Hallo liebe Zamihai,
weißt du, was mich im ersten Moment hat schmunzeln lassen?
Dass du schreibst, du hättest keine hohen Ansprüche an deine Beziehungen, aber umgehend auf Behauptetes eine kleine Auflistung der Dinge folgt, die dir sehr wichtig zu sein scheinen und auf die du in keinem Fall in einer Beziehung verzichten möchtest und es auch nicht kannst
Du sprichst von deiner Lebensart, deinem Wissen, deiner Reiselust, deinen Gedanken und von deinen Partnern, mit denen es bis zu einem bestimmten Zeitpunkt funktioniert hat. Was war für dich das Ausschlaggebende, was dich von deinen Ex-Partnern hat trennen lassen? Wurde es dir zu ernst? Zu langweilig? Konnten sie dir plötzlich nicht mehr das geben, was du dir gewünscht und erhofft hast? Wie lange hielten deine Beziehungen, wenn ich so persönlich sein darf? Wie sehr hast du mit deinen damaligen Partnern versucht, über deine Gefühle zu sprechen und Probleme zusammen zu lösen?
Das klingt jetzt wahrscheinlich ein wenig seltsam, aber kannst du dich zurückerinnern, wie es früher war, als du ein Kind warst? Wie waren dort die Rollen verteilt? Wie hast du dich gefühlt und welche Aufgaben hat man dir auferlegt? So wie es sich anhört, scheinst du bereits früh jemand gewesen zu sein, der sich sehr auf sich konzentriert und versucht hat, keine oder wenig Hilfe von Außen anzunehmen, weil es sich für dich nicht richtig angefühlt hat. Ich kann hier jedoch auch nur spekulieren .. aber so kommt es ein wenig rüber. Das soll auf keinen Fall heißen, dass es keine selbstbewussten Menschen in und auf dieser Welt geben sollte, ganz im Gegenteil.
Ich glaube man tut sich etwas Gutes, wenn man dieses "Problem" mal von einer ganz anderen Sichtweise betrachtet. Du kannst nicht immer das Problem in dem Moment und in dem Menschen suchen, der du gerade bist. Du musst ja irgendwann zu eben diesem Menschen geworden sein, irgendwann hat man dich und hast du dich ja geformt. Verstehst du, was ich meine?
So sehr man sich ab und an dagegen sträubt, die Hilfe eines Mannes nicht in Anspruch nehmen zu wollen, ist es doch trotzdem bereichernd und vor allem: gut für's Sparschwein und den nächsten teuren Restaurantbesuch (den man ja dann gerne wieder auf eigene Kosten tragen kann)

Ich bin beispielsweise immer komplett aufgeschmissen, wenn ich mich mit technischen Dingen auseinandersetzen muss oder wenn irgendetwas in meiner Wohnung kaputt ist, weil ich es bis zu meinem Umzug in eine andere Stadt gewohnt war, auf meinen Vater zurückzugreifen, weil er alles kann und "gerichtet hat", wie meine Mutter immer so schön sagt

) Leider denke ich auch jetzt noch immer im ersten Moment bei irgendeinem der Probleme "schei., Papa anrufen!" aber leider ist der ein paar hundert Kilometer entfernt, also muss ich mich wohl oder übel eigens um die Problemlösung bemühen. Was ich allerdings damit sagen möchte - ganz abgesehen davon, dass ich bis immer ein Schweineglück hatte, keine teuren Rechnungen für irgendwelche Klempner etc. zu bezahlen -: man kann das Ganze auch aus einer anderen Sicht angehen. Wenn man immer gewohnt war, alles alleine zu machen, muss man eben auch lernen, manches Mal Dinge von anderen erledigen zu lassen. Ich kann von mir sagen, dass ich immer ziemlich froh bin, wenn ich anderen helfen kann (außer bei o.g. Problemen, da bin ich ja nach wie vor ziemlich zweilinkshändig .. und ehrlich gesagt habe ich auch gar keine Lust, da jemals etwas dran zu ändern

). Und egal, ob mir da eben jemand männliches oder weibliches gegenübersteht. Seine Kontrolle aufzugeben ist meist ja doch ein kleiner Akt. Aber sieh es einfach als Herausforderung, wenn du es zulassen kannst, dass man nicht immer alles selbst lösen muss.
Um mal wieder zurück auf das eigentliche Thema zu kommen: manchmal muss man zuerst sich ein kleines bisschen ändern, dann wird es auch mit einem Menschen funktionieren, der wirklich zu einem passt und auf den man sonst niemals seine Aufmerksamkeit gerichtet hätte. Man sucht die Fehler ja nun doch immer im und beim Anderen. Aber vielleicht ist es besser, einfach mal bei sich anzufangen (ich bin gerade auch dabei .. es ist teilweise so richtig ätzend, aber nunja, Zähne zusammenbeißen und durch, jammern bringt da leider nichts!).
Ich wünsche dir ganz viel Mut und Kraft und Denken, was sich auszahlen wird!
