Zitat von angel09:Ich habe den Begriff der emotionalen Affäre gewählt, weil er so in der Literatur benutzt wird. Damit ist die emotionale Komponente bei Affären mit Körperkontakt nicht ausgeschlossen.
Mir ist bewusst, dass der Begriff in der Literatur so verwendet wird. Aber in der Alltagskommunikation empfinde ich den Begriff dennoch als problematisch, weil eben sehr oft argumentiert wird, eine emotionale Affäre sei sogar schlimmer als eine körperliche Affäre, weil bei der körperlichen Affäre ja oft gar keine emotionale Bindung entstehe. Und genau das möchte ich entschieden bezweifeln. Eine körperliche Affäre ist meiner Überzeugung nach nicht nur manchmal, sondern in den allermeisten Fällen zugleich auch eine emotionale Affäre.
Zitat von angel09:Ich finde Fremdverlieben in einer langjährigen Beziehung kann passieren. Und natürlich ist es schwer zuzusehen, wie der Partner quasi Liebeskummer hat aufgrund einer dritten Person. Aber der Vertrauensbruch entsteht mit dem unehrlichen Umgang des Partners. Heimliche Treffen, heimliches Schreiben, usw.- zu mindestens ist das für mich so.
Du scheinst vorauszusetzen, dass der verliebte Partner im Falle einer offenen Kommunikation, den Kontakt zu der Person, in die er sich verliebt hat, sofort einstellt und seine Gefühle fortan nur noch mit Dir erörtert, aber nicht mehr auslebt. Wie Du hier und in anderen Foren nachlesen kannst, läuft das aber in den Fällen, in denen offen kommuniziert wird, oftmals gar nicht so wie Du es Dir vorstellst. Der verliebte Partner teilt dann zwar mit, dass er oft an die andere Person denken muss, und dass er sich erneut zum Mittagessen mit ihr getroffen hat, er leistet aber den Unterlassungsaufforderungen des Partners keine Folge, weil er es schlichtweg nicht schafft gegen das intensive Nähebedürfnis gegenüber dieser Person, mit der er täglich zu tun hat, anzukämpfen. Und sein schlechtes Gewissen hält sich in Grenzen, weil er ja nichts verheimlicht hat.
Durch die Unehrlichkeit und deren Aufdeckung gerät der unehrliche Partner hingegen unter Zugzwang. Er muss eingestehen, dass da irgendetwas abläuft, von dem auch er selbst weiß, dass es nicht in Ordnung ist, denn sonst hätte er es ja nicht verheimlicht. Die Wahrscheinlichkeit eines zeitnahen Kontaktabbruchs nach der Aufdeckung ist in solchen Fällen daher wesentlich höher als im Falle einer offenen Kommunikation.