Ich kann deine Enttäuschung in Bezug auf deine Freundin gut verstehen, da ich etwas ähnliches erlebt habe. Es hat nichts mit " nicht gönnen" oder " leben und leben lassen" zu tun. Es hat damit was zu tun, dass man sich irgendwie ausgenutzt fühlt. Dass man mit einer falschen Vorstellung einer beiseitig gleichermaßen gewünschten Freundschaft diese Beziehung überhaupt eingegangen ist und dass man - sobald der erste Typ auf der Bildfläche erscheint- fallengelassen wird wie eine heiße Kartoffel. Es hat was damit zu tun, dass man realisiert, wohl nur ein Lückenbüßer gewesen zu sein , um die männerlose Zeit zu überbrücken.
Ich lernte letztes Jahr im Frühsommer eine nette Frau über eine Freizeit-Plattform kennen, wo der Fokus darauf liegt, nette Leute für gemeinsame Unternehmungen zu finden. Direkt beim ersten Treffen schien es, als hätten wir uns gesucht und gefunden. Wir konnten sehr schnell über Gott und die Welt reden- ich kannte ihre Lebensgeschichte und sie meine und schnell wurden wir zu richtig guten Freundinnen ( so dachte ich damals zumindest). Es verging kaum ein Wochenende, an dem wir ncihts zusammen unternahmen, dabei ging die Inititiative damals deutlich öfter von ihr aus, so dass es mir schon manchmal ein wenig zu viel wurde, da ich ja auch noch Familie und einen anderen Freundeskreis habe, der gepflegt werden will. Egal ob Tanzveranstaltungen, ein gemeinsamer Single-Tanzkurs, Theater, Kino, Restaurantbesuche, Party-Abende- wir hatten wirklich sehr viel Spaß zusammen . Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie auf einer Dating-Börse angemeldet ist, betonte aber nahezu bei jedem Treffen, dass sie es total schlimm findet, wenn man seine Freundinnen fallen lässt, nur weil man einen Typen " am Start hat". Niemals würde sie eine Freundin fallenlassen nur wegen eines Mannes. Also ungelogen- das erzählte sie mir wirklich bei jedem Treffen, dass ihr ihre Freundinnen total wichtig seien.
Irgendwann nach einem halben Jahr merkte ich auf einmal, dass sie gar nicht mehr nach Treffen fragte und dass auf einmal ich diejenige war, die deutlich öfter nach Treffen fragte . Auf einmal war ständig irgendwas bei ihr und anfangs glaubte ich wirklich, sie sei vom Pech verfolgt: die Mutter wurde auf einmal immer pflege-intensiver, die Tochter hatte den Fuß gebrochen und sie musste sich kümmern, der Sohn war auf einmal so schwierig und brauchte ihre Fürsorge, plötzlich war sie auch ständig am Wochenende bei einer Cousine ( die sie zuvor nie erwähnt hatte), dann hatte sie ständig irgendwelchen Büro-Kram zu erledigen, der Ex-Mann tickte auf einmal aus und sie musste zu einem Anwalt etc. etc. Also auf jede meiner Anfragen nach einem Treffen kam eine neue Story, in der sie aufwändig erklärte warum sie gerade keine Zeit hatte. Ich sprach sie ganz direkt darauf an, ob ich irgendwas falsch gemacht hätte, da sie ja neuerdings so gar keine Zeit mehr für mich hätte und sie betonte sehr emotional, wie wichtig ich ihr sei, dass ich ihr wirklich ganz ganz wichtig sei und sie total froh sei, mich kennengelernt zu haben, dass aber derzeit einfach viel los sei in ihrem Leben. Wir trafen uns noch genau ein Mal nach diesem komischen Verhalten und da deutete sie dann an, jemanden kennengelernt zu haben, aber das sei alles noch total locker, also sie habe ihn nur zwei Mal beim spazierengehen gesehen und sie wisse absolut nicht ob das was ernstes würde, da es so viele Dinge gäbe, die nicht passten mit ihm ... später dann verhaspelte sie sich und dadurch wurde mir klar, dass sie diesen Mann nicht erst zwei Mal gesehen hatte sondern dass das seit Monaten schon ihr fester Freund war. Ich kam mir komplett verarscht vor und fragte mich, was dieses Schmierentheater soll. Hätte sie von vornherein gesagt, dass sie jemanden kennengelernt hätte und sie da ein wenig mehr Zeit investieren möchte und wir uns daher nicht mehr so oft sehen können, wäre ich total fein damit gewesen. Ich aber habe mir monatelang Gedanken gemacht, was mit ihr los ist. Ob sie wirklich vom Pech verfolgt ist, ob sie eventuell eine depressive Phase hat und daher niemanden sehen oder treffen will oder ob sie einfach nur die Schnauze von mir voll hat und nicht weiß wie sie es mir sagen soll. Aber nach dieser komischen Nummer habe ich den Kontakt abgebrochen. Also nicht aktiv , aber von mir aus einfach nichts mehr geschrieben und von ihr kam dann auch nichts mehr- wahrscheinlich war es ihr sogar ganz Recht. Sie scheint komplett auf diesen Mann fixiert zu sein und nicht mehr rechts und links zu gucken. Hätte sie mich nicht so völlig grundlos über Monate angelogen, würde ich mich wirklich für sie freuen, wenn sie da einen Menschen kennengelernt hat, mit dem sie ihr Leben verbringen möchte.
Daher kann ich aktuell sehr gut verstehen, wie du dich fühlst. Auch ich kann es nicht fassen, dass man sich wegen eines Mannes so total zurück zieht und ihn zur Priorität Nummer 1 im Leben macht . Ich habe andere Freundinnen- sogar hier aus dem Forum- die sich regelmäßig mit ihren Freundinnen weitertreffen, nachdem sie in einer festen Beziehung sind. Vielleicht nicht mehr so oft wie früher, aber das ist ja auch völlig normal. Aber doch so oft, dass man merkt, man war nicht nur der Lückenbüßer für eine männerlose Durststrecke, sondern eine echte Freundin.