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Warum laufe ich den falschen Männern nach?

Lina0815

Ich hätte ja nie gedacht, dass ich auch mal in solch einem Forum schreibe aber nun versuche ich es einfach mal.

Ich bin weiblich, Singel und Ende 30. Ich hatte bisher 2 feste Beziehungen, die ich beide beendet habe, weil mir die jeweiligen Partner irgendwann zu langweilig wurden. Stattdessen bin ich lieber irgendwelchen Weiberhelden hinterher gerannt, wie blöd und wurde von ihnen nach Strich und Faden verarscht und benutzt.

Zuletzt hatte ich eine On-/Off Affäre mit einem älteren Mann. Ich habe Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, damit er sich in mich verliebt und sich dauerhaft an mich bindet. Er hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass seine Gefühle für mehr als eine Bettgeschichte nicht ausreichten. Trotzdem ließ ich ihn jedes mal wieder viel zu nah an mich heran und ließ ihn in mein Herz. Das wurde durch ihn mehrfach gebrochen. Die Geschichte zog sich insgesamt über 5 Jahre. Zwischendurch hatte er mehrere Frauen, einmal sogar eine feste Beziehung. Dann tauchte er ab und war für mich nicht mehr erreichbar. Ich litt Höllenqualen. Kam er dann zu mir zurück freute ich mich wie ein Schneekönig und rollte ihm den roten Teppich aus.

Zuletzt meldete er sich vor Weihnachten bei mir. Er war sichtlich durch den Wind. Diesmal hatte es ihn wohl böse erwischt. Zuerst schickte er mir seine letzten Urlaubsfotos auf denen er alleine zu sehen war. Ich lobte seine Schönheit, wie immer und er genoss es sichtlich. Dann erzählte er mir, dass seine letzte Freundin ein Biest gewesen sei und er nun erstmal wieder auf die Beine kommen müsse. Dabei half ich ihm natürlich. Ich richtete sein Ego wieder auf und legte mich ihm zu Füßen. Alles in der Hoffnung, dass er nun endlich seine Liebe für mich entdecken würde. Diesmal allerdings konnte ich mich selbst nicht mehr verstehen. Das war so oder ähnlich inzwischen mindestens 5 mal so gewesen. Es zog sich insgesamt über mehrere Jahre und nie ließ er mich wirklich an sich heran. Er lobte mich, wie süß ich sei und dann gab er mir wieder zu verstehen, dass ich ihm nicht hübsch, nicht schlank und nicht interessant genug sei. Details über seine letzten Beziehungen verriet er mir nie.

Kam ich bei ihm zu Besuch, bekam ich allenfalls einen schwarzen Kaffee. Nie mal eine kleine Aufmerksamkeit oder ähnliches. Er kam dann immer schnell zur Sache, was mir auch ganz recht war, denn seine körperliche Anziehungskraft auf mich war einfach überwältigend. Danach schickte er mich dann immer sofort wieder weg. Gekuschelt oder geredet haben wir nie viel. Manchmal kam ich mir vor, wie eine Prost.. Ich verstand das nicht. Wie kann ein Mann so sein? Er ist ansonsten eigentlich kein Ar.. Im Gegenteil, er ist sehr beliebt, zu allen freundlich und hilfsbereit nur zu mir nicht.

Gestern dann schickte er mir per Whatsapp eine Nachricht, die mich sehr verletzte. Ich bin vor lauter Kummer wegen ihm etwas in die Breite gegangen. Das gefiel ihm wohl nicht und er machte sich darüber lustig. Gestern kam dann dazu ein sehr geschmackloser WA-Film. Ich denke, er wollte mich damit abwerten und beleidigen. Daraufhin schrieb ich ihm dass es wohl keinen Sinn mit uns habe, dass ich wieder den gleichen Fehler gemacht habe und nun endgültig nichts mehr von ihm hören will. Ich habe wirklich Angst, dass dieser Mann mich irgendwann seelisch kaputt macht.

In dieser krassen Form war das jetzt zum ersten Mal so. Ich tendiere aber grundsätzlich dazu, mir Männer zu suchen, die mir nicht gut tun. Die lieben, warmherzigen Männer sind mir zu langweilig. Dabei gab es durchaus einige, die ernsthaftes Interesse an mir hatten.

Meine Freundin meint, der Grund dafür sei mein Vater. Er war sehr streng und narzisstisch veranlagt. Ich fühlte mich nie wirklich von ihm geliebt. Kann das sein? Wem ging es so oder ähnlich und wie seid ihr da raus gekommen?

Im Moment funktioniert meine Schutzmauer gegen den letzten Typen noch. Ich habe aber Angst, dass ich wieder einknicke und er dann mein Leben wirklich ruinieren könnte.

Bitte helft mir! :traurig:

09.01.2019 11:33 • #1


Wurstmopped

Wurstmopped

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Liebe @lina0815
Ich denke in Deiner Aussage "Ich habe Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, damit er sich in mich verliebt und sich dauerhaft an mich bindet. " steckt die eigentliche Antwort!
Männer die sich haben binden lassen, sind auf Dauer für Dich uninteressant? Warum benötigst Du das Gefühl auf "Distanz" gehalten zu werden, was triggert Dich und welche Defizite erkennst Du hier?
Woher kommen diese Defizite, Kindheit, Jugend?

09.01.2019 11:46 • #2


Lina0815

Na ja, meine Freundin hat mich da wohl auf die richtige Fährte gebracht. Ich hatte eine sehr dominanten und gut aussehenden Vater. Er liebte meine Geschwister heiß und innig, mich aber ließ er links liegen. Dabei war ich die, die schulisch am erfolgreichsten war und einen sehr guten Abschluss machte. Als ich dann mein Abi machte, wurde ich dafür von ihm sogar bestraft. Alle anderen bekamen mit 18 z.B. ein Auto, ich nicht. Die Begründung war, dass ich ja mehr Geld verbrauchte, weil ich 3 Jahre länger zur Schule ging.

Zu meiner Abifeier kam er nicht mit. Die Ausbildung, die ich danach machen wollte verbot er mir. Ich war gezwungen, mir einen anderen Ausbildungsplatz zu suchen in einem ganz anderen Bereich, der mir eigentlich nicht lag und mich nicht interessierte. Trotzdem machte ich auch hier einen guten Abschluss. Ich dachte immer, wenn ich genug leistete würde er mich genau so lieben, wie meine Geschwister. Auch ihm bin ich also hinterher gelaufen, ohne je den gewünschten Erfolg zu haben.

Inzwischen ist mein Vater tot. Ich wurde in seinem Testament nicht bedacht. Ich bekam den Pflichtteil, mehr nicht. Bei der Organinsation der Beerdigung wurde ich nicht beteiligt. Als dann die Wohnung ausgeräumt wurde, bekam ich vor lauter Schmerz kaum Luft. Mein Fotoalbum mit Kinderbildern fand sich in der hintersten Ecke im Keller. Sein Nachttisch war hingegen voll mit Briefen und Postkarten und Bildern meiner Geschwister. Diese Zurückweisung, die da so offensichtlich wurde kränkt mich bis heute zutiefst.

Und jetzt wird mir klar, dass ich auch den anderen unnahbaren Männern in dieser Form hinterher lief, weil durch sie alles irgendwie wieder gut werden sollte. Wäre es mir z.B. gelungen die Liebe des letzten Idioten zu bekommen, wäre die Abweisung meines Vaters irgendwie nicht mehr so schlimm gewesen. Total doof, oder?

Inzwischen habe ich auch andere Beschwerden. Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Antriebsarmut. Ich glaube ich brüte eine ernsthafte Depression aus und das letzte was ich jetzt brauche ist dieser egoistische Typ, der sich von mir die Füße kraulen lässt. Gestern fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Er weiß, wie sehr ich unter meinen Pfunden leide und schickt mir so ein dämliches Video? Ich fasse es nicht!

Für richtige Wut bin ich noch zu fertig. Aber ich spüre heute, es regt sich endlich Widerstand in mir! Vielleicht bin ich doch noch nicht ganz verloren.

Danke Wurstmopped!

09.01.2019 12:02 • x 1 #3


Wurstmopped

Wurstmopped

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Nun Du hast es ja schon erkannt, du gehst in die Rolle in der Du dich auskennst, fühlst Dich dort sicher!
Vielleicht suchst du eine Art "Erlösung" oder Befreiung von seelischen Konflikten durch eine emotionale Handlung!
DU läufst diesen Männern nach und willst erlöst werden, da kennst du dich aus!
Männer die Dich gut behandeln, denen glaubst du nicht, dass Sie Dich befreien können, weil du es nicht kennst, es dir Angst macht deine alten Verhaltenweisen abzulegen und DIR nicht traust!.

09.01.2019 12:53 • x 1 #4


Lyma

Ja, schön diese Analyse, nur wie kommt sie da raus? Das ist doch die Frage.

09.01.2019 13:41 • #5


Banelei

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Am besten wäre es, wenn Sie sich professionelle Hilfe sucht. Sie weiß ja bereits, warum Sie in Ihrem Muster feststeckt und das bedeutet jetzt einfach Aufarbeitung und aus dem Muster ausbrechen. Dies schafft man aber nicht alleine und es wird dennoch ein längerer Weg.

09.01.2019 13:54 • x 1 #6


aquarius2

aquarius2

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Arbeite an dir, wie wäre es mal einen Psychologen aufzusuchen? Du hast ein Riesenproblem mit Ablehnung und Abwertung umzugehen, hatte ich auch auch mit meinem Vater. Ich habe aber an mir gearbeitet und mich weiterentwickelt und irgendwann habe ich erkannt, auch wenn ich von anderen Menschen abgelehnt werde, hast das nichts damit zu tun dass ich falsch bin.
Ich bin so wie ich bin richtig, aber nicht für jeden die richtige.
Als ich diese Einstellung verinnerlicht habe entspannte sich das Verhltnis zu meinem inzwischen verstorbenen Vater.
Wenn ein Mann mich so behandeln würde, wie dein Partner, wäre er für mich definitiv der Falsche.

09.01.2019 14:00 • x 2 #7


Gretel

Gretel

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Liebe Lina,
Du klingst sehr reflektiert.

Hier mein Lieblings-Link zu diesem Thema:
http://liebesfibel.de/partner-als-spieg ... eien-wahl/

09.01.2019 14:01 • x 1 #8


arjuni

arjuni

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Liebe Lina,

mir scheint auch, Du hast nach dem Tod Deines Vaters direkt selber seine Rolle übernommen und behandelst Dich nun selber indirekt so, wie es Dein Vater tat: Deine wahren Bedürfnisse ignorieren, Dich selber runtermachen, Deine eigenen Leistungen nicht anerkennen, nicht gut für Dich sorgen.

Hier kannst Du ansetzen. Sei Dir selbst ein liebevoller Vater!
Frage Dich immer wieder: "Was würde ein liebender Vater in diesem Moment für mich tun?" "Was würde er mir raten?" "Wie würde er mich unterstützen?" "Was könnte er mir Liebevolles sagen?" Und dann tu Du das für Dich. Kümmere Dich darum, dass es Dir gut geht. Sage Dir immer wieder liebevolle und aufbauende Sätze. Verwöhne Dein inneres Kind. Lobe Dich für alles was Du erreicht hast. Spende Dir selber liebevoll Trost.

Suche die Liebe nicht mehr im Außen, sondern in Deinem Inneren.

09.01.2019 14:30 • x 3 #9


Lina0815

Ja, im Grunde habt ihr mein Gefühl bestätigt. Danke dafür. In den letzten Jahren war ich mir wohl selbst der schlimmste Feind. Der Leistungsdruck unter den ich mich selbst gesetzt habe, war eigentlich schon schlimm genug. Dass ich dann noch diesem Männertyp hinterher lief, der mir absolut nicht gut tat, hat die Sache nicht besser gemacht.

Als mein Vater noch lebte, hatte ich einmal einen sehr lieben Freund, der mich auf Händen trug. Mein Vater betitelte ihn als Weichei und Versager. Natürlich beendete ich diese Beziehung recht bald. Ich fühlte mich auch tatsächlich nicht wohl damit, so bedingungslos geliebt zu werden. Ich kannte mich damit nicht aus.

Da meine Schlafstörungen inzwischen sehr massiv geworden sind und ich meinen Alltag kaum noch bewältige, wollte auch mein Hausarzt mich schon zum Psychiater überweisen. Jetzt nehme ich schon seit Wochen Bromazepam um überhaupt noch schlafen zu können. Ja, ich rufe jetzt gleich bei einem Facharzt an. Das kann so nicht weiter gehen.

Und diesen Typen lasse ich nicht mehr an mich heran. Er wäre mein Untergang. Danke an Euch alle. Vielleicht erzähle ich bald mal weiter, wie es mir ergangen ist. Eine Beziehung will ich allerdings vorerst nicht. Ich muss meine Beziehung zu mir selbst erstmal verbessern.

Gruß Lina

09.01.2019 15:12 • x 3 #10


willan

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Lina falls das was für Dich ist, informiere Dich mal über ursachenorientierte Hypnose. Könnte ich mir hier evtl. begleitend zu einer Therapie gut vorstellen.

09.01.2019 15:17 • x 1 #11


arjuni

arjuni

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Zitat von Lina0815:
wollte auch mein Hausarzt mich schon zum Psychiater überweisen. (. . . ) Ja, ich rufe jetzt gleich bei einem Facharzt an.


Naja. Der Facharzt verschreibt Dir nur weitere Medikamente gegen die Symptome. Das bringt Dich auf Dauer nicht weiter.

Wenn, dann besser zur Psychotherapeutin - am besten eine, die sich mit Entwicklungstrauma auskennt.

09.01.2019 15:20 • x 1 #12


milenec

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Liebe Lina,

das klingt für mich sehr deutlich nach Bindungsangst...

Diejenigen, die dir gut tun würden, die lässt du erst gar nicht in deine Nähe. Sondern wertest sie selbst als "langweilig"...
Diejenigen, die unerreichbar sind und dir somit niemals wirklich gefährlich werden könnten (im Sinne von einer echten und nahen Bindung, die lässt du an dich heran).

Ich glaube das Thema ist recht komplex... Und ich glaube ich würde mir hier an deiner Stelle Hilfe suchen.
Dieser Mann ist ein RiesenA.! Wirklich. Ein RiesenA.. Und wer weiß, dass er es mit dir machen "kann". Nicht weil du nichts anders wert bist. Aber du erlaubst es ihm... Du lässt dich quasi von ihm so behandeln, wie du dich innerlich fühlst. Und das ist nicht die Realität! Deine Gedanken über dich sind nicht richtig. Das was dein Vater dir über dich vermittelt hat. Das bist nicht du. Schau, wer du wirklich bist und arbeite an deinem Selbstwertgefühl. Und das ohne Mann. Mal konsequent. Schau wer du alles bist und befreie dein "inneres Kind" von der Wertung deines Vaters über dich. Und selbst wenn du es jetzt rational noch nicht greifen kannst. Verabschiede dich von allen "schlechten" Männern in deinem Umfeld. Mit aufgerichteten Haupt...

Ich drücke dich!

09.01.2019 15:28 • x 1 #13


Mettbroetchen

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Fühl dich gedrückt. Es tut mir leid das zu lesen und irgendwie macht es mich traurig, obwohl ich dich nicht kenne. Es zeigt einfach, wie sehr die Kindheit prägt.
Sobald ich zuhause bin, nehme ich meinen Sohn fest in den Arm und sage ihm, wie stolz ich auf ihn bin. Ich mache das zwar eh hin und wieder, aber deine Zeilen haben mir gezeigt, wie wichtig Kindern Wertschätzung ist. Ich kann es also nicht zu oft tun, denke ich. Danke dafür.

Und du? Suche dir einen Therapeuten. Es dauert, ehe man einen Platz hat und es dauert generell alles gefühlt ewig, aber es wird sich lohnen. Du hast so viel aufzuarbeiten, das schaffst du nicht alleine. Ein Psychiater alleine hilft da nicht weiter.

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute!

09.01.2019 16:03 • x 2 #14


arjuni

arjuni

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Zitat von Mettbroetchen:
Sobald ich zuhause bin, nehme ich meinen Sohn fest in den Arm und sage ihm, wie stolz ich auf ihn bin. Ich mache das zwar eh hin und wieder, aber deine Zeilen haben mir gezeigt, wie wichtig Kindern Wertschätzung ist. Ich kann es also nicht zu oft tun, denke ich. Danke dafür.


Ohhhh. . . das berührt mich gerade zutiefst! Wie schön.

09.01.2019 16:10 • x 1 #15




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