazu braucht es sehr viel Aufmerksamkeit auf beiden Seiten und dazu gehört auch oft etwas, das man "Wiedergutmachung" nennt und das man deutlich aushandeln kann. Es gehören im Fall einer Affäre auch klare Bedingungen dazu, damit die Affäre nicht wieder ausbrechen kann.

Aber danach ist Ebenbürtigkeit angesagt. Schon ein leichtfertig ausgesprochener Satz: "Ja klar, du gehst zu deinem Freund, hast du mir damals auch immer erzählt" kann alles wieder zerstören, denn er zwingt den Partner zu Dauerrechtfertigung.

>>Wichtig wären Gespräche auf Augenhöhe. Ich wollte weder in die Rolle des Opfers noch in die Rolle des Richters. Denn beides hätte mir nicht gut getan. Das eigene Wohl dabei im Blick zu behalten, ist aber wichtig.<<
Du scheinst alles richtig gemacht zu haben. Mein Respekt dafür.

Gestern 15:02 • x 4 #54


Isely

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Zitat von Wurstmopped:
Jepp, da hilft es auch nicht wenn der Partner es 1001 mal versichert, Nein du warst, bist nie Wahl 1a gewesen....die Taten sagen halt was anderes. Und wenn der Partner dann nicht überzeugt und einen nicht das Gefühl gibt, man ist begehrt, dann ist die Beziehung eigentlich eine Qual....auf Dauer ...nur wie lange wartet man dann och und hofft das der Partner wieder begehren spürt und es auch in Taten umsetzt? Und hey, man kann dem Partner ja auch nicht böse sein, es ist ja kein nicht wollen, es ist ein nicht können! Und das macht so traurig und letztendlich muss man dann gehen!


Also ich habe das hier noch nie geäussert, aber ich hatte auch mal 2 Affären in meiner ersten Ehe, mein damaliger Mann war 16 Jahre älter und die Beziehung nicht wirklich gut, da er sehr dominant war und eher unterkühlt was Gefühle anging. Das 1. mal hatte ich mich verliebt und wäre eigentlich gern auf und davon, leider sah das mein AF Mann (Single) gar nicht so wie ich. Abserviert wie man so schön sagt.
Mein Mann wusste nichts von meinem 4 Wochen Geplänkel, so kam ich gut aus der Sache raus.
Ich habe mich wieder in meine Ehe gefügt und versucht einiges zum positiven bei uns zu ändern, funktionierte nicht und meine Gefühle für ihn waren seit der Affäre noch mehr abgeflaut. Ich habe ihm keine Liebesschwüre oder ähnliches erbracht, es fühlte sich unehrlich an.

Nach bereits einem weiteren Jahr lernte ich meinen jetzigen Mann kennen, das war quasi Liebe auf den ersten Blick, nach 3 Wochen bin ich ausgezogen, in eine eigene Wohnung, selbst wenn er versucht hätte zu kämpfen, ich wäre nicht geblieben, ich war schon lange vorher weg.
Wir hatten keine Kinder, nur ein gemeinsames Haus, finanziell hatte ich mich dadurch stark verschlechtert, ich verdiente damals nicht besonders gut. Mein jetziger Mann auch nicht, er hatte gerade eine Scheidung hinter sich und für 2 Kinder zu zahlen, seine Ex ist wiederum mit einem anderen abgehauen, kurioserweise ein Freund von ihm. ( Ja ja,, genau er macht 14 Jahre das gleiche, mit meiner Freundin) Meine gerechte Strafe, vielleicht.
Wir haben uns alles gemeinsam aufgebaut, mit wenig Geld unsere Liebe gelebt.
Was ich sagen will ist, wenn es der richtige/ die richtige ist, dann fragst du nicht nach dem Status, ich jedenfalls nicht, schon gar nicht wenn du weisst die Beziehung ist kaputt und du liebst den anderen schon lange nicht mehr.
Nach dem auffliegen und dem bekennen, er möchte bei mir bleiben, es war nur ein Strohfeuer und er wäre durch das auffliegen nur noch in Panik geraten, dass ich ihn rausschmeisse, obwohl die andere ja schon gewartet hat, mit toller Wohnung und sehr guten Einkommen, hatte ich auch die ersten 2 Tage Angst, er könne mir nur was vor machen. Aber so war es nicht, es war eigentlich dann und das bis heute, wie damals als wir uns erst einige Monate kannten, Tendenz zu frisch verliebt.
Ich fühle schon das er mich begehrt, fast täglich, er lacht mehr, ist oft einfach selig und entspannt wenn wir Arm in Arm TV sehen, er hilft mir im Haushalt mehr mit, kümmert sich um mich und um uns.
Die Nähe ist einfach wieder da, man freut sich aufeinander.
Aber wie gesagt, dass gilt für mich an meinen Guten Tagen. Kommt wieder ein schlechter Tag, sowie gestern, findet das nicht so statt. Was ich sehr bedauere , aber da liegt es an mir.

Gestern 15:20 • x 3 #55


KPeter

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@fengaraki
>>Vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Es ist gut, auch andere Meinungen zu hören, denn oft verharrt man in einem engen Tunnelblick.<<
Darum halte ich ja auch eine professionelle Begleitung in den ersten Wochen für wichtig. Es tut mir sehr leid, dass ihr gleich zweimal Pech mit dem Berater hattet. Leider geschieht das immer mal wieder und das macht mich dann wütend. Denn die Bereitschaft das zu tun, hält nicht ewig. Das Zeitfenster ist klein.

>>Mein Mann wäre gar nicht Schuld daran, was mir fehlt. Es hat mir ja nichts gefehlt in dem Sinne. Ihm hat ja etwas gefehlt. Nun ist allerdings etwas hinzu gekommen, was man vielleicht als Neid, Misgunst etc. bezeichnen kann. So nach dem Motto wie paulaner scjon schrieb, er hat sich einfach was rausgenommen, aber ich sollte mich doch bitte an die vorgegebenen Regeln halten. Das ist unfair. Er erwartet zwar micht mehr, dass ich mich an diese Regel halten muss, aber gefallen tut ihm das ganz und gar nicht.<<
Das muss ihm ja auch nicht gefallen. Ihr beide zahlt hohe Preise für das, was ihr erreicht habt und noch erreichen wollt. Und tatsächlich gehört es zu den ersten Verhandlungen beim Neuanfang, Dinge auszuschließen und Dinge nicht auszuschließen. Auszuschließen ist meistens, dass der Fremdgänger seine AF weiterhin treffen kann. Während die Betrogene sagen kann: Ich kann nicht ausschließen, dass auch ich mal ausprobieren möchte, wie es sich anfühlt, einen anderen Mann kennen zu lernen. Ich will das nicht, aber ich schließe es nicht aus! und dann kann der Fremdgänger sagen, was er davon hält. Auch das kann zur Erlangung einer neuen Ebenbürtigkeit dazu gehören.

Die wenigsten werden es dann auch tun und das Drama beginnt ja letztlich dann von vorn. Aber gerade in den Tagen vor dem Neuanfang gibt es keine Tabus in den Gesprächen. Wut, Vorhaltungen, Schreien und Weinen gehört oft dazu. Und trotzdem sind es oft die besten Gespräche der gesamten Beziehung. Man hat nichts mehr zu verlieren, aber noch vieles zu gewinnen

>>Ja, es war meine freie Entscheidung, ihn zu behalten, aber ich sage dir auch warum. Erstens hängt ein immenser Rattenschwanz an einer Trennung mit Immobilie und Kind. Da geht es plötzlich um noch einen Menschen, der gar nix dafür kann. Und zweitens will ich mir nicht sagen lassen, ich hätte es nicht wenigstens versucht. Da gesteht man sich ja noch mehr Schwäche ein.<<
Ist das eine Frage von Stärke oder Schwäche? Ich weiß es nicht. Ist es schwach zu gehen, wenn man betrogen wurde? Ich denke nicht. Man darf das, man hat die freie Entscheidung, auch wenn die Konsequenzen schlimm sind, gerade für Kinder.
Aber auf der anderen Seite gebe ich dir Recht, dass es ein Zeichen von Stärke ist, das als Herausforderung anzunehmen und zu bewältigen. Das Gefühl alles in den eigenen Kräften Stehende getan zu haben ist durch nichts zu ersetzen. Es begleitet einen durch das ganze Leben.

>>Paartherapie haben wir zwei Stellen aufgesucht. Die erste war ein Psychologe der sofort meinen Mann bzgl. S. allein behandeln wollte (da war ich völlig überflüssig). Nein danke. Und von der Caritas war die gute Frau zwar sehr nett, aber sie meinte, wir hätten schon sehr viel reflektiert, geredet und aufgearbeitet, wir würden das auch gut ohne sie schaffen.<<
Ja, die Mitarbeiter der kirchlichen Beratungsstellen sind hoffnungslos überfordert und arbeiten oft am Limit. Das ist traurig, aber man hat ja die Möglichkeit, auf eigene Kosten einen fähigen und erfahrenen Therapeuten/Paarberater aufzusuchen. Da wird oft am falschen Ende gespart. Denn eine Scheidung kostet ein Vielfaches von einer guten Paarberatung oder einem Coaching. Für den tausender, den man dafür vielleicht ausgibt, kriegt man gerade ein Paar gute Reifen auf Alufelgen um mal einen banalen Vergleich zu ziehen. Für den Betrag lächeln die Scheidungsanwälte einmal freundlich und setzen den Streitwert hoch.

>>Das haben wir allerdings auch wirklich gut bis dato geschafft, war zwar anfangs natürlich hoch emotional, aber ich denke das ist normal. Mein Mann rennt auch nicht davor weg, auch wenn's unangenehm wird.<<
Sehr gut. Er kann auch nicht davor weglaufen, denn es ist ja ein GEMEINSAMES Projekt.

>>Von der Ratio klingt es einfach, aus der Opferrolle hervorschlüpfen zu müssen, doch emotional ist das ein zäher Weg denke ich. Taten sind auf jeden Fall wichtig. Macht er ja auch, und ehrlich gesagt, einen so langen Atem hätte ich ihm nicht zugetraut.<<
Nein, das ist nicht einfach, aber es ist Voraussetzung. Sieh es bitte als Herausforderung, wieder absolut auf Augenhöhe mit ihm zu kommen. Habt ihr wie ich es eben im Beitrag an die Löwin geschrieben habe, das Ritual der Vergebung durchgestanden? Ich halte es für sehr wichtig, dass der Betrüger um Vergebung bittet und zwar ohne Wenn und Aber und dass nach einer Bedenkzeit der Betrogene diese Vergebung auch gewährt. Dann aber ebenfalls ohne Wenn und Aber. Und danach wird alles, was an Problemen auftaucht nicht mehr zwischen Täter und Opfer aufgeteilt, sondern als GEMEINSAME HERAUSFORDERUNG angesehen.

Da kann es auch zu der Situation kommen, dass es dir schlecht geht mit deinen Gefühlen. Und dann kannst du ihn fragen: Was soll ich tun, damit ich diese Gefühle wieder loswerde? Hilfst du mir dabei? Du spürst den Unterschied? Nicht: Du hast ja damals auch. Also mach jetzt mal was! Sondern gemeinsam nach Lösungen suchen und den (ehemaligen) Betrüger einbinden und in die Verantwortung nehmen.

Statt des überstrapazierten Begriffes der SCHULD geht es also dann um VERANTWORTUNG. Und die muss er natürlich übernehmen. Aber halt nicht alleine.

Gestern 15:37 • x 6 #56


paulaner

paulaner

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Zitat von KPeter:
Ist das eine Frage von Stärke oder Schwäche? Ich weiß es nicht. Ist es schwach zu gehen, wenn man betrogen wurde? Ich denke nicht. Man darf das, man hat die freie Entscheidung

Auch ein interessanter Aspekt finde ich.
Meine Frau sagte damals, dass sie meine "lockere" Reaktion, also, dass ich ihr das sehr schnell verziehen habe, als sehr stark empfunden hat.
Warum ich das gemacht habe, war aber absolut aus einer Position der Schwäche heraus: Ich wollte sie schlichtweg nicht verlieren.
Wieder mal der gleiche Sachverhalt, aber mit zwei vollkommen unterschiedlichen Blickwinkeln.

Gestern 16:00 • x 2 #57


Wurstmopped

Wurstmopped

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Zitat von paulaner:
Auch ein interessanter Aspekt finde ich.
Meine Frau sagte damals, dass sie meine "lockere" Reaktion, also, dass ich ihr das sehr schnell verziehen habe, als sehr stark empfunden hat.
Warum ich das gemacht habe, war aber absolut aus einer Position der Schwäche heraus: Ich wollte sie schlichtweg nicht verlieren.
Wieder mal der gleiche Sachverhalt, aber mit zwei vollkommen unterschiedlichen Blickwinkeln.


....wie siehst du das im Nachhinein, schätz Du es ein, hat es der Beziehung und Dir eher geschadet, so schnell die Versöhnung auszurufen? Zu gehen ist einfach, mit einem Ziel die Beziehung zu verlassen um sie ggf. noch zu retten wiederum sehr überlegt, obwohl es von außen wie ein Schnellschuss aussieht.

Gestern 17:10 • #58


EM_1966

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Zitat von Wurstmopped:
nur wie lange wartet man dann och und hofft das der Partner wieder begehren spürt und es auch in Taten umsetzt? Und hey, man kann dem Partner ja auch nicht böse sein, es ist ja kein nicht wollen, es ist ein nicht können! Und das macht so traurig und letztendlich muss man dann gehen!

Auch ne gute Frage finde ich nachdem wie lange mann/frau nach einem Betrug eigentlich warten sollte bis das Begehren wieder kommt. Bei uns war es, dass es eine relativ kurze Phase des Begehrens gab (hab ich so auch schon häufiger hier bei anderen gelesen)...sind dann aber wieder in alten Trott gefallen...wir sprechen darüber und meine EF sagt dann, dass sie das gemeinsame kuscheln so sehr mag. Und das ist ja auch schön. Aber: nur kuscheln reicht mir eben nicht und ich will den S nicht einfordern müssen. Zumal ich ja aus den Chats weiss, dass sie mit ihm auch ganz anders unterwegs war.
Ich habe so oft gefragt, mal andere Dinge auszuprobieren und Vorschläge gemacht. Ich höre immer nur, dass es für sie momentan nicht so wichtig sei und sie halt gerne mit mir "kuschelt"...es kommen keine Vorschläge von ihr und auch keine Initiative für mehr...So sieht Begehren aber nicht aus...glaube ich mich zu erinnern :). Tief drinnen hab ich dann auch die Erwartung, dass sie sich eigentlich um mich bemühen sollte und mir quasi jeden Wunsch von den Lippen abliest - und nicht umgekehrt.
Mich macht es schon verdammt traurig zu sehen, wie eine Beziehung sich über Jahre so falsch entwickeln konnte - klar, auch mit meinem Zutun. Ich kann mir echt nicht vorstellen, wie andere -nach längerer Affäre des Partners- wieder eine ehrliche und aufrichtige Beziehung hinkriegen. Frage mich dann immer, wie ehrlich es dann wirklich ist - oder warten beide nur ab bis z.B. die kids aus dem Haus sind...?

Gestern 17:22 • x 1 #59


Wurstmopped

Wurstmopped

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Zitat von EM_1966:
Auch ne gute Frage finde ich nachdem wie lange mann/frau nach einem Betrug eigentlich warten sollte bis das Begehren wieder kommt. Bei uns war es, dass es eine relativ kurze Phase des Begehrens gab (hab ich so auch schon häufiger hier bei anderen gelesen)...sind dann aber wieder in alten Trott gefallen...wir sprechen darüber und meine EF sagt dann, dass sie das gemeinsame kuscheln so sehr mag. Und das ist ja auch schön. Aber: nur kuscheln reicht mir eben nicht und ich will den S nicht einfordern müssen. Zumal ich ja aus den Chats weiss, dass sie mit ihm auch ganz anders unterwegs war.
Ich habe so oft gefragt, mal andere Dinge auszuprobieren und Vorschläge gemacht. Ich höre immer nur, dass es für sie momentan nicht so wichtig sei und sie halt gerne mit mir "kuschelt"...es kommen keine Vorschläge von ihr und auch keine Initiative für mehr...So sieht Begehren aber nicht aus...glaube ich mich zu erinnern :). Tief drinnen hab ich dann auch die Erwartung, dass sie sich eigentlich um mich bemühen sollte und mir quasi jeden Wunsch von den Lippen abliest - und nicht umgekehrt.
Mich macht es schon verdammt traurig zu sehen, wie eine Beziehung sich über Jahre so falsch entwickeln konnte - klar, auch mit meinem Zutun. Ich kann mir echt nicht vorstellen, wie andere -nach längerer Affäre des Partners- wieder eine ehrliche und aufrichtige Beziehung hinkriegen. Frage mich dann immer, wie ehrlich es dann wirklich ist - oder warten beide nur ab bis z.B. die kids aus dem Haus sind...?


...das ähnelt alles sehr meiner Erfahrung, das was ich erlebt habe! Ich habe mich dann immer gefragt, hey verlange ich zu viel, Erwartungshaltung zu groß, soll ich einfach nur abwarten und ihr Zeit lassen? Den Vorwurf, dass sie in der Affäre ggf. ganz anders unterwegs war, habe ich ihr nie gemacht!
Sie hat sich dann auf eine Position zurückgezogen, das sie so ist wie sie ist und emotionale Nähe eben nicht mitS.und begehren verknüpft. Und das muss man dann respektieren und letztendlich auch akzeptieren!
Aber genau so wie sie ist wie sie ist, kann ich ja auch nicht aus meiner Haut heraus und wenn elementare Bedürfnisse nicht befriedigt werden, dann muss man auch die Verantwortung für sein Leben übernehmen und handeln.

Gestern 17:44 • x 1 #60




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