28

Verstand vs Emotionen / Trennung vs Depressionen

phanero

phanero

31
1
16
Hey Leute,

ich spare mir mal zu erklären, warum ich hier bin Das wissen wir alle! Ich lese schon ein paar Tage mit.

Vor 3 Jahren habe ich schonmal eine Trennung verarbeitet, eine von der schmerzhaften Sorten. Eine der Sorte, wo er mir sogar Hoffnungen und dann doch einen Rückzieher machte. 7 Monate habe ich gelitten und dachte wirklich, so etwas würde mir in dieser Form nie wieder passieren. Ich habe es aber überlebt und ein Jahr später einen wirklichen lieben Partner kennengelernt.

Aber nun, nach zwei Jahren, ist es auch mit ihm zu Ende, vor einer Woche hat er sich getrennt. Ich würde nicht sagen, dass wir wirklich Probleme in der Beziehung hatten, aber er hat riesige Probleme mit sich selbst. Depressionen! Zuletzt so stark, dass durchaus sein Alltag darunter litt, nicht nur ich.

Wir hatten deswegen kleinere Konflikte, aber im großen und ganzen war die Zeit zusammen doch sehr gut. Ich zweifle aber, ob er das auch so sah, sonst hätte er sich wohl kaum getrennt? Depression is a b*tch! Er braucht wirklich Hilfe, es war nicht mehr mit anzusehen, wie er nach und nach abbaute. Es gab noch einen Schicksalsschlag Ende letzten Jahres, das hat ihm wohl den Rest gegeben. Ich konnte ihm nicht helfen, denn er hat darüber - wie über so vieles - nicht gesprochen.

Nunja, ich habe seine Nummer sofort gelöscht, alles vom Telefon runter, was mich triggern könnte, blockiert wo es nur ging. Zumindest das weiß ich vom letzten Mal, die Kontaktsperre ist das nützlichste Werkzeug überhaupt. für mich selbst (und jeden der das liest auch!)

Aber da sitze ich nun mit meiner Situation, der Verstand sagt: Alles richtig gemacht, blende ihn aus deinem Leben aus, der ist kaputt, der zieht dich eh runter, der is zu jung für dich, der muss erstmal mit sich selbst klarkommen.

Das stimmt auch alles so!

Wären da nicht die Emotionen. die schreien nach Erklärung, drehen meine Gedanken im Schleudergang, lassen mich mitten im Supermarkt in Tränen ausbrechen und unterbinden jeden Anflug von Konzentration. Ich habe ihn NICHT gelöscht in den sozialen Netzwerken, denn DAS habe ich beim letzten Mal bereut. Aber ich schau halt nicht so genau hin.

Eine Mail hab ich ihm geschrieben. dass ich mir Sorgen um ihn mache und er sich wirklich Hilfe suchen soll, damit er nicht weiter alles kaputt macht um sich rum und auch noch glaubt, er hätte nichts besseres verdient. sch. Depression, echt!

Und glaubt ihr's, ich HOFFE sogar, da hätte nur die Depression gesprochen. Dass er sich eines besseren besinnt. obwohl ich doch weiß, dass die Probleme davon nicht weggehen

Möchte mich jemand begleiten auf diesem Weg? Ich glaube, ich habe noch einiges vor mir und will es so richtig wie möglich machen. Ich möchte nicht nochmal auf das heulende Häufchen Elend vor 3 Jahren zurückfallen. ich will, dass es mir einfach nur besser geht und ich den Schmerz vergessen kann.

DANKE

05.03.2019 17:58 • x 1 #1


Strange

Strange

27
1
19
Hallöchen Popöchen,

Emotionen sind schon blöd und manchmal möchte man sie einfach ausschalten, ich denke, dass kennt jeder hat. Schlimm ist auch, wenn man es selbst so ganz genau weiß, aber das Herz es erstmal lernen muss und das ist einfach - man kann es nicht netter formulieren- ein richtig beschis*ener Prozess.
Ich finde, dass es immer schwer ist zu entscheiden, wie man am besten (oder am schonensten) mit depressiven Leuten umgehen sollte und man fühlt sich da ja auch immer ein wenig in Verantwortung genommen. Wenn du dir so große Sorgen machst, würde ich den Kontakt nicht ganz abbrechen, bzw ihn leicht wieder aufnehmen und immer mal wieder versuchen ihn aus seinem Loch zu animieren, aber alles zu seiner Zeit. Hört sich vielleicht doof an, aber man selbst ist seine erste Instanz und deshalb solltest du dich erstmal auf dich und deine Trauer konzentrieren, damit du wieder Klarsicht erlangst und auch rational mit dem Thema umgehen kannst und frag dich immer ob du dir so eine Zukunft gewünscht, bzw ob du es ausgehalten hättest.
Naja, das sind zumindest meine Gedanken dazu.
Bleib stark und liebe Grüße (:

05.03.2019 18:10 • x 1 #2


empty23

Hey! Mir geht es ganz ähnlich. Mein freund hat sich getrennt, wegen seiner Depression. Er sagt, es ist einfach der falsche zeitpunkt für eine beziehung. Er will abstand und erstmal mit sich selbst klar kommen. Den abstand hat er nun. Bin über 1000km zurück in die heimat gezogen :/
Ich hoffe, so wie du, dass es noch eine chance gibt.

05.03.2019 19:39 • #3


phanero

phanero


31
1
16
Hey empty23, ich wünsch dir auch viel Kraft dass durchzustehen. Vielleicht hilft dir die räumliche Trennung sogar!? Aber verbringe die Zeit so aktiv wie möglich - warte nicht zuviel

05.03.2019 22:35 • #4


phanero

phanero


31
1
16
Danke Strange, dass du deine Gedanken mit mir teilst. Ich denke auch, dass ich es mir guttut, wenn ich soviel Abstand wie möglich nehme.

Zitat von Strange:
man fühlt sich da ja auch immer ein wenig in Verantwortung genommen


Derzeit kann ich Verantwortungsgefühl und Sehnsucht nicht so recht trennen, aber Grund zur Sorge gibt es.

Wir haben gemeinsame Kontakt, also kann ich mich vielleicht bei einer Gelegenheit erkundigen nach ihm? Ich weiß schon, dass es ihm schlecht geht, aber von ihm persönlich habe ich nichts gehört.

Und da springt es wieder im Kopf, das verletzte Ego und daneben tanzt die Emo in roten Lackschuhen...

05.03.2019 22:46 • x 1 #5


phanero

phanero


31
1
16
Gestern war echt ein schlimmer Tag... heute geht mir es ein bißchen besser.
Eine Freundin hat mir mitgeteilt, dass es ihm wirklich schlecht geht. Ich weiß trotzdem nicht, ob ich mich melden sollte, es tut einfach so sehr weh und die Antwort will ich auch nicht wissen. Vielleicht kommt auch keine.

Ich habe mich nur 1mal bei ihm gemeldet in diesen 10 Tagen, mit einer kurzen "meld dich, wenn du Hilfe brauchst" Mail, aber reagiert hat er nicht. Da er sonst immer so zuverlässig war, wir uns nicht gestritten haben oder so, kann ich das überhaupt nicht einordnen. Ich denke, er will mich nicht weiter verletzen...

Aber warum geht es ihm so schlecht? Müsste er nicht wenigstens für sich Erleichterung gefunden haben?
Unsere Bekannte macht sich ebenso Sorgen um ihn. Offensichtlich verkriecht er sich noch mehr, also vorher schon.

Ich hoffe einfach, dass er sich bald Hilfe sucht! Nebenher bin ich leider weiter sehr traurig, dass ich nicht Teil dieser Entwicklung sein darf

06.03.2019 14:08 • x 1 #6


Strange

Strange

27
1
19
Es ist für ihn ja genauso ein Prozess von Verständnis und Akzeptanz.
Ich denke, dass es richtig ist erstmal Ruhe in die Sache reinzubringen und Distanz zu gewinnen, für beide Seiten und wenn alles ein Stückchen besser und geordneter ist kann man nochmal mit Klarheit reden und sich zusammenraufen.

Ich wünsche dir viel Kraft!

06.03.2019 17:45 • #7


Siglo-XX

Siglo-XX

185
1
151
Hallo Phanero,

erstmal Willkommen hier im Forum!

Ich selbst war mehrfach betroffen von Depressionen und kann deshalb vielleicht ein wenig seine Sicht auf eure Beziehung nachvollziehen..
Allerdings ist Depression nicht gleich Depression. Bei mir hat es in meinen drei akuten Phasen ebenfalls sehr starke Zweifel an meiner Beziehung gegeben. Schon minimale Kleinigkeiten, ein falscher Blick, ein falscher Ton im Satz, etc., führten dazu, mich sofort als ungeliebt zu fühlen. Nicht nur von meiner meiner Partnerin. Ich kam mir klein, unwichtig und nutzlos vor. Und das schlimmste war, ich sah keinerlei Hoffnung mehr.
Ich befand mich in einer Abwärtsspirale, in welcher ich nicht mehr an die Liebe meiner Freundin glauben konnte. Und hatte deshalb mehrfach Schluss gemacht, was aber eigentlich nur ein Schrei nach Hilfe war. Und dann ging es mir noch schlechter.

Sie war damals so lieb zu mir. Hat sich Bücher über diese Krankheit gekauft und ist bei mir geblieben. Dafür bin ich ihr bis heute dankbar. 13 Jahre waren wir zusammen und sind noch immer sehr gute Freunde.

Depressionen verändern die Sichtweise auf alles. Man lebt in einem Zerrbild und riskiert durch falsches Handeln Job, Freundschaften und den Partner. Mit dem Ergebnis, dass die Heilung damit immer schwerer wird, weil reale Probleme hinzukommen, die alleine schon zu Ängsten und Schwermut führen können.

Und sehr oft ist es ja so, dass Depressive von ihren Partnern verlassen werden. Einfach, weil die das nicht mehr aushalten und sich selbst abgestoßen fühlen.

Ich könnte mir vorstellen, dass er seine Entscheidung bereut, wenn es ihm wieder besser geht.
Lässt er sich denn helfen? Ist er in Behandlung?

06.03.2019 18:29 • x 2 #8


phanero

phanero


31
1
16
Zitat von Siglo-XX:
Depressionen verändern die Sichtweise auf alles. Man lebt in einem Zerrbild und riskiert durch falsches Handeln Job, Freundschaften und den Partner.


Hallo Siglo, danke auch für deinen Beitrag.

Das bestätigt durchaus meine Annahmen. "Ich fühle mich nutzlos" hat er zuletzt sogar mehrfach gesagt und das empfand ich auch schon als krasse Äußerung. Darauf hatte ich immer was nettes zu entgegnen.

Aber diese Kleinigkeiten, den falschen Tonfall und auch mal sarkastische Äußerungen, das hat es auch gegeben. Ich konnte nicht immer alle negativen Emotionen für mich behalten - habe dann aber jede Äußerung bedauert, weil er sich sofort noch kleiner und schuldig fühlte.

Ich lese jetzt schon seit zwei Jahren über Depressionen, er hatte sie ja schon vorher und hat auch Antidepressiva bekommen vom Hausarzt. Das die auf jeden Fall wirken wusste ich, wenn ich sie mal ein paar Tage nicht genommen hat.

Ich habe nun noch zusätzlichen einen guten Freund motiviert, wirklich acht zu geben und Druck in Richtung Therapie auszuüben. Der glaubt nämlich, er müsste jetzt nur ganz viel da sein für seinen besten Freund - ich weiß aber, dass das nicht mehr reicht.

Ich habe die ganze Zeit daran geglaubt, ich müsse ihn Watte packen. Aber ehrlich mal, das ist totaler Blödsinn. Ich habe durchaus ein schlechtes Gewissen, weil ich hinter seinem Rücken über seine Situation rede, aber ich hätte viel früher offen sprechen sollen. Er hätte den Tritt wirklich nötig gehabt. Ich bereue das, ändert jetzt aber auch nichts. Mehr kann ich gerade nicht tun, schon das schmerzt. Die Freunde können ihn ja treffen, ich nicht.

Siglo, ich würde gerne bei ihm bleiben, aber auch ich ringe mit meinen Zweifeln. Wir wohnen nicht zusammen und es fühlt sich nicht richtig an, einfach so vor seiner Tür aufzutauchen. So wie Strange das schon in ihrer ersten Antwort geschrieben hat, muss ich für mich rausfinden, ob ich das wirklich für meine Zukunft will. Ich weiß sicher, dass ich noch ein wenig weiter mit ihm geschwommen wäre - natürlich mit der Hoffnung an Bord, es würde sich eines Tages bessern.

Ich bräuchte schon ein Signal von ihm, denn es gibt auch sehr viele andere valide Gründe für eine Trennung. Ich wüsste nicht, warum sich nicht auch Depressive einfach ent-lieben könne, außerdem habe ich keine Ahnung, wie lange das schon in seinem Kopf kreiste. Mein Stolz trägt das irgendwie nicht... Es freut mich für dich, Siglo, dass deine Freundin da mit dir durchgegangen ist. Was führte denn bei euch letztendlich zu Trennung?

Gerade suche ich mir selber therapeutische Hilfe, zum ersten Mal in meinem Leben. Ich habe das Gefühl, dies und ein paar andere Dinge einfach nicht mehr selbst sortieren zu können. Nächste Woche habe ich einen Termin...

Siglo, ich hatte noch einen Gedanken: Kann sein Wissen um die Depression den Prozess vielleicht sogar verschlimmern? Ich meine, wenn das zum ersten Mal im Leben auftritt und man erhält diese Diagnose, dann stelle ich mir das erleichternd vor.
Aber wenn man so lange damit lebt, verstärkt es dann nicht die Haltung, man könne es eh nicht ändern? Wie hast du das bei deiner zweiten und dritten Episode empfunden?

Und auch noch eine Frage habe ich: Ist es für Männer wirklich so schwer, sich zu öffnen? Ich habe ein paar Freundinnen, die alle in Behandlung waren oder sind, die können offen darüber reden, teils sehr metaphorisch, aber immerhin können Sie sich ausdrücken. Mein Ex-Freund kann das nicht, der hört einfach auf zu sprechen... denke aber oft, dass Worte der erste Schritt Richtung Besserung sind.

Ui, das war jetzt viel Gedankenkram... ich bin halt stetig am Grübeln. Tut mir auch nicht gut, aber das wird schon.

DANKE EUCH!

07.03.2019 10:07 • x 1 #9


Siglo-XX

Siglo-XX

185
1
151
Zitat von phanero:
Siglo, ich würde gerne bei ihm bleiben, aber auch ich ringe mit meinen Zweifeln. Wir wohnen nicht zusammen und es fühlt sich nicht richtig an, einfach so vor seiner Tür aufzutauchen. So wie Strange das schon in ihrer ersten Antwort geschrieben hat, muss ich für mich rausfinden, ob ich das wirklich für meine Zukunft will. Ich weiß sicher, dass ich noch ein wenig weiter mit ihm geschwommen wäre - natürlich mit der Hoffnung an Bord, es würde sich eines Tages bessern.


Das ist eine ganz schwere Entscheidung. Letztlich musst Du Dich auch um Dich selbst sorgen.
Vor seiner Tür auftauchen würde ich Dir nicht raten. Aber vielleicht mit einer kleinen Aufmerksamkeit dafür sorgen, dass er weiß, Du bist noch da und wartest auf ihn. Wie auch immer die aussehen kann, wirst Du sicher am Besten wissen.
Er hat die Beziehung beendet. Das allein musst Du einfach erst mal akzeptieren. Deshalb wäre ich vorsichtig. Aber da ich um seinen Zustand weiß, könnte ein kleines Signal an ihn vielleicht helfen.

Zitat:
Ich bräuchte schon ein Signal von ihm, denn es gibt auch sehr viele andere valide Gründe für eine Trennung. Ich wüsste nicht, warum sich nicht auch Depressive einfach ent-lieben könne, außerdem habe ich keine Ahnung, wie lange das schon in seinem Kopf kreiste. Mein Stolz trägt das irgendwie nicht... Es freut mich für dich, Siglo, dass deine Freundin da mit dir durchgegangen ist. Was führte denn bei euch letztendlich zu Trennung?


Ich kann hier nur von mir sprechen. Das Schlussmachen tat mir selbst so leid, dass ich sehr schnell mein Bedauern ausdrückte. Denn ich wollte bei ihr bleiben. Da er das aber nicht tut, scheint er sicherer in Bezug auf seine Entscheidung zu sein. Oder es geht ihm noch schlechter, als mir damals, denn ich weiß, ich war kein richtig schwerer Fall.
Unsere Trennung war das klassische Entlieben. Ich sprach es vor knapp zwei Jahren an, auch weil ich merkte, langsam Interesse für Andere zu bekommen. Intimitäten zwischen uns gab es schon lange keine mehr. Anfangs tat es ihr sehr weh, aber heute sieht sie das ganz ähnlich. Es gab keine Wunden oder Verletzungen, weshalb wir beide noch immer sehr verbunden sind. Darüber bin ich sehr froh. Niemand kennt mich besser als sie und umgekehrt.
In meinem einzigen Thema hier, hatte ich das Anfangs auch angesprochen.

Zitat:
Gerade suche ich mir selber therapeutische Hilfe, zum ersten Mal in meinem Leben. Ich habe das Gefühl, dies und ein paar andere Dinge einfach nicht mehr selbst sortieren zu können. Nächste Woche habe ich einen Termin...

Siglo, ich hatte noch einen Gedanken: Kann sein Wissen um die Depression den Prozess vielleicht sogar verschlimmern? Ich meine, wenn das zum ersten Mal im Leben auftritt und man erhält diese Diagnose, dann stelle ich mir das erleichternd vor.
Aber wenn man so lange damit lebt, verstärkt es dann nicht die Haltung, man könne es eh nicht ändern? Wie hast du das bei deiner zweiten und dritten Episode empfunden?

Und auch noch eine Frage habe ich: Ist es für Männer wirklich so schwer, sich zu öffnen? Ich habe ein paar Freundinnen, die alle in Behandlung waren oder sind, die können offen darüber reden, teils sehr metaphorisch, aber immerhin können Sie sich ausdrücken. Mein Ex-Freund kann das nicht, der hört einfach auf zu sprechen... denke aber oft, dass Worte der erste Schritt Richtung Besserung sind.


Sehr gut. Auch ich habe mir professionelle Hilfe aufgrund einer Trennung gesucht. Diese ist auch der Grund, warum ich mich hier im Forum befinde.
Ich glaube nicht, dass allein das Wissen um die eigene Krankheit zu seinem Schlussmachen geführt hat. Denn man handelt nicht rational während einer Depression. Er befindet sich im Zustand völliger Leere und Bedeutungslosigkeit. Ich hatte das immer als eine Mischung mentaler Starre plus tiefer Traurigkeit empfunden. Hoffnung und Zuversicht sind wichtige Merkmale, die uns antreiben und leben lassen wollen, aber genau die fehlen in einer Depression. Es gibt dann einfach keinen Grund mehr, irgendetwas zu tun.
Alles was er in diesem Zustand äußert, sollte nicht zu persönlich genommen werden. Aber Druck auszüben, sich helfen zu lassen, ist legitim.

Ich weiß heute, was zu tun ist, sollte es wieder losgehen. Und zum Glück geht es mir schon lange gut.

Und ja, Männern fällt es deutlich schwerer, über ihre Gefühle zu reden. Ich weiß nicht, warum das so ist, und ich bin hier wohl auch eine Ausnahme. Die meisten meiner guten Freunde sind weiblich, mit ihnen kann ich viel besser über Emotionen, Gefühle und tiefergehende Themen reden. Sie waren es auch, die mir wirklich helfen konnten. Auch in Bezug auf mein derzeitiges Problem, die Beziehung mit einer Borderlinerin.

Du kannst gern weiter fragen, ich versuche aus meiner Sicht zu antworten. Allerdings kann ich nicht für eine Allgemeingültigkeit garantieren. Ich bin ein paar Tage nicht da, aber ab Dienstag sicher wieder hier im Forum.

07.03.2019 15:08 • x 1 #10


baba

baba

154
1
137
Ich kann Dich verstehen. Mein Ex Partner ist depressiv und Alk.. Ich hab mir Hilfe in der Kniesologie gesucht, die mir hilft beim loslassen. Aber er muss sich selbst helfen. Da können wir nicht als angehörige übernehmen.
Depressionen ist nicht leicht zu verstehen. ich hab das Buch gelesen wenn liebe nicht reicht von Nova Meierhenrich.
Helfen kann er sich nur selbst, ich weiss es. Aber es ist schwer für uns Angehörige. Wir sind Co Depressiv. Das macht die Situation nicht leichter. Zudem ist viel Scham dahinter in diesem Bereich. Gerade von den Männer.
Viel Kraft.

07.03.2019 15:15 • #11


kleinessternche.

209
3
195
kann das auch gut verstehen. Mein Ex leidet seit fast 12 Jahren an Depressionen (die ich immer unterschätzt habe!), neuerdings auch an Computerspielsucht, von der ich bis vor kurzem gar nichts wusste. Dorthin flüchtete er wohl, um sich von seiner Situation abzulenken. Alles in allem ein Gemisch aus Depression, Bindungsstörung, aber auch eine gehörige Empathielosigkeit und Egozentrik. Ich kann das mittlerweile gar nicht mehr alles sortieren. Er ist therapiewillig, steht auch seit einem halben Jahr auf der Warteliste eines Therapeuten und möchte sich nochmal Medikamente verschrieben lassen und sich noch bei anderen Therapeuten erkundigen.
Es schämte sich für seine psychische Verfassung, konnte und wollte darüber auch kaum reden. Ich hab's respektiert und ihn in Ruhe gelassen.
Die Therapieabsicht für uns mittlerweile wieder zu spät. Er sagte zwar erst letzte Woche, dass er für mich empfindet, seine Emotionen befinden sich aber hinter dicken Mauern oder einem Nebel. Keine Ahnung. Irgendwann stößt halt auch der andere Part an seine Grenzen und muss für sich selbst die Reißleine ziehen, um nicht in den Abgrund mit heruntergerissen zu werden. Und daraus lernen, dass der Mensch nur sich selbst heilen kann.
Wünsche auch viel Kraft!


Zitat von Siglo-XX:
Er befindet sich im Zustand völliger Leere und Bedeutungslosigkeit.


Zitat von Siglo-XX:
Hoffnung und Zuversicht sind wichtige Merkmale, die uns antreiben und leben lassen wollen, aber genau die fehlen in einer Depression. Es gibt dann einfach keinen Grund mehr, irgendetwas zu tun.


ja, das ist leider der Punkt! Man kann wohl nur auf kurze gute Momente hoffen, die sie evtl. wieder etwas nach vorne pushen und hoffen, dass sie die Therapie durchziehen. Es ist ein Versuch wert.
Mein Ex hat sie schon einmal vor vielen Jahren abgebrochen und erstmal resigniert.

Zitat von baba:
ich hab das Buch gelesen wenn liebe nicht reicht von Nova Meierhenrich.

Zitat von baba:
Zudem ist viel Scham dahinter in diesem Bereich.


das ist sehr gut beschrieben in dem Buch, kann das auch nur empfehlen und Scham wohl bei mehreren Betroffenen ein großes Thema

07.03.2019 18:08 • x 2 #12


baba

baba

154
1
137
Für mich werden Depressionen gerade bei Männer extrem Unterschätzt. Es ist einfach ein Tabu Thema im Allgemeinen.
Zudem auch wenn die Depression diagnostiziert ist, werden die Angehörigen gerne vergessen. Wir sind Teil des Systems, sind Co- Depressiv. Selten denkt man an die Angehörigen in diesem System.
Für mich macht es loslassen noch schwerer. Eine normale Trennung ist schwer. Zu wissen, dass der EX einem ev noch mag, und das 3te quasi die Schuld für die Trennung sind, macht es nicht leichter. Zu Wissen, dass unsere EX Partner so krank sind, dass sie nicht wissen wie handeln macht die Sache nicht leichter.
Jetzt zählst einfach nur Du. Nur Du. Tue das was Dir gut tut. Egal wie hart es ist, dein EX muss sich selber zu wissen. Erst wenn er es will, gibts ne chance zu änderung.
Scham für seine Schwäche ist weit verbreitet, sowohl bei Frauen als auch bei Männer, wobei bei diesen tendenziell grösser.

07.03.2019 18:35 • x 2 #13


phanero

phanero


31
1
16
Danke euch... mir sollten all diese Kommentare total auf dem Weg helfen, bei mir zu bleiben - und ihm nicht auf die Nerven zu gehen.

Ich könnte mich ohrfeigen, ich habe es doch getan... seine Nummer war noch im Anrufverlauf. Ich habe es kurz klingeln lassen und dann panisch aufgelegt... hab mich total verflucht dafür. Was hätte ich auch sagen sollen?

Eine halbe Stunde später hat er gefragt, ob er abends zurückrufen könnte? Ich habe verneint, aber dann bin ich einfach auseinander geflossen und habe ihm alles im Chat vor die Füße gekippt. Naja, fast alles. Ich war nicht gemein oder anklagend, ich war einfach nur verwirrt und traurig.

Ich schäme mich so für mein Verhalten Ich dachte, ich hätte das besser unter Kontrolle.

Er meinte, dass es ihm wirklich schlecht ging und es sinnlos ist, weil er nicht darüber sprechen kann, dass sich sein Kopf aber langsam klärt. Er hätte vor allem Ruhe gebraucht und wollte mir auch noch schreiben. Ich bin ihm nicht egal, die Liebe wäre noch da und echt. Aber er hätte auch Zweifel und Angst.

Ich will ihm glauben, aber es klingt alles nach Plattitüden. Ich habe das alles schonmal gehört Ich könnte mir ins Bein schießen, dass ich nicht einfach die Klappe gehalten habe.

Jetzt sitze ich wieder hier und heule, obwohl ich dachte, das Schlimmste wäre überstanden. Ich wollte doch so gerne stark sein...

08.03.2019 10:19 • #14


baba

baba

154
1
137
Hol Dir Hilfe. Es gibt Rückfälle, dass ist nach einer normal, es ist immer ein auf und ab. Selbst bei mir nach 3 Monaten hab ich oft noch Rückfälle. Aber es wird besser.
Bleib bei Dir geh deinen Weg. Er braucht Hilfe, du kannst einen Depressiven leider nicht heilen. So gern du würdest.

08.03.2019 13:16 • #15




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag