Es liest sich nach einer postnatalen Depression bei der Nochfrau. Wenn sich ein Erkrankter bei Depressionen nicht helfen lassen will, dann ist das schlimm für alle Beteiligten, auch für den Partner. In so einer Situation sich als Vater die Elternzeit zu nehmen, finde ich jedoch nicht besonders ehrenwert und heldenhaft, sondern selbstverständlich.
Besonders viel Resilienz scheint er selber auch nicht zu haben, wenn ihn alles so gefordert hat, dass er bereits nach 2 Jahren ein Burn out bekommen hat; trotz Unterstützung durch seine Eltern. Aber das ist nur mein unmaßgeblicher Gedanke, ich bin nicht vom Fach und will das nicht kleinreden. Ich frage mich nur, wie die vielen Alleinerziehenden (meist Mütter) es hinbekommen, die u. U. ein Schreikind, einen Job und alles ohne familiäres Umfeld unter einen Hut kriegen müssen.
Aber letztlich ist die Frau und deren Ehe nicht Deine Baustelle, sondern die Deines Freundes. Dass sie Dir hinterher"stalkt" (Dich googelt?

) und Dich ihm gegenüber mit üblen Worten tituliert, ist zwar nicht die feine Art, aber ich würde darauf wetten, dass sie nicht die einzige ist, die sowas macht.
Ihre Welt ist grade zusammengebrochen (woran sie durchaus beteiligt gewesen sein mag, wenn auch durch die Erkrankung). Das ist grade mal 4 Monate her. Ich finde, Du erwartest ein wenig zu viel von ihr, wenn Du denkst, sie müsste sich nach so kurzer Zeit schon voll im Griff haben. Was natürlich nicht sein darf, ist, dass sie Dich belästigt oder Dir - z. B. durch üble Nachrede bei Deinem Arbeitgeber - schädigt.
Auch wenn sie tatsächlich jetzt "aufgewacht ist und wie ein Löwin kämpft" kann man nicht davon ausgehen, dass sie plötzlich schockgesundet ist. Wie stellt sich Dein Freund denn die Betreuung des gemeinsamen Kindes vor? Falls seine Frau erneut völlig ausfallen sollte?
Natürlich kann sie und niemand sonst Dir verbieten, Deinen Partner in dessen Heimatort und Wohnung zu besuchen. Aber ganz ehrlich: Wenn es nicht grade ne Millionenstadt ist und beide jetzt in weit entfernten Stadtteilen leben, dann würde ich auch ein gewisses Fingerspitzengefühl von Euch erwarten. Es muss ja nicht sein, dass man verknallt und händchenhaltend vor ihrer Nase tanzt, während sie noch am Boden liegt. Leider sind da hormongeschwängerte Frischverliebte oft nicht besonders sensibel.
Sie wird sich mit der neuen Situation arrangieren (und es sicher irgendwann auch können) und Dein Freund wird die Scheidung mit all den Folgen klären und regeln müssen. Bis dahin könntet Ihr meiner Meinung nach ruhig die Füße ein wenig still halten.
Dein Partner wird sicherlich auch nicht überall dafür beklatscht, dass er seine (kranke) Frau mit Kleinkind für eine Festivalbekanntschaft Hals über Kopf verlassen hat. Seine Eltern sind parteiisch, die sind außen vor. Grundsätzlich finde ich es auch richtig, dass man sich trennt, wenn eine Ehe so gar nicht mehr funktioniert. Wenn der Trennungsauslöser dann aber eine dritte Person ist, wird das hoch und runter durch's Dorf getratscht und das ist für keinen der Beteiligten angenehm. Auch deshalb würde ich erst einmal etwas Ruhe einkehren lassen, bevor ich mein neues Glück in der alten Umgebung demonstriere.