MissLilly
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Ich bin mittlerweile 13 Jahre alt und in wenigen Wochen fangen die Sommerferien an.
Das Leben mit Oma unter einem Dach, ist inzwischen jenseits von gut böse. Wir erwischen sie immer öfters dabei, wie sie während unserer Abwesenheit unsere persönlichen Sachen durchwühlt (warum auch immer) und Geschichten über uns erfindet, nur um uns bei meinem Vater und der restlichen Familie, schlecht zu machen. Die Familienkonferenzen häufen sich und mein Vater spielt den Vermittler. Wir Kinder sind sehr wütend darüber, dass mein Vater das alles irgendwie herunterspielt und fühlen uns überhaupt nicht ernst genommen.
Standardsatz für uns Kinder:,, Ach Kinder, Oma ist eben alt und das sind alles Sachen die könnt ihr in eurem Alter noch gar nicht verstehen."
Lieblingssatz für meine Mutter:,, Du musst aufhören die Kinder da mit reinzuziehen,. Es ist vollkommen normal, dass sie dich verteidigen, weil du ihre Mutter bist. Das sind aber alles Themen, die in den Ohren von Kindern nichts zu suchen haben".
Darüber hinaus sind wir jetzt mittlerweile auch schon so weit, dass meine Eltern nun nicht einmal mehr ihren Jahresurlaub dafür aufwenden können, um Zeit mit uns zu verbringen.
Alternativprogramm: Wir Kinder (OHNE unsere Eltern) und samt Oma(!) verbringen die Sommerferien in der Finca von unserem Onkel im Süden Spaniens. Gerade einmal 3 Tage dort angekommen, ereignete sich zwischen mir und meiner Oma (als wir gerade allein in der Finca waren) ein Vorfall, der unser Verhältnis und den Respekt füreinander endgültig zu Fall brachte. Das Ganze endete damit, dass ich in die nächste Telefonzelle lief und panisch meinen Vater anrief, um ihn zu bitten mich unverzüglich abzuholen und ich ansonsten solange nicht zur Finca zurückgehen würde, bis Oma weg ist und ich somit in Sicherheit vor ihr.
Ich spule mal kurz vor....
Am nächsten Tag war mein Vater tatsächlich da und wir fuhren zurück nach Hause.
Nun war wohl auch meinen Eltern bewusst geworden, dass wir unmöglich so weitermachen können, weshalb quasi in einer Nacht und Nebel Aktion, eine vollkommen überteuerte und möblierte 3 ZW angemietet wurde und wir kurzer Hand dort einzogen. Natürlich aber auch das nur als "Übergangslösung", da man ja immer noch bemüht war ein Haus zu finden.
Es vergeht ein weiteres Jahr und ich bin inzwischen 14 Jahre alt. Es erreicht uns ein Anruf meines Vaters, indem er meiner Mutter erklärt, das es auf dem Immobilienmarkt sehr schlecht aussehen würde und die beiden ETW nun schnellst möglich an den nächst besten und meistbietenden Käufer veräußert werden müssten.
Zudem hätte er übergangsweise eine kleine Wohnung zur Untermiete bei einer älteren Dame gefunden. Dort gäbe es allerdings keinen separaten Telefonanschluss, sodass wir ihn leider vorerst nicht anrufen würden könnten. Da es ja aber nur für kurze Zeit wäre, würde er sich (spätestens alle 2 Tage) bei uns melden und auch schon mal seinen Wohnsitz zumindest behördlich, bei uns ummelden. Das hätte im übrigen auch steuerliche Vorteile.
Kurz um, meine Mutter stimmte (sichtlich irgendwie nicht wirklich überzeugt) zu. Ich weiß noch genau, wie fast schon apathisch sie nach dem Telefongespräch auf mich wirkte. Interessanterweise hatte auch mein Bruder den gleichen zweifelnden Blick wie meine Mutter, weshalb ich nicht länger an mich halten konnte und nachbohrte.
Meine Befürchtung, nämlich das meine Mutter und auch mein Bruder, ihm diese Story nicht glauben würden, trat daraufhin kurzerhand ein. Wenngleich meine Mutter sich alle Mühe gab, nicht allzu voreilig oder schlecht über meinen Vater zu urteilen, sprach ihr Gesichtsausdruck ganze Bände.
Dafür hingegen fand, mein sonst so stiller Bruder, klarere Worte und sagte ganz ohne Umschweife:,, Sorry, MissLilly, aber glaubst du wirklich das Papa zu einer alten Dame ohne Telefonanschluss zieht? Wie naiv bist du eigentlich?"
Ich bemerkte wie mir in diesem Moment das Blut in den Adern wallte und ich vollkommen explodierte.
Ich schrie ihnen entgegen wie sie nur so böse von Papa denken könnten und ob sie denn gar ein Verständnis dafür hätten, dass er da drüben ganz alleine ist! Wild gestikulierend lief ich in in der ganzen Wohnung umher und sagte ihnen, dass Papa vielleicht nicht immer alles richtig machen würden, aber "mein Papa" und dafür lege ich die Hand ins Feuer, so sagte ich ihnen, ganz sicher kein Fremdgeher und Betrüger ist, der soweit gehen und uns derart belügen bzw. hintergehen würde!
Zwischenzeitlich war ein Zustand erreicht, bei dem meine Mutter praktisch nur noch arbeiten war und die finanzielle Situation schien sich, trotz des Verkaufs der beiden ETW, immer weiter zuzuspitzen anstatt sich entspannen.
Obwohl mein Vater zudem der weitaus besser verdienende Part war und meine Mutter obendrein bzw. deswegen auch noch schlechtere Steuerklasse (Nr.5) hatte, bat mein Vater sie ständig, ihm Geld zu überweisen. Schließlich würde ja fast sein ganzes Gehalt für die laufenden Kredite dabei draufgehen. Seit mein Vater sich (zumindest amtlich) bei uns umgemeldet hatte, stapelte sich die Post bergeweise bei uns. Um meine Mutter zu entlasten (auch wieder in der Hoffnung sie würde dadurch mehr Zeit für uns haben) fing ich an zur Buchhalterin zu mutieren. Ich sortierte penibel alle Unterlagen und legte sie in Ordnen oder Mappen ab, ähnlich einer Behörde. Meine Mutter hatte sich so sehr daran gewöhnt, dass sie selbst gar nicht mehr wirklich die Post aufmachte, sondern mich lediglich darum bat, ihr sofort Mitteilung darüber zu machen, falls wichtige Schreiben oder Rechnungen eintreffen würden. Irgendwann füllte ich sogar für sie die Überweisungsträger aus und brachte sie lediglich mit ihrer Unterschrift darauf, zur Bank.
Wieder 6 Monate später (nach dem Umzug meines Vaters zu der "alten Dame") erreichte uns nun die Hiobsbotschaft, dass mein Vater aufgrund der Altersbegrenzung und seiner Tätigkeit im öffentlich Dienst, die Versetzung in eine andere Stadt nun nicht mehr möglich sei, ohne die Minderung späterer Pensionsansprüche dafür in Kauf nehmen zu müssen.
Mit anderen Worten: Meine Eltern bzw. wir alle sind zu einem Leben in Fernbeziehung zueinander, nun endgültig verdammt!
Parallel dazu wurde uns mitgeteilt, dass er unter diesen Umständen nun nicht mehr länger bei der alten Dame ohne Telefonanschluss leben könnte, sondern stattdessen lieber in die WG eines befreundeten Kollegenpärchens von seiner Arbeit ziehen würde, um nicht immer ganz so allein zu sein!
Ich muss ehrlich gestehen, dass mich das alles zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich schockierte, denn schließlich hatte ich mich an diesen Zustand bereits längst gewöhnt.
Vielmehr hingegen beschäftigte mich die Reaktion meiner Mutter darauf, die fast schon wie ein kleines Kind auf mich wirkte, weil sie nichts besseres dazu zu sagten hatte als:,, Naja, wenn du meinst das es so am besten ist, dann machen wir das so". Ich fiel fast vom glauben ab und hatte nun endgültig die Schnauze voll, von der Unfähigkeit meiner Eltern ihres und unser Leben vernünftig zu gestalten. Ich riss meiner Mutter den Hörer aus der Hand und fing an meinen Vater zu befragen, wie er sich das denn nun genau vorstellen würde und ob er sich schon mal gefragt hätte, was das für uns Kinder bedeutet.
Die Antwort, die auch noch die nachfolgenden Jahre anhalten sollte war:,, Natürlich weiß ich das und ich selbst wäre auch viel lieber bei euch, aber auch wenn ihr das JETZT noch nicht versteht, so mache ich das alles wirklich NUR FÜR EUCH und zu EUREM BESTEN!"
Oh ja und wie das alles zu "unserem" Besten werden bzw. vielmehr enden sollte.....
Fortsetzung folgt....

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