Zitat von ecam:Ich kann das alles irgendwie nicht glauben das das alles ohne Gefühl gewesen sein soll.
Geht so was?
Nein - vermutlich nicht.
Aber - das ist nicht ausschlaggebend.
Wichtig ist, was jetzt mit diesen Gefühlen ist.
Deine Frau hatte und hat vielleicht immer noch ein großes Problem damit sich mit dieser Schuld auseinanderzusetzen. Daher nur diese stückweisen Enthüllungen.
Das ist auch nicht leicht.
Denn - in dem Moment verletzt es dich und lässt sie in einem wenig guten Licht stehen.
Wer sieht sich schon gerne so.
Und wer gesteht gerne Fehler.
Dennoch ist es wichtig, um damit abzuschließen.
Vermutlich hättest du damals die absolute Ehrlichkeit ohne wenn-und-aber einfordern müssen.
Ihre verbale Herabsetzung des AM erscheint wie ein "Kleinreden" und dient im Grunde genommen nur dazu, es für dich leichter zu machen.
Leider hatte deine Frau nicht verstanden, dass dir Ehrlichkeit viel mehr geholfen hätte.
Es wäre für dich ähnlich schwer und für sie deutlich schwerer geworden.
Mit allem konfrontiert zu werden ist hart.
Ehrliche Antworten auf deine Fragen zu geben - auch wenn es bedeutet, dass sie sich währenddessen in Grund und Boden schämt, ist nicht leicht.
Damit meine ich nicht schlüpfrige Details sondern Beweggründe, Gefühle... (all das was du glaubst, wissen zu müssen.)
Aber das Ergebnis hätte es heilen können.
Deine jetzigen Zweifel entstehen aus der nur teilweise erfolgten Aufarbeitung.
Somit konntest du auch nicht wirklich verzeihen.
Wie soll man verzeihen, wenn man nicht einmal genau alles weiß, was es zu verzeihen gibt?
Glaube mir, ich weiß wovon ich spreche.
Bei mir ist es ähnlich lange her, und ich hatte verziehen.
Wir führen heute eine deutlich bessere Ehe als vor der Affäre.
Wir sind einen harten Weg gegangen, haben viel gelernt und sind uns dabei viel näher gekommen als es vorher jemals war.
Glücklicherweise verstand mein Mann damals, dass nur seine absolute Ehrlichkeit noch etwas retten kann.
Er bemühte sich sehr und beantwortete meine Fragen so gut es ging.
Das war oft nicht leicht für mich, denn auch ich erkannte meine Defizite.
Für ihn war es schwer, denn er mochte dieses Bild von sich nicht.
Es war aber nun mal so. Er hatte den Fehler begangen - nicht ich.
Nun hieß es, dafür einzustehen und die Verantwortung zu übernehmen.
Ich zweifelte lange und stand auch einige Male an meinen persönlichen Grenzen.
Aber ich liebte (und liebe) ihn und erkannte, dass er es sehr bereute und ich ja auch nicht fehlerfrei bin.
So konnte ich ihm verzeihen.
Stück-für-Stück näherten wir uns wieder an.
Und - wie gesagt - wir führen eine wirklich harmonische Ehe auf Augenhöhe.