Zitat von reader001: Vllt. ist das Jammern über sowas auch nicht viel anders als das Jammern über schlechtes Wetter, es muss weitergehen. Es gibt für mich keine Alternative, ich muss versuchen, meine restliche Lebenszeit so vernünftig und clever auszufüllen, dass ich inneren Frieden und Glück in meinem Leben habe.
Nein, der Vergleich hinkt. Auf das Wetter hat man keinerlei Einfluss und
Schlechtwetterphasen vergehen schneller.
Was Du mit Dir rumträgst vor allem bzgl. deiner Brüder ist eine Bürde. Mit ansehen zu müssen, dass sie nicht in der Lage sind, ein stabiles Leben zu führen und ihr Leben ruinieren, führt zu einer Bedrückung, die nicht mehr verschwindet. Freilich sagt man sich, jeder sucht sein Leben aus. Aber das sind eben Sprüche, die etwas verdrängen solle, was weitaus schwerer wiegt, weil nahe Angehörige im Boot sind.
Die anonymen Alk. sind hilfreich und können eine Stütze sein und ich denke, die sind jeder Stadt vertreten, denn Alk. gibt es einfach überall. Im letzten Dorf bis Berlin.Allerdings muss man natürlich hingehen wollen und viele scheuen das Eingeständnis, dass sie abhängig sind.
Die Sorgen mit dem alten Vater die ich auch habe, sind obendrein noch da. Ich hoffe auch, dass ihm noch 2 oder 3 oder 4 schöne Jahre beschieden sind, aber die Erfüllung dieser Wünsche liegt nicht in unserer Hand wie manches Andere auch.
Du kannst nur Dein Leben im Rahmen Deiner Möglichkeiten in die Hand nehmen. Das ist dein Verantwortungs- und Einflussbereich und wenn der gute Vorsatz da ist, können auch Taten folgen.
Es bleibt nichts wie es mal war - das ist sicher und in mancher Hinsicht auch tröstlich.
Ich hatte einen Onkel der Alki war. Ich habe das nur am Rande mitbekommen, denn ich war schon weg zum Studium, als ich es erfuhr. Zudem lebte er 60 km entfernt. Es war einer, dem viel in den Schoss gefallen war, sagte zumindest mein Vater, der als Erstgeborener die Möglichkeiten, die man dem jüngeren einräumen konnte, nicht hatte. Aber er hat wenig daraus gemacht. Die höhere Schule mit Internat brach er ab und schlug wieder zu Hause auf. Dann Lehre und auf einmal hatte er einen Bombenjob im Bauamt einer Großstadt. Es folgte Hauskauf, 2 Töchter waren da, die Frau arbeitete bei McDonalds. Es hätte alles gut laufen können, aber er griff zum Alk und schlitterte in die Sucht. Zwei Entzugskuren blieben erfolglos und er starb mit 45 an einer Hirnblutung nach einem Sturz von der Treppe. Ein trauriges Ende, ein verwirktes Leben. Die anderen 2 Brüder führten ein halbwegs stabiles Leben ohne Suchtprobleme. Aber wenn man so zurückschaut, gab es in jedem Leben Bruchstellen, so weit ich es halt mitbekommen habe. Es gibt kein Leben, das nur glücklich verläuft.
Die Trennung kann für dich auch eine Chance sein und ein Lernprozess, den du nutzen kannst. Es heißt ja immer, es geschieht nichts umsonst und manche Schicksalsschläge erweisen sich rückblickend als sehr lehrreich. Man kann daran wachsen und es ist nie verkehrt, über das eigene Leben und die Mechanismen, die man sich angeeignet hat, nachzudenken.
Dir stehen viele Möglichkeiten offen, vergiss das nicht.