Margerite
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Zitat von Akelei76:Du hängst da noch so fest, weil keine Ablösung stattgefunden hat. Da kann ja dann auch nichts weitergehen...
Kontakt ist für den Verlassenen wirklich schädlich. Er hat so viele Dinge zu verdauen. Er hat die Kontrolle über sein Leben und sein Bild von sich verloren, weil er vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Er hat nichts zu sagen weil eine andere im Moment mächtigere Person über ihn entschieden hat.
Er steht vor einem anderen Leben, das er jetzt allein meistern muss. Er vermisst die vertraute Umgebung, die vertrauten Geräusche, die Stimmen und das normale Chaos des Familienlebens, das halt manchmal auch chaotisch ist.
Er leidet unter der Einsamkeit und fühlt sich als sei er auf einem anderen Planeten allein ausgesetzt worden und soll sich da jetzt ein anderes Leben aufbauen. Zum Aufbauen fehlt jede Kraft, denn alle Energie wandert in den Alltag, denn man hat immer noch seine Arbeit, die in dieser Zeit Fluch und Segen zugleich ist. Und man muss in anderer Hinsicht auch funktionieren, Essen kaufen, sich kleiden - man kann sich nicht völlig hängen lassen und den Tag im Schlafanzug verbringen, auch wenn man das manchmal möchte. Und all das braucht Kraft, die zu wenig vorhanden ist, weil ja auch der Antrieb fehlt. Ganz zu schwiegen, von den finanziellen Begleiterscheinungen und Ärgernissen.
Was soll das alles noch? Wo soll das noch hinführen? Bleib ich nun als übrig gebliebener oder besser weg rationalisierter Exehemann den Rest des Lebens allein - vergessen und einsam?
Viele hier und ich auch kennen diesen Zustand, aber wenn man sich erst Mal klar macht, was auf den Verlassenen alles einstürmt, merkt man erst, was er alles leisten muss, um noch halbwegs normal durchs Leben zu kommen.
Und noch schlimmer ist es wenn es keinen klaren Cut gibt, weil Kinder da sind z.B. Da kann man nicht sagen, ich helfe mir selbst, indem ich diese Person ganz aus meinem Leben verbanne.Aber durch den Kontakt wird man wieder an den Schmerz erinnert und an den Verlust und an die Einsamkeit daheim, wo man momentan kein Daheim hat, das diesen Namen auch verdient.
Jedes Wiedersehen triggert einen und eine emotionale Ablösung dauert ungleich länger, weil die Gefühle immer wieder berührt werden, sozusagen Futter bekommen. Und dann merkt man vielleicht, dass der frühere Partner viel besser damit zurecht kommt oder es sieht zumindest so aus. Dann kommen womöglich noch Neid und Eifersucht dazu.
Eine Zeit des Kontrollverlusts und das vertragen Menschen sehr schlecht, weil sie meist eine Sicherheit sehr schätzen, auch wenn sie letztendlich nur eingebildet ist. Denn sicher ist im Leben leider gar nichts.
Nur, einen Tipp wie man eine Ablösung beschleuigen könnte, habe ich jetzt auch nicht. Das Beste ist die Kontaktabstinenz. Und wenn die nicht geht, dann ist es besser, den Kontakt zumindest vorübergehend auf eine rein sachliche Ebene zu beschränken, denn Sachlichkeit bedeutet auch Distanz, die man zu der anderen Person aufbaut. Man nimmt sich damit sozusagen aus der emotionalen Ebene und hält den Kontakt nur so weit er unbedingt nötig ist. Und dann sagt man sich, das ist nun mein Expartner und nichts anderes (auch wenn es vorübergehend wieder sauweh tut).
Und was auch hilft, ist die Fokussierung auf das eigene Leben. Was anfangs noch schwer ist, wird mit der Zeit leichter. Man stellt sich in den Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit, akzeptiert die Kummerphasen wie sie kommen, aber versucht auch die angenehmen Seiten wahrzunehmen und irgendwann zu genießen.
Ich war ja früher ein ziemlich unsicherer Mensch. Keiner merkte es, weil ich es überdeckte, aber ich war im Grund genommen schüchtern, was sich vor allem auf fremdes Terrain und fremde Menschen bezog. Fuhr ich dienstlich auf einen Kongress, vergewisserte ich mich, dass wer da war, den ich kannte. ich brauchte immer ein Sicherheitsnetz. Und ich hatte Angst vor Großstädten. Die langen Wege, die verworrenen Öffis, ich verlief mich, verirrte mich oft und das ängstigte mich dann erst recht, weil ich mich als lebensuntüchtig ansah. Ja, andere die tun sich da leicht, die sind nicht solche Hasenfüße, die gehen ihren Weg. Aber ich? Lieschen Müller aus der Provinz konnte das nicht.
Und dann noch Kaffeepausen, oh mein Gott! Wenn jemand da war den ich kannte, kein Problem, aber wehe es war keiner da. Ich würde allein rumstehen und mich an der Tasse festhalten und warten auf das Ende der Pause.
Ja, ich hätte mir ja gerne mal das Sportstudio in meiner Nähe angeschaut, aber allein wäre ich da nie und nimmer hingegangen. So viele fremde Menschen, die mich überforderten. Und allein auf eine Reise zu gehen war unvorstellbar. Niemals würde ich das machen. Zu viel Angst vor der Einsamkeit.
Ich war von Ängsten besetzt und vermied daher Situationen die diese hervorrufen könnten.
Und heute? 20 Jahre später. Ich fahre allein auf den Kongress und wenn ich niemand Bekanntes treffe, macht es nichts oder ich lerne andere Menschen kennen. Vor Großstädten habe ich keine Angst mehr, ich verirre mich nicht mehr so leicht. Und allein in einem Hotel? Kein Problem für mich mehr. Ich bin auch gerne allein unterwegs. Unser Kongress ist heuer in Berlin und ich hänge noch mindestens 2 Tage an. Ich brauche keinen Menschen der sich meiner annimmt, ich mach es allein und genieße die Entscheidungsfreiheit, dass ich das machen kann was ich möchte ohne Absprachen und ohne einen gefühlten "Klotz am Bein", der jetzt zu müde ist um nochmals los zu ziehen. Es war ein langer Weg und viel Training bis ich diese Ängste ad acta legen konnte und zum Teil verdanke ich das auch der gescheiterten Beziehung mit einem Bindungsvermeider. Denn der blieb immer autark und entschied zu meinem Schmerz allein über sein Leben.
Und irgendwann erwachte auch der Trotz in mir. Was du kannst, kann ich schon lange. ich sehe mir nicht mehr selbst im Weg und das fühlt sich verdammt gut an. Vielleicht fliege ich eines Tages doch noch nach New York - allein.
Es ist schön, wenn man Ängste und Schüchternheit abgelegt hat und Mut fühlt. Der fehlt Dir, lieber TE, jetzt. Aber er kann wieder kommen und er wird wieder kommen, wenn du ihn lässt. Er ist nicht weg, sondern im Moment nur verdeckt.
Gönn dir doch einfach jeden Tag einen kleinen Hoffnungsschimmer, eine kleine Alltagsfreude. Freue dich über Dinge, die du gut gemacht hast, über die Kollegen mit denen du auch mal lachen kannst, über Freunde die du jetzt wieder treffen könntest.
Es gibt einen alten Spruch. Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Auch wenn du vlt. nicht an ihn glaubst, es ist was wahres dran. Pack etwas an und es wird leichter. Akzeptiere eine Situation wie sie ist und sie wird auch leichter erträglich. Mit kleinen Wahrheiten kann man sich auch helfen.