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Warum hört es nicht auf ?

R

reader001
Mitglied

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Liebe Community,

ich hab hier schon viel gelesen seit meiner Trennung vor 1,5 Jahren. Ich habe ein Problem. Ich habe das Gefühl, ich komme nicht über meine Trennung hinweg. Sie hat mich wegen eines anderen nach über 20 Jahren Ehe von heute auf morgen verlassen. Obwohl wir (bis heute) keinen Rosenkrieg führen, war die Trennungsphase traumatisch für mich, weil ich mir immer sicher war, dass wir bis ans Lebensende zusammenbleiben werden. Außerdem habe ich Schuldgefühle gegenüber meinen Kindern deshalb.

Ich kann zwar arbeiten und mich um mein Leben kümmern und habe auch nicht das Trinken oder sowas angefangen, aber ich bin halt über 50 und es ist immer noch so, dass ich phasenweise kein Ziel mehr für mein Leben sehe. Immer noch weine ich fast täglich wenn ich an den Verlust und die Vergangenheit denke, dabei will ich es nicht! Ich habe es wirklich satt, zu trauern, von ihr zu träumen, den Verlust zu beweinen etc etc

Und obwohl ich es nicht will, zieht es mich manchmal mit voller Wucht in die Trauer hinein und dann bin ich wie ein anderer Mensch,habe dann nur noch den Verlust, Weinkrämpfe, die Trauer, Schuldgefühle, Ängste, Schmerz um mich herum. Manchmal sogar, wenn es gar nicht passt, also kurz bevor Besuch kommt zum Beispiel.

Irgendwann ist es dann vorbei, kann aber schon mal 0,5-2 Std andauern und dann switcht es wieder und ich funktioniere wieder und fühle mich dann auch wieder gut. Am Anfang war es mir egal, dass es so ist, aber mittlerweile will ich es einfach nicht mehr. Es gibt mir das Gefühl unmännlich zu sein und schwach.

Eine neue Frau kennenzulernen habe ich versucht, hat aber nicht geklappt, obwohl ich angeblich gut aussehe (für mein Alter), es muss also eher an meiner Persönlichkeit liegen und ich habe auch gar nicht wirklich die Energie dafür.

Was würdet ihr mir raten bzw. gibt es jemand, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat ?

Psychotherapie habe ich in Erwägung gezogen, auch wenn ich es selber bezahlen muss.

x 3 #1


S
Mir geht es manchmal ähnlich...nach über zwei Jahren. Und bei mir war es nur eine kürzere Beziehung.

Einen Tipp kann ich dir leider nicht geben...würd ich selber öfter brauchen. Aber zumindest kann ich dir sagen, dass du nicht allein bist. Ich und viele andere verstehen dich.
Lass dir bitte nur von niemanden einreden (auch hier nicht) dass eine Trauerphase oder ähnliches zeitlich beschränkt sein muss. Es dauert nunmal so lang wie es dauert. Trotzdem ist es wichtig sein Leben zu leben und ich finde das liest sich bei dir ganz gut. Du trinkst dein Frust nicht weg zum Beispiel. Das sind gute Voraussetzungen für einen gesunden Prozess

x 3 #2


A


Warum hört es nicht auf ?

x 3


Worrior
@reader001
Hi, liest sich schlimm.
Was hast Du in diesen 1,5 Jahren gemacht für Deine persönliche Entwicklung?

Dein Heil in einer neuen Beziehung zu suchen bevor Du wieder stabil bist wird nichts bringen.
Weinen bringt auch nichts bzw nach 1,5 Jahren nicht mehr.
Komme ins Handeln, erlange die Kontrolle über Dein Leben zurück.

x 2 #3


K
Zitat von reader001:
Liebe Community, ich hab hier schon viel gelesen seit meiner Trennung vor 1,5 Jahren. Ich habe ein Problem. Ich habe das Gefühl, ich komme nicht ...

Fühl dich mal gedrückt!
Du brauchst Geduld mit dir selbst! Trennungsschmerzen dauern leider...

Und du brauchst ein neues Ziel. Vielleicht einen Single-Tanzkurs, ein neues Hobby? Es gibt Struktur, beschäftigt dich, lenkt dich ab.


Und ja, eine Psychotherapie wäre gut!

x 5 #4


Markus1977
Ich kann Deine Gefühle sehr gut nachvollziehen. Mir geht es genauso, bei mir ist es ähnlich abgelaufen. Seit 2,5 Jahren versuche ich zu mir selbst zurück zu finden, es klappt nur selten. Was wirklich hilft sind lange Spaziergänge, raus in die Natur. Zumindest für den Tag/Moment. Ich bin auch davon ausgegangen das diese Liebe ewig hält, leider war es dann aber keine Liebe mehr sondern ein Kampf. Ich denke, der Schmerz geht nie vorbei, er wird nur schwächer

x 5 #5


Arella
Zitat von reader001:
aber ich bin halt über 50 und es ist immer noch so, dass ich phasenweise kein Ziel mehr für mein Leben sehe.

Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Das liegt an der Lebensphase. Die Kinder sind aus dem Haus? Die Aufgabe ist erfüllt. Die Beziehung hat geendet. Es ist eben anders, als wenn du 20 bist oder 30, wo du im Aufbau des Lebens stehst.

x 2 #6


Scheol
@reader001
Zitat:
ich hab hier schon viel gelesen seit meiner Trennung vor 1,5 Jahren. Ich habe ein Problem. Ich habe das Gefühl, ich komme nicht über meine Trennung hinweg. Sie hat mich wegen eines anderen nach über 20 Jahren Ehe von heute auf morgen verlassen.

Der schnelle „Austausch“ , eine Person denkt daran ihren Wert zu bemessen , das er austauschbar und somit nicht wert sein kann.

Diese , deine Annahme ist falsch !

Du gehst vermutlich unbewusst in Konkurrenz. Wenn du dich mit ein Fahrrad vergleichst , wirst du nicht viel Ähnlichkeit mit einem Fahrrad haben und du denkst , das du deswegen nicht gut bist.

Du gehst vermutlich in Konkurrenz mit dem neuen. Du bist individuell. Und das ist richtig und gut so.



Zitat:
Obwohl wir (bis heute) keinen Rosenkrieg führen, war die Trennungsphase traumatisch für mich, weil ich mir immer sicher war, dass wir bis ans Lebensende zusammenbleiben werden.

Viel reden oft nur von schlimmer Erfahrung , schwere Trennung usw.

Das eine Trennung für eine Person traumatisch sein kann haben viele nicht auf dem Schirm.

Was du hier für dich schilderst , wäre ein sogenanntes Man Made Desaster.
Ein Trauma Typ II.
Ein durch Menschen verursachtes Trauma.

Es gibt die Begriffe zum bespiel von Verratstrauma = Betrayal Trauma.

*
Betrayal Trauma

(Verratstrauma) bezeichnet psychische Verletzungen, die entstehen, wenn grundlegendes Vertrauen durch eine nahestehende Person oder Institution (z.B. Eltern, Partner, Betreuer) massiv verletzt wird, von der man abhängig ist. Es umfasst emotionalen/sexuellen Missbrauch, Vernachlässigung oder Untreue, was oft zu Dissoziation, geringem Selbstwertgefühl und Vertrauensproblemen führt
*

Auch wird es vermutlich wegen dieser „Geschwindigkeit“ , ein sogenanntes Schocktrauma ausgelöst haben.

Wenn nun noch Hausverkauf , Umzug usw. wegen dem Ereignis dazu kommen , können hier noch weitere vorliegen.

[ In der Existenz bedroht fühlen oder einer Situation gegenüber sich ohnmächtig fühlen ]

Zitat:
Außerdem habe ich Schuldgefühle gegenüber meinen Kindern deshalb.

Weil ?

Die Mutter ist doch aus gebrochen aus der Ehe ? Gab es Gründe ?

Zitat:
Ich kann zwar arbeiten und mich um mein Leben kümmern und habe auch nicht das Trinken oder sowas angefangen, aber ich bin halt über 50 und es ist immer noch so, dass ich phasenweise kein Ziel mehr für mein Leben sehe.

Schon mal gut das du keine sogenannte „eigen Medikation“ betreibst und Pillen einwirfst oder trinkst.

Zitat:
Immer noch weine ich fast täglich wenn ich an den Verlust und die Vergangenheit denke, dabei will ich es nicht! Ich habe es wirklich satt, zu trauern, von ihr zu träumen, den Verlust zu beweinen etc etc

Nur sieht man hier ran ja sehr deutlich was noch los ist.

Ein Trauma ist nicht einfach weg, oft kommt es erst versetz hoch. Meist nach 1-3 Jahren.

Zitat:
Und obwohl ich es nicht will, zieht es mich manchmal mit voller Wucht in die Trauer hinein und dann bin ich wie ein anderer Mensch,habe dann nur noch den Verlust, Weinkrämpfe, die Trauer, Schuldgefühle, Ängste, Schmerz um mich herum. Manchmal sogar, wenn es gar nicht passt, also kurz bevor Besuch kommt zum Beispiel.

Man sagt dir Traumaenergie ist ähnlich wie ein Erdbeben was im die Erde rennt. Wenn es „vorbei“ kommt kann es auf Level 4,5,6,7 usw. Hoch gehen und wieder nach einer Weile runter gehen wo die „Selbstregulation“ wieder funktioniert.

Zitat:
Irgendwann ist es dann vorbei, kann aber schon mal 0,5-2 Std andauern und dann switcht es wieder und ich funktioniere wieder und fühle mich dann auch wieder gut.

Funktional sein ! Machen traumatisierte um die Themen zu überdecken.


Zitat:
Am Anfang war es mir egal, dass es so ist, aber mittlerweile will ich es einfach nicht mehr. Es gibt mir das Gefühl unmännlich zu sein und schwach.

Ein Elitesoldat , kann bei einem Traumatherapeuten sitzen , und aus dem Fenster sehen und eine Geiselnahme beobachten. Er kann aufstehen , und die Geiselbefreiung durchführen.

Wenn er zurück kommt zum Therapeuten , kann er zusammenbrechen , weil das Thema , Trennung von seiner Frau ihn überlastet.

Ist er männlich unmännlich ? Ich würde sagen in gewissen Bereichen überfordert.



Zitat:
Eine neue Frau kennenzulernen habe ich versucht, hat aber nicht geklappt, obwohl ich angeblich gut aussehe (für mein Alter), es muss also eher an meiner Persönlichkeit liegen und ich habe auch gar nicht wirklich die Energie dafür.

Das du keine Energie dafür hast wird die Person gegenüber spüren.

Der Mensch kommuniziert zu 60-65 % nonverbal.

Also du sprichst mehr mit dem Körper als wie deine Stimme aussagt. Und auch wird die Person merken das du noch gar nicht offen dafür bist.


Die Energielosigkeit kommt daher weil du ständig deine hoch kommenden Emotionen kontrollieren willst das dieses nicht explodieren. Und das kostet Energie.

Zitat:
Was würdet ihr mir raten bzw. gibt es jemand, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat ?

Hier gibt es einige. Viele wissen aber nicht was ihn da zu gesetzt hat und denken es ist „nur“ eine Trennung.

Zitat:
Psychotherapie habe ich in Erwägung gezogen, auch wenn ich es selber bezahlen muss.

Traumatherapie würde ich machen damit du Handwerkszeug erlernen kannst um dich selbst zu regulieren usw.

x 6 #7


Sonnenschein85
Ich denke der Knackpunkt ist, dass du wie du auch schreibst keine Energie hast Jemanden kennen zu lernen.
Ich denke, auf dir lastet viel Druck. Druck das du die Trennung verarbeitet haben musst. Druck das es dir besser geht. Druck Jemanden Kennen zu lernen.

Aber mal ehrlich. Ihr seid 1 1/2 Jahre getrennt nach einer langen Ehe. Es ist natürlich wie du dich fühlst. Nimm dir den Druck. Genieße dein Leben. Solange du nicht akut Jeden Tag massiv leidest und weinst, bist du auf jeden Fall schon weiter gekommen in dem Prozess der Verarbeitung. Nimm dir Zeit. Geh weg mit Freunden. Such dir Hobbys. Konzentrier dich auf dich selbst. Das wird alles werden.

Eine Therapie, wenn du denkst, es würde helfen, würde ich auch empfehlen.

x 6 #8


J
Zitat von reader001:
Psychotherapie habe ich in Erwägung gezogen, auch wenn ich es selber bezahlen muss.

Zuerst einmal tut es mir Leid für dich und wünsche dir viel Kraft.

Es gibt von der Kirche aus Caritas und Diakonie die solche Beratungen kostenlos anbieten.
Je nach größe der Stadt gibt es auch eine Art Selbsthilfegruppe.

Bevor du mit einer neuen Beziehung anfängst musst du bereit dafür sein. Es heisst auch liebe erst dich bevor du jemanden anderen lieben kannst. Da ist etwas wahres dran.
Falls du selbst reflektieren möchtest und kannst, dafür gibt es nicht nur Foren, wie dieses, sondern auch Literatur. Also mit der Trennung deiner Trauer beschäftigen und nicht vergessen.

x 3 #9


Bastabi
Ich kann dir nur empfehlen zum Hausarzt zu gehen und dir eine Überweisung für einen Psychiater und Psychotherapie zu holen. Ich habe das auch erst nach einem Jahr gemacht. Aktuell nehme ich Psychopharmaka um nicht wieder in ein Loch zu fallen. Mir hat das so sehr geholfen, das kann sich keiner vorstellen. Alles gute für dich.

x 2 #10


Markus1977
Zitat von Bastabi:
Ich kann dir nur empfehlen zum Hausarzt zu gehen und dir eine Überweisung für einen Psychiater und Psychotherapie zu holen. Ich habe das auch erst ...

Was genau hast Du denn verschrieben bekommen?

x 1 #11


Plague
Zitat von reader001:
Eine neue Frau kennenzulernen habe ich versucht, hat aber nicht geklappt, obwohl ich angeblich gut aussehe (für mein Alter), es muss also eher an meiner Persönlichkeit liegen und ich habe auch gar nicht wirklich die Energie dafür.

Du bist definitiv noch nicht bereit dafür und steckst noch viel zu tief in der Verarbeitung der Trennung.

Zitat von J_Eulenspiegel:
Es gibt von der Kirche aus Caritas und Diakonie die solche Beratungen kostenlos anbieten.

Ersetzt keine Psychotherapie - vorausgesetzt, dass sie notwendig wäre.

Zitat von reader001:
nach über 20 Jahren Ehe

Laut deinem Profil bist 37!? 🤔

x 2 #12


T
Man kann deinen Schmerz richtig spüren. Und Ich kann Dir auch nur raten zum Psychologen zu gehen. Bei mir ist die Trennung erst 4 Monate her.( Er hat mich plötzlich und unerwartet verlassen nach 27 Jahren) Ich habe Mir direkt hilfe geholt, war beim Hausarzt und Psychologen und das hat mir sehr geholfen. So wie der Austausch hier im Forum. Ich bin bei langem noch nicht darüber hinweg und Ich glaube Es Wird mich mein Leben lang begleiten. Aber es Wird besser und Ich bin über jeden kleinen Schritt froh.

x 4 #13


GreenTara
@Plague
Zitat von Plague:
Laut deinem Profil bist 37!?

Zitat von reader001:
aber ich bin halt über 50 und es ist immer noch so

x 1 #14


S
Zitat von reader001:
ich bin halt über 50

Stimmt, lt. Profil bist du 37 Jahre. ?

#15


A


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