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Wann ist ein Mann heute nach euer Ansicht stabil?

M
Zitat von Zylinderella:
Ich kann das sehr gut verstehen. Wenn man eine Weile im Forum mitliest, ich dachte es gerade heute morgen wieder, dass wir ein Land voller Diagnosen sind. Gibst noch Menschen ohne Diagnosen.?

Ich wohne an der Grenze zur Schweiz und merke da schon einen deutlichen Unterschied.
Die Schweizer sind viel gelassener, ruhiger, auch im politischen Kontext...spiegelt meiner Meinung ja
nur das, was auch in Familien oft läuft...wird kaum gespalten oder gehetzt, jeder darf seine Meinung
haben und man hört sich entspannt zu. Ebenso die Österreicher.
Hier auf dem Land lebt sich s auch ganz gut.

Aber ja...ich glaube tatsächlich, viele ruhen sich auch auf ihren Diagnosen aus und entschuldigen
damit bei sich und anderen schlechtes oder böses Benehmen.
Es fehlt heute auch die Zeit zur Heilung. Früher hat man halt einen Spaziergang gemacht um
nach der Arbeit runterzukommen oder saß ruhig zusammen und hat erzählt.
Heute sind alle dauernd abgelenkt und am Handy, Laptop, Arbeit etc....wie soll man sich da noch
fühlen? Und Stress und Hektik machen den Handlungsspielraum unter Druck sehr eng.
Ich bin ja total der Naturfan und gehe täglich raus. Ohne das wäre ich nie psychisch stabil geblieben bei meiner
Biographie....vermutlich würde ich nicht mal mehr leben...

#106


Mindtricks
Zur Grundfrage zurück:

Ich habe mich viel mit dem Thema beschäftigt in letzter Zeit - aus aktuellem Anlass heraus.

Generell wird wohl als "stabil" verstanden, dass ein Mann:

1) In sich ruht, also emotional gefestigt ist
2) Unabhängig von anderen Menschen ist
3) Mit beiden Beinen im Leben steht
4) Selbstbewusst und souverän auftritt, ohne dabei arrogant zu wirken

Also ein Mann, welcher für die Frau Ruhepol, Ratgeber, "Fels in der Brandung"sein kann und seine eigenen Ziele und Wünsche nicht aus den Augen verliert.

So ein Mann war ich, bevor ich meine Partnerin vor zwei Jahren kennengelernt habe. Nach vielen Jahren Wachstum und der Erkenntnis, dass ich mittlerweile viel Lebenserfahrung und Reife mitbringe und auch schwierige Situationen meistern kann.
Durch diese neue Partnerschaft habe ich mein Herz geöffnet und mich damit verwundbar gemacht.
Meine Partnerin, die mich als "stabilen" Mann kennengelernt hat, hat mich plötzlich auch von meiner verletzlichen Seite erlebt:
Mal in Erinnerungen/Emotionen schwelgend, mal mit ihr herumalbernd...ja, auch mal verzweifelt, fassungslos oder traurig.
Dann kam ihr Lebenseinschnitt in unsere Beziehung (neuer Job, neue Wohnung, schlechte Finanzen...) und sie begann damit, sich emotional zu distanzieren. Wohl um sich und ihre Gedanken zu ordnen.

Das wiederum hat mich in mein Ur-Muster zurückfallen lassen: In mir kam eine Verlustangst hoch, die ich schon lange nicht mehr gespürt hatte. Ich begann ihr Handeln zu hinterfragen, wollte die Beweggründe für ihre plötzliche Distanz wissen. Ich habe mir Gedanken gemacht, begann zu grübeln, Fragen zu stellen....

Und damit war ich plötzlich nicht mehr der stabile Partner, den sie kennengelernt und vermutlich gebraucht hätte.

Heute stehe ich da mit einer Beziehung, die sich weder richtig noch komplett falsch anfühlt - ich bin in der Schwebe.

- Aber darf ein Mann nicht auch emotional werden? Wenn er seinen Job verliert oder fürchtet, dass seine Partnerin die Beziehung ausschleichen möchte?
- Darf ein Mann nicht auch Angst haben und um eine Beziehung kämpfen wollen?
- Ist es verwerflich, wenn ein selbstbewusster und souveräner Mann nach Jahren denn auch mal durch eine emotional schwierige Phase geht?

Ich habe das Gefühl, dass viele Frauen hier kein Verständnis aufbringen und ihren Partner (der plötzlich verletzlich wirkt) schnell in eine Schublade stecken. Der stolze Ritter hat seine Rüstung verloren...der Fels in der Brandung braucht nun selbst Halt und Stütze. Sieht eine Frau sich dann ggf. in vertauschten Rollen und distanziert sich weiter emotional?

#107


A


Wann ist ein Mann heute nach euer Ansicht stabil?

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M
Zitat von Mindtricks:
Zur Grundfrage zurück: Ich habe mich viel mit dem Thema beschäftigt in letzter Zeit - aus aktuellem Anlass heraus. Generell wird wohl als "stabil" verstanden, dass ein Mann: 1) In sich ruht, also emotional gefestigt ist 2) Unabhängig von anderen Menschen ist 3) Mit beiden Beinen im Leben steht 4) ...

Ich finde Männer, die Gefühle haben und diese auch benennen können höchst attraktiv.
Das sind nämlich in der Regel diejenigen, die nicht ausagieren über Macht, Kontrolle,
Manipulation weil sie ihre Gefühle abwehren müssen und haben auch Mitgefühl.
Fast noch wichtiger: weil sie ihre eigenen Schwächen und Gefühle akzeptieren, neigen
sie weniger dazu, die einer Frau abzuwerten oder zu bagatellisieren.
Ist meine Erfahrung.

Ich glaube hier wird oft etwas verwechselt, von Männern und Frauen:
stabil heisst nicht unverwundbar. stabil heisst nicht unverletzlich.
Ich kann mM nach garkeine echte Beziehung führen, ohne mich verletzlich zu machen!
Die Frage ist nur: wie gehe ich damit um?
Wehre ich es ab über Aggression, Dominanz und pseudo Autonomie?
Oder kann ich kommunizieren, wenn ich verletzlich bin ohne es auszuagieren.

Verletzlichkeit macht Männer wie Frauen höchst attraktiv als Partner.
Verletzlich heisst nicht instabli. Verletzlich heisst offen.
Und wer dann noch Verantwortung für seine Gefühle übernehmen und sie benennen
kann, ist ein super Partner. Ob als Mann oder Frau.

Verletzlich sein ist auch nicht gleichzusetzen mit meinungslos, rückgratlos oder
"Lappen" sein. Oft wird das aber vermixt wenn es um Männer geht.
Ich kann sanft sein und trotzdem standing und Werte und Grenzen haben.
Ich kann mich traurig zeigen und trotzdem stabil und konsistent für die Partnerin
da sein. Das schafft emotionale Nähe und stärkt die Bindung.

Nirgends ist man sich so nah wie in Beziehung. Wie soll das denn ohne
Verletzlichkeit überhaupt gehen? Du kannst Dich auch nicht waschen, ohne nass
zu werden...

Es hat wie gerade jemand schrieb vielleicht wirklich mit dem Kriegertum der Männer zu tun.
Man stelle sich vor, vor den Weltkriegen hätten sich alle Männer verletzlich gezeigt und
gesagt, dass es ihnen nicht guttut, andere fremde Männer zu töten und zu verstümmeln und
dass sie Angst haben, selber getötet und verstümmelt zu werden (was nur menschlich wäre)
anstatt ihre Menschlichkeit abzuwehren -aufgrund falsch verstandener Härte, die mit
echter Stärke verwechselt wurde- und Angst
davor, "zu weich" zu sein.
Was hätte an Leid verhindert werden können....unfassbar, oder?

x 3 #108


S
Zitat von Zylinderella:
Er ist ein Kind von Kindern, die Kinder von Kriegstraumatisierten waren.

Ich mag diese Denkweise, wiel viele haben Eltern, die traumatisiert waren und viele Eigenschaften weitergegeben haben, ohne das in das Bewußt ist.

Mein Vater ist im Krieg groß geworden war erst mit Oma und Bruder Evakuierung und später wieder zurück geflüchtet und hat die letzen Kriegstage oft bei Luftalarm im Keller verbracht - ein Haus daneben hatte es erwischt und ist komplett eingestürzt.
Kurz nach dem Krieg war alles niedergebommt, mein Vater erzählte mir, dass sie Munition gesammelt haben um damit zu spielen - es gab ja nichts!

Das alles hat seelische Spuren hinterlassen, niemals würde dies aufgearbeitet und wir haben diese Erbe teilweise übernommen.

x 1 #109


ElGatoRojo
Zitat von merretich:
Ich kann mM nach garkeine echte Beziehung führen, ohne mich verletzlich zu machen! (...) Wehre ich es ab über Aggression, Dominanz und pseudo Autonomie?

🎯👍

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