Zitat von alleswirdbesser: Ab wann weiß man denn Bescheid
Ich denke, dass man nach der ersten Schwangerschaft weiß, was das bedeutet.
Vorher, als Schwester, als Vater oder in der Theorie hat man bestimmt einen mehr oder weniger guten Eindruck und kann sich auch schon eine Meinung bilden. Auch vor dem 18. Geburtstag.
Aber einer 30jährigen Frau (so der Durchschnitt) bzw. einer 18jährigen oder 43jährigen, die alle 3 schon schwanger waren und geboren haben, können meines Erachtens eine fundiertere Entscheidung über ihren Körper und ihre Situation treffen als irgendwer anderes. Auch als jede andere Frau, die schon geboren hat. In jedem Fall aber fundierter als jeder Mann, der daneben stand.
Und das ist wichtig, weil ja immer im Raum steht, dass nur schwache Frauen oder leichtfertige Frauen oder Frauen, die das als Verhütungsmittel halten, abtreiben.
Ich halte alle Frauen, die schwanger sind, für kompetent, über ihren eigenen Körper zu entscheiden.
Zitat von RoteTablette: Und der Bauplan des Kindes stammt zur Hälfte von ...?
Den Vorfahren des Vaters?
Oder dem Vater?
Oder dem Kind?
Soll der Architekt das Recht erhalten, über den Abriss eines Hauses (mitzu)bestimmen oder der Bauherr selbst? Oder auch das Bauamt?
Das ist doch genau die Frage.
Warum ihr euch aufgrund eigener Erfahrung und Werte so sicher sein könnt, dass alles, was sich für euch richtig und logisch anfühlt, es auch für alle anderen Menschen sein muss, ist die eigentliche Frage.
Die Leistung einer 18jährigen, die sich eine Schwangerschaft zugetraut hat, wird doch nicht durch die Entscheidung einer anderen Frau, die sich das nicht zutraut, geschmälert.
Und wessen Interessen wir noch gar nicht betrachtet haben (neben dem Fortpflanzungsinteresse des Vaters) sind die vorhandenen und zukünftigen Kinder der Frau.
Wenn die Ressourcen der Frau (und eventuell des Vaters) gerade so für zwei Kinder reichen, darf deren Mutter dann bewusst durch eine Schwangerschaft und Geburt die Bedürftigkeit und Vernachlässigung der zwei Kinder zu Gunsten des Lebensrechts des dritten verursachen?
Und welche Rechte haben die ungeborenen, ungezeugten Kinder und die Gesellschaft?
Eine 18jährige, die ihre Schul- und Berufsausbildung abbrechen muss, um ein Kind zu gebären und in größerer Not aufzuziehen, wird vermutlich weniger Kinder gebären und in Wohlstand aufziehen, als eine Frau, die diesen Fötus abtreibt, Abitur macht, studiert, einen Mann findet, der ebenfalls einen Kinderwunsch hat und sie während und nach der Schwangerschaft unterstützt.
Aktuell lassen sich mehr Frauen in den USA die Eileiter abschnüren/veröden, weil sie durch die Abtreibungsverschärfungen mehr Ängste vor Schwangerschaften haben, als vor dem Dobbs-Urteil. All diese Frauen werden definitiv und endgültig keine Kinder mehr bekommen.
Ich finde diese Wechselwirkungen nicht so einfach zu beurteilen, vor allem nicht leicht zu begründen.