Zitat von Flower1:Hast du schon mal mit einem gesprochen und ich meine damit keinen, der danach seine Frau verlässt, sondern einer der es bereut?
Ich muss dazu jetzt auch noch was sagen. Vermutlich passt es Dir nicht, aber genau was Du da oben wissen willst, kenne ich selbst aus eigener Erfahrung.
Mein Ex wollte mich damals nicht verlassen. Er hat auch bereut, gewinselt und versprochen. Er hat allerdings nie die Affäre degradiert, im Sinne von "Ich weiß nicht mehr, was ich an ihr fand.". Er hat es beendet, als er (O-TOn) sich selbst nicht mehr im Spiegel angucken konnte. Daraufhin hat es mir jemand anonym gesteckt. Ich vermute sie, aber ich kann es nicht mit Sicherheit sagen. Sie hat mir dann ebenfalls übel mitgespielt, mich belästigt wann auch immer sie konnte. Auch ich fühlte mich, als würde sie weiter auf mich eintreten, obwohl ich schon am Boden lag. Ich habe sie ignoriert. Ich zuhause verletzt, enttäuscht und wütend. Er total fixiert auf mich und schien bereit alles zu tun, dass ich ihn nicht rausschmeiße. Er schien auch zu leiden. (Ich schreibe "schien", weil ich ihm das glaubte, aber ja nicht in ihn reingucken kann.)
Wir haben dann auch das volle Programm durchgezogen, mit Paartherapie anfänglich. Also ich kann da durchaus mitreden.
Heute sind wir geschieden, glücklich, ich zumindest. Warum?
Er wollte auch "gesehen" werden, vermisste Leidenschaft. Ich reflektierte mich und fand raus, dass er schon nicht unrecht hatte. Wir versanken im Alltag, ich war nicht in meiner Bestform, war oft genervt, mit mir selbst nicht im Reinen und wir redeten zu wenig darüber (auch wenn ich es manchmal versuchte), hatten zu selten Paarzeit. Das war dann erst mal wieder ganz anders. Er bemühte sich sehr. Die Aufmerksamkeit und Leidenschaft war wieder da (Heute vermute ich dahinter übrigens beidseitige Verlustangst.).
Trotzdem versuchte er sich durch das ganze irgendwie durchzumanövrieren. Rumzueiern, abzuwiegeln, Dinge ignorieren und verschweigen (z.B. Kontaktaufnahmen ihrerseits). Er heulte dann immer und sagte, er schäme sich dafür, was er getan hätte und wie es mir jetzt ginge. Und ich hatte tatsächlich ebenfalls Mitleid. Weil er doch normal so ein guter Kerl ist (ist er wirklich) und familiär auch ein Päckchen zu tragen hatte (hat er wirklich).
Nach einer Weile merkte ich, dass ich die einzige war, die gewillt war wirklich was zu ändern. Er hat nach einiger Zeit, als ich über dem Berg schien und er wieder mehr Sicherheit hatte, einfach wie gewohnt weitergemacht. Er schien nichts falsch gemacht zu haben. Dabei ist Aufmerksamkeit und Leidenschaft keine Einbahnstraße. Mir fiel dann irgendwann auf, dass ich vielleicht vorher zu wenig für uns als Paar tat, aber ich ja auch "gepflegt" werden musste. Das geht nämlich Hand in Hand. Und Einseitigkeiten funktionieren nicht. Mir hat auch was gefehlt, nämlich in gleichem Maße seine Aufmerksamkeit und seine Leidenschaft. Die gab es dann bis zur Besserung der Lage, nicht auf Dauer. Letztendlich hat es dazu geführt, dass mir klar wurde, dass er nicht litt, weil er mir weh getan hat. Er litt unter den Konsequenzen, weil die Affäre aufflog. Er hätte sie nicht gebeichtet. Er litt darunter, dass sein gewohntes Leben sich ändern könnte. Ich war Teil des Pakets, aber nicht an der Stelle, die ich für mich beanspruche.
Das muss nicht immer so laufen. Und ich wünsche mir, dass es bei euch funktioniert. Es gibt hierzu positive Beispiele auch hier im Forum. Ich bin niemand, der denkt, dass Menschen nicht aus Fehlern lernen können.
Die meisten wollen Dir nur vermitteln, dass Du die Motive dahinter nicht sofort erkennen könntest. Du wirkst total verbittert. Du redest von "armselig" und "erbärmlich" über die AF. Das mag sein, aber er war es auch. Und mit ihm willst Du zusammenleben. Die AF ist irgendwann aus Deinem Leben raus. Es spielt keine Rolle, wie sie ist und warum sie was getan hat. Du musst keinen Kaffee mit ihr trinken. Mit ihm allerdings schon. Das willst Du sogar.
Und bei allem Mitleid mit ihm, weil er auch leidet... Er muss selbst für sich einstehen und Verantwortung übernehmen. Und selbst wenn er dazu nicht fähig ist (siehe mein Ex), Du musst seine Schwächen nicht ausbaden und Dir dafür das Leid einer Affäre auf die Schulter laden. Das hat er verursacht. Er war stark genug sein Gewissen zu überwinden, sich Zeit freizuschaufeln, Dich zu belügen und Geheimnisse zu haben. Jetzt sollte er stark genug sein, sein Leid - was er ohne Zweifel auch verspürt - auch allein zu tragen.
Pass einfach auf Dich auf und schaue genau hin. Viel Erfolg.