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Verlassen worden nach Fehlgeburt - doppelte Trauer

Kamikazeherz85

Kamikazeherz85

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Ach, das hatte ich ganz vergessen zu schreiben: Trauerbegleitung nehme ich schon in Anspruch. Aber die kann nicht den fehlenden Part (den Vater des Kindes) ersetzen.

07.01.2019 14:11 • #91


perpetuum

perpetuum

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Natürlich nicht.

Du hast auch das Problem, dass du gerade zwei Sachen zu betrauern hast.
Ich kenne das, manchmal weiß man gar nicht, was einen gerade so schmerzt, es ist sehr schwer.

Aber bei jeder Trennung denkt man, dass der Verursacher des Leids auch der einzige ist, der einen trösten könnte. Und das ist leider ein Trugschluss.

Es würde dir nicht gut tun.

Es hätte dir gut getan, wenn ihr zusammen hättet trauern können, oder wenn ihr noch zusammen wärt, und er wäre für dich da.
Dem ist aber nicht so. Leider, und vielleicht auch besser so.

Ich habe kürzlich von der 10/10/10 Methode gelesen, die einem bei Entscheidungen helfen soll. Kann aber auch für andere Fragen benutzt werden.
Wie wichtig wird er mir sein? In 10 Minuten: Immer noch sehr.
In 10 Tagen: Hoffentlich ein kleines bißchen weniger
In 10 Monaten: Da wirst du dann stolz auf dich sein, diese Zeit durchgestanden zu haben.

Die Zeiteinheiten sind egal, es geht einfach nur um kurz-mittel-und langfristig.

(und glaube mir, ich sage es mir auch immer wieder vor, viele Male täglich)

07.01.2019 14:21 • x 2 #92


Kamikazeherz85

Kamikazeherz85


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Liebe Perpetuum, du hast wahrscheinlich Recht: Der Kontakt würde mir nicht guttun. Wobei, vielleicht auch doch. Ich bin ein Mensch, der sich gerne langsam löst (egal, wovon: altes Auto, Beziehung, Gewohnheiten). Deswegen denke ich, dass es für mich vielleicht einfacher wäre, wenn wir noch etwas Kontakt hätten, wenn nicht von jetzt auf gleich alles Wichtige (Kind und Partner) aus meinem Leben verschwunden wäre. Solche Hau-Ruck-Methoden sind für mich schwierig zu ertragen.
Die 10/10/10-Methode klingt gut. Die behalte ich ab jetzt im Hinterkopf.

07.01.2019 14:33 • #93


perpetuum

perpetuum

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Zitat von Kamikazeherz85:
Wenn er antwortet, dann kurz und knapp, ohne Begrüßung oder Verabschiedung, ohne ein nettes Wort. Da er während unserer Beziehung so unglaublich liebevoll war, trifft mich das natürlich nun noch umso härter.


Er scheint sich selber schützen zu wollen.
Das hat mit dir nichts zu tun, mit ihm selber hat sein Verhalten zu tun.

Natürlich kannst du ihn nochmal kontaktieren, erklären, was los ist, dass es dir helfen würde, mit ihm zusammen abzuschließen. Vielleicht versteht er, lässt sich darauf ein. Vielleicht nicht, und es schmerzt nochmal richtig stark, aber hilft dir beim Ablösen.

Oder du überlegst noch einmal genau, ob es besser ist, ein Pflaster gaaanz langsam von einer Wunde abzuziehen, immer den noch zu erwartenden Schmerz antizipierend (immer wieder Kontakt) oder einmal Hau-Ruck (Kontaktabbruch) und vorbei.

07.01.2019 14:44 • x 2 #94


EchtJetzt

Zitat von Kamikazeherz85:
Ach, das hatte ich ganz vergessen zu schreiben: Trauerbegleitung nehme ich schon in Anspruch. Aber die kann nicht den fehlenden Part (den Vater des Kindes) ersetzen.


Natürlich nicht!
Aber du weißt leider auch nicht, ob er wirklich so eine Erleichterung wäre,wenn er zwar bei dir, aber mit deiner Trauer nicht umgehen könnte.Es ist ja eine Vorstellung, die du verständlicherweise hast,weil du eben im Moment noch kein Land siehst.

07.01.2019 14:48 • x 1 #95


Otten82

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Auch wenn es weh tut, aber dein Exfreund macht auf Dauer gesehen das einzig richtige.

Zitat von Kamikazeherz85:
Beziehungsweise ist heute einer der Tage, an denen ich einfach nicht verstehe, wie man seine Freundin vier Wochen nach einer Fehlgeburt verlassen und sie mit der ganzen Trauer allein lassen kann. Trennung ist das eine, aber uns verbindet nun ja auch über die Trennung hinaus etwas ganz Wichtiges, nämlich unser Kind.


So böse wie sich das jetzt vielleicht für dich liest, aber ihr habt kein Kind. Es war auch nicht euer gemeinsamer Wunsch sondern dein Wunsch. Das Problem habe ich ja schon einmal hier angesprochen. Er wird keine sooo große Trauer haben und auch das kann man ihm nicht vorwerfen.

Für Frauen ist eine FG immer eine ganz andere Hausnummer als für die dazugehörigen Männer. Wenn man gemeinsam ein Kind plant ( ganz bewusst ) , dann trifft es meistens den Mann auch sehr. Dein Exfreund wurde aber damit überrascht und wahrscheinlich auch geschockt.
Er wird dir nicht helfen können.

Und fern ab davon, ab wann wäre es denn okay dich allein zu lassen und den Kontakt abzubrechen ? In 4 Wochen ? 4 Monaten ? Eine FG "verfolgt " manche Frauen jahrelang. Kannst du von einem Menschen der nicht mehr mit dir zusammen sein will noch Jahre an deiner Seite zu bleiben ?

Der Kontaktabbruch wird dir das auf Dauer gesehen leichter machen , glaub mir. Ihr hattet auch einfach andere Wünsche, Ziele , Träume, .... Für dich war die Schwangerschaft ein Segen, und für ihn ein Schock. Das sind immer keine Grundvoraussetzungen.
Der Verlust des Babys tut mir sehr sehr leid für dich . Und gerade deswegen nochmal der Appell an dich in der nächsten Beziehung den Kinderwunsch ganz klar abzufragen und nicht " wenn es passiert dann passierts halt und er wird dann schon nen guter Vater " Verhütung zu wählen.

07.01.2019 16:50 • x 2 #96


Otten82

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Ich glaube du hast jetzt auch einfach ein doppeltes Problem mit dem du umgehen musst. Die FG UND das Ende der Beziehung.

Du vermisst ihn bestimmt als Partner und nicht nur :

Zitat von Kamikazeherz85:
Ich hätte gerne zum Vater meines verstorbenen Kindes nach wie vor eine gewisse Nähe.


Auch da wird es deutlich. Für dich war das Kind schon ein Kind, was jetzt gestorben ist. Für deinen Exfreund war es noch kein Kind in dem Sinne . Für dich ist ein Kind gestorben, für ihn gab es einen natürlichen Schwangerschaftsabbruch.

Als ich schwanger war habe ich mich sehr damit beschäftigt, wie eine FG überhaupt entsteht, dass z.B. ganz viele Schwangerschaften vom Körper abgebrochen werden und es so aussieht wie ein verspätete Regelblutung. Und das der Körper auch einfach eine Schwangerschaft abbricht wenn der Fötus nicht überlebensfähig gewesen wäre usw.

Ja, das ist alles tragisch und traurig, aber der Körper einer Frau weiss ganz oft wozu es gut ist. So blöd wie das klingt.
Und es gibt ganz ganz ganz viele Frauen denen das schon passiert ist.
Such dir am besten wirklich ein Forum für Sternen kinder. Wäre jetzt so meine Empfehlung.

07.01.2019 17:19 • x 2 #97


Septemberkind

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Liebe Kamikazeherz85,

zack, da melde ich mich als Deine Leidensgenossin auch wieder zu Wort. Das mit dem Rückfall kann ich gut verstehen, es geht mir in vielen schwachen Momenten leider auch noch so.

Ich denke, ein Fehlgeburt ist auch für den Mann belastend, allerdings am Anfang einer Schwangerschaft noch recht abstrakt. Das sieht für die Frau doch etwas anders aus, da sich innerlich schon viel tut, bevor es sichtbar wird. Insofern unterstelle ich mal, dass Mann eine Fehlgeburt gerade am Anfang der Schwangerschaft etwas besser wegsteckt wohingegen die Frau den Verlust aktiv durchlebt. Da Dein Ex-Freund die Schwangerschaft auch nicht wirklich wollte, kommt sicherlich hinzu, dass er (so hart es klingt) wohl eher erleichtert als traurig war. Meine Ex hat sich ja ähnlich schnell (ca. 1,5 Monate) nach der zweiten Fehlgeburt getrennt. Traurig und geschockt waren wir am Anfang beide und er hat mich auch getröstet. Aber das hat ihn ebenfalls nicht abgehalten, die Beziehung dann zu beenden. Wer weiß, ob unsere Männer ohne uns weitertrauern, erleichtert sind, o.ä. Fakt ist, dass sie es nicht mehr mit uns teilen wollen.

Das führt auch gleich schon zum nächsten Punkt. Für unsere Männer ist die Beziehung durch. Was nützt dann der Trost über die Fehlgeburt vom Ex, wenn er das nur aus Pflichgefühl und mit emotionaler Distanz für einen macht? Nix! Das tut doch nur noch mehr weh. So sehe ich das zumindest für mich. Der Wunsch, diese Zeit mit ihm zu teilen, entspringt wahrscheinlich Deiner allgemeinen Sehnsucht nach dem, was nicht weiter ging, aus dem zerplatzten Traum und der vermeintlich greifbaren Chance auf eine glückliche Familie.

Das Gesamtpaket ist ein ziemliches Brett. Aber diese Erkenntnis nützt nichts. Es ändert nichts an der Misere. Es muss und WIRD ohne sie weitergehen. Je schneller wir loslassen, desto besser. Und ich kann Dir sagen, eins habe ich mir geschworen: Ich gebe mir die Zeit, die ich brauche, um das ganze zu verarbeiten, aber keine Minute länger. Keine unnötigen Tränen für einen Mann, der DAS mit mir gemacht hat.

Lass Dir die Zeit, die Du brauchst, alles zu verarbeiten gerade das mit dem Kind. Aber versuche die Richtung beizubehalten: Voran, nicht zurück.

07.01.2019 19:52 • x 2 #98


Hanne123

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2028
@Kamikazeherz85

Oh - das ist ein ganz schön schweres Gesamtpaket ...

Eine Sache zu Deinem ja generellen Kinderwunsch und abgesehen davon, dass eine Fehlgeburt hart ist (kenne das) und dann noch Trennung obendrein:
Du bist jetzt 33. Du hast also noch etwas Zeit. Klar, nicht mehr ewig lange, aber noch gibt es keinen Grund, in Panik zu verfallen.

Wenn einen das Leben so beutelt, wie es das mit Dir gerade getan hat mit Fehlgeburt + Trennung (und dann noch so unschön wie Du sagst, dass er sich nicht mal mehr erkundigt, wie es Dir geht): Gut finde ich immer einen "Plan B" zu überlegen.
Sprich: Du hattest eine Fehlgeburt, das mit einem (Deinem/Euren!) Kinder hat zum jetzigen Zeitpunkt also nicht geklappt. Das musst Du verabschieden.
Dein Freund hat sich getrennt, sprich: Das mit der Beziehung hat zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht geklappt.
Das musst Du also auch verabschieden.

Das ist hart.

Aber: Was ist Plan B?

Ich frage deshalb so (vielleicht seltsam anmutend) nach, weil ich dieses sehr, sehr schwere Gesamtpaket Kinderwunsch nicht geklappt, Fehlgeburt verdauen, dazu noch Trennung und das Alter, das sich in Sicht schiebt, kenne.

Wenn ich in Deinem Alter wäre, würde ich es aus heutiger Sicht so machen:
Fehlgeburt verarbeiten. Trennung verarbeiten. Dafür würde ich mir ein, zwei Jahre geben.
Dann würde ich überlegen, mir den Kinderwunsch alleine zu erfüllen.
Denn: ein Partner kann immer dazukommen. Mit dem Kinderwunsch wird es irgendwann bedrohlich.
Und: altersbedingt zunehmend starker und drängender Kinderwunsch kann dazu führen (wie bei mir!), dass man jemanden wählt, der gar nicht gut ist für einen. Und man bereit ist/wäre, zu viele faule Kompromisse einzugehen, damit sich der Kinder- bzw. Familienwunsch erfüllt.

Heutzutage hat man als Frau alle Möglichkeiten, so etwas alleine durchzuziehen.

Ich habe mit "Plan B" zu lange gewartet.
Würde ich heute nicht mehr tun.

Alles Liebe Dir!

07.01.2019 20:22 • x 2 #99


Septemberkind

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Zitat:
Dann würde ich überlegen, mir den Kinderwunsch alleine zu erfüllen.


Das ist ein Plan B, den ich mittlerweile auch in Erwägung ziehe ...

07.01.2019 20:43 • x 1 #100


Hanne123

1006
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2028
Zitat von Septemberkind:

Das ist ein Plan B, den ich mittlerweile auch in Erwägung ziehe ...


Ja, das ist traurig und (wahrscheinlich) nicht das, was und wie man es sich gewünscht hat.
Aber so einen Plan B machen zu können - und das GEHT! - holt einen aus der Ohnmacht heraus.

07.01.2019 20:47 • x 2 #101


Kamikazeherz85

Kamikazeherz85


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Liebe Otten, wenn deine Angaben stimmen, hast du heute Geburtstag: herzlichen Glückwunsch erst einmal!
Allerdings widerspreche ich ganz vehement deiner Aussage, wir hätten kein Kind. Doch, wir haben ein Kind. Wir werden für immer die Eltern unseres Sohnes bleiben, auch wenn er leider nicht hier auf dieser Welt leben darf. Ich habe ihn zur Welt gebracht, mein Expartner war dabei, und wir haben ihn gemeinsam beerdigt. Eltern, die ihr Kind verlieren (ob während der Schwangerschaft oder danach), bleiben immer die Eltern dieses Kindes. Und ebenso bleibt auch eine lebenslange Verbindung zwischen den Eltern dieses Kindes.
Ob das Kind nur für mich ein Wunschkind war, ist hier meines Erachtens völlig unerheblich, denn es ändert nichts an der Tatsache, dass es dieses Kind gibt. Natürlich trauert mein Expartner - wenn überhaupt - ganz anders als ich, für ihn ist es eine Erleichterung, dass die Dinge so gekommen sind. Trotzdem finde ich, dass ein Mann, der ein Kind zeugt, eine gewisse Verantwortung nach einer Fehlgeburt hat - ob er nun trauert oder nicht. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass dieses Kind gezeugt wurde. Und sich dann einfach aus der ganzen Sache rauszuziehen und die Frau der Trauer zu überlassen (und ihr überdies auch noch die Trauer um die langjährige Beziehung aufzubürden), das finde ich persönlich nicht in Ordnung. Da macht es sich ein Mann zu leicht.
Wann es für mich "okay" wäre, den Kontakt abzubrechen, kann ich nicht sagen. Dann, wenn die Fehlgeburt einigermaßen verdaut ist. Es muss ja auch kein regelmäßiger Kontakt sein, aber hin und wieder gemeinsam an das Kind denken, das fände ich schön. Wenn sich die Eltern gemeinsam an das Kind erinnern, bleibt es irgendwie länger real. So ist zumindest mein Gefühl. Und sich einfach manchmal darüber austauschen, wie die Geburt für uns beide war. Ich war zu diesem Zeitpunkt so unter Schock, dass ich ganz vieles gar nicht mehr weiß. Diese Erinnerungen könnte nur ein einziger Mensch auf dieser Welt für mich aufrechterhalten: mein Exfreund, der die Geburt bewusst miterlebt hat.
Ist das verständlich?
Liebes Septemberkind, es freut mich, wieder von dir zu lesen! Ja, bestimmt ist eine Schwangerschaft für Männer wesentlich abstrakter als für Frauen. Die Fehlgeburt war ja aber gar nicht in einem so frühen Stadium, sondern in der 15. Schwangerschaftswoche. Es war eine richtige Geburt, bei der mein Exfreund anwesend war. Und wir haben unser Baby beerdigt. Es war also schon greifbar für meinen Expartner. Unser Kind war ein richtiger kleiner Mensch, nicht irgendein Pünktchen auf dem Ultraschallbild. Natürlich war mein Exfreund eher erleichtert als traurig. Aber das entbindet ihn meines Erachtens nicht komplett von seiner Verantwortung. Und wenn es nur die sporadische Nachfrage ist, wie es mir geht.
Liebe Hanne, auch dir ganz lieben Dank für deinen Beitrag! Und ja, diesen Plan B habe ich tatsächlich so im Hinterkopf ... Ich werde es genau so machen, wie du sagst: Ich werde den Verlust meines Kindes und meines Partners richtig verarbeiten und mich dann in ein, zwei Jahren fragen, wie es in mir aussieht. Ob mein Kinderwunsch so stark ist, dass ich ihn auch ohne (geeigneten) Partner erfüllen möchte. Und dann werde ich die nötigen Schritte Richtung Dänemark gehen ... Aus heutiger Sicht bin ich da allerdings noch etwas zwiegespalten, weil ich noch damit hadere, ob die Entscheidung, dem Kind von Vornherein seinen Vater vorzuenthalten, nicht zu egoistisch ist. Ob man als Frau da also nicht zu egoistisch denkt bei einer (anonymen) Samenspende. Aber das ist ein anderes Thema und gehört nicht in dieses Forum ... Es ist trotzdem beruhigend, diesen Plan B in der Hinterhand zu haben, weil man sich nicht ganz so hilflos und ausgeliefert fühlt. Es tut mir leid für dich, dass du mit diesem Plan zu lange gewartet und dich noch dazu an den falschen Partner gebunden hast.

08.01.2019 12:59 • x 1 #102


perpetuum

perpetuum

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Dass du das Kind noch auf die Welt gebracht hast, macht das Ganze noch härter für dich, das tut mir wirklich sehr leid. Ich kann nur erahnen, wie hart das sein muss..
Und ich kann umso mehr verstehen, dass du dir Unterstützung von deinem Ex wünschst.

Aber...du kannst es dir wünschen, aber nicht erwarten.

Hast du mal einen Brief geschrieben, in dem du schilderst, was in dir vorgeht, was du dir von ihm wünschst? Ohne Vorwürfe an ihn, sondern nur aus der Ich-Perspektive? Wenn nicht, mach das doch vielleicht mal.
Lies ihn dir durch, lass ihn paar Tage liegen, keine Impulshandlung, es soll aus einer starken Mitte heraus kommen und wenn du dir sicher bist, schick ihn ab.

Dann hast du es zumindest versucht, und wenn er nicht will oder kann, dann ist es so.

08.01.2019 13:26 • x 1 #103


Otten82

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Zitat von Kamikazeherz85:
Trotzdem finde ich, dass ein Mann, der ein Kind zeugt, eine gewisse Verantwortung nach einer Fehlgeburt hat - ob er nun trauert oder nicht.


Wie siehst du die Verantwortung ? Was glaubst du womit du zufrieden wärst ? Wenn er sich 1 mal am Tag meldet ? Wenn ihr einmal die Woche darüber sprecht ? Ich frage das so provokant, weil ich glaube dass es NIE ausreicht. Eben weil du auch wieder gerne mit ihm zusammen wärst. Als Partner, nicht nur als Eltern.

Dieser doppelte Verlust macht ja die Sache so schwierig bei dir. Da ist einfach ganz viel Trauer und ganz ganz viel Verlust in alle Richtungen. Das tut mir sehr leid. Aber ich glaube Kontaktabbruch ist wirklcih das Beste.

Zu :
Zitat von Kamikazeherz85:
Dann, wenn die Fehlgeburt einigermaßen verdaut ist. Es muss ja auch kein regelmäßiger Kontakt sein, aber hin und wieder gemeinsam an das Kind denken, das fände ich schön. Wenn sich die Eltern gemeinsam an das Kind erinnern, bleibt es irgendwie länger real. So ist zumindest mein Gefühl. Und sich einfach manchmal darüber austauschen, wie die Geburt für uns beide war. I


Ich hatte ja eine sehr sehr dramatische Geburt bei dem sowohl mein Sohn als auch ist fast gestorben wären. 2 Tage später wieder ein Nahtoderlebnis weil ich eine 2. Plazenta hatte, womit keiner gerechnet hat. Sehr selten aber möglich.
Naja, lange rede kurzer Sinn, fern ab von " ich höre die Herztöne nicht, wir müssen schneiden aber wir können nicht mehr auf die nächste Wehe warten " und andere körperlich sehr schmerzhafte Dinge habe ich einen Krampfanfall bekommen und war weg.

Diese Erlebnisse und was alles so passiert ist habe ich hinterher in Ruhe mit der Hebamme und den beiden Ärzten besprochen. Mit der Hebamme ( ist in meiner Kirchengemeinde ) habe ich mich öfter noch getroffen. Ausserdem war ich wegen diesen Todesängsten die dann folgten bei einer Psychologin. Und ich kann dir sagen, dass mir diese Gespräche mit aussenstehenden unglaublich geholfen haben. Ich habe auch mit einer Freundin viel gesprochen die selber knapp mit dem Leben davon gekommen ist.

Was ich dir mit diesem Roman sagen will ist , dass du dir ganz ganz viel Hilfe von ausserhalb holen kannst. Du "brauchst " ihn nicht um darüber reden zu können. Und such dir bitte auch ganz viel Hilfe. Das ist schon alles ein ganz schöner Schock. Eine Trennung ist schon schlimm, eine Trennung und ein Kind begraben ist der Super Gau

Und danke für die Glückwünsche.

08.01.2019 18:43 • #104


Septemberkind

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Zitat:
Hast du mal einen Brief geschrieben, in dem du schilderst, was in dir vorgeht, was du dir von ihm wünschst? Ohne Vorwürfe an ihn, sondern nur aus der Ich-Perspektive? Wenn nicht, mach das doch vielleicht mal.
Lies ihn dir durch, lass ihn paar Tage liegen, keine Impulshandlung, es soll aus einer starken Mitte heraus kommen und wenn du dir sicher bist, schick ihn ab.


Der Idee mit dem Brief kann ich nur zustimmen. Ich habe das nach der Trennung gemacht und ihm sogar zukommen lassen. Ob er ihn gelesen hat, weiß ich nicht, aber es hat mir gut getan. Der Vorteil an einem Brief ist, dass Du Zeit hast, alles reinzuschreiben, was Dir auf dem Herzen liegt. Im persönlichen Gespräch oder am Telefon vergisst man doch das ein oder andere, was einem im Nachhinein wichtig erscheint. Auch wenn es nichts an der Situation verändert oder keine Antwort kommt, befreit es.

Zitat:
Diese Erlebnisse und was alles so passiert ist habe ich hinterher in Ruhe mit der Hebamme und den beiden Ärzten besprochen.


Sofern jetzt noch umsetzbar, finde ich auch das eine gute Möglichkeit. Es schließt zumindest die Erinnerungslücken und beantwortet quälende Fragen, auch wenn es Dir nicht den emotionalen Austausch ersetzt, den Du Dir von Deinen Ex erhoffst. Vielleicht schreibst Du ihm Deine Fragen tatsächlich in einem Brief. Wer weiß, mit Glück antwortet er sogar. Und selbst wenn nicht, hilft das Schreiben wenigstens beim Verarbeiten.

Zitat:
Was ich dir mit diesem Roman sagen will ist , dass du dir ganz ganz viel Hilfe von ausserhalb holen kannst. Du "brauchst " ihn nicht um darüber reden zu können. Und such dir bitte auch ganz viel Hilfe. Das ist schon alles ein ganz schöner Schock. Eine Trennung ist schon schlimm, eine Trennung und ein Kind begraben ist der Super Gau


Dem stimme ich ja leider aus eigener Erfahrung schon zu. Diese Kombi ist so einschneiden, dass man damit nicht allein sein sollte. Hilfe von außen - ob Freunde, Familie oder Profis - ist in manchen Punkten sogar zielführender, da die Kraft fürs Zuhören, Verständnis haben, und Trost spenden häufig größer ist und neue Perspektiven mit reinkommen. Der Ex hat ja seine eigene Baustelle mit der Situation und damit endliche Ausdauer und Geduld. Er würde Dir höchstwahrscheinlich auch nicht auf die Art und Weise Aufmerksamkeit geben und Trost spenden können, die Du Dir so sehr wünscht. Schau Dir nicht auch noch diese Enttäuschung an.

08.01.2019 19:48 • x 2 #105




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