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Von Worten, Taten und der Vergänglichkeit

Roni


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Hallo liebe Gemeinschaft,

ich wende mich an euch, um meine Geschichte mit euch zu teilen. Für mich selbst, aber auch um ein konstruktives Feedback zu bekommen.

Vor etwas mehr als zwei Jahren bin ich mit meinem Exfreund zusammengekommen. Ich war damals 31 und ziemlich abgeklärt und verbittert, weil mich mein Exexfreund ziemlich überraschend ohne großes Krisengespräch verlassen hatte und ausgezogen ist. Ewig bin ich ihm nachgelaufen, ohne Erfolg. In dieser Zeit habe ich meinen Exfreund kennengelernt. Ich habe sowas Wunderschönes (wirklich! ohne Verklärung) noch nie erlebt. Er hat mich total abgeholt und trotz meiner zerschmetterten Seele an uns geglaubt und mir die Zeit gegeben, die ich brauche. Rückblickend würde ich sogar sagen, dass er der erste Mensch in meinem Leben war, den ich jemals geliebt habe.

Circa Anfang dieses Jahres (er hat dafür Rezepte von einem Arzt verschrieben bekommen) fing er an, jeden Abend zu rauchen. Er hat davor schön öfter mal abends gek. , aber auf einmal fand das jeden Abend statt. Am Anfang hab ich das nicht so wild gesehen und auch gerne mitgemacht. Aber nach einiger Zeit (das schon vor Januar häufigere *beep* hatte mich irgendwie gestört) fing es an mich massiv zu belasten. Ich hatte das Gefühl, dass wir uns durch das tägliche *beep* verlieren und voneinander entfernen. Die Gespräche waren flacher, der Antrieb Unternehmungen zu planen gleich Null. An S. war beki. nicht zu denken für mich. Nicht, dass ich meinen Partner nicht attraktiv fand, aber das war für mich einfach einen unangenehme Reizüberflutung.

Extrem oft habe ich dieses Thema angesprochen. Weinend neben ihm gesessen. Verzweifelt! Ich wollte in dieser Beziehung alles besser machen und Probleme ansprechen, damit mein Partner mich nicht wortlos verlässt wie mein Partner davor. Er meinte aber immer zwischen uns ist alles perfekt. Er würde mich lieben und auch unsere Zeit unendlich genießen. Auch wenn wir weniger S. hatten, haben wir jede Nacht gekuschelt. Unsere Beziehung war also emotional nicht abgekühlt. Das *beep* entwickelte sich aber zu einem Dauerbrenner. Im einen Moment beteuerte er, dass er damit aufhören würde und selbst erkenne, dass es zuviel sei, im nächsten Moment war er einfach nur sauer, weil unsere Abende nicht mehr harmonisch sind, weil ich immer wieder dieses Thema anspreche. Er hatte immer weniger Resilienz mir gegenüber. Meine Trotteligkeit und Vergesslichkeit nervten ihn auf einmal sehr schnell, meine Planungen bzgl des Abendessens (ist ein Spleen von mir alles geplant haben zu wissen) fand er nervig. Noch dazu habe ich phasenweise einen depressiven Charakter, der sich durch sein Verhalten noch verstärkte. Ich ließ mich in mich Traurigkeit fallen, suchte aber immer wieder das Gespräch, das eigentlich nie wirklich stattfand. "Heute nicht." "Es passt doch alles." "Ich bin mit dir so unendlich glücklich."
Als er unsere Urlaubsplanung für diesen September immer wieder aufschob mit Gründen wie Stress in der Arbeit, seine Eltern hätten in unserer Urlaubszeit einen Urlaub gebucht und könnten nicht auf deinen Hund aufpassen, ist mir irgendwie der Kragen geplatzt. Ich war so enttäuscht, dass er unseren gemeinsamen Urlaub nicht wollte. Ich machte ihm Vorwürfe, er meinte, dass wir eine Pause bräuchten, im Affekt holte ich meine Sachen von ihm. Daraufhin rief er mich an, weinte. Kurz darauf kamen aber auf einmal Nachrichten von ihm, dass es wohl einfach nicht zwischen uns passe. Er alles versucht hätte, aber es nicht klappen würde. Ich war entsetzt. Zwar habe ich im Affekt meine Sachen geholt, wollte aber eigentlich nur, dass er bemerkt, dass sich etwas ändern muss. Zuerst beteuerte er, dass er mich so sehr lieben würde. Vier Tage bei einem Telefonat meinte er, dass er sich nicht mehr sicher sei, ob er mich noch lieben würde.
Es gab kein persönliches Gespräch, seitdem ich meine Sachen geholt hatte, alles lief nur telefonisch oder per WhatsApp. Seit gestern hat er mir auf meine Nachrichten nicht mehr geantwortet. Inhalt: wegen meinem Lebenshass wollte ich zu einer Psychologin gehen (endlich) und ich hatte auch den Vorschlag mit einer Paartherapie an unseren Kommunikationshürden arbeiten. Keine Antwort. Ich bin so unendlich verzweifelt, dass ich die Liebe meines Lebens verloren habe Die erste richtige Krise muss doch zu meistern sein mit Gesprächen und etwas Arbeit. Die letzten zwei, drei Monate waren etwas holprig, aber das macht doch nicht ganze Beziehung hinfällig?

Über jedes einzelne Feedback bin ich unendlich dankbar!

16.09.2021 09:07 • #316


Easy68

Easy68


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@Roni fühl Dich einfach mal gedrückt.
Jede Trennung hier hat seine eigenen und für den Betroffenen dramatischen und unfassbaren Hintergründe. Offene Fragen, auf die man wohl nie eine Antwort erhalten wird. Akzeptanz ist hier ganz wichtig, auch wenn es sehr schwierig ist.
Ich selbst bin jetzt, 5 Monate nach der Trennung, in einem tiefen Loch der Einsamkeit, fühl mich extrem allein gelassen, hab üble Probleme und kaum die Energie, diese zu lösen.
Ich glaube aber daran, dass die Zeit uns helfen wird, diese Krise zu überstehen.
Du bist nicht allein.

21.09.2021 06:40 • x 1 #317



Von Worten, Taten und der Vergänglichkeit

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Roni


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Zitat von Easy68:
@Roni fühl Dich einfach mal gedrückt. Jede Trennung hier hat seine eigenen und für den Betroffenen dramatischen und unfassbaren Hintergründe. ...


Vielen, vielen Dank für diese liebe Nachricht. Der Drücker hat auf jeden Fall gut getan

22.09.2021 20:26 • #318


Mandyna


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Ich, als Frau, habe mich getrennt, nach mehr als 25 Jahren. Natürlich hadere ich damit, weil es so paradox ist. Ich hab es emotional nicht mehr ausgehalten. Da war keine Augenhöhe mehr, keine Zweisamkeit, wenn ja, dann als Pflichtgefühl. Er ist Emotionen und Gefühlen aus dem Weg gegangen.
Die Floskel :"ich liebe dich wie am ersten Tag," treibt mir nach 7 Monaten Trennung noch immer Tränen in die Augen, wenn ich daran denke.
Ich hab mich erfolglos dagegen gewehrt: Er meinte, Liebe wird zur Freundschaft, Zweisamkeit und Körperpflege sind unwichtig. Er hat nie Fehler zugegeben, heute erst recht nicht.
Ich fühlte mich alleine verantwortlich für die Partnerschaft. Er nimmt mir übel dass ich mich getrennt habe, er ist zwar greifbar, fühlt sich aber ausgenutzt, schleicht sich nun langsam aus meinem Leben. Jetzt ist er es, der sich trennt. Ich bin die Verlassene, ob wohl ich ihn aus meinem Leben haben wollte. Das tut weh. Unbeschreiblich. Eigentlich wollte ich die Zeit, die ich noch habe, genießen, es gelingt mir nicht. Gibt es Männer, die über Gefühle und Emotionen reden können? Er kann es, bei anderen, nie im Leben über sich selbst.
Danke, dass ich hier so viel Trost bekommen darf. Ich bin nicht alleine.

27.10.2021 05:51 • #319




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