Hallo ihr Lieben,
hier das Update-
seit Februar ist so viel passiert. Mein Mann und ich waren ja noch mitten im "Nesting" (2 Wohnungen geteilt, immer nur einer blieb in unserer Wohnung mit unserer kleinen Tochter) und hatten uns gerade geeinigt, das ca 3 Monate so weiterlaufen zu lassen. Einen Tag später wollte er reden und das Gespräch war schlimm. Er war eiskalt, ekelig zu mir, nicht er selbst. Es stellte sich heraus: Er hatte eigentlich schon hinter meinem Rücken eine Wohnungsbesichtigung gemacht, die ihm wohl kurz NACH unserem Telefonat angeboten wurde. D.h. mir versicherte er am Telefon Sicherheit, wir machen das Model 3 Monate so weiter, guckte aber hinter den Kulissen schon längste nach eigenen Wohnungen. Im Gespräch brach vor ihm total zusammen, weinte, schluchzte, als er sagte, er möchte sich jetzt doch nach eigener Wohnung umgucken. Er saß eiskalt schweigend daneben und meinte irgendwann, es sei jetzt zu spät (23 Uhr?) um groß weiter in Details zu gehen. Er hatte die Uhr im Blick! Es war so ein krasser Moment und für ihn war die Zeit wichtig. Hat ja Schlafpanik und am nächsten Tag war Arbeit! Ich war völlig sprachlos und geschockt von seiner Kälte. Mein Mann war wesensfremd.
Kurz darauf hatte er eine Wohnung- auch da wurde ich einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Eine schlimme Welle von viel Druck und Organisation von ihm folgte. Anwälte wurden um Rat gebeten, Besitz aufgeteilt, Dinge mussten VORGESTERN unterschrieben und erledigt werden, laut ihm. Zwischendurch ganz schlimme Momente wo meine Kleine und ich ihn zB spontan/unplanmäig beim Spazieren getroffen hatten und sie ihn in eine Hand, und mich in die andere nahm. Nach dem Motto "super, Mama und Papa zusammen!". Er kam daher mit zu uns statt ins Gym zu fahren, wie geplant, und da wurde er wegen eines Dokumentes sauer, das ich JETZT unterschreiben sollte. Unsere Tochter bekam das mit und sagte traurig zu mir "Papa ist sauer". Ich könnte jetzt noch ganze Flüsse darüber vollweinen, wenn ich das hier tippe. Ich wäre ihm deshalb (später als die Kleine schlief) fast an die Gurgel gegangen. Ich war in meinem Leben noch nie so sauer wie da: Die Kleine hatte gerade Hoffnung (Hand in Hand mit uns) und er zerstörte sie mit seinem ungehaltenen Verhalten nur Minuten später. Der schmerz und die Verwirrung, die meine Tochter fühlen muss, könnte mich tagelang zum weinen bringen. Und ich kann es nicht aufhalten oder verändern.
Er nahm natürlich Möbel, Spielzeug, Klamotten, etc beim Auszug mit, u.a. unser Bett (gehörte ihm) und ich schlafe seitdem auf dem Sofa. Das Schlafzimmer ist immer noch komplett leergeräumt. Er hätte nur noch Verantwortung für sich und seiner Tochter. Es folgten Excel Spreadsheets mit dem kleinsten detailliertesten Inventar unserer Besitztümer, Internetverträge und Mietverträge wurden von ihm gekündigt, Urlaube mussten bereits bis zum Ende (Es war Anfang März!) geplant werden und als ich sagte, ich wollte mit einem Okt Urlaub von ihm warten und schauen, wie es unserer Tochter bis dahin ginge, eskalierte der Druck seinerseits. Er wolle das jetzt festmachen. Setzte mir Deadlines, ging mehrfach über mein "nein" hinweg. Auch hier- wesensverändert hart. Einfach hart.
Und am Wochenende oder wann immer er 'alleine' war, bestellte er sich die Eltern ein oder fuhr zu ihnen, ließ sich von ihnen versorgen und aufbauen, während ich einfach nur überrollt wurde.
Dann kam der Auszug- Auch das war alles extrem hart und bitter. Selbst sein bester Freund ist fassungslos über dieses schnelle Wohnungsorganisieren und umziehen. Er kennt mich ja auch und sagt selbst, er hat absolut keine Ahnung, wie mein Mann auf die Vorwürfe gegen mich kommt.
Empathie war völlig eingefroren bei meinem Mann: Einmal packte er zB im Nebenzimmer klimpernd seine Küchen-Sachen (Gläser etc) abends in Boxen ein, obwohl er wusste, dass ich im Nebenzimmer mit unserer Tochter (2) saß und ihr gerade eine Gute Nacht Geschichte vorlas und versuchte, ihre Welt (und mich) aufrecht zu erhalten. Ich weiß nicht, ob ihr euch vorstellen könnt, wie das für mich war- Sie weiß von nichts, denkt der Papa ist wie immer zu Hause, also, super, alles ok---und ich weiß, dass ihre (und meine) Welt gerade zerbricht und muss versuchen, zusammenzuhalten, was er in diesem Augenblick zerschlägt! Er hätte davor und das ganze WE Zeit gehabt, die Box alleine zu packen, ohne uns da, aber auch da- alles merkwürdig, Eiskalt, nicht er selbst, keine Empathie oder Logik mehr.
Er schlug dann einen Nachmittag vor, wir sollten uns treffen, um "Über Gefühle zu sprechen", da seine Eltern babysitten konnten. Er erklärte da unter Tränen, wie er zu der Wohnung gekommen sei. Ich solle mir sein Gehirn stupide vorstellen. Er sähe ein Problem (keine Wohnung) und würde es ganz hart angehen, ein Schritt folgt dem nächsten, und zack, hätte er ne Wohnung gehabt, den Vertrag unterschrieben und sei danach komplett zusammengebrochen. Ebenfalls weinend sagte er, der Verlust der Familie sei das Schlimmste für ihn in seinem Leben bisher. Und wenn er in diesem Gespräch hart würde, sei das Selbstschutz. Minuten später fing er dann wieder von Trennungsgründen an (Rechtfertigungsdruck) und gab mir neue- ohne dass er Beispiele nennen konnte. Dann wurde ich ungeduldig und sagte ihm im Streit Teile meiner Theorie, was mit ihm los ist. Er verstummte. Antwortete gar nicht mehr bis wir bei seinem Fahrrad waren und da beleidigte er mich dann heftigst, griff den bisher schlimmsten Trennungsgrund (Ich sei eine kalte Mutter) nochmals auf und verschärfte den nochmals: Ich solle in Therapie deswegen, sonst würde ich unserer Tochter schaden.
Nur Stunden später sahen wir uns nochmal, denn er (der MICH als kalte mutter darstellt) hatte mich gebeten, auf unsere Tochter aufzupassen, damit er an diesem SA Abend was mit Freunden machen (es war eigentlich sein WE mit ihr, kurz nach Trennung!) konnte...
Es passierten in den letzten Wochen viele dieser Dinge. Merkwürdig. Wesensfremd. Extrem.
Ich bin mit mittlerweile ziemlich sicher, dass ein Burnout zumindest eine zentrale Rolle spielt bzw Auslöser war, auch wenn es nicht alles ist.
Dafür spricht auch, dass er merklich entspannter wurde, nachdem er eine Wohnunge gefunden hatte. dann nochmal nach dem Umzug. dann nochmal nach einem Urlaub mit den Eltern daraufhin. Er wirkt mittlerweile wieder wie mein Mann, von außen, ist es aber noch nicht ganz. Das verwirrt mich.
Ich habe ihm vor 1.5 Monate gesagt, dass ich mir mittlerweile sehr sicher bin, dass das, was hier passiert, nichts mit mir zu tun hat. Er blieb überraschend ruhig, verneinte das nicht und entschuldige sich sogar stattdessen: Ich sei keine kalte Mutter und auch nicht faul. Im Gegenteil. Ich sei eine gute Mutter und hätte viel halten müssen. Er würde in solchen Situationen brutal werden und er habe gehofft, dass das nicht nötig sein würde mit mir. Ganz schön ominös- sprach also davon, dass er so was von sich kennt............
Vor 3 Wochen nahm er es dann wieder halb zurück, das mit der Entschuldigung, ebenfalls nachdem ich ihm Teil meiner Wahrheit über das, was hier passiert, zurückgemeldet hatte.
Er bleibt bei der Trennung. Hat sich schön eingerichtet. Scheinbar geht es ihm gut.
Und ich sitze jetzt hier in einer komplett anderen Welt. Alleine. Immer noch völlig geschockt. Immer noch passt für mich nichts von dem hier zu meiner Realität. Meine Realität hat sich von einer Sekunde auf die andere komplett gedreht, in Bruchteilen einer Minute in einen Alptraum verwandelt, den ich nicht kommen sah und den ich nicht verhindern oder ändern kann.
----Ja, ich konzentriere mich auf mich und meine Tochter und sie kommt bisher ganz gut damit klar, vielleicht könnt ihr mir den Gefallen tun, und den Part mit "Konzentrier dich auf dich und sie" aussparen, denn ich weiß und mach das----
Mir kommt es hier im Forum immer noch auf das Verstehen an. Das Rätsel hinter dem, was hier los ist bzw der Support mit meinem Schock. Es ist nämlich immer noch völlig GAGA, dass ich jetzt hier in einem Alptraum sitze, wo 5 Jahre lang nur ein einziger Traum war. Alles, scheinbar ohne äußerlichen Grund. Man merkt, selbst mein Mann kann es sich nicht erklären. Er präsentierte letztens in der Paartherapie, was er nun als den Trennungs-Grund in Einzeltherapie identifiziert hätte. Man merkte nur, er ist komplett lost. Allein, dass er den Grund erst 4.5 Monate NACH Trennung nach Therapie ergründen musste. Und obwohl er schon vorher tausende genannt hatte. Ich glaube, er weiß es selber nicht. Ich kann mittlerweile für mich erahnen, was hier los ist, aber beweisen könnte es nur er selbst. Ich denke daher oft daran, ihm einen Brief mit meiner Theorie zu schicken, für die er auch weiterhin selber offen ist, wie er sagt. @Scheol Es warst übrigens du, der von Anfang an den richtige Riecher hatte, wie ich denke, und durch dich habe ich viel verstanden.