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Was bitte ist hier passiert?! Plötzliche Trennung

M
Zitat von Tatiana:
Wir hatten jahrelang so einen Satz, mit dem ich ihn regelmäßig gefragt habe, ob er sich noch etwas wünscht. Also ...ich habe ihn aktiv nach Bedürfnissen gefragt und habe reihenweise erfüllt und selber zurückgesteckt. Als nur ein Beispiel habe ich 99% aller Nächte mit unserer Tochter gemacht, weil er so ein ...

Warum rechtfertigst Du Dich immer noch? Du bist sehr anfällig für seine Thesen und für die implizierte Schuld die er Dir rüberschiebt und beisst Dich daran fest wie ein Hund in den Knochen. Das ist unglaublich kräftezehrend. Wenn Du das nicht abperlen lassen kannst, würde ich wirklich keine Gespräche dieser Art mehr mit ihm führen! Du bist komplett ungeschützt!

x 1 #1141


Femira
Zitat von Tatiana:
Wir hatten jahrelang so einen Satz, mit dem ich ihn regelmäßig gefragt habe, ob er sich noch etwas wünscht.

Ja, das hab ich gelesen gehabt. Ich schrieb deshalb auch, dass er sprechen lernen muss.
Zitat von Tatiana:
Also ...ich habe ihn aktiv nach Bedürfnissen gefragt und habe reihenweise erfüllt und selber zurückgesteckt.

Also bist du zu der Überzeugung gekommen, dass es zwischen euch nicht passt, weil er zu viel (auf deine Kosten) will?

x 2 #1142


A


Was bitte ist hier passiert?! Plötzliche Trennung

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alleswirdbesser
Zitat von Tatiana:
Als nur ein Beispiel habe ich 99% aller Nächte mit unserer Tochter gemacht, weil er so ein heftiges Schlaf-/Ruhebedürfnis hat. Regelmäßig ist er ins Gym, jede Woche, und ich hab nicht mal gefragt, wann er wiederkommt. Die Liste geht so weiter.

Und dennoch war diese Beziehung für dich ein Traum?

x 1 #1143


T
Wenn es "übergriffig" ist, Antworten für mich finden zu wollen, was mit ihm los ist, um mir selber erklären zu können, was mit mir passiert ist....na, dann weiß ich auch nicht. Ich muss für mich eine stimmige Erklärung finden und die Suche danach hat mir geholfen.
Mir zu sagen, was ich brauche und was nicht.....ist das nicht auch übergriffig?
Ich sag nochmal- es ist fast das Einzige, was mich über Wasser gehalten hat in den letzten Monaten.

Ja, er muss sprechen lernen bzw lernen, Verantwortung zu übernehmen.
Er kann das in anderen Lebensbereichen wunderbar und konnte es bis zur Trennung auch recht gut.

Und nein, es passte für mich zwischen uns, weil er meine Hauptbedürfnisse wunderbar erfüllte und ich im Gegenzug die Energie hatte, die Nächte, zB, zu machen.
Ich denke, das kommt in hunderttausend Beziehungen vor, dass die Frau die Nächte macht, nix super ungewöhnliches

x 2 #1144


sonntag_morgen
@Tatiana Irgendwie klingt das schon etwas unausgewogen bei euch, als ob du ihn etwas beurteilt hast.

Ich hatte mal eine Freundin, die hat von anderen sowas gesagt wie "die Betty ist eben nicht so selbstreflektiert" und ähnliche Sachen, also hat deren Bedürnisse schon wahr genommen und auch erfüllt aber sie auch etwas beurteilt.

#1145


N
Zitat von Tatiana:
Ich sag nochmal- es ist fast das Einzige, was mich über Wasser gehalten hat in den letzten Monaten.

Kann das verstehen. So ging es mir auch. Aber irgendwann kommt der Punkt, wondu alles verstanden hast, jede Dynamik, wo du alles aus der Vergangenheit seziert und beleuchtet hast. Und ihm deine Erkenntnisse vielleicht sogar mitgeteilt hast.

...und es trotzdem nichts ändert. Bist du schon an dem Punkt, wo du alles weißt und das Herz trotzdem noch weh tut?
Weil, verstehen alleine reicht ja nicht. Der ganze Mist muss noch gefühlt werden. Die Traurigkeit, die Wut, die Ohnmacht, die Enttäuschung. Das sich trotz deines Verstehens nichts ändern wird. :-/

#1146


Femira
Zitat von Tatiana:
Ja, er muss sprechen lernen bzw lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Er übernimmt ja Verantwortung, indem er dafür sorgt, dass nun seine Bedürfnisse berücksichtigt werden.

#1147


alleswirdbesser
Zitat von Tatiana:
Und nein, es passte für mich zwischen uns, weil er meine Hauptbedürfnisse wunderbar erfüllte und ich im Gegenzug die Energie hatte, die Nächte, zB, zu machen.
Ich denke, das kommt in hunderttausend Beziehungen vor, dass die Frau die Nächte macht, nix super ungewöhnliches

Lies deinen ersten Beitrag hier. Er forderte von dir mehr Intimität, während du nachts für das Kind da warst und er schlafen konnte. Dir fehlte die Energie auf ihn einzugehen, er nahm es dir krumm. Vielleicht täte er das nicht, wenn er die eine oder andere schlaflose Nacht hinter sich hätte. Während du ihm sein Bedürfnis nach Schlaf und Ruhe erfüllt hast, hat er sich gegrämt, dass du nicht auch alles andere für ihn gemacht hast.

x 1 #1148


N
Zitat von Tatiana:
Der Trennungsgrund sei, dass seine Bedürfnisse nicht gesehen worden seien.

Liebe Tatiana,

ich kann Dein Bedürfnis, verstehen zu wollen, wie etwas, das Du gewollt und maßgeblich am Leben gehalten hast, so dermaßen den Bach runtergehen konnte, absolut nachvollziehen.
Neben all dem Schmerz, der Trauer, dem Abschied von einem Leben, für das Du so viel gegeben hast und das er jetzt einfach unmöglich gemacht hat, brauchst Du auch ein Mindestmaß an Kontrolle wieder, um wieder sicher sein zu können.

Daher jetzt mal meine Theorie (unbekannter Weise, Ferndiagnose, kann auch völlig anders gewesen sein):

Eines der Grundbedürfnisse, die viele Männer haben, ist das Bedürfnis, zu genügen.

Während viele Frauen Herausforderungen im Privaten als Aufforderung sehen, Lösungen zu finden, die Zähne zusammen zu beißen, etwas auszuhalten und Kraftreserven zu mobilisieren, um zur Lösung zu kommen, ist bei vielen Männern viel früher Schluss, weil es nicht darum geht, das konkrete Problem bestmöglich zu lösen und damit zu leben, sondern darum, insgesamt zu genügen.

Dein Mann hatte ja ein Bild von sich. Z.B. das des hart arbeitenden Familienvaters, der abends zu seiner glücklichen Familie nach Hause kehrt.
Und dann schaffst und gebierst Du ein Kind und er steht daneben. Du machst die Nächte, weil er seinen Schlaf dringender braucht. Du gehst Vollzeit arbeiten, weil er aus eigener Kraft euch kein Haus besorgen kann, obwohl er das gerne würde und Du das gerne hättest. Er kann sich in Kind und Haushalt nicht zu 50% einbringen, will aber auf Augenhöhe sein. Der Sex, bei dem er sich als genügend fühlen kann, wird weniger, weil Du überlastet bist. Wenn er Dich auf dem einzigen Weg, den er leisten kann, entlastet, Du also in Teilzeit gehst und er mehr Kosten übernimmt, reicht es nicht für Haus und Rente. Dann der völlig verständliche Wunsch nach einem zweiten Kind, den er Dir auch nicht erfüllen kann, weil ihn das ja auf den Ebenen, auf denen er schon jetzt nicht genügt, noch mehr fordert.

Aus Frauensicht sind da die Lebensziele, die nach einander, mehr oder weniger perfekt, mit an- und abschwellenden Prioritäten angegangen werden.
Und aus häufig vertretener Männersicht sind da nur Berge an Problemen, die er nicht lösen kann, dabei soll ihm sein Zuhause und seine Familie Kraft für seine Hauptaufgabe "Geld verdienen" geben und nicht zusätzlich Kraft kosten.
Als Haupternährer hat er nicht genügt, daher wollte er 50/50.
Bei 50/50 hat er gesehen, dass er nicht genügt, weil er nur 30-40 leisten konnte.
Dann noch die anstehenden Themen: 2. Kind, Immobilie, Rente, die sein Nicht-Genügen noch viel klarer zu Tage treten lassen würden.

Also kommt die Notwehrhandlung gegen eigenes Versagen: Der Cut.

Damit ist 2. Kind, gemeinsame Immobilie und gemeinsame Rente vom Tisch, ebenso wie die Ernährerrolle. Er muss jetzt nur noch für sich und die eigene Rente und ein paar Euro Kindesunterhalt arbeiten. Das kann er schaffen. Da kann er genügen. Da kann er sogar Kinderklamotten kaufen und ein paar Nächte mit dem Kind übernehmen, weil seine Auszeiten dann klar definiert sind und er bei Überforderung immer sagen kann, dass er es als geschiedener Vater ja schwer hat. Wenn er es nie zu einer Immobilie bringt, war die teure Scheidung schuld. Als Scheidungsvater mit unzumutbarer Ex-Frau werden ihm viel mehr Defizite zugestanden als als Familienvater.

Er kann jetzt wieder genügen.
Daher auch der Ehrgeiz, ganz schnell die alte Rolle, in der er objektiv immer defizitär geblieben wäre, zu verlassen, und nun der bestmögliche Scheidungsvater zu sein, der später mal eine neue Freundin hat, die viel Verständnis für seine Situation hat und nicht viel von ihm verlangen kann.

Ich glaube nicht, dass Du irgendwas falsch gemacht hast, das einen Scheidungsgrund geboten hätte.
Ich denke, dass er sich in dem Leben, das er selbst mit eingerichtet hat, als defizitär erlebte und sich lieber ein neues Leben einrichtet, in dem er genügt, als an Herausforderungen zu wachsen.

Das ganze Geblubber von wegen "kalte Mutter" würde ich unter "er ist größer, je kleiner er Dich macht" und "er ist mangelbefreiter, je mehr Mängel er an Dir entdeckt" abhaken.

Das Machtgefälle, das Dein Durchziehen in einer Lebensphase, in der er nicht mehr Gas geben konnte oder wollte, geschaffen hat, bekommst Du meiner Meinung nach auch nicht mehr eingefangen. Du hast euch als Team gesehen, in dem er z.B. durch Übernahme von mehr Kosten oder Haushalt Dich hätte entlasten können. Und er stand während dessen in Konkurrenz zu Dir und wollte oder konnte nicht mehr geben, sondern wieder ein einfacheres Leben haben.

Das ist traurig und unnötig.
Aber er kann aus den wenigen Rollen, die er sich selbst als Mann zugesteht, offenbar nicht heraus und wählt jetzt den für ihn einfacheren Weg und muss dabei kalt und brutal sein und Dir die Schuld geben. Denn ein anstrengendes, aber erfülltes Leben wegzuwerfen, um sich ein einfacheres, egofreundlicheres zu erschaffen, kann er vor niemandem, nicht mal sich selbst, rechtfertigen. Deshalb hast Du Anno Dazumal irgendwas gemacht, was er nie verzeihen konnte oder Du nie geändert hast, und er deshalb gehen musste.

Soviel zu meiner Theorie.

x 4 #1149


N
Zitat von Nalf:
Soviel zu meiner Theorie.

Spannende Theorie. Mich würde interessieren, ob das die Männer hier in dem Thread ebenfalls so sehen? Als immer genügend zu wollen. Mein Ex sagte ja ähnliches. Das alles was er tut nicht reichen würde. Was ja Quatsch war, aber zu deiner Theorie passen würde.
Und gleichzeitig macht das irgendwie keinen Sinn deshalb die Familie aufzulösen. Nur für das Ego, den inneren Druck. Wäre es da nicht leichter daran zu arbeiten? Und wenn es so wäre, wie soll man als Frau denn damit umgehen?

x 2 #1150


Femira
Zitat von NineN:
Spannende Theorie.

Ich finde die auch sehr spannend. Möchte ergänzen: Von Frauen wurde gesellschaftlich schon immer alles erwartet: Kinder, Küche, Kirche/Karriere. Von Männern immer nur arbeiten gehen. Es kann sich als Überraschung und Frust zeigen, dass arbeiten gehen nicht ausreicht, um eine glückliche Familie zu haben.

Ich kenne auch einige Trennungen, bei dem das der Trennungsgrund war. Vereinfacht so:
Er: obwohl ich arbeiten gehe, ist meine Frau unglücklich und will, dass ich noch mehr mache. Nie genügt es. Ich brauch auch mal ne Pause.

Sie: Pause? Ich hab nie Pause. Ich geh noch nicht mal allein aufs Klo.

x 3 #1151


sonntag_morgen
Zitat von Nalf:
Liebe Tatiana, ich kann Dein Bedürfnis, verstehen zu wollen, wie etwas, das Du gewollt und maßgeblich am Leben gehalten hast, so dermaßen den Bach runtergehen konnte, absolut nachvollziehen. Neben all dem Schmerz, der Trauer, dem Abschied von einem Leben, für das Du so viel gegeben hast und das er jetzt einfach ...

Aber in dem neuen Leben ist es ja viel weniger einfach "zu genügen", da er dann ja auch die halbe Betreuung leisten muss und so?

#1152


N
Zitat von sonntag_morgen:
Aber in dem neuen Leben ist es ja viel weniger einfach "zu genügen", da er dann ja auch die halbe Betreuung leisten muss und so?


Aber das ist zum Trennungszeitpunkt häufig nur graue Theorie.

Mein Ex war offiziell Hausmann und hat tatsächlich in den 2 Jahren bis zu meiner Trennung nie den Haushalt geführt und nie die Orga übernommen. Das Kind war halb- bis ganztags in der Krippe.

Dennoch dachte er, dass ich der Grund für seine Probleme sei und forderte nach der Trennung das wöchentliche Wechselmodell. Ich hatte nichts dagegen.
Nach drei Monaten waren wir bei 3 Wochen ich, ein Woche er. Nach weiteren 2 Monaten waren wir bei 5 Wochen ich, 1 Woche er. Mit Eintritt in die Vorschule hat er noch die Hälfte der Schulferien übernommen. Und jetzt sieht sein Kind ihn 3-4 Mal im Jahr. Alles ohne mein Zutun.

Weil das Leben nicht schwer ist, weil die Frau so viel verlangt. Das Leben ist schwer, wenn man nicht plant, keine Prioritäten setzt, das alte Leben behalten möchte und zusätzlich noch Familie, Haus und Hund dazu. Weil's beim eigenen Vater ja auch genauso geklappt hat. Und viele dieser Prozesse nicht wirklich reflektiert werden und der gesellschaftliche Anspruch an Männer eben auch ist, alles zu können, ohne dass sie darin Übung oder Vorbilder hätten.

Aber selbst mit 3-4 Mal im Jahr ist er aus gesellschaftlicher Sicht immer noch ein guter Vater, weil er ja nicht ganz weg ist. Er muss und wird bei allem gefragt und erlebt sich als gleichberechtigt - mit einem Bruchteil des Aufwands, den er als echter Familienväter hätte.

Fun Fact: Die paar Phasen, in denen mein Ex wirklich alle Aufgaben des Hausmanns mit Baby/Kleinkind übernehmen wollte, war seine Libido auch weg bzw. abends die Kraft nicht mehr übrig, von Kinderbedürfnissen und Tausend Dingen im Kopf auf Erwachsenenbedürfnisse und das Eine umzuschalten. Während ich, die nur den Stress des Broterwerbsjobs hatte, abends noch gut Erwachsenenzeit zum Stressabbau und zur Wiederherstellung von Paar-Nähe hätte brauchen können.
Es ist aus meiner Sicht kein Mann<->Frau Ding, sondern ein Ding, das durch gesellschaftlich erwünschte und erwartete Rollen passiert, wenn Mann und Frau nicht als Paar bewusst dagegen steuern. Steuert und hirnt nur eine, geht's schief.

x 3 #1153


sonntag_morgen
Zitat von Nalf:
Aber das ist zum Trennungszeitpunkt häufig nur graue Theorie. Mein Ex war offiziell Hausmann und hat tatsächlich in den 2 Jahren bis zu meiner Trennung nie den Haushalt geführt und nie die Orga übernommen. Das Kind war halb- bis ganztags in der Krippe. Dennoch dachte er, dass ich der Grund für seine Probleme sei ...

Verstehe.

aber dann hat Dein Ex ja auch in der Trennung "nicht genügt"? War er dann auch deprimiert oder angekratzt deswegen?

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N
Zitat von sonntag_morgen:
aber dann hat Dein Ex ja auch in der Trennung "nicht genügt"? War er dann auch deprimiert oder angekratzt deswegen?

Mein Ex weiß, dass er mir gegenüber nie genügen wird, weil er sich vor und während der Trennung eine Menge Ekelhaftes geleistet hat, was nur dann unter den Teppich kehrbar ist, wenn er weit weg ist.
Sauer auf mich ist er seit mehr als 10 Jahren. Hat erst neulich über unser Kind ausrichten lassen, dass ich dessen T-Shirts falsch wasche. Und verdreht die Augen vor dem Kind, wenn es von mir berichtet.

Aber das Kind wird langsam Teenager. Und da läuft er Gefahr, langsam auch nicht mehr zu genügen. Also ganz so einfach ist das Leben von Trennungsvätern eben in der Praxis auch nicht. Aber man kann das ja dann immer auf die Scheidung, die böse Frau etc. schieben.

In seinem neuen Leben genügt er, weil dort die Legende aufgebaut wurde, dass ich psychisch krank und er traumatisiert ist. Und dass er dann "dennoch" das Kind zum Skifahren und für 10 Tage Sommerurlaub "hat" und so viel für ihn "macht", lässt ihn in Relation zu all den Vätern, die gar keinen Kontakt haben, doch sehr gut aussehen.

Männer messen sich mit anderen Männern.

x 2 #1155


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