Zitat von Nalf: Keine Frau muss sich von einem Mann abhängig machen und kein Mann von einer Frau. Wie nicht nur Alleinstehende und gleichgeschlechtlich Liebende beweisen, sondern auch die Heteros, die dieses Wissen zur Grundlage ihrer Beziehung machen.
Meinem Eindruck nach wird der Begriff "abhängig" missverständlich genutzt.
Oft ist eigentlich "ergänzen" und nicht "abhängig" gemeint.
Unsauberer Sprachgebrauch ist immer ein bissl ärgerlich, weil es zu unzähligen Nebenschauplätzen führt.
Gleichzeitig wird häufig ein sehr traditionelles Weltbild beschworen, dessen Verlust teilweise beklagt wird, für dessen Erhalt man sich einsetzen muß jedenfalls möchte. Die Verfechter solcher Thesen stehen sich da meinem Dafürhalten immer selbst ein bissl im Weg, denn ich glaube, mit richtigem Sprachgebrauch und dem Verzicht auf fragwürdige ideologische Begründungen könnten wir tatsächlich viel gemeinsames entdecken.
Sich, egal welches Geschlechts, zu ergänzen in Beziehungen, egal welcher Natur, ist erstrebenswert und für die Langlebigkeit einer Beziehung von Vorteil.
Wenn sich ein (großer) Teil von Frauen über die ungleiche Verteilung von care arbeit oder mental load "beschwert", dann sagen diese, dass das sich Ergänzen aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wenn sich ein Teil der Männer darüber "beschwert", dass sie es unfair finden, den zumeist größeren materiellen Anteil schultern zu müssen, ohne dafür Anerkennung zu bekommen, dann ist eben auch da das Ergänzen in der Schieflage.
Wichtig für die jeweilige Beziehung wäre jetzt, dieses sich Ergänzen loszulösen vom tradiertem Rollenverständnis hin zu einem individuellen Aushandeln. Und da scheint es noch ein bissl an den Grundlagen zu fehlen.
Wir lesen hier im Forum oft, "aber ich habe doch alles gegeben" und zwar von beiden Seiten. Und ja, da haben sich meist Männer materiell und Frauen meist emotional völlig verausgabt, aber wenn man dann mal nachfragt, ob das denn auch so abgesprochen war, ob das als Teils des sich ergänzen so ausgehandelt wurde, dann kommt doch eher ein "was will sie denn noch?" oder ein "aber niemand wird ihn je so lieben wie ich".
Beides ziemlich gruselig, wenn ich das mal so anmerken darf.
Ob eine bestimmte Frau gut zu einem passt, hängt nicht davon ab mit wie vielen Typen sie vorher geschlafen hat, sondern ob sie die eigene Person gut ergänzt. Ob ein Mann gut zu einem passt, hängt demgegenüber eben nicht von Körperlänge und Einkommen ab, sondern inwieweit dessen selbst zu einem passt, im Sinne des Ergänzens.
@Nalf s Geschichte zeigt natürlich auch auf, dass es dennoch schief gehen kann und dass es nach wie vor strukturelle Hindernisse gibt, die ein bestimmtes sich Ergänzen weitaus mehr begünstigen als ein anderes, aber ich glaube, es wäre schon viel gewonnen, wenn wir sprachlich genauer und freundschaftlicher miteinander umgingen.