Lieber TE,
das ist schon ein ziemlicher Hammer, der dir da passiert ist - tut mir sehr leid und ich kann es aufgrund eigener Erfahrungen, die in eine ähnliche Richtung gehen, ziemlich gut verstehen.
Mit solchen Startbedingungen
Zitat von Halbmond: Ich selbst bin chronisch psychisch krank Aufgrund meiner traumatischen Kindheit, Misshandlung und Zeit im Heim.
bist du leider für das gesellschaftliche System in diesem Land schon zu weit im Außenbereich.
Auf der anderen Seite
Zitat von Halbmond: Ich habe schon viel Therapie gemacht, bin reflektiert und arbeite so gut ich kann.
ist das etwas, das du vielen anderen mit ähnlichen Erfahrungen voraus hast. Nicht wenige resignieren, geben auf, richten sich um die Erkrankung herum ein.
Zitat von Halbmond: gegen meinen Willen berentet wurde und so meinen Job als Erzieher aufgeben musst, was mich sehr schlimm erwischt hat.
Kann mir vorstellen, dass das entsprechend schlimm gewesen sein muss, wenn der Job ein wesentlicher Faktor gewesen ist, der dir Halt gegeben hat. Ist wohl auch kein Zufall, dass du ausgerechnet Erzieher geworden bist?
😉 Nebenbei bemerkt ist es auch schon für Menschen mit weniger belastetem Hintergrund schwer genug, in sozialen bzw. helfenden Berufen zu bestehen. Respekt, dass du so lange durchgehalten hast!
👍Zitat von Halbmond: Jetzt hat mich meine Frau verlassen, sehe meine Tochter kaum, mein Job ist weg, bin mit 36 berentet und sitze gerade in einem Krankenhaus wegen eines massiven Nervenzusammenbruchs.
Das geht nun wirklich nicht spurlos an einem vorrüber, wenn plötzlich mehrere wichtige Säulen im Leben wegbrechen und die gesamte Statik ganz gehörig ins Wanken gerät. Immerhin hast du medizinische Hilfe, die dich erstmal ein Stück stabilisieren kann.
Zitat von Halbmond: Vor der Trennung war ich auf einem Guten Weg. 2 h arbeit als Erzieher pro Tag, 3 mal die Woche gym und wieder aktiver gewesen mit Freunden und Familie.
Klingt in der Tat schon mal ganz gut.
Waren diese 2 h, die du am Tag gearbeitet hast eine Stufe der Wiedereingliederung, nachdem du vorher länger krank gewesen bist? Hört sich für mich ein bisschen danach an.
Zitat von Halbmond: Hab kaum Einkommen, brauche Hilfe vom Staat sogar. Habe kaum Familie und Freunde und meine Depressionen sind extrem schlimm.
Leider hast du in diesem System nur eine Chance, wenn du trotz widrigster Bedingungen jeden Tag wieder die Zähne zusammenbeisst, gute Miene zum bösen Spiel machst und irgendwie versuchst, noch was auf die Kette zu kriegen. Aber wehe, du brichst zusammen und kannst nicht mehr abliefern. Dummerweise verstärkt unser gesellschaftliches System durch seine Struktur genau diese aufrechterhaltenden Bedingungen, die letztendlich zu so etwas wie einer high functional cPTSD führen.
Zitat von Halbmond: Ich weiß nicht mehr weiter
Wie soll ich das verkraften? Ich fühle mich unglaublich einsam, verzweifelt und verletzt.
Kann ich ziemlich gut verstehen.
Zitat von Halbmond: Meine Frau sagte sie müsse auf alles im Leben wegen mir verzichten,
Auf was bitte schön hat denn deine Nochfrau alles verzichten müssen?
Ich denke, sie wusste von Anfang an, auf was sie sich eingelassen hat.
Zitat von Halbmond: Ich hatte freundschaftlichen Kontakt zu einer Frau und meine Frau wollte mir den Kontakt verbieten, in meiner Therapie wsr aber Ziel, neue Freundschaften aufrecht zu erhalten und das ganze hat sich so zugespitzt, dass sie mich verlassen hat.
Konnte oder wollte deine Nochfrau das nicht verstehen, dass es um eine therapeutische Maßnahme ging, die gar nicht mal so unüblich ist?
Zitat von Halbmond: Ich bin nicht jeden Tag total deprimiert, ich kann auch sehr lustig und aktiver sein, aber ich habe immer Schübe, das wsr schon mein ganzes Leben so. Sie wusste es auch vor der Ehe.
Und so, wie sich das anhört, bist du niemand, der sich nicht bemüht hätte, trotz allem doch was aus seinem Leben zu machen. Daher ist es doppelt hart, so einen Schlag in den Magengrube verpasst zu bekommen.
Zitat von Mia83333: Aber nur weil deine Frau von deiner Erkrankung vor der Ehe wusste, heißt es ja nicht, das ihr das Ausmaß des Ganzen bewusst war. Es heißt ja auch nicht das eine psychische Erkrankung ein leben lang bleiben muss.
Vielleicht war ihr einfach nicht bewusst, das sie ihr ganzes leben damit klar kommen müsste.
Hat sie sich denn überhaupt soweit dafür interessiert, was für Diagnosen gestellt wurden, welche Beeinträchtigungen vorliegen, welche Behandlungen du gemacht hast?
Ich habe Menschen gesehen, die das jahrelang einfach ausgeblendet haben - solange wie Partner/in eben "funktioniert" hat. Als das nicht mehr gewährleistet war, war eben Feierabend.
Zitat von Halbmond: in dem fall weil diese freundin mir emotional etwas gegeben hat was mir bei meiner Frau immer gefehlt hat.
Und das wäre?
Zitat von Arnika: Du brauchst Struktur, Behandlung, Unterstützung und einen Alltag, der dich stabilisiert. Du bist nicht am Ende, du bist gerade nur in einem massiven Zusammenbruch, weil zu viele Belastungen gleichzeitig kamen.
Das wäre genau das, was ich dir auch raten könnte: Auch wenn es sich im Moment wie der Weltuntergang anfühlt, ist es eine Situation, mit der du umgehen kannst, wenn du dich wieder mehr stabilisiert hast. Offensichetlich hast du in deinem Leben auch schon andere Dinge geschafft - auch das solltest du dir immer wieder vor Augen halten.
Versuche, da weiterzumachen, wo du vor dem Zusammenbruch angefangen hast. Es wird Veränderungen geben, es wird den ein oder anderen Konflikt geben, aber das wichtigste dabei ist, dass du weiterhin an dich glaubst, dann kannst du es schaffen!
👍