Ohne zu *kämpfen* wäre ich mit meinem Mann gar nicht mehr zusammen.
Wir haben allerdings auch 250 km Entfernung zwischen uns. Klassisch für Bindungsvermeider

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Er ist ein Typ, der meinem klassischen Muster entspricht. Sonst verliebe ich mich einfach nicht. Ein distanzierter Mensch, der nicht allzuviel gibt. Dennoch ist er innen wie aussen ein schöner Mensch. Und mal wieder Steinbock, wie die meisten meiner Chaoten

. Anfangs hat er so viel Gas gegeben, dass ich das Muster gar nicht bemerkt habe. Ich habe, glaube ich, ca. 2 Jahre gebraucht, um zu entdecken, dass er sogar Anteile von meinem Vater und meiner Mutter hat.
Zu Beginn war ich eine dramatische Prinzessin. Schon bei Kleinigkeiten hab ich die Koffer gepackt und bin rausgerauscht. Tja, blöd, weil er vor Ort sich immer sofort vertragen will. Disharmonie in seiner Wohnung kann er nicht ertragen. Nur ruft er bei Streitigkeiten nicht an, NIE. Also musste ich ja ans Telefon. Nach einem ganz üblen Knall habe ich 1 x im Monat angerufen und er hat mich nach 10 Minuten abgefertigt, weil er jetzt duschen müsse, klar

. Wir telefonieren immer 2-3 Stunden und er ist derjenige, der anruft. Nach Monaten habe ich gefragt, ob er sich nicht auch mal wieder melden mag. Seitdem macht er es wieder.
Das ist alles sehr anstrengend, aber ich habe viel gelernt. Ja, ich habe einiges an mir geändert. Die Prinzessin habe ich nach Hollywood geschickt, da ist sie besser aufgehoben. Ich kann ihn akzeptieren und in seiner Einzigartigkeit begreifen ohne ihn erziehen zu wollen. An der Verbesserung der Kommunikation bin ich noch dran. Eventuell mal Wünsche äußern, keine Forderungen, keine Erwartungen. Die Bindungsängste werden nie ganz verschwinden. Ich brauche immer mal wieder Abstand und muss durchatmen. Er auch. Beruflich bekomme ich wahrscheinlich die Möglichkeit auf 35 km an ihn ranzurücken. Noch kann ich mir nicht vorstellen bei ihm einzuziehen. Mal sehen was das wird. Tendenz ist aber eine eigene Wohnung zu nehmen in der Nähe der Firma.
Allgemein zum *Kämpfen*:
Ich habe jeden, an dem mir etwas lag, noch einmal nach ca. 2 Wochen kontaktet. Mit der Tür ins Haus, versteht sich

Damals wusste ich es noch nicht besser. Das hat nur in einem Fall etwas gebracht und ist auch ganz schnell wieder zerbrochen. Für mich war das immer wichtig, um dann einen Haken dran zu machen. So würde ich das heute sicher nicht mehr machen.
Wenn man Kontakt aufnimmt, dann würde ich das auf alle Fälle mit etwas Belanglosem machen. Und man wird das möglicherweise wiederholen müssen, siehe meine Ehestory. Ich finde nicht, dass man sich damit etwas vergibt, wenn es nicht zu aufdringlich ist und zu häufig.
Ich bin sehr extrovertiert und wirke selbstbewusst, auch wenn innen mal alles auf halb acht hängt. Mir fällt das sowieso deshalb nicht schwer.
Zu einem passiven Vermeider gehört meines Erachtens immer ein aktiver Vermeider. In dieser Schublade tummeln sich aber auch Exemplare mit unterschiedlichen Schweregraden.
Ich bereue es nicht, den *Kampf* um meinen Mann aufgenommen zu haben. Ich wäre in meiner Entwicklung nie so weit gekommen.
*Kampf*, weil ich Liebe und Kampf nicht im Kopf vereint bekomme. Es ist immer noch die Suche nach mir und meinen Bedürfnissen, die Frage, wer der andere eigentlich ist und was er möchte. Die Suche nach einem Wir. Und sie wird nie aufhören

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