Zitat von Dracarys:@Nachtlicht schrieb etwas von Augenhöhe.
Und genau da bin ich anderer Meinung.
Ich finde ja gar nicht, dass ein Betrug Augenhöhe darstellt. Ich meinte eher, dass sowas hier:
Zitat von Dracarys:Ein Betrüger (ich verwende die männliche Form im weiteren Fließtext) muss häufig bereit sein, endlose, redundante und sehr, sehr unangenehme Gespräche zu führen, auch Mitten in der Nacht. Er muss auffangen, trösten und immer wieder erklären. Er muss Geheimniskrämereien komplett lassen und das Handy, das Tablet und den Computer nicht zur Hochsicherheitszone erklären, er muss sich um Paarzeit kümmern, die Überstunden runterfahren, das Geld und die Zeit für eine Paartherapie bereitstellen und Unsicherheiten, Gefühlsausbrüche und Tränen ertragen.
die Gefahr in sich birgt, dass erst recht Augenhöhe verloren geht. Entweder erniedrigt dies auf Dauer den Betrüger, wenn er die "Täterrolle" nicht los wird, oder es erniedrigt den Betrogenen, wenn er die "Opferrolle" nicht loswird.
Zudem macht es den Betrogenen leider obendrein sehr, sehr unattraktiv, wenn er sich in so ein kontrollierendes heulendes selbstwertbefreites Bündel verwandelt. Es ist absolut nachvollziehbar, weil ja erstmal das Weltbild zusammenbricht, aber wenn man die Beziehung weiter führen und verbessern möchte, ist es leider nicht ratsam, sich so zu verhalten, da man dadurch massiv an Anziehung einbüßt. Ratsam ist es immer, Stärke und Haltung zu zeigen, wenn man nur irgend kann (und ja, ich weiß sehr wohl, wie schwer sowas ist, wenn man total am Boden liegt!)
Ich glaube also, es ist sinnvoll, möglichst schnell Augenhöhe wieder herzustellen. Entweder durch zügige Trennung, oder durch zügiges Verzeihen. Beides sollte dann auch entsprechend konsequent (!) durchgezogen werden. Dieses monatelange "Aufarbeiten" finde ich persönlich eher schwierig, weil es das Paar zwar aneinander bindet, aber auf sehr negative Weise, und wie gesagt die Augenhöhe eher gefährdet als wiederherstellt.
In dem Kontext finde ich das hier einen sehr klugen Gedanken:
Zitat von H-Moll:Jeglicher Versuch, den anderen dazu zu bringen, sich so zu verhalten, wie man selbst das gerne hätte, wird mindestens auf lange Sicht scheitern.
Und das ist auch wirklich gut so.
Zitat von MICBOT:Wenn es mir doch guttut. Ich nehme meinem Partner ja nichts weg, gönne mir doch nur eine kleine Auszeit. Und es kommt ihm ja auch noch zugute, er profitiert davon, wenn ich gut drauf bin. Gehe trotzdem mit ihm ins Bett und wir haben mehr Spaß als früher.
Ich habe selbst noch nie jemanden betrogen. Aber interessanterweise habe ich sowohl als Betrogene als auch im Rahmen meiner nichtmonogamen Beziehung genau diese Logik total nachvollziehen können. Meiner Meinung nach trifft sie in ganz vielen Fällen tatsächlich genau so zu und dafür spricht ja auch, dass z. B. Ehen, in denen die Seitensprünge nicht auffliegen (dürften etliche sein), ungestört weiter laufen. Ich bin ebenfalls davon überzeugt, dass die meisten Beziehungen auch aufgeflogene Seitensprünge deutlich häufiger und entspannter verkraften als dieses Forum hier suggeriert, denn diejenigen, die das gut miteinander geregelt kriegen, tauchen hier ja gar nicht erst auf.
Wirklich problematisch sind meiner Meinung nach dagegen aber die emotionalen Affären, denn die greifen massiv die Qualität der Hauptbeziehung an, weswegen diese auch ungleich schwieriger aufzuarbeiten sind als gelegentliches Fremdgehen. Hier sind also ganz andere "Konsequenzen" gefragt, in den meisten Fällen dürfte eine Trennung (zumindest vorübergehend) unausweichlich sein, oder das harte Manövrieren an der Grenze zur Trennung, mit ganz klarer Haltung des Betrogenen und möglichst hoch erhobenem Haupt.