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Verlassen worden nach Fehlgeburt - doppelte Trauer

Kamikazeherz85

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Zitat von Otten82:
Hallo meine Liebe,

fern ab davon, dass eine Trennung immer furchtbar ist und eine Fehlgeburt ein schlimmer Verlust. So möchte ich für die Zukunft und für die nächste Beziehung mal kurz noch etwas anmerken.



DAS ist wirklich ein Irrglaube den viele Frauen sich selber einreden die selber einen starken Kinderwunsch haben. " Ach, wenn es erst da ist, dann wird alles gut "
Ein Kind ist eine sehr große Belastung , auch für intakte Beziehungen. Eine komplette Lebensumstellung. Und ich kenne diverse Männer die Panik bekommen haben als ihre Frau ( geplant ! ) dann schwanger war.

Ich kann deinen Kinderwunsch verstehen. Und im Zweifel musst du halt wirklich nach Dänemark fahren und dich dort künstlich befruchten lassen. Aber auch das rate ich dir nur mit einem stabilen Backround im Hintergrund.
Deinen Exfreund kann ich tatsächlich auch verstehen. Er war sich der Tragweite der fehlenden Verhütung wohl gar nicht so bewusst, bis zur Fehlgeburt. Er steckt noch im Studium . wer weiss wo und wann er einen Job findet. Für ihn ist alles im Umbruch.
Da kann ein Kind tatsächlich belasten.

Bei der nächsten Beziehung solltest du tatsächlich ganz klar mit dir sein wo DEINE Reise hingehen soll und das auch so sagen. Ein Kind ist wie gesagt eine große Belastung für eine Beziehung. Man stellt seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche komplett hinten an. Schlaflose Nächte inklusive. So lieb wie ich mein Baby habe, aber im Nachhinein bin ich froh, dass ich nicht alleinerziehend bin und die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt ist. Unfälle bei der Vehütung passieren, aber bei dir würde ich nicht von einem "Unfall " sprechen, sondern es war schon provoziert.
Man kriegt ein Kind auch immer irgendwie alleine groß, die Frage ist nur ob man sich bewusst in so eine Situation reinmanövriert oder sich ggf. tatsächlich für eine BEWUSSTE künstl. Befruchtung ALLEINE entscheidet.
Dann "zieht " man zumindest niemanden in deine Entscheidung mit rein .

Wie gesagt, dass gebe ich bei allem zu bedenken. Ansonsten tut es mir wie gesagt sehr leid, dass du jetzt so leidest. Aber seh es als Chance. Sooooo alt bist du noch nicht als das du deine Wünsche von Kind + Haus + Hund nicht mehr erfüllen könntest. :freunde:


Danke für deine Nachricht, Otten. Ob die Schwangerschaft nun provoziert war oder nicht - ja, vielleicht. Beziehungsweise habe ich es darauf ankommen lassen. Er aber auch, ich habe ihm das Kind also nicht "angehängt". Aber ich verstehe schon, was du meinst. Vielleicht war mein starker Kinderwunsch auch nur ein Versuch, meine innere Leere zu füllen bzw. mir einen Lebenssinn zu geben. Denkbar schlechte Voraussetzung, ich weiß. Die Option mit Dänemark habe ich immer noch im Hinterkopf, aber erst einmal muss ich wieder zu mir finden und dann in mich hineinhören, ob ich das wirklich will. Ich bin mir auch immer noch nicht sicher, ob man das einem Kind zumuten darf. Man nimmt ihm ja von Vornherein die Chance auf einen Vater, wenn man zur Samenbank geht.

27.12.2018 13:13 • #76


Otten82

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Ich denke du hattest unbewusst den Kinderwunsch und die tickende Uhr im Kopf und er hat die Schwangerschaft " in Kauf genommen " , das ist ein himmelweiter Unterschied. Und wie Kinder entstehen sollten euch beiden klar sein.

Mit den Konsequenzen müssen dann beide leben. Oft die Mutter indem sie im Zweifel alleinerziehend ist und der Vater indem er für das Kind bezahlt obwohl es kein Wunschkind von ihm war. Beides doof. Natürlich sollte ein Schritt wie z.B. Dänemark sehr sehr gut überlegt sein.
Aber ohne dir jetzt zu nahe zu treten, das sollte eine normale Schwangerschaft auch. Im Optimalfall sollte bei eurer Art der " Verhütung " doch von beiden Seiten der Wunsch nach einem Kind da sein.

Vielleicht hast du auch unterbewusst gedacht ihn damit ruhiger zu bekommen. An dich zu binden usw.
Man stelt sich das ja immer so toll vor. Vater , Mutter Kind und alles schick. Aber wie ich schon schrieb ist ein Kind eine ungeheure Belastung für die Beziehung und eine Selbstaufgabe des eigenen Lebens was man vorher hatte.

Ich liebe Kinder und ich liebe mein Kind über alles und endlich gibt es einen wirklichen Sinn im Leben, aber man sollte doch im besten Fall ( wirkliche Unfälle ausgenommen ) mit seinem Partner bewusst ein Kind planen. Es hätte sogar sein können, dass er ein guter Vater gewesen wäre. Aber die Partnerschaft wäre vielleicht trotzdem kaputt.

Also komm erstmal zur Ruhe und finde zu dir selbst bevor du dich wie auch immer wieder der Kinderplanung widmest.

27.12.2018 13:28 • #77


Septemberkind

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Hallo Kamikazeherz85,

danke für Deine Rückmeldung! Klar, Deine Fragen beantworte ich Dir gern.

So weit wie Du bin ich gar nicht gekommen. 15. Woche ist schon ein Hammer, da man sich ja die 12. Woche immer so als "sicherere Linie" sieht, nach der man erstmal aufatmet. Das tut mir sehr Leid.

Meine erste Fehlgeburt war in der 7./8. Woche mit natürlichem Abgang zuhause. Auch schon so früh wie eine kleine Geburt. Die zweite Fehlgeburt war in der 10. Woche und auf Anraten des Arztes hin mit Ausschabung. Auch wenn der natürliche Abgang auch so früh schon ziemlich schmerzhaft ist, hat mich die zweite Fehlgeburt doch stärker belastet. Zum einen, weil es das zweite Mal und später war, zum anderen, weil eine Ausschabung kein natürlicher Prozess ist, in dem man sich verabschieden kann. Du wachst auf und alles ist weg. Zuvor nimmst Du Tabletten, die den Prozess einleiten. Ein schreckliches Gefühl, als würde man die Schwangerschaft damit selbst aktiv abbrechen, was natürlich Quatsch ist, da schon von allein geschehen. Letztlich habe ich aber beide Fehlgeburten soweit ok verkraftet. Ich dachte, es sollte noch nicht und klappt dann halt beim dritten Mal. Falsch gedacht, die Chance ist nun erstmal weg.

Du hast recht, der krasse Abgang von meinem Ex macht die Sache in manchen Punkten einfacher. Allerdings schmerzt die Verletzung und der Vertrauensbruch umso mehr. Sein schlagartige Wesenswandel ist zudem so heftig, dass es mir schwer fällt, das alles zu glauben. Die Schwangerschaften waren in unserem Fall von beiden Seiten geplant, insofern sind mir seine Begründung noch unverständlicher. Ich habe immer noch schwache Momente, in denen ich denke und wünsche, dass er wieder kommt. Hinzu kommt, dass für mich die Liebe mit dem Bruch leider nicht einfach aufhört und er bis zum Zeitpunkt der Trennung ein toller Mensch für mich war. Mit 39 wird es bezüglich Familienplanung zwar wesentlich enger, aber auch in dem Alter entscheidet man sich ja nicht für einen x-beliebigen Vater. Auch wenn mir bewusst ist, dass es in einer Beziehung keine Garantie fürs Leben gibt, dachte ich wie viele andere hier auch, dass zwischen uns kein Blatt Papier passt und wir mit 80 auf ein vielleicht nicht immer einfaches aber doch erfülltes Leben zurückblicken. Das war wohl ein einseitiger Gedanke, zumindest zuletzt. Auch an unsere Abmachung, im Falle einer Trennung fair miteinander umzugehen, hat er sich nicht gehalten, im Gegenteil.

Du siehst auch an meinem Beispiel, dass der Mensch und die Beziehung in Deinen Augen noch so toll gewesen sein können, aber das Ergebnis ist das gleiche. Zack, aus und vorbei. So doof der Spruch aus ist, einem bleibt auch hier nur: Aufstehen, Krone richten, weitergehen. Es ist alternativlos.

Eine Rehaklinik war auch mein erster Gedanke. Weg von zuhause, Tapetenwechseln, Abstand gewinnen und zu mir finden. Daher bin ich auch zum Hausarzt. Der hat mich dann aufgeklärt, dass der Weg, an eine Reha zu kommen, sehr nervig und langwierig ist, sogar Monate dauern kann und das ganze gegebenenfalls gar nicht bewilligt wird. Da ich sofort Hilfe wollte und brauchte, hat er mir eine Überweisung in die Psychiatrie gegeben. Im ersten Moment musste ich darüber ziemlich schlucken, bin dann aber doch zum Gespräch dorthin. Letztlich sind es Fachärzte, wie alle anderen auch und ich bin gut beraten worden. Mir wurde wahlweise ein stationärer Aufenthalt oder die Tagesklinik angeboten. Für mich war letzteres passender, da ich einen Vorteil darin sah, parallel auch meinen Alltag zuhause weiterführen zu können. Sowohl bei der stationären Aufnahme als auch bei der Reha ist man ein paar Wochen weg und danach dann plötzlich allein zuhause.

Wenn ich Forum hier so quer lese, merke ich, dass jede Trennung einen mitten ins Herz trifft und aus der Bahn wirft. Egal, ob absehbar oder nicht, ob selbst entschieden oder nicht. In den meisten Fällen gibt es leider auch kein zurück. Bei allen negativen Gefühlen sollte man sich aber auch das Positive vor Augen führen. Man ist nicht nur "Opfer der Umstände", sondern bekommt auch das Heft des Handelns zurück in die Hand gedrückt. Das macht einen zum Gestalter der eigenen Zukunft und ist eine echte Chance, wieder glücklich zu werden - erstmal allein und dann vielleicht sogar mit einem noch tolleren, noch passenderen Partner. Das sollte man sich bei all der Verzweiflung, Trauer, Zukunftsangst und allem Unglauben, dass es noch eine/n bessere/n gibt, vor Augen führen. Auch wenn es super schwer fällt, es ist manchmal die Sicht auf die Dinge, die einem hilft.

Also, wir sollten versuchen, unsere Kerle so zügig wie möglich loszulassen. Gegangen wären sie wahrscheinlich sowieso. Wer weiß, wozu die Trennungen gut waren und was uns in Zukunft erwartet. Du auf jeden Fall, aber vielleicht sogar auch noch ich haben die Chance, Männer zu finden, die uns lieben und bei denen Kinder konkreter Wunsch sind und mit denen sie Wirklichkeit werden.

Viele liebe Grüße!

27.12.2018 17:32 • x 2 #78


Kamikazeherz85

Kamikazeherz85


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Liebes Septemberkind,
ja, ich glaube dir gerne, dass die beiden Fehlgeburten für dich sehr belastend waren. Als ich mein Kind gehen lassen musste, war ich am Boden zerstört. Hatte dann aber die Hoffung, dass sich mein damaliger Partner und ich jetzt aktiv dafür entscheiden, ein Kind zu bekommen (meine erste Schwangerschaft war ja nicht geplant). Aber falsch gedacht: Partner weg, Kinderwunsch erst einmal begraben.
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass das Ganze in deinem Alter noch viel aussichtssloser erscheint als bei mir. Aber man weiß einfach nicht, was kommt. Es kann gut sein, dass du mit 43 zum ersten Mal Mutter wirst, ebenso wie es sein kann, dass das bei mir jetzt die einzige Chance war. Ist alles möglich. Gerade fällt es mir sehr schwer, positiv in die Zukunft zu blicken.
Heute Nacht habe ich geträumt, dass mein Exfreund zu mir zurückkommt. Das war ein Glücksgefühl! Umso härter hat es mich getroffen, als ich dann aufgewacht bin und der Realität einmal mehr in die Augen blicken musste.
Du hast Recht: Liebe kann man nicht einfach abstellen, egal ob sich der Partner nach der Trennung fair oder unfair verhält. Das ist für mich auch wirklich das Schlimmste: dass man verzweifelt weiterliebt, diese Liebe aber nicht (mehr) erwidert wird. Und je mehr ich realisiere, dass er mich wirklich nicht mehr liebt, umso mehr liebe ich ihn. Obwohl ich während der Beziehung auch hin und wieder an meiner Liebe zu ihm gezweifelt habe. Tja, nun ist sie mit voller Wucht zurück, stärker als je zuvor.
Gerade habe ich auch keine Hoffnung, irgendwann wieder aus diesem Tal herauszufinden und möglicherweise einen Menschen zu treffen, dem ich so vertrauen kann und auf den ich mich so einlassen kann wie auf meinen Expartner.
Dir und allen anderen, die meinen Thread verfolgen, wünsche ich einen hoffentlich einigermaßen schönen Tag!

28.12.2018 15:12 • x 1 #79


Kamikazeherz85

Kamikazeherz85


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Heute bin ich wieder sehr traurig. Ich lese mir immer und immer wieder alle möglichen Ratgeber zum Loslassen durch. Überall steht, dass man eines Tages einen Menschen treffen wird, der einfühlsam und verständnisvoll ist und so weiter. Mein Exfreund war und ist aber ja genau eine solche Person. Ich kenne niemanden, der einfühlsamer und verständnisvoller ist als er. Deswegen kann ich mit dieser Hoffnung, dass eines Tages jemand mit diesen Eigenschaften in mein Leben kommen wird, nicht viel anfangen. Denn genau einen solchen Menschen hatte ich fünf Jahre lang an meiner Seite. Es kann nichts Besseres kommen.

29.12.2018 16:45 • #80


mcteapot

Zitat von Kamikazeherz85:
einen Menschen treffen wird, der einfühlsam und verständnisvoll ist

dieser einfühlsame Mensch bist du, du zuerst - dann irgendwann eine Kirsche auf deiner Torte

29.12.2018 16:46 • x 3 #81


Kamikazeherz85

Kamikazeherz85


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Ich frage mich immer, wo - abgesehen von diesem Forum - eigentlich all die verlassenen Seelen sind, die da draußen ja massenweise rumlaufen müssten. Aber überall, wo ich hinschaue, sehen alle mehr oder weniger zufrieden oder zumindest nicht unglücklich aus. Ich hingegen laufe rum wie ein Häufchen Elend, der Schmerz ist mir von Weitem schon anzusehen. Also entweder leide ich viel intensiver als die Mehrheit der Menschheit oder die können das besser überspielen. Ich frage mich auch, wie die meisten nach der Trennung recht schnell zur Tagesordnung übergehen können im Sinne von den beruflichen Alltag usw. bewältigen. Ich für meinen Teil bin gerade nur froh, freiberuflich von zu Hause aus zu arbeiten. Denn ich könnte mir gerade nicht vorstellen, ein vorgegebenes Arbeitspensum zu schaffen. Seit über acht Wochen mache ich quasi Dauerurlaub, nehme nur ganz wenige Aufträge an und beschäftigte mich mit mir selbst und meinem Anteil am Scheitern unserer Beziehung. Eine Horrorvorstellung, wenn ich jetzt im Beruf hundertporzentig funktionieren müsste ... Wie machen das andere denn?

29.12.2018 16:52 • x 1 #82


Sabine

Sabine

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Zitat von Kamikazeherz85:
Ich frage mich immer, wo - abgesehen von diesem Forum - eigentlich all die verlassenen Seelen sind, die da draußen ja massenweise rumlaufen müssten.


Allein, verbittert zu hause. Oder depressiv weinend und klagend auf dem Sofa. In der nächsten Kneipe :roll: Wer weiß? :glaskugel:

29.12.2018 17:11 • x 1 #83


onlysad66

onlysad66

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Liebe Kami, ich war bei Trennungen auch genauso totunglücklich über eine lange Zeit. Konnte mir auch niemals vorstellen, jemanden wieder so lieben zu können. Aber das ist Quatsch. Ich habe so tolle Männer kennengelernt in den letzten Jahren. Leider war es nicht immer von Dauer aber ich weiß jetzt dass es immer wieder jemanden geben wird, der mich glücklich machen kann.

Meine Arbeit war eines der wenigen Dinge, die mich bei einer Trennung abgelenkt haben. Ich musste auch 2 Kinder durchfüttern. notfalls hätte ich mich krankschreiben lassen, aber es hat gut funktioniert.

Es gibt sicherlich da draußen einen Mann, der dich wieder glücklich machen kann - der letzte war es wohl nicht.

29.12.2018 18:25 • x 1 #84


Septemberkind

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Zitat von Kamikazeherz85:
Ich frage mich immer, wo - abgesehen von diesem Forum - eigentlich all die verlassenen Seelen sind, die da draußen ja massenweise rumlaufen müssten. Aber überall, wo ich hinschaue, sehen alle mehr oder weniger zufrieden oder zumindest nicht unglücklich aus. Ich hingegen laufe rum wie ein Häufchen Elend, der Schmerz ist mir von Weitem schon anzusehen. Also entweder leide ich viel intensiver als die Mehrheit der Menschheit oder die können das besser überspielen. Ich frage mich auch, wie die meisten nach der Trennung recht schnell zur Tagesordnung übergehen können im Sinne von den beruflichen Alltag usw. bewältigen. Ich für meinen Teil bin gerade nur froh, freiberuflich von zu Hause aus zu arbeiten. Denn ich könnte mir gerade nicht vorstellen, ein vorgegebenes Arbeitspensum zu schaffen. Seit über acht Wochen mache ich quasi Dauerurlaub, nehme nur ganz wenige Aufträge an und beschäftigte mich mit mir selbst und meinem Anteil am Scheitern unserer Beziehung. Eine Horrorvorstellung, wenn ich jetzt im Beruf hundertporzentig funktionieren müsste ... Wie machen das andere denn?


Wir haben tatsächlich mehr gemeinsam als gedacht. Bin ebenfalls Freiberuflerin. Wenigstens darüber kann man kurz mal schmunzeln.

Mein Leben läuft seit der Trennung auch nur mit halber Kraft. Man kriecht förmlich durchs leben. Bücher und die Auseinandersetzung mit dem "Warum?!" beschäftigen mich ebenfalls tagein tagaus. Insgesamt versuche ich aber, mich zwischendurch rauszureißen. Das macht es vielleicht auch, dass man die Trauer nicht immer ausstrahlt. Hoffe ich zumindest! Beim Umzug sagte mein Cousin noch zu mir "Man, siehst Du sch... aus!". Ich sehe ihn an Silvester und werde aus Interesse mal fragen, ob sich nach meinen Bemühungen mich abzulenken, was verbessert hat.

Habe mir zum Beispiel vorgenommen, meinen Kleiderschrank auszumisten und ein paar neue Klamotten zu kaufen. Alte Erinnerungen raus, neues Leben rein. Der große Moderiese mit Z freut sich zumindest über die Trennung. Und man ist mit der Rennerei um die Pakete auch beschäftigt. Normalerweise ist das Ausmisten eine Sache, die ich an einem Tag erledige. Nun läuft das ganze schon ne gute Woche, da mir Antrieb und Entscheidungskraft fehlen. Ich nehme das erstmal so hin. Stört ja außer mir auch keinen. Wenn ich mit dem Kleiderschrank durch bin, schaue ich auf den Dachboden ...

Dann raffe ich mich seit kurzem wieder auf, zum Sport zu gehen. Tatsächlich hilft das, besser drauf zu kommen. Yoga tut mir momentan am besten, auch wenn mir bei der Abschlussentspannung häufig die Tränen runterlaufen. Es befreit und sorgt zumindest nach der Stunde für eine aufrechtere Haltung. Man sackt in Trauer ja so fürchterlich in sich zusammen.

Auch wenn es schwer fällt, versuche ich, mir zwischendurch etwas Gutes zu tun. Damit meine ich sowas wie, mir einen Emotional-Detox-Tee für die Entspannung zu kochen, ein Fußbad zu machen oder einen Termin bei der Kosmetikerin zu vereinbaren. Bei mir hämmert zwar auch die Frage "wofür?" im Kopf, aber die versuche ich zumindest immer tapfer mit "für mich!" zu beantworten. Klappt mal mehr mal weniger gut. Es ist aber zumindest ein erster Schritt, auch an der (Trauer-)Optik was zu optimieren.

Kleine Kundenaufträge habe ich ebenfalls angenommen. Ich brauche etwas länger als sonst, aber egal. Es ist zwar ein Vorteil von zuhause zu arbeiten, da man für sich ist, aber man ist auch stärker auf den eigenen Antrieb angewiesen. Hingegen zwingt einen eine Festanstellung aus dem Haus und man muss dann auch ran und sich mehr zusammenreißen.

Ansonsten telefoniere ich, um Ansprache zu haben oder verabrede mich. Ich versuche, dann bewusst meine Freunde zu fragen, was bei denen so los ist. Klar, man kommt auch immer auf die eigene Situation zu sprechen, aber es mischen sich damit auch andere Gedanken unter.

Insgesamt habe ich selbst noch nicht die Zauberformel gefunden, die einen auf Knopfdruck aus dem Gefühlschaos und der "gebückten Haltung" befreit. Tagesordnung ist das lange noch nicht. Vielleicht denkt man von außen aber auch nur "die hat wohl schlecht geschlafen" oder bei dicken Augen "die hat ne Erkältung". Wer weiß, vielleicht sind wir uns sogar schon über den Weg gekrochen und habe genau das über die andere gedacht. :wink:

29.12.2018 22:45 • x 2 #85


Kamikazeherz85

Kamikazeherz85


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Hallo ihr Lieben,
heute melde ich mich hier mal wieder zu Wort. Denn ich habe einen kleinen Rückfall. Beziehungsweise ist heute einer der Tage, an denen ich einfach nicht verstehe, wie man seine Freundin vier Wochen nach einer Fehlgeburt verlassen und sie mit der ganzen Trauer allein lassen kann. Trennung ist das eine, aber uns verbindet nun ja auch über die Trennung hinaus etwas ganz Wichtiges, nämlich unser Kind. Und es spielt keine Rolle, ob dieses Kind lebt oder nicht, es wird für immer Teil von uns beiden bleiben. Irgendwie würde ich mir deswegen auch nach der Trennung noch in irgendeiner Form den Rückhalt oder die Unterstützung meines Expartners wünschen. Aber er möchte keinen Kontakt, weil für ihn die Trennung so am besten zu verarbeiten ist. Schön und gut. Ich fühle mich aber so, als müsste ich alles hinnehmen: Er trennt sich, nun möchte er keinen Kontakt, weil das beides für ihn so besser ist. Beides muss ich akzeptieren. Aber es ist schwierig, einfach weil die Verbindung nach allem, was wir erlebt haben, ja trotzdem nicht einfach gekappt werden kann. Das mag in anderen Beziehungen funktionieren, hier funktioniert es in meinen Augen nicht, weil wir kurz vor der Trennung unser Baby verloren haben. Mir fehlt der Vater dieses Kindes, um die Trauer besser zu verarbeiten. Stattdessen muss ich nun auch noch den Vater des Kindes betrauern. An manchen Tagen komme ich damit besser klar, heute leider wieder überhaupt nicht. Er hat bei unserem einzigen Aufeinandertreffen nach der Trennung ja auch gesagt, ich sei ihm nach wie vor sehr wichtig - aber wohl nicht wichtig genug, um mich in der Trauer um unser Kind zu begleiten und mich gleichzeitig langsam auch von meinem Exfreund zu verabschieden.Vielleicht habt ihr ja ein paar tröstende, verständnisvolle oder am besten erklärende Worte für mich, damit ich das Verhalten meines Expartners ein bisschen besser verstehen kann.
Danke!

07.01.2019 12:39 • #86


EchtJetzt

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Meine Liebe, erstmal fühl dich feste von mir gedrückt! :knuddeln:
Ich kenne deinen Ex Freund nicht, aber es könnte sein ,dass ihr die Probleme der unterschiedlichen Trauerverarbeitung auch in der Beziehung gehabt hättet. Für dich war euer Kind vielleicht schon " greifbarer " ,als für ihn ,da es in dir herangewachsen ist?Ich kann es verstehen, dass es Alles für dich unbegreiflich ist,aber du wirst auch ohne ihn einen Weg finden,mit der doppelten Trauer umzugehen.Du hast Schwankungen und es ist absolut " normal".Auch Tage wie heute werden vergehen.Hast du vielleicht mal überlegt, dir eine Trauerbegleitung zu suchen?Täuscht du dich mit ebenfalls betroffenen Frauen aus?
Egal,wie mies du dich gerade fühlst, es bleibt nicht so!
Drück dich nochmal!

07.01.2019 12:48 • x 2 #87


VollVer-liebt

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Ich kann mich @EchtJetzt nur anschließen.
Und zufügen, dass Männer meist anders trauern als Frauen. Gerade bei dem sensiblen Thema Verlust eines Kindes ist das dann sogar häufig ein Trennungsgrund.

Es gibt Literatur zu dem Thema und Ich kenne zumindest ein wunderbares Forum dazu.

Das kann beim Verstehen helfen, auch wenn es dir die Traurigkeit sicher nicht (sofort) nehmen kann.

07.01.2019 13:05 • x 2 #88


Kamikazeherz85

Kamikazeherz85


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Danke, EchtJetzt und VollVerliebt, wieder einmal für eure Worte.
Ja, es mag sein, dass Männer und somit auch mein Exfreund anders mit dem Verlust eines Kindes umgehen. Das ist in meinem Fall sogar ganz bestimmt so, denn mein Exfreund wollte das Kind ja ohnehin nicht wirklich. Für ihn ist es eine Erleichterung, dass sich das "Problem" von ganz alleine gelöst hat.
Für mich ist das trotzdem sehr schwierig. Diese Verbindung zum Expartner zu kappen, was durch den Kontaktabbruch ja ganz rigoros geschieht, finde ich gerade in meinem Fall grausam. Ich hätte gerne zum Vater meines verstorbenen Kindes nach wie vor eine gewisse Nähe. Aber gut, er sieht das eben anders. Ich kann da nur wie gesagt manchmal nicht so richtig damit umgehen.
Liebe VollVerliebt, magst du mir schreiben (gerne auch per PN), was das für ein Forum ist?

07.01.2019 13:55 • #89


perpetuum

perpetuum

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Zitat von Kamikazeherz85:
Er trennt sich, nun möchte er keinen Kontakt, weil das beides für ihn so besser ist. Beides muss ich akzeptieren. Aber es ist schwierig


Akzeptiere es.

Es wird immer wieder weh tun, und irgendwann dann nicht mehr. Du musst deinen eigenen Weg gehen, es bleibt dir nichts anderes übrig. Und je schneller du das akzeptierst, desto weniger wirst du darunter leiden.

Trauerbegleitung o.ä. was dir vorgeschlagen wurde kann eine gute Idee für dich sein.

07.01.2019 13:59 • x 2 #90




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