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Was ist mit den Kindern?

DieSeherin

DieSeherin


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Zitat von Isely:
N├Â, aber Schatz bei uns stimmt schon so lange was nicht, ich habe mich in jemand anderen verliebt.
Wie stehst du zu einer Trennung ? K├Ânnen wir reden ?


nicht immer stimmt schon lange was nicht mehr, nicht immer kann man selber schon einsortieren, was man will, nicht immer ist eine fr├╝hzeitige beichte von ehrlichkeit gepr├Ągt...

und manchmal stehen die kinder* eben so sehr im mittelpunkt, dass nicht ratzfatz reiner tisch gemacht wird!

*um hier mal wieder zum thema zur├╝ckzukommen

10.06.2020 15:47 • x 3 #136


bifi07

bifi07


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Hallo Minumpel!
So wie ich das verstanden habe, hattet ihr euch schon l├Ąnger auseinander gelebt und das auch kommuniziert, seid aber wegen den Kindern, ect. zusammengeblieben, richtig?
Zitat von Minumpel:
Ich wurde auch schon betrogen

Von deiner Ehefrau?

10.06.2020 16:03 • #137



Was ist mit den Kindern?

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Minumpel

Minumpel


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Zitat von bifi07:
Hallo Minumpel!
So wie ich das verstanden habe, hattet ihr euch schon l├Ąnger auseinander gelebt und das auch kommuniziert, seid aber wegen den Kindern, ect. zusammengeblieben, richtig?


Genau, aber trotzdem ist es halt irgendwie ein Zusammenleben.

Zitat von bifi07:
Von deiner Ehefrau?


Nein, von einer Ex-Freundin. Ist lange her aber das vergisst man nicht.

10.06.2020 16:08 • #138


bifi07

bifi07


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Zitat von Minumpel:
Genau, aber trotzdem ist es halt irgendwie ein Zusammenleben.

Kann ich mir denken, aber kam da auch das Thema auf, dass man sich evtl. fremdverlieben k├Ânnte, weil es zusammen nicht mehr passt?

10.06.2020 16:10 • #139


Minumpel

Minumpel


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@bifi07
Oberfl├Ąchlich vielleicht. Aber offen dar├╝ber gesprochen haben wir nie. Ich glaube jetzt, dass der richtige Schnitt auch nur durch die r├Ąumliche Trennung geschieht. Alles andere ist son bisschen sich selbst zu bel├╝gen.

10.06.2020 16:14 • x 2 #140


Clementine44


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@MissLilly gibt es noch die Fortsetzung deiner Geschichte? Es w├╝rde mich wirklich sehr interessieren.

11.06.2020 15:32 • #141


MissLilly

MissLilly


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@Clementine44

Ja die gibt es auf jeden Fall noch ... bin schon dabei, allerdings hatte ich heute wenig Zeit

11.06.2020 19:51 • x 1 #142


Clementine44


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Zitat von MissLilly:
@Clementine44

Ja die gibt es auf jeden Fall noch ... bin schon dabei, allerdings hatte ich heute wenig Zeit


Super!

11.06.2020 22:23 • #143


MissLilly

MissLilly


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Und weiter geht es mit Teil 2 meiner Story und aus der Sicht meiner fr├╝hkindlichen Erfahrungen, f├╝r alle die es an dieser Stelle interessiert:-)
Ich gebe Teil 2 mal die ├ťberschrift :
"Trennung auf Raten um Zeit zu schinden...selbstverst├Ąndlich alles und nur zum Wohle der Kinder"

Ich bin also immer noch 6 Jahre alt, wir sind zur├╝ck in unserer 5 Zimmer ETW und der Kleinstadt in der wir seiner Zeit lebten. Zwischen meinen Eltern "scheint" alles wieder im Lot zu sein, bis uns 1 Jahr sp├Ąter ( ich war gerade erst wenige Wochen eingeschult worden) die n├Ąchste Hiobsbotschaft erreichte!
Kurze Anmerkung zum besseren Verst├Ąndnis: Meine Eltern (beide Akademiker) sind, als ich 3 Monate alt war nach Deutschland ausgewandert. Zuerst mein Vater (samt seinen Eltern und 2 weiteren Geschwistern), dann zog meine Mutter (Einzelkind) mit uns nach. Wir lebten in einer Kleinstadt im Westen von Deutschland und mein Vater war der Hauptverdiener und gab zus├Ątzlich f├╝r Sch├╝ler, Privatstunden an einer Musikschule. Meine Mutter war zu dem Zeitpunkt hauptberuflich Hausfrau, gab aber ebenfalls Privatstunden an der gleichen Musikschule wie mein Vater.

In einer Art Familienkonferenz wurde uns nun mitgeteilt, dass meine Mama f├╝r ein paar Monate zu meiner Oma (v├Ąterlicherseits , Opa war inzwischen verstorben) ziehen w├╝rde (Nord Deutschland) ,um dort einen Job anzutreten, der aufgrund der Finanzlage meiner Eltern wichtig sei. Sie erkl├Ąrten uns, dass sie sich mit dem zus├Ątzlichen Kauf einer weiteren ETW (damalige Nachbarwohnung von uns) etwas ├╝bernommen hatten und die Musikschule in der beide nebenbei Geld verdienten, in K├╝rze leider schlie├čen w├╝rde. Der Plan war es nun, die zweite ETW so schnell wie m├Âglich wieder zu verkaufen und bis das geschehen k├Ânnte, m├╝sste nun auch Mama, f├╝r eine "kurze Zeit" mehr arbeiten gehen, um die Situation bis zum Verkauf verbessern zu k├Ânnen.
Wir Kinder waren davon nat├╝rlich ├╝berhaupt nicht begeistert, einfach weil wir in diesem Alter ja noch gar kein richtiges Zeitgef├╝hl hatten. Die darauffolgenden Tage versuchten sie uns zu beschwichtigen und uns immer wieder zu versichern, dass Mama ja nicht auf ewig weg sei und wir sie schon in K├╝rze (wenn Ferien sind) wiedersehen w├╝rden. Ausserdem sagte unser Vater, dass wir ja auch am WE mal rauffahren k├Ânnten, um Mama zu besuchen.
Zwei Wochen sp├Ąter (mein Onkel war gerade mit Familie zu Besuch) standen wir vor seinem Auto und verabschiedeten meine Mutter Richtung Norden. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie viel wir geweint haben und uns am liebsten an meine Mutter angekettet h├Ątten.
Dieser Tag war r├╝ckblickend betrachtet, das Ende meiner Kindheit und der viel zu fr├╝he Eintritt in ein Erwachsenenleben, denn jetzt nahm die Krise allm├Ąhlich seinen Lauf.
Wie gesagt war ich gerade erst eingeschult worden und das Chaos begann schon morgens nach dem Aufstehen, denn bereits da schon, schien mein Vater am Limit. Er gab sich wirklich alle M├╝he mit uns (lernte sogar Z├Âpfe flechten), aber dennoch war es ein einziges Gehetze. Das kannten wir Kinder so nat├╝rlich nicht. Ebenso war er stets bem├╝ht, sich um unsere Sorgen und N├Âte zu k├╝mmern und kuschelte (insbesondere mit mir) viel mit uns. Anf├Ąnglich klappte das trotzdem noch ganz "gut", denn wir besuchten tats├Ąchlich meine Mutter regelm├Ą├čig, was mir pers├Ânlich das Gef├╝hl gab auf die Worte meiner Eltern vertrauen zu k├Ânnen.

Lange Rede kurzer Sinn: Aus 1 Jahr ohne meine Mutter, wurden es 3 weitere Jahre. Da mein Vater aber dennoch viel arbeiten musste (teilweise bis tief in die Nacht) mutierten wir innerhalb k├╝rzester Zeit nicht nur zu Schl├╝sselkindern, sondern fast schon zu Selbstversorgern.
Einziger Lichtblick war es f├╝r mich, wenn meine Gro├čeltern (m├╝tterlicherseits) teilweise f├╝r Monate am St├╝ck, aus dem fernen Ausland anreisten, um meinen Vater und uns zu unterst├╝tzen.
In den Zeiten in denen meine Gro├čeltern nicht da waren, baute mein mein Vater nervlich und k├Ârperlich immer mehr ab. Die wenige Zeit die nun auch er noch f├╝r uns ├╝brig hatte, lag er v├Âllig ├╝berm├╝det auf der Couch und vertr├Âstete uns, was zur Folge hatte, das wir irgendwann aufh├Ârten nach Freizeitausfl├╝gen zu fragen oder darum zu bitten mit uns zu spielen.
Mein Bruder (nach wie vor verhaftet im Todstellreflex) hockte entweder st├Ąndig vor dem Fernseher oder h├Ârte in seinem Zimmer mit Kopfh├Ârern Musik, w├Ąhrend ich damit besch├Ąftigt war die 140qm Bude zu putzen und K├Ârbe weise W├Ąsche zu b├╝geln. Ich hatte mir das von meiner Mutter abgeschaut, denn die b├╝gelte sogar die Unterhosen und Socken, was ich nat├╝rlich auch tat. Irgendwann war ich so schnell und gut darin, dass ich an einem B├╝gelwettbewerb h├Ątte teilnehmen k├Ânnen. Ich wei├č noch genau wie stolz ich meinen Vater zu seinem Kleiderschrank f├╝hrte, um ihm zu zeigen wie viele Hemden ich geschafft hatte faltenfrei zu b├╝geln (er brauchte berufsbedingt mindestens 2-3 am Tag).
Es soll nun nicht der Eindruck entstehen, dass ich das nur erz├Ąhle um mich selbst zu beweihr├Ąuchern, sondern ich will damit eher auf die unterschwellige Denkweise und Gef├╝hlsebene eines Kindes in solchen Situationen hinweisen!
Wenn man immer wieder den pauschalen Satz liest:,, Kinder sind sehr feinf├╝hlig", dann bedeutete das in meinem Fall, dass ich das alles nur tat, weil ich ernsthaft glaubte: "Wenn ICH mithelfe den armen Papa zu entlasten, dann wird er sicherlich wieder besser gelaunt sein und mehr Zeit f├╝r uns haben und wenn Mama das h├Ârt, wird sie bestimmt ganz gl├╝cklich und stolz auf mich sein, dass ich sie so gut vertreten habe."

Was glaubt ihr passiert mit einem Kind, wenn sich seine Hoffnung trotz aller M├╝hen nicht erf├╝llt?
In meinem Fall f├Ârderte es meine Resilienz und ├╝berdurchschnittlich hohe Frustrationstoleranz....

Fortsetzung folgt...

12.06.2020 08:39 • x 8 #144


Clementine44


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Es ist schon ein Wahnsinn, was dir da zugemutet wurde! Toll, dass du so sachlich und gar nicht verbittert dar├╝ber schreiben kannst!

12.06.2020 10:16 • #145


MissLilly

MissLilly


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@Clementine44

ich danke dir...und naja was soll ich ehrlich sagen ausser :,, Ich geb mein bestes in dieser Hinsicht "

12.06.2020 10:59 • #146


Plentysweet

Plentysweet


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@MissLilly
Danke dass Du uns Deine Geschichte hier so vertrauensvoll schenkst . Ich sehe die Szenen regelrecht vor mir, Du kannst das auch so anschaulich beschreiben! Es gibt Parallelen zu meiner Geschichte und zu der meiner Cousine, die auch einen fremdgehenden, nicht pr├Ąsenten, immer ausw├Ąrts weilenden und noch brutalen Vater mit Machoall├╝ren hatte .

Du bist aufgrund der Umst├Ąnde fr├╝h in eine Erwachsenenrolle gedr├Ąngt worden und hast die Aufgaben einer Mutter und Hausfrau ├╝bernommen. Man hat Dir einen Gro├čteil Deiner Kindheit geraubt und das ist schlimm. Da gibts nichts dran zu r├╝tteln.
Ich denke der beste Weg da seelisch unbeschadet durch zu kommen, ist seinen Eltern irgendwie zu vergeben. Sie und sich von der Schuld innerlich zu erl├Âsen, das Gewesene in Frieden los zu lassen. Sonst ist die Gefahr gross, in Hass und Verbitterung stecken zu bleiben. Auch wenn es schwer ist. Schaffst/kannst Du das? Oder gehst Du da einen anderen Weg?
Du sagst Du bist dadurch resilienter und frustrationsf├Ąhiger geworden. Das ist ein Pluspunkt f├╝r Dein Leben. Ich vermute auch, da├č Du sensibler bist, Spannungen und Mi├čst├Ąnde im Zwischenmenschlichen fr├╝h erkennst?! Ich k├Ânnte es mir vorstellen...

12.06.2020 11:25 • x 2 #147


MissLilly

MissLilly


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Zitat von Plentysweet:
Ich vermute auch, da├č Du sensibler bist, Spannungen und Mi├čst├Ąnde im Zwischenmenschlichen fr├╝h erkennst?! Ich k├Ânnte es mir vorstellen...


Damit triffst du den Nagel so ziemlich auf den Kopf...Freunde und sogar Menschen die ich erst sein kurzem kenne sagen manchmal oft mir :,, sag mal bist du Hellseherin oder was?" oder auch gerne:,, MissLilly und ihr R├Ântgenblick"
Selbst Kunden die zu mir kommen (ich bin selbst├Ąndig) erz├Ąhlen mir sp├Ątestens schon bei unserem 2ten Termin von ihren Sorgen und Befindlichkeiten und nicht selten ihre ganze Lebensgeschichte.
Ich bin in der Tat ein sehr sensibler Mensch und von hoher Intensit├Ąt gepr├Ągter Mensch, dessen Antennen permanent auf scharf gestellt sind. Wie sich im Laufe meiner Geschichte noch herausstellen wird, hat sich das f├╝r mein weiteres Leben (auch als Erwachsene) zu einer Art Fluch und Segen zugleich entwickelt....

12.06.2020 11:44 • x 2 #148


MissLilly

MissLilly


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Es folgt nun Teil 1 von Kapitel 3 meiner Geschichte, sofern noch keiner eingeschlafen ist oder nicht schon l├Ąngst den Faden verloren hat Ist gar nicht so einfach seine Memoiren niederzuschreiben, wie gerade merke:-)

Titel: "Das Wechselmodell" oder auch "jetzt wird alles besser..versprochen"

Ich bin mittlerweile 10 Jahre alt und in Klasse 4 der Grundschule angekommen. Meine schulischen Leistungen haben stark nachgelassen! Meine Hausaufgaben (insbesondere in meinem Hass-Fach Mathe) kann ich immer weniger allein bew├Ąltigen und machen mir schwer zu schaffen. Mein Vater versucht mir dabei zu helfen, hat aber immer weniger Geduld mit mir und rastet immer ├Âfters aus, wenn ich etwas nicht auf Anhieb verstehe. Ich fange an mich dumm und vollkommen unf├Ąhig zu f├╝hlen. Zus├Ątzlich habe ich eine Klassenkameradin die mir st├Ąndig in den Pausen auflauert, um mich vor anderen Kindern grundlos zu beschimpfen oder mir gerne auch mal meine Pausenbrote klaut, um sie vor meinen Augen anzuspucken. Als das nicht mehr reicht, f├Ąngt sie sogar an mir auch nach der Schule aufzulauern, um mich zu treten oder vor versammelter Mannschaft b├╝schelweise Haare rauszurei├čen. Wenn ich im Unterricht sitze bin ich meist nur k├Ârperlich anwesend und hoffe von der Lehrerin nicht drangenommen zu werden. Sobald die Pausenglocke l├Ąutet, fange ich an zu schwitzen und verbringe meine Pausen nur noch dicht bei der jeweiligen Pausenaufsicht des Schulhofes.
Ich suche das Gespr├Ąch zu meinen Vater, in der Hoffnung, dass er mir bei all dem irgendwie helfen kann. Darauf folgte zwar ein Termin mit meiner Lehrerin, aber das Mobbing wurde dadurch nur noch schlimmer!
Der resignierende Ratschlag meines Vaters hierzu:,, Geh dem M├Ądchen einfach aus dem Weg"!
"Witzig", dachte ich, "als ob ich das nicht schon permanent tun w├╝rde". Meine Angst vor der Schule steigerte sich in der darauffolgenden Zeit ins Unermessliche, sodass ich anfing chronische Bauchschmerzen zu entwickeln, sobald der Wecker morgens klingelte. Ich fing an Krankheiten vorzut├Ąuschen, nur um nicht in die Schule zu m├╝ssen. Ein paar mal klappte das auch, aber dann setzte mein Vater dem, kommentarlos einen Riegel vor.
Zudem k├Ąmpfte ich Nachts mit schrecklichen Albtr├Ąumen in denen meine Mutter, vor meinen Augen, entweder erschossen wurde oder sie mich einfach nicht erkannte, wenn ich sie rief oder auf sie zugehen wollte.
Solche Tage waren besonders schlimm f├╝r mich und ich f├╝hlte mich zunehmend hilflos und mit meinen Problemen allein gelassen. H├Âhepunkt meiner psychischen und k├Ârperlichen Verfassung, war dann der Tag meines 11 Geburtstags.
Im Vorwege hatte mein Vater ein paar Einladungskarten organisiert, auf die ich die Namen der Kinder schreiben sollte die ich gerne einladen wollen w├╝rde. Mein Vater muss wohl bemerkt haben, wie unmotiviert ich dreinschaute, weshalb er versuchte mich aufzumuntern in dem er in den tollsten Bildern davon sprach, das es ein ganz toller Tag werden w├╝rde.
Kurzzeitig versp├╝rte ich so etwas wie einen hoffnungsvollen Aufschwung, weil ich meinen Vater schon lange nicht mehr so begeistert und energiegeladen gesehen hatte. Unter keinen Umst├Ąnden wollte ich seine gute Stimmung nun durch meine schlechte Laune gef├Ąhrden, weshalb ich mir alle M├╝he gab, meinen Vater augenscheinlich ein St├╝ck seiner Freude zur├╝ckzugeben.

Geburtstag...Juhu...Die ersten Kinder klingeln an der T├╝r, w├Ąhrend ich in letzter Sekunde noch schnell den Putzeimer wegr├Ąume. Die Wohnung ist mit ein paar Luftballons, die mein Vater in der Nacht zuvor aufgeblasen hatte, m├Ą├čig (um nicht zu sagen lieblos) dekoriert. Die Torte (eine stinknormale "Erwachsenen"-Schokoladenvariante vom ortsans├Ąssigen Konditor) hatte mein Vater ebenfalls noch in letzter Minute angeschleppt und auf den Tisch gestellt und dr├╝ckte mir dabei eine Packung Kerzen in die Hand. Im Anschluss daran zog er, sein ebenso komisch verpacktes Geschenk f├╝r mich, samt einer Geburtstagskarte die meine Mutter f├╝r mich geschrieben hatte aus der Tasche und umarmte und k├╝sste mich. Dabei erz├Ąhlte er mir, dass er jetzt leiderwieder zur Arbeit fahren m├╝sste, weiljemand krank geworden sei, er aber zwischendurch anrufen w├╝rde und wir, sobald er wieder zu Hause ist, gemeinsam noch einmal richtig feiern w├╝rden.
Bevor ich ├╝berhaupt etwas dazu sagen konnte, war er auch schon aus der T├╝r und meine Geburtstagsg├Ąste standen auch schon im Wohnzimmer.
Ich wei├č nicht mehr wie lange genau meine Geburtstagsparty ging. Was ich trauriger weise allerdings noch bestens in Erinnerung habe ist, wie (die "Party" war im vollen Gange...die Kinder spielten und tobten in der Wohnung umher) ich hingegen zusammengekauert unter unserem Wohnzimmertisch sa├č und mir tr├Ąnen├╝berstr├Âmt ein Bild von meiner Mama anschaute, w├Ąhrend ich mir parallel dazu immer wieder ihre Geburtstagskarte durchlies! Ganz so als w├╝rde sie gar nicht mehr unter uns weihen.
Als die ersten Kinder mich leise weinend unter dem Tisch entdeckten, trat eine bedr├╝ckende Stille bei allen ein, bis eine Freundin auf mich zukahm und anfing mich zu fragen was los sei.
Ich kann kaum in Worte fassen wie mich in diesem Augenblick gef├╝hlt habe.
Auf der einen Seite war ich tief traurig und h├Ątte mich am liebsten dem N├Ąchstbesten in die Arme geworfen und auf der anderen Seite, w├Ąre ich vor lauter Peinlichkeit und Scham f├╝r meinen (aus meiner Sicht) erb├Ąrmlichen Zustand gegen├╝ber meinen G├Ąsten, am liebsten glatt im Erdboden versunken.
Und da war sie wieder, die ber├╝hmte unterschwellige Frage, die man sich unbewusst stellt, wenn man merkt, dass man ganz allein auf sich gestellt ist: Flucht, Angriff oder Todstellreflex?
Mal wieder entschied ich mich f├╝r den Angriff in Form von Beschwichtigungen. Ich wischte mir mit einem verlegenen L├Ącheln die Tr├Ąnen aus dem Gesicht und erkl├Ąrkte kurz, das es nur wegen meiner Mama sei, weil sie leider "nur heute" nicht dabei sein kann. Schlie├člich wusste ja fast keine Sau, dass meine Eltern eine Fernbeziehung f├╝hrten! Ich wei├č noch wie erleichert ich war, als endlich alle gegangen waren und ich nicht mehr das fr├Âhliche Geburtstagskind bzw. den Entertainer spielen musste.
├ťbrigens hatte mein Vater Wort gehalten und mich, kurz nach dem meine G├Ąste gegangen waren, tats├Ąchlich angerufen. Allerdings nur um uns dar├╝ber zu informieren, dass es heute leider doch sehr sp├Ąt werden w├╝rde bis er wieder nach Hause kommt, wir also bitte nicht so lange aufbleiben sollten und ihm das selbstverst├Ąndlich alles furchtbar leid tun w├╝rde!
Ich versp├╝rte irgendwie keine Kraft mehr mich dar├╝ber aufzuregen und sagte nur noch, dass es ok sei.
Schlafen konnte ich an diesem Tag dennoch nicht und so bemerkte ich, dass mein Vater noch nie so lange weg war, wie an diesem Tag bzw. dieser Nacht.

Fortsetzung folgt...

12.06.2020 15:35 • x 4 #149


MissLilly

MissLilly


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Hier Teil 2 von: "Das Wechselmodell" oder auch "jetzt wird alles besser..versprochen"

In meinem vorherigen Beitrag hatte ich ja berichtet, dass meine schulischen Leistungen damals immer mehr nachgelassen hatten. Vergessen zu erw├Ąhnen hatte ich aber (weil das sp├Ąter noch wichtig sein wird), dass dadurch meine Versetzung auf ein Gymnasium gef├Ąhrdet war, weil ich in Mathe die Note 4 hatte. Seiner Zeit war es n├Ąmlich so, dass man keine Gymnasialempfehlung erhielt, wenn man in einem Hauptfach nicht mindestens eine 3 hatte. F├╝r meine akademischen Eltern die immer sehr viel Wert auf Bildung legten (zumindest verbal), war das (insbesondere f├╝r meinen Vater) nat├╝rlich eine absolute Katastrophe! Also wurde kurzer Hand ├╝ber meinen Kopf entschieden, dass ich die Klasse wiederhole.
Ich sch├Ąmte mich anf├Ąnglich zu tiefst, weil ich f├╝r mein Empfinden nun der Sitzenbleiber war und obendrein auch noch ein weiteres Jahr auf dieser (in meinen Augen) schrecklichen Schule verbringen musste.
Der einzig tr├Âstende Ausblick an dieser Stelle war, dass ich nun nicht mehr auf das M├Ądchen treffen w├╝rde , welches mich so lange drangsaliert hatte. Im Laufe der Zeit hatte ich auch wieder mehr Spa├č an der Schule, weil ich durch die Wiederholung jetzt deutlich bessere Noten schrieb. Selbst in Mathe r├Ąumte ich eine 2 nach der anderen ab und bekam am Ende des Schuljahres endlich die gew├╝nschte Empfehlung f├╝r das Gymnasium. Trotzdem hatte ich, was meine schulischen Leistungen anbetraf, nicht wirklich das Gef├╝hl von echter Sicherheit aufgrund von Wissen. Versteht ihr was ich meine? D.h, ich freute mich zwar ├╝ber meine guten Noten im "Hier und Jetzt" und auch auf das Gymnasium, aber dennoch blieb immer ein flaues Gef├╝hl in der Magengegend zur├╝ck, weil ich Angst hatte, das Niveau nicht auch dauerhaft halten zu k├Ânnen.

Zwischenzeitlich hatte sich auch unser Frust ├╝ber die lange Abwesenheit meiner Mutter angestaut, denn mittlerweile besuchten wir sie nur noch in den gr├Â├čeren Schulferien. Und selbst dann war meine Mutter praktisch fast nur bei der Arbeit und somit auch nur sp├Ąt am Abend da. Wir fragten meinen Vater nun schon fast t├Ąglich, wann dieser Zustand endlich aufh├Âren w├╝rde und beschwerten uns entsprechend regelm├Ą├čig bei ihm dar├╝ber. Die n├Ąchtlichen Problemgespr├Ąche zwischen meinen Eltern via Telefon h├Ąuften sich und wir h├Ârten meinen Vater, nahezu in Dauerschleife immer wieder zu meiner Mutter sagen:,, Das geht so nicht mehr. Ich schaffe das nicht mehr. Die Kinder brauchen ihre Mutter. Ich kann dich nicht ersetzen!"
Ich k├╝rze an dieser Stelle mal ab, denn offenbar hatten sich meine Eltern nun ein neues L├Âsungskonzept ausgedacht und das sah nun wie folgt aus:

Wir (also die Kinder) ziehen nach dem Schuljahr zu Mama in die Gro├čstadt und vorerst ins kleine Reihenhaus von Oma. Papa bleibt an Ort und Stelle bis er beide ETW verkauft hat, wechselt beruflich dann ebenfalls in unserem neunen Wohnort, wir kaufen ein Haus und alles wird wieder gut!
Mein Bruder und ich freuten uns wahnsinnig ├╝ber diese guten Neuigkeiten, bis wir realisierten, dass wir dadurch ja alle unsere bisherigen Freunde verlieren w├╝rden und wir bef├╝rchteten selbstverst├Ąndlich nie wieder Neue zu finden! Kindliches Denken eben Zum Abschied flossen dicke Tr├Ąnen und ich konnte mich kaum von meiner damaligen besten Freundin l├Âsen. Auch bei meinem sonst so stillen Bruder brachen am Tag des Umzugs alle D├Ąmme, auch weil wir nicht sofort alles was uns wichtig war, mitnehmen konnten und wir Angst hatten, dass Papa in unserer Abwesenheit irgendetwas davon einfach wegschmei├čen w├╝rde. Sicherheitshalber hatte ich f├╝r meinen Bruder und mich daher ein Liste erstellt, was Papa auf keinen Fall vergessen darf in die Umzugskartons zu packen.

Da stehen wir nun im Obergeschoss von Omas kleinem Reihenhaus. 1,5 Zimmer mit Mini-Bad und Mini-K├╝che, verteilt auf 28qm Wohnfl├Ąche. Aber egal, ist ja nicht f├╝r lange und Hauptsache Mama ist da!
Anf├Ąnglich noch hochmotiviert und voller Vorfreude, das sich nun bald alles zum Guten wenden w├╝rde, mussten wir schon innerhalb weniger Monate feststellen, das sich an unserer bisherigen Situation (also der von uns Kindern) mal rein gar nichts ger├Ąndert hatte. Im Grunde genommen hatten meine Eltern nichts weiter getan als die Rollen unserer Betreuung zu tauschen, wobei man von Betreuung nicht wirklich sprechen konnte. Denn meine Mutter hatte mittlerweile noch einen weiteren Job zu ihm Hauptjob angenommen (schlie├člich sollte ja jetzt ein neues Haus her), weshalb wir sie bei Tageslicht, praktisch fast gar nicht mehr zu Gesicht bekamen. Zwar kochte meine Mutter f├╝r uns Nachts (zu anderen Uhrzeiten war sie ja nicht zu Hause) st├Ąndig vor und schmierte uns am Morgen auch die Schulbrote, aber in allen anderen Bereichen waren wieder einst zu Schl├╝sselkindern mutiert, die zusehen mussten wie sie alles andere selbst regeln.
Auch wurden die Abst├Ąnde in denen mein Vater uns besuchte immer gr├Â├čer bzw. insgesamt seltener.
Eine weitere und gro├če Herausforderung denn Unterst├╝tzung, war meine Oma f├╝r uns, die ja ebenfalls mit im Haus wohnte. Was die sich alles mit uns Kindern und unserer Mutter leistete, f├╝hrt an dieser Stelle einfach zu weit, weshalb ich es kurz mache und nur zusammenfassend sagen kann, dass das Leben mit ihr und unter einem Dach zur H├Âlle wurde (Gott soll sie trotzdem selig haben).
Zudem fanden mein Bruder und ich auf der neuen Schule keinen echten Anschlu├č in Form von Freundschaften, was uns zus├Ątzlich zu schaffen machte. Und so gammelten wir regelrecht Tag ein und Tag aus fast nur noch vor dem Fernseher ab. Wenn es hochkommt hatte meine Mutter lediglich 1x in der Woche einen freien Tag, den sie meist mit einkaufen (sie hatte keinen F├╝hrerschein), putzen, kochen und waschen verbrachte oder st├Ąndig irgendwelche Papiere w├Ąlzte und danach ├ťberweisungen zur Bank schleppte. Die ganze Farce hielt nun mittlerweile seit 2 Jahren an und auch meine Mutter baute optisch und psychisch immer mehr ab. Wieder h├Ąuften sich die Telefongespr├Ąche zwischen meinen Eltern, in denen meine Mutter meinem Vater, permanent heulend ihr Leid, insbesondere ├╝ber Oma klagte. Nur bei Oma selbst, da schaffte sie es kein einziges Mal sich ihr gegen├╝ber zu behaupten und ihr mal so richtig die Meinung zu geigen. Meine Mutter ist ein ├╝berdurchschnittlich harmoniebed├╝rftiger Mensch, der sich selbst zwar sehr stark an moralischen Werte orientiert, hingegen aber gro├če Schwierigkeiten damit hat, Anderen ihre pers├Ânlichen Grenzen aufzuzeigen. Nur selten habe ich es erlebt, dass meine Mutter mal wirklich b├Âse oder laut wurde. Auf Stress oder Verletzungen reagiert meine Mutter bis heute ausschlie├člich mit Tr├Ąnen, Beschwichtigungen oder Rechtfertigungen f├╝r sich und andere.
Das zeigte sich insbesondere bei Problemen die wir in der Schule hatten bzw. unseren dort abfallenden Leistungen, die erneut zugenommen hatten. Unsere Hausaufgaben wurden weniger auf den richtigen Inhalt gepr├╝ft (daf├╝r war einfach keine Zeit), sondern wurden vielmehr daran gemessen, wie ordentlich wir diese zu Papier gebracht hatten. Waren mehr als 2-3 S├Ątze nicht sch├Ân geschrieben, wurde gleich die gesamte Seite rausgerissen und wir durften alles noch einmal neu schreiben.
Ergebnis : Mein Bruder und ich k├Ânnten auch heute noch an einem Sch├Ân-schreib-wettbewerb teilnehmen.
Kamen wir hingegen mit einer schlechten Note nach Hause, t├Ątschelte meine Mutter uns stets aufmunternd das H├Ąndchen.
Standardsatz:,, Sei nicht traurig, bei der n├Ąchsten Arbeit klappt das bestimmt besser". Fragt sich nur wie das besser klappen soll, wenn man absolut keinen Durchblick hat und auch keine Anleitung oder Vorschl├Ąge der Verbesserung dazu erh├Ąlt. Mein Vater hingegen hatte zwar selbst auch keine hilfreichen Ideen hierf├╝r zur Hand, wurde es aber nicht m├╝de meiner Mutter, die Schuld f├╝r unsere schulischen Leistungen zu geben. Als dann auch noch meine Versetzung in Klasse 8 des Gymnasiums nunmehr auch offiziell einen gef├Ąhrdeten Zustand erreicht hatte, forderte meine Mutter MICH auf, der Klassenlehrerin zu sagen, dass sie in der Oberstufe nach einer Nachhilfe f├╝r mich suchen sollte.
Kurz um: Eine Nachhilfe (billig war die nicht) wurde zwar gefunden, half aber nichts, weil ich schon l├Ąngst den Anschlu├č
(nat├╝rlich mal wieder in meinem "hei├č geliebten" Fach Mathe) verloren hatte.
Fazit: Nach den Sommerferien hie├č es also, ab auf die Realschule. Ich werde nie vergessen wie entt├Ąuscht mich mein Vater ansah und dabei einen selbstleidigen Seufzer machte, als er mein Abschlusszeugnis des Gymnasiums in den H├Ąnden hielt. Daneben meine Mutter mit hoch rotem Gesicht und ihren ber├╝hmten Dauerparolen von "alles wird wieder gut".

Nix wurde gut, zumindest nicht zwischen meinen Eltern....

Fortsetzung folgt

13.06.2020 09:20 • x 3 #150



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