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Was ist mit den Kindern?

MissLilly

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Kapitel 4. Teil 1 mit dem Titel: Die Aufdeckung von Lug und Betrug.

Ich bin mittlerweile 13 Jahre alt und in wenigen Wochen fangen die Sommerferien an.
Das Leben mit Oma unter einem Dach, ist inzwischen jenseits von gut b├Âse. Wir erwischen sie immer ├Âfters dabei, wie sie w├Ąhrend unserer Abwesenheit unsere pers├Ânlichen Sachen durchw├╝hlt (warum auch immer) und Geschichten ├╝ber uns erfindet, nur um uns bei meinem Vater und der restlichen Familie, schlecht zu machen. Die Familienkonferenzen h├Ąufen sich und mein Vater spielt den Vermittler. Wir Kinder sind sehr w├╝tend dar├╝ber, dass mein Vater das alles irgendwie herunterspielt und f├╝hlen uns ├╝berhaupt nicht ernst genommen.
Standardsatz f├╝r uns Kinder:,, Ach Kinder, Oma ist eben alt und das sind alles Sachen die k├Ânnt ihr in eurem Alter noch gar nicht verstehen."
Lieblingssatz f├╝r meine Mutter:,, Du musst aufh├Âren die Kinder da mit reinzuziehen,. Es ist vollkommen normal, dass sie dich verteidigen, weil du ihre Mutter bist. Das sind aber alles Themen, die in den Ohren von Kindern nichts zu suchen haben".
Dar├╝ber hinaus sind wir jetzt mittlerweile auch schon so weit, dass meine Eltern nun nicht einmal mehr ihren Jahresurlaub daf├╝r aufwenden k├Ânnen, um Zeit mit uns zu verbringen.
Alternativprogramm: Wir Kinder (OHNE unsere Eltern) und samt Oma(!) verbringen die Sommerferien in der Finca von unserem Onkel im S├╝den Spaniens. Gerade einmal 3 Tage dort angekommen, ereignete sich zwischen mir und meiner Oma (als wir gerade allein in der Finca waren) ein Vorfall, der unser Verh├Ąltnis und den Respekt f├╝reinander endg├╝ltig zu Fall brachte. Das Ganze endete damit, dass ich in die n├Ąchste Telefonzelle lief und panisch meinen Vater anrief, um ihn zu bitten mich unverz├╝glich abzuholen und ich ansonsten solange nicht zur Finca zur├╝ckgehen w├╝rde, bis Oma weg ist und ich somit in Sicherheit vor ihr.
Ich spule mal kurz vor....
Am n├Ąchsten Tag war mein Vater tats├Ąchlich da und wir fuhren zur├╝ck nach Hause.

Nun war wohl auch meinen Eltern bewusst geworden, dass wir unm├Âglich so weitermachen k├Ânnen, weshalb quasi in einer Nacht und Nebel Aktion, eine vollkommen ├╝berteuerte und m├Âblierte 3 ZW angemietet wurde und wir kurzer Hand dort einzogen. Nat├╝rlich aber auch das nur als "├ťbergangsl├Âsung", da man ja immer noch bem├╝ht war ein Haus zu finden.
Es vergeht ein weiteres Jahr und ich bin inzwischen 14 Jahre alt. Es erreicht uns ein Anruf meines Vaters, indem er meiner Mutter erkl├Ąrt, das es auf dem Immobilienmarkt sehr schlecht aussehen w├╝rde und die beiden ETW nun schnellst m├Âglich an den n├Ąchst besten und meistbietenden K├Ąufer ver├Ąu├čert werden m├╝ssten.
Zudem h├Ątte er ├╝bergangsweise eine kleine Wohnung zur Untermiete bei einer ├Ąlteren Dame gefunden. Dort g├Ąbe es allerdings keinen separaten Telefonanschluss, sodass wir ihn leider vorerst nicht anrufen w├╝rden k├Ânnten. Da es ja aber nur f├╝r kurze Zeit w├Ąre, w├╝rde er sich (sp├Ątestens alle 2 Tage) bei uns melden und auch schon mal seinen Wohnsitz zumindest beh├Ârdlich, bei uns ummelden. Das h├Ątte im ├╝brigen auch steuerliche Vorteile.
Kurz um, meine Mutter stimmte (sichtlich irgendwie nicht wirklich ├╝berzeugt) zu. Ich wei├č noch genau, wie fast schon apathisch sie nach dem Telefongespr├Ąch auf mich wirkte. Interessanterweise hatte auch mein Bruder den gleichen zweifelnden Blick wie meine Mutter, weshalb ich nicht l├Ąnger an mich halten konnte und nachbohrte.
Meine Bef├╝rchtung, n├Ąmlich das meine Mutter und auch mein Bruder, ihm diese Story nicht glauben w├╝rden, trat daraufhin kurzerhand ein. Wenngleich meine Mutter sich alle M├╝he gab, nicht allzu voreilig oder schlecht ├╝ber meinen Vater zu urteilen, sprach ihr Gesichtsausdruck ganze B├Ąnde.
Daf├╝r hingegen fand, mein sonst so stiller Bruder, klarere Worte und sagte ganz ohne Umschweife:,, Sorry, MissLilly, aber glaubst du wirklich das Papa zu einer alten Dame ohne Telefonanschluss zieht? Wie naiv bist du eigentlich?"
Ich bemerkte wie mir in diesem Moment das Blut in den Adern wallte und ich vollkommen explodierte.
Ich schrie ihnen entgegen wie sie nur so b├Âse von Papa denken k├Ânnten und ob sie denn gar ein Verst├Ąndnis daf├╝r h├Ątten, dass er da dr├╝ben ganz alleine ist! Wild gestikulierend lief ich in in der ganzen Wohnung umher und sagte ihnen, dass Papa vielleicht nicht immer alles richtig machen w├╝rden, aber "mein Papa" und daf├╝r lege ich die Hand ins Feuer, so sagte ich ihnen, ganz sicher kein Fremdgeher und Betr├╝ger ist, der soweit gehen und uns derart bel├╝gen bzw. hintergehen w├╝rde!

Zwischenzeitlich war ein Zustand erreicht, bei dem meine Mutter praktisch nur noch arbeiten war und die finanzielle Situation schien sich, trotz des Verkaufs der beiden ETW, immer weiter zuzuspitzen anstatt sich entspannen.
Obwohl mein Vater zudem der weitaus besser verdienende Part war und meine Mutter obendrein bzw. deswegen auch noch schlechtere Steuerklasse (Nr.5) hatte, bat mein Vater sie st├Ąndig, ihm Geld zu ├╝berweisen. Schlie├člich w├╝rde ja fast sein ganzes Gehalt f├╝r die laufenden Kredite dabei draufgehen. Seit mein Vater sich (zumindest amtlich) bei uns umgemeldet hatte, stapelte sich die Post bergeweise bei uns. Um meine Mutter zu entlasten (auch wieder in der Hoffnung sie w├╝rde dadurch mehr Zeit f├╝r uns haben) fing ich an zur Buchhalterin zu mutieren. Ich sortierte penibel alle Unterlagen und legte sie in Ordnen oder Mappen ab, ├Ąhnlich einer Beh├Ârde. Meine Mutter hatte sich so sehr daran gew├Âhnt, dass sie selbst gar nicht mehr wirklich die Post aufmachte, sondern mich lediglich darum bat, ihr sofort Mitteilung dar├╝ber zu machen, falls wichtige Schreiben oder Rechnungen eintreffen w├╝rden. Irgendwann f├╝llte ich sogar f├╝r sie die ├ťberweisungstr├Ąger aus und brachte sie lediglich mit ihrer Unterschrift darauf, zur Bank.
Wieder 6 Monate sp├Ąter (nach dem Umzug meines Vaters zu der "alten Dame") erreichte uns nun die Hiobsbotschaft, dass mein Vater aufgrund der Altersbegrenzung und seiner T├Ątigkeit im ├Âffentlich Dienst, die Versetzung in eine andere Stadt nun nicht mehr m├Âglich sei, ohne die Minderung sp├Ąterer Pensionsanspr├╝che daf├╝r in Kauf nehmen zu m├╝ssen.
Mit anderen Worten: Meine Eltern bzw. wir alle sind zu einem Leben in Fernbeziehung zueinander, nun endg├╝ltig verdammt!
Parallel dazu wurde uns mitgeteilt, dass er unter diesen Umst├Ąnden nun nicht mehr l├Ąnger bei der alten Dame ohne Telefonanschluss leben k├Ânnte, sondern stattdessen lieber in die WG eines befreundeten Kollegenp├Ąrchens von seiner Arbeit ziehen w├╝rde, um nicht immer ganz so allein zu sein!
Ich muss ehrlich gestehen, dass mich das alles zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich schockierte, denn schlie├člich hatte ich mich an diesen Zustand bereits l├Ąngst gew├Âhnt.
Vielmehr hingegen besch├Ąftigte mich die Reaktion meiner Mutter darauf, die fast schon wie ein kleines Kind auf mich wirkte, weil sie nichts besseres dazu zu sagten hatte als:,, Naja, wenn du meinst das es so am besten ist, dann machen wir das so". Ich fiel fast vom glauben ab und hatte nun endg├╝ltig die Schnauze voll, von der Unf├Ąhigkeit meiner Eltern ihres und unser Leben vern├╝nftig zu gestalten. Ich riss meiner Mutter den H├Ârer aus der Hand und fing an meinen Vater zu befragen, wie er sich das denn nun genau vorstellen w├╝rde und ob er sich schon mal gefragt h├Ątte, was das f├╝r uns Kinder bedeutet.
Die Antwort, die auch noch die nachfolgenden Jahre anhalten sollte war:,, Nat├╝rlich wei├č ich das und ich selbst w├Ąre auch viel lieber bei euch, aber auch wenn ihr das JETZT noch nicht versteht, so mache ich das alles wirklich NUR F├ťR EUCH und zu EUREM BESTEN!"

Oh ja und wie das alles zu "unserem" Besten werden bzw. vielmehr enden sollte.....

Fortsetzung folgt....

14.06.2020 09:38 • x 6 #151


Clementine44


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Ich bin schon gespannt auf deine Fortsetzung... und nun verstehe ich den Titel deines Threads vollkommen: wo bliebt ihr als Kinder? Unvorstellbar, was dir und auch deinem Bruder zugemutet wurde! Um zwei Wohnungen zu finanzieren, habe ich das richtig verstanden? Ihr w├╝rdet zuerst beim ├╝berforderten Vater geparkt, dann bei der Oma, weil die Mutter ├╝berfordert war, und noch dazu aus finanziellen Gr├╝nden, obwohl beide Eltern Akademikerjobs hatten? Damit muss man mal zurecht kommen, im Nachgang.

15.06.2020 17:00 • x 2 #152



Was ist mit den Kindern?

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MissLilly

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Kapitel 4 Teil 2 von : Die Aufdeckung von Lug und Betrug.

Ich bin inzwischen 15 Jahre alt und das Thema Geld h├Ąngt mir mittlerweile zu den Ohren raus!
Einfach weil es wie ein unsichtbares Damoklesschwert ├╝ber uns h├Ąngt. Schlie├člich k├Ânnen zumindest wir Kinder es irgendwie nicht greifen, da wir wirklich alles haben und ich mich auch r├╝ckwirkend, nicht daran erinnern kann, dass materielle W├╝nsche unerf├╝llt geblieben w├Ąren. Ganz im Gegenteil standen wir anderen Kindern bzw. nun Jugendlichen in absolut nichts nach, da es meiner Mutter immer wichtig war, dass wir qualitativ hochwertig ausgestattet sind.
Trotzdem hatte ich irgendwie ein schlechtes Gewissen deswegen und zerbrach mir den Kopf dar├╝ber, welchen Beitrag ich leisten k├Ânnte, um meine Eltern zumindest in dieser Hinsicht einwenig entlasten zu k├Ânnen.
Da ich aber erst 15 Jahre alt war und noch nicht wirklich richtig arbeiten durfte, musste eine Alternative her, die ich auch ganz schnell fand. Ich durchforstete die K├Ąsebl├Ątter die w├Âchentlich in unserem Briefkasten lagen und fing an Zeitungen auszutragen. Parallel h├Ąngte ich Annoncen an B├Ąume und in Superm├Ąrkten mit meinen Kontaktdaten auf.
Als sich niemand meldete, liefe ich in der Nachbarschaft umher und bot meine Dienste als Babysitter, Hundesitter, Putz oder Gartenhilfe direkt an. Ich wei├č noch zu gut wieviel ├ťberwindung es mich gekostet hatte, an den Haust├╝ren der Leute zu klingen und mich vorzustellen.
Recht schnell hatte ich auch damit Erfolg und es fand sich sowohl eine Familie mit 2 kleinen Kindern als auch eine ├Ąltere Dame, der ich im Garten zur Hand gehen konnte und die somit mein Angebot dankend angenommen hatten.
Ich war ausser mir vor Freude und berichtete es sogleich meinen Eltern. Zumindest meine Mutter schien sich sehr f├╝r "mich" zu freuen und teilte meine Begeisterung, w├Ąhrend mein Mein Vater hingegen eher damit besch├Ąftigt war, mich ├Ąhnlich wie bei einem Verh├Âr zu befragen, wo und wann ich zu wem gehe und machte meine Mutter f├╝r die "O-Ton: Flausen in meinem Kopf" wieder einmal verantwortlich.

Doch die Freude ├╝ber das (aus meiner Sicht) zus├Ątzliche Einkommen der Familie w├Ąrte nur sehr kurz, denn in fast jedem Telefonat drehte es sich nur noch um die Finanzlage. Kein einziges mal h├Ârte ich meine Eltern einander noch sagen "ich liebe dich" oder "Ich vermisse dich". Selbst die einfache Frage nach dem Wohlergehen glich f├╝r mein Empfinden immer mehr einer reinen H├Âflichkeitsfloskel.
Genauso erm├╝dend und l├Ąhmend empfand ich auch die Telefongespr├Ąchen mit uns Kindern.
Die "emotionslosen" Abfragen, begleitet von schweren und tiefen Seufzern im Standart Programm von:,, Wie gehts dir?",,Was macht die Schule", oder auch ganz weit vorne "Was gibt's Neues" ohne dabei konkret zu werden, l├Âsten in mir nur noch den puren Stress aus, weil ich einfach nichts tolles zu berichten wusste, ohne das es jammernd oder belastend r├╝berkommen w├╝rde.
Und selbst wenn wir zur Abwechslung tats├Ąchlich mal was Positives zu berichten hatten, wie zum Beispiel einen Erfolg in der Schule (sein erstes eigenes Geld zu verdienen schien offensichtlich nicht dazu zu geh├Âren), konnte man regelrecht sp├╝ren, dass die Freude am anderen Ende der Leitung, mehr gequ├Ąlt inszeniert zu sein schien, denn aufrichtig und anteilnehmend.
Auch die innigen und liebevollen Umarmungen meiner Mutter, gepaart mit den ewigen Parolen des Durchhaltens und Rechtfertigungen in Bezug auf ihr enormes Arbeitspensum, konnte ich immer weniger genie├čen, sondern empfand sie zunehmend als herausfordernde Belastung. Einfach weil meine Mutter inzwischen einen Zustand erreicht hatte, bei dem sie nahezu t├Ąglich weinte. Selbst ein seltener und gem├╝tlicher Filmabend oder Musiksong im Radio, reichten aus und es flossen unvorhersehbar und unkontrolliert die Tr├Ąnen bei meiner Mutter.
Mein Vater also immer schwer seufzend und meine Mutter immer nur heulend, hatte ich st├Ąndig das Gef├╝hl, dass es nur noch eine Frage der Zeit w├Ąre, bis einer von beiden (oder auch beide) endg├╝ltig zusammenbrechen und aufgeben w├╝rde.
Gegen Weinen und Seufzen hatte ich mittlerweile eine richtige Aversion entwickelt, zeitgleich lehnte ich mich innerlich aber auch f├╝r meine Gedanken in dieser Hinsicht selbst ab. Ich hatte in solchen Momenten dann einfach immer das Gef├╝hl ein empathieloser und egoistischer Mensch zu sein. Es ist schwer zu beschreiben.

Zwischenzeitlich ist mein Vater nun auch in die besagte WG des "Kollegenp├Ąrchens" gezogen und dort gibt es selbstverst├Ąndlich auch einen Telefonanschluss
Was mir bzw. uns zu Beginn gar nicht richtig aufgefallen war ist, das immer wenn wir dort anriefen und es nicht mein Vater war der abhob, entweder der Anrufbeantworter lief oder es grunds├Ątzlich nur die weibliche Kollegin der angeblichen 3 er WG war, die ans Telefon ging.
Als meine Mutter das irgendwann einmal offen und ruhig ansprach, beschwichtigte sie mein Vater damit, dass das blo├č reiner Zufall w├Ąre! Als dann wenige Wochen darauf, sogar die Tonbandansage auf dem Anrufbeantworter der WG wechselte (pl├Âtzlich galt der Anschlu├č nur noch meinem Vater und seiner "WG Kollegin") erkl├Ąrte mein Vater uns hierzu ganz locker und nahezu beil├Ąufig, dass das P├Ąrchen sich leider getrennt h├Ątte und sein Arbeitskollege nun deswegen zwischenzeitlich ausgezogen w├Ąre.
Ich muss ehrlich gestehen, dass nun auch ich mich (intuitiv) nicht mehr l├Ąnger des Eindrucks erwehren konnte, das hier etwas nicht ganz stimmen w├╝rde. Allerdings erschien es mir (gemessen an meinen damaligen, pers├Ânlichen Entwicklungsstand), sowohl rational, als auch emotional betrachtet vollkommen abwegig, dass nicht nur mein Vater ein solcher L├╝gner ist, sondern es dazu, noch viel weniger irgendeine Frau (AF) auf diesem Planten geben k├Ânnte, die so eine Nummer auch noch freiwillig und ganz bewusst mitmachen w├╝rde. Au├čerdem, so dachte ich, w├╝rde Papa doch damit rechnen m├╝ssen, dass wir doch jederzeit und unerwartet bei ihm in der WG h├Ątten aufschlagen k├Ânnen.
Nein! Das konnte unm├Âglich der Fall sein und Papa spricht sicher die Wahrheit!

In wenigen Tagen beginnen die Sommerferien (zeitgleich steht Papa┬┤s Jahresurlaub an) und wir fiebern dem langen Besuch meines Vaters regelrecht entgegen. Aber es kommt alles ganz anders!
Mit gewohnt tiefen Seufzern berichtet uns Papa (nahezu selbstmitleidig), dass er diese Ferien leider nicht komplett mit uns verbringen kann, da er f├╝r Konzertabende einer 3 w├Âchigen Rundreise auf einem Kreuzfahrtschiff angefragt wurde und der Job ausserordentlich gut bezahlt werden w├╝rde.
Beschwichtigend f├╝gte er noch schnell hinzu, dass er im Anschlu├č daran seinen Dienst im Hauptjob, f├╝r ein paar Tage mit einem Kollegen getauscht h├Ątte und somit auf der R├╝ckreise, sicher noch einen kleinen Abstecher (das Wort muss man sich mal reinziehen ) zu uns machen k├Ânnte.
Die Art wie aufopfernd er das alles von sich gab, machte auf mich kurzzeitig den Eindruck, als m├╝ssten wir ihm daf├╝r auch noch einen imagin├Ąren Orden, als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit ├╝berreichen.
Ich blickte in das Gesicht meiner Mutter welches ├Ąu├čerlich wie immer ruhig wirkte, aber ihre Augen hingegen verrieten ihr innerliches Stresslevel, welches hoch am Anschlag zu stehen schien.
Doch wie immer reagierte meine Mutter darauf angestrengt verst├Ąndnisvoll bzw. wirkt auf mich, als w├╝rde auch sie sich jetzt am Wettbewerb des M├Ąrtyrers beteiligen und Anspruch auf die Medaille zur Siegerehrung erheben wollen.
Denn das einzige was sie den Ank├╝ndigungen meines Vaters entgegen zu setzen hatte, war die Aufforderung an meinen Vater sich regelm├Ą├čig bei uns zu melden, damit wir wissen das es ihm gut geht und wir uns keine Sorgen um ihn machen m├╝ssten.
Oh man..noch heute f├╝hle ich mich schlecht und meinen Eltern gegen├╝ber irgendwie ungerecht, wenn ich mir anschaue was f├╝r Gedanken ich da gerade niederschreibe.

Dieses Mal jedoch war ich zu m├╝de, um meiner Mutter den H├Ârer aus der Hand zu reissen und stellvertretend das f├╝r sie auszusprechen, was sie gerade tats├Ąchlich dar├╝ber dachte und empfand. Ich schaute hoffnungsvoll zu meinem Bruder, aber auch der schien nicht sonderlich befl├╝gelt oder ausreichend angespannt zu sein, um zur Abwechslung bzw. Entlastung meinerseits, auch mal das Ruder in Hand zu nehmen.

Nun denn, die Ferien sind im vollen Gange und wir hocken bei 30 Grad Au├čentemperatur mal wieder vor der Glotze. Mein Vater schippert seit 2 Wochen auf dem Kreuzfahrtschiff umher und meine Mutter ist wie immer bei der Arbeit.
Vor lauter Langeweile setze ich mich ins Wohnzimmer und fange an mich dem schon seit l├Ąngerem liegengebliebenen Papierkram zu widmen. Unter anderem kontrolliere ich welche Parkstrafen (mein Vater war ein notorischer Falschparker) bereits bezahlt worden sind und welche noch offen sind. Als ich damit fertig bin geh ich zum Briefkasten und zu schauen ob aktuelle Post gekommen ist. Im Briefumschlag den ich ├Âffne liegt ein Kontoauszug meines Vaters den gerade routiniert abheften m├Âchte, als mir beil├Ąufig das Datum der Bargeldabhebung die darauf notiert ist, auff├Ąllt.
Ich schaue sicherheitshalber auf den Kalender und frage mich wie es sein kann, dass angeblich mein Vater vor 1 Woche Geld an einem Bankautomat 400,- DM abgehoben hat, obwohl er sich zu diesem Zeitpunkt und auch aktuell noch, auf einem Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer befindet?!
Panik steigt in mir auf und ich male mir immer krasser werdende Szenerien als Ursache daf├╝r aus.
Wom├Âglich ist Papa ist ├╝berfallen und beklaut worden und liegt jetzt Tod in irgendeiner Ecke. Im n├Ąchsten Augenblick versuche ich mich dann wieder selbst zu beruhigen und denke:,, Komm mal wieder runter MissLilly, der Kontoauszug ist ein ungl├╝cklicher Fehldruck."
Verzweifelt renne ich zu meinen Bruder und zeige ihm den Kontoauszug. Doch der zieht nur mal wieder still die Augenbrauen hoch. Ich rei├če ihm den Kontoauszug aus der Hand, greife panisch zum Telefon und rufe meine Mutter in ihrer Arbeitsstelle an. Als sie sogleich abhebt sprudelt es nur so aus mir heraus und ich bitte sie sofort nach Hause zu kommen. Meine Mutter scheint offenbar aber nur die H├Ąlfte von dem zu verstehen was ich ihr gerade zu ihr gesagt habe bzw. erkennt den Ernst der Lage gar nicht und bittet mich lediglich darum, mich zu beruhigen bis sie Feierabend hat und nach Hause kommen kann.
In meiner ganzen Hyperventilation nehme ich nur am Rande wahr, wie fassungslos ich gerade dar├╝ber bin, dass meine Mutter unter diesen (f├╝r mich be├Ąngstigenden Umst├Ąnden), es offenbar trotzdem nicht f├╝r notwenig h├Ąlt, sich umgehend von der Arbeit freizumachen und schnellst m├Âglich zu uns nach Hause zu kommen. Entr├╝stet und zeitgleich mit einem fast schon ohnm├Ąchtigen Gef├╝hl der vollkommenen Verlassenheit, lege ich auf.
Eine halbe Stunde laufe ich auf und ab in der Wohnung und ├╝berlege mir, wen ich bei der Suche nach meinen, offenbar "verschollenen" Vater, sonst noch um Hilfe bitten k├Ânnte, als mir pl├Âtzlich auff├Ąllt, dass mein Vater sich seit Antritt seiner Reise und auch bisher, kein einziges Mal telefonisch bei uns gemeldet hat!

Wie ferngesteuert greife ich erneut zum Telefon und rufe nun meinen Vater bei sich zu Hause an....

Fortsetzung folgt..

16.06.2020 09:41 • x 5 #153


bifi07

bifi07


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Liebe MissLilly!
Wenn es nicht so traurig w├Ąre, k├Ânnest du mit deiner Geschichte einen Roman ver├Âffentlichen...

16.06.2020 18:14 • x 3 #154


MissLilly

MissLilly


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Kapitel 5 Teil 1

Titel : Der Showdown .... Das Doppelleben fliegt auf ...

Es klingelt insgesamt 3 Mal bis sich der Anrufbeantworter der "WG" einschaltet.
Gerade will ich wieder auflegen, da h├Âre ich pl├Âtzlich:,, Hallo Schatz...Hallo" (m├Ąnnliche kratzige Stimme)...
..."Jaa" (antwortet eine weibliche Stimme)...Schaahatz..h├Ârst du mich Schatz? (ert├Ânt es wieder von der m├Ąnnlichen Stimme) und dann wieder.."Jahaaa Schatz, ich h├Âre dich" (laut kichernd, wieder die weibliche Stimme)....Danach Stille...

Ich bleibe minutenlang in der Leitung und h├Âre in die Stille hinein...Doch es passiert absolut nichts. Noch nicht einmal der Signalton zum hinterlassen einer Sprachnachricht schaltet sich ein.
Reflexartig werfe ich den H├Ârer zur├╝ck auf die Gabel, als w├Ąre er kochend heiss.
Ich f├╝hle mich wie paralysiert und glaube zu halluzinieren. Bin ich jetzt vollkommen durchgedreht oder was? Was war das gerade? Das kann alles nicht sein und so greife ich erneut zum H├Ârer und rufe noch einmal an.
Wieder klingelt es 3 Mal bis der Anrufbeantworter angeht und folgender Text zu h├Âren ist:
"Hier ist der automatische Anrufbeantworter von XY und XY. Bitte hinterlassen Sie (genau an dieser Stelle bricht die Ansage ab) und es ert├Ânt wieder dieser seltsame Dialog zweier Menschen, mit zumindest einer davon, mir sehr bekannten Stimme:,, Hallo Schatz...Hallo" (m├Ąnnliche kratzige Stimme)..."Jaa" (antwortet eine weibliche Stimme)...Schaahatz...h├Ârst du mich Schatz?" (ert├Ânt es wieder von der m├Ąnnlichen Stimme) und dann wieder.."Jahaaa Schatz, ich h├Âre dich"(laut kichernd, wieder die weibliche Stimme).
In diesem Moment scheint die Zeit still zu stehen. Ich befinde mich in einer Art Trancezustand und vor meinen geistigen Auge sehe ich, wie ich aus mir selbst aussteige und meine Seele praktisch meinen ganzen K├Ârper verl├Ąsst und die ganze Situation nur noch aus der Vogelperspektive wahrnimmt.

" MissLilly...Hallo...Hey MissLilly was ist los" h├Âre ich dumpf und irgendwie weit von mir entfernt, die Stimme meines Bruders mir zurufen. Ich bin wie erstarrt, als mein Bruder mir den H├Ârer aus der Hand nimmt und sich ihn selbst ans Ohr h├Ąlt. " Hallo...Hallo", spricht er in den H├Ârer und legt kurz danach wieder auf.
"Hey, was ist los? Antworte mir MissLilly! Was ist passiert ?"
Stumm und Steif greife ich zeitlupenartig zum Telefonh├Ârer, schalte den Lautsprecher ein und dr├╝cke die Wahlwiederholung und das Spiel beginnt von vorne. 3 Mal klingelt es, der Anrufbeantworter schaltet sich, der Ansagetext f├Ąngt an zu laufen und wird von dem Dialog zweier Menschen unterbrochen.
Mein Blick scheint am Telefon fest gewachsen zu sein, bis mein Bruder den Telefonh├Ârer auflegt, wieder abnimmt und erneut die Wahlwiederholung dr├╝ckt. Zum 4 Mal nun schon wiederholt sich das Szenario und nun gibt es keinen Zweifel mehr:! Karma is a B_itch!
Mein Vater hat ganz offensichtlich mit Allem gerechnet und sich entsprechend wohl auch schon auf jedwede Eventualit├Ąt vorbereitet (jetzt bin ich mir sicher, das er wohl auch auf einen unerwarteten Besuch von uns, mit einer filmreifen Ausrede brilliert h├Ątte), aber eben nur nicht damit das es ein Anrufbeantworter sein k├Ânnte, der sein gesamtes L├╝genkonstrukt zu Fall bringen und damit sein perfides Doppelleben auffliegen lassen w├╝rde!

,, Ich ziehe zu einer alten Dame, ohne Telefonanschluss" (hach herje), "Ich ziehe in eine WG mit meinen Kollegen, damit ich nicht so allein bin" (schnief und seufz), " Ach ja, das hatte ich ja ganz vergessen zu erw├Ąhnen, dass es jetzt nur noch eine 2 er WG ist" (huch und lach) "Ich mache das alles nur f├╝r euch" (schluchz, trief und seufz) "Ihr k├Ânnt das noch nicht verstehen" (inbr├╝nstig und erhaben).

"Hochmut kommt vor dem Fall" denke ich, w├Ąhrend ich die ganzen O-T├Âne geistig Revue passieren lasse und mir dabei meinen Vater vorstelle und fange pl├Âtzlich, lauthals zu lachen an, w├Ąhrend mein Bruder zu Beweisst├╝ck A. (Kontoauszug) greift und sein Gesicht sich dabei in tiefe Furchen gelegt hat.
,,Jetzt sei mal still und h├Âr auf zu lachen...Ich denke nach" unterbricht mein Bruder mein Gel├Ąchter .
,, Was gibt es da nachzudenken? Papa beschei**t Mama! Was muss man da noch gro├č dr├╝ber nachdenken?", schie├čt es aus mir heraus und ich wundere mich ├╝ber die Art wie locker ich das gerade gesagt habe.
Daraufhin entbrennt sich ein kurzer Geschwisterstreit zwischen uns, ganz nach dem Motto:,, Na das habe ich dir doch schon gesagt als er zu der "alten Dame" ohne Telefonanschluss gezogen ist! Und wer ist da wie wild f├╝r den ach so tollen, lieben und unschuldigen Papa in die Bresche gesprungen?"

Nachdem ich dem nichts mehr entgegen kann, beruhigen wir uns wieder und denken nun gemeinsam dar├╝ber nach, was wir jetzt machen sollen und vor allem, OB und WIE wir das meine Mutter ├╝berhaupt beibringen sollen.
Nach all den L├╝gen in diesem Schmierentheater kommen wir zu der ├ťberzeugung : WIR brauchen daf├╝r unumst├Â├čliche und endg├╝ltige Beweise! Kurz um Sherlock Holmes (ich) und Dr. Watson (mein Bruder) sind geboren und treten in Aktion.
Ich renne zum Aktenschrank ohne zu wissen wonach ich genau suche, bis mir der Ordner mit den Strafzetteln ins Auge f├Ąllt. Zun├Ąchst bin ich nur auf der Suche nach dem j├╝ngsten Datum an dem Vater wieder irgendwo falsch geparkt hat, in der Hoffnung dadurch wom├Âglich einen Hinweis auf seinen aktuellen Aufenthaltsort zu finden. Dabei f├Ąllt mir zun├Ąchst allerdings nichts weiter auf, ausser das in der aktuellen Strasse in der mein Vater gerade wohnt, offenbar nur eingeschr├Ąnkt geparkt werden darf, weil das den Gro├čteil der Mahnbescheide ausmacht.
"Rohnstrasse, Rohnstrasse und nochmal die Rohnstrasse" lese ich laut und mittlerweile entnervt vor, w├Ąhrend mein Bruder neben mir sitzt und mir pl├Âtzlich den Ordner aus der Hand reisst.
Die Mahnbescheide sind nach Datum sortiert (das j├╝ngste oben auf) und mein Bruder bl├Ąttert immer weiter und schneller zur├╝ck. Sein Gesicht hat nicht nur tiefe Falten geworfen, sondern wechselt inzwischen auch die Farben. Ich verstehe nur Bahnhof und tippe ihn fragend an.
"Ja sag mal checkst du es denn immer noch nicht MissLilly? Die Rohnstrasse ist die aktuelle Adresse von Papa!"
"Ach was, du Blitzmerker" schleudere ich ihm zynisch entgegen.
" Na dann mach mal die Augen richtig auf, du Schlaumeier und schau mal auf dieses Datum hier!" blafft er zur├╝ck.
Und pl├Âtzlich f├Ąllt es auch mir wie Schuppen von den Augen! In der Rohnstrasse parkte mein Vater auff├Ąllig oft, schon seit er bei der "alten Dame" eingezogen war und erkl├Ąrte uns das damals damit, dass er gezwungen sei in dieser Nebenstrasse (Rohnstrasse) zu parken, da immer wenn er nach Hause kommen w├╝rde, kein Parkplatz mehr frei w├Ąre und er es ab und zu verschlafen w├╝rde, dass Auto rechtzeitig wieder umzupacken, sobald das eingeschr├Ąnkte Parkverbot beginnen w├╝rde. Und jetzt befindet sich WG auch noch ganz zuf├Ąllig in der Rohnstrasse?!
Bei diesem Gedanken bzw. dieser Erkenntnis dreht sich mir der Magen um und ich habe jeden Moment das Gef├╝hl mich ├╝bergeben zu m├╝ssen!

An dieser Stelle dr├╝cke ich mal kurz die Stopptaste und werfe mal diesen, wie ich finde ├Ąu├čerst passenden Kommentar ein:

Zitat von Plentysweet:
Was Kindern nachweislich schadet (allen Menschen ├╝brigens) ist Gewalt, Heuchelei und L├╝ge.


Leider absolut richtig und insbesondere gerade dann, wenn man selbst immer gepredigt bekommen hat, dass man nicht l├╝gen soll, nicht betr├╝gen soll, nicht heuchlerisch usw..sein soll, w├Ąhrend die ersten dir wirklich vertrauten und am n├Ąchsten stehenden Menschen (Eltern) in deinem Leben genau das alles tun !
Das allein zu verkraften und als Kind auch nur ansatzweise zu verstehen, ist bereits schon eine Herausforderung f├╝r sich. Wenn man dann aber auch noch vor Augen gef├╝hrt bekommt, wie Eltern sich (wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist) verhalten, ja dann wird der Sack in dieser Hinsicht endg├╝ltig damit zu gemacht.

F├╝r mich war es also nicht nur in dem Moment in dem die L├╝ge entlarvt wurde so, das ich das Gef├╝hl hatte mich ├╝bergeben m├╝ssen, sondern vielmehr so, als w├╝rde das Gef├╝hl sich ├╝bergeben zu m├╝ssen, gar nicht mehr aufh├Âren, wenn man meine Geschichte weiter verfolgt...Denn was dann kam und sich in einer jahrelang anhaltenden Salamitaktik abspielte, hat mich bis in das erwachsenen Alter und teilweise bis heue noch, begleitet.

21.06.2020 09:49 • x 4 #155


Plentysweet

Plentysweet


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@MissLilly
Das ist wirklich alles so schlimm. Mir l├Ąufts kalt den R├╝cken runter wenn ich Deine Geschichte lese .
Zitat von MissLilly:
Das allein zu verkraften und als Kind auch nur ansatzweise zu verstehen, ist bereits schon eine Herausforderung f├╝r sich. Wenn man dann aber auch noch vor Augen gef├╝hrt bekommt, wie Eltern sich (wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist) verhalten, ja dann wird der Sack in dieser Hinsicht endg├╝ltig damit zu gemacht.

Es ist so furchtbar und der Vertrauensschaden, den Kinder bei so etwas erleiden, ist schier irreparabel. Kannst Du Menschen noch vertrauen?
Ich habe die Textstelle in diesem Thread gesucht, aber nicht gefunden. Du sagtest mal Du h├Ąttest das Geschehene therapeutisch aufgearbeitet, oder? Es ist wirklich unfassbar und man h├Ąlt es fast nicht aus- weil es beim Lesen schon weh tut. Ein schleichender Alptraum. Ich hoffe so sehr auf ein ertr├Ągliches Ende und dass es sich irgendwie noch zum Guten wendet f├╝r Dich und Deinen Bruder !

21.06.2020 10:19 • x 2 #156


Clementine44


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Auch ich bin wirklich best├╝rzt. Fast am meisten davon, dass deine Eltern sich nicht schon lange davor einfach trennten. 2 Akademiker, 2 Eigentumswohnungen, wegen des Geldes jahrelang getrennte Wohnsitze, zerrissenene und vernachl├Ąssigte Kinder, du f├╝hltest dich mit 8 Jahren verpflichtet den Haushalt zu f├╝hren... wie kann man Kindern so etwas antun? Da nehme ich auch deine Mutter in die Pflicht. Die ganze Geschichte ist derma├čen traurig f├╝r die Kinder, sprich deinen Bruder und dich, ihr seid v├Âllig auf der Strecke geblieben. Das Doppelleben ist nicht fein, jedoch nur ein kleines T├╝pfelchen auf dem i. Warum zog deine Mutter nie die Notbremse, k├╝mmerte sich mehr um euch? Sie war ja offenbar nach ihrem Auszug jahrelang woanders arbeiten und ihr habt sie dann nur in den Ferien gesehen. Unvorstellbar.

21.06.2020 11:47 • x 1 #157


DieSeherin

DieSeherin


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MissLilly, wei├čt du denn, ab wann deine mutter bescheid wusste?

22.06.2020 10:25 • x 1 #158


MissLilly

MissLilly


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Kapitel 5 Teil 2

Titel: Die Konfrontation...

Ich realisiere langsam, das mein Vater uns alle seit Jahren (!) am Nasenring durch die Manege zieht und wof├╝r?
F├╝r nichts! Alle die Opfer (das Durchhalten) die wir Kinder brav erbracht und erduldet haben, in der Hoffnung und dem Versprechen auf eine bessere gemeinsame, famili├Ąre Zukunft, war alles f├╝r die Katz..Nichts weiter als eine gut verpackte Illusion.
Bei diesen Gedanken und Erkenntnissen habe ich kurzzeitig das Gef├╝hl innerlich zu verbrennen vor lauter, kochender Wut.
Und da kommt sie auch schon wieder, die allseits ber├╝hmte Frage: Flucht, Angriff oder Todestellreflex?!
Mal wieder entscheide ich mich f├╝r den Angriff und blase nun auch meinen Bruder zum Appell und will die Gunst der Stunde nutzen, solange er sich zur Abwechslung mal nicht im Todstellreflex befindet.

Gemeinsam ├╝berlegen wir uns einen Schlachtplan, was in der Idee m├╝ndet so lange in der WG meines Vater anzurufen, bis jemand pers├Ânlich rangeht und meinen Bruder als alten Freund meines Vater auszugeben, der zuf├Ąllig gerade in der Stadt ist und seinen Besuch ank├╝ndigen m├Âchte. ├ťber 2 Stunden f├╝hre ich die Regie f├╝r das zuvor entworfene Drehbuch und spiele die Szene mit meinem Bruder als Hauptdarsteller, unz├Ąhlige Male durch bis es perfekt sitzt.
Als ich mir sicher bin, dass wir f├╝r diese Theaterleistung in der Schule eine 1 mit Sternchen bekommen w├╝rden, geht's ans Eingemachte und wir schreiten zur Tat.
Die erste halbe Stunde unserer Anrufe ert├Ânt nur wieder der olle Anrufbeantworter, aber dann ist es endlich so weit und die "Mitbewohnerin" meines Vaters hebt ab.
Mir stockt der er Atem als mein Bruder alias "Peter Singer" (so hie├č er in unserem St├╝ck) in vollkommener Perfektion, den zuvor einstudierten Text aufsagt und dann f├╝r ein paar Millisekunden eine Stille eintritt, die vor Spannung kaum aushalten ist.
Aber, die ├Ąu├čerst lockere und lebensfroh wirkende Mitbewohnerin am Ende der anderen Leitung, kauft uns die ganze Nummer voll ab und antwortet darauf nahezu ├╝berschw├Ąnglich:,, Ach Mensch, das ist ja wirklich schade Peter... XY ist leider nicht da und auch noch bis Ende der n├Ąchsten Woche weg, weil er bei seiner Familie in....ist. Er h├Ątte sich sicher so sehr gefreut"!
Ich spare mir mal an dieser Stelle die weiteren und unn├Âtigen Details dieses Telefonates und gehe gleich zum Kern der Sache ├╝ber.

Nun ist es also offiziell!
Papa schufftet weder auf einem Kreuzfahrtschiff um Kohle anzuschleppen, noch ist er verschollen, ausgeraubt worden oder liegt tot in irgendeinem Busch begraben. Er ist bei seiner Familie!
Fragt sich nur welche Familie das sein soll, denn wir sind es bzw. bei uns ist er definitiv nicht!
Ich kann mich gerade aber nicht dazu hinreissen lassen, mich l├Ąnger dar├╝ber aufzuregen, sondern muss erst noch unsere kleine Darbietung zu Ende bringen. Wer wei├č vielleicht riecht die "WG Bewohnerin" n├Ąmlich doch noch Lunte und ruft meinen Vater an, um ihn ├╝ber den Telefonanruf seines alten Bekannten zu informieren und dann fliegt uns das Ganze um die Ohren, bevor wirklich die ganze Wahrheit wissen!
Also greife ich Minuten sp├Ąter erneut zum Telefon und rufe ebenfalls in der WG an, nun allerdings ganz offiziell!
Ich frage die Mitbewohnerin "freundlich", ob mein Vater zu sprechen ist, aber die gibt sich pl├Âtzlich vollkommen ahnungslos und unschuldig. Nichts mehr ├╝brig von der eben noch so locker und ├╝berschw├Ąnglich wirkenden Person am anderen Ende der Leitung! Stattdessen antwortet sie ziemlich erstaunt:,, Oh MissLilly, wie kommst du denn darauf...der ist nicht da...der ist doch auf dem Kreuzfahrtschiff so weit ich weiss...was ist denn los...ist was passiert ?"
Ich m├Âchte am liebsten in den H├Ârer kotzen bei dieser ganzen Scheinheiligkeit und Heuchelei!
Aber ich muss mich zusammen reissen und beende ebenso so scheinheilig das Telefonat mit der Info, dass wir uns Sorgen um unseren Vater machen, da er sich bislang noch immer nicht bei uns gemeldet hat.
Die Mitbewohnerin versichert uns dann abschlie├čend, dass sie unserem Vater auf jeden Fall Bescheid sagen w├╝rde, dass er sich melden soll, sofern er sich bei ihr melden w├╝rde und wir beenden das Telefonat.

Mein Bruder und ich starren uns verschw├Ârerisch und immer noch den Kontoauszug in der Hand haltend an, denn auf diesem ist ├╝brigens der Ort der Bargeldabhebung notiert und so wissen wir nun, dass mein Vater nur bei meinem Onkel sein kann.
Die n├Ąchste Telefonrunde beginnt und ich w├Ąhle die Nummer meines Onkels, der ca. 30 min Autofahrt entfernt in einem kleinem Dorf nahe unserer Gro├čstadt lebte. Meine Tante (seine Frau) hebt ab. Ohne lange Umschweife bitte ich sie darum meinen Vater zu sprechen. Ich kann regelrecht sp├╝ren wie sie ein verlegnes L├Ącheln aufsetzt, als sie mir genau das antwortet, was uns auch schon die WG Mitbewohnerin zuvor mitgeteilt hat!
Doch dieses Mal lasse ich mich nicht mehr so billig abwimmeln und sage meiner Tante gerade heraus, dass sie sich ihre L├╝gen sparen kann und meinen Vater ans Telefon holen soll. Meiner Tante scheint das alles so derma├čen peinlich zu sein, dass sie den H├Ârer an meinen Onkel weiterreicht, der sich nun ebenfalls in der Rolle des Ahnungslosen versucht.
Diese ganze feige und heuchlerische Art, untermauert mit Kosenamen der Beschwichtigung f├╝r mich wie "S├╝├če und M├Ąuschen" ect..bringt mir derma├čen auf die Palme, dass ic vollkommen explodiere und meinen Onkel in den H├Ârer br├╝lle, dass er sich seine beschissenen L├╝gen in den Ar_sch stecken kann und zusehen solle meinen Vater an den H├Ârer zu holen. Ansonsten, so teilte ich ihm weiter mit, werde ich innerhalb der n├Ąchsten Stunde pers├Ânlich und mit der Polizei im Gep├Ąck (was besseres fiel mir gerade nicht ein) bei ihnen aufschlagen und ihnen eine Szene machen die sie ihren Lebtag nicht vergessen werden.

Und dann der absolute Oberhammer! Mein Onkel f├Ąngt tats├Ąchlich an zu LACHEN! Und ich meine damit, dass er sich wirklich regelrecht ├╝ber mich kaputt lacht und meine Ansagen dabei auch noch so runter spielt, als w├Ąre ich nichts weiter als ein paranoider und durchgedrehter Teenie, dem die Pubert├Ąt wohl gerade zu Kopf gestiegen ist.
Diese Erfahrung, hat sich bis heute so tief in meine Ged├Ąchtnis eingebrannt, dass mir sein niedertr├Ąchtiges Lachen noch heute in den Ohren klingt.
Denn genau dieses Verhalten aller Beteiligten (auch das er Nebendarsteller bzw. Mitwisser in dieser Runde) steht Sinnbildlich daf├╝r, was ich in meinem Eingangspost versucht habe zu beschreiben.....

Zitat von MissLilly:
In diesem Sinne muss ich bei allem Verst├Ąndnis f├╝r die eigenen Gef├╝hle, dennoch oftmals fragen, wie Menschen allgemein es schaffen k├Ânnen sich Kindern gegen├╝ber so verhalten?!
Und damit meine ich wirklich alle Beteiligten einer 3er Konstellation.
Wenn ich hier so manche Spr├╝che seitens von AF┬┤s lese a la: ,,Ja, der hat zwar ein Kind, ist aber nicht meine Baustelle, muss er selbst kl├Ąren. ", dann ist das zwar augenscheinlich sicher richtig, aber dennoch frage ich mich ob wir nicht auch als Gesellschaft eine gewisse Mitverantwortung f├╝r Kinder tragen. Ich meine wenn wir z. B sehen, dass ein Kind auf der Strasse bedroht oder verpr├╝gelt wird, dann geht doch wohl hoffentlich auch keiner ignorant vorbei und denkt sich:,, ist nicht mein B.."


und dann postwendend von einer Userin mit diesem Kommentar hier beantwortet wird....

Zitat von Nachtlicht:
Nimmt man ├╝brigens das von dir angemahnte Level der erweiterten (gesellschaftlichen) Verantwortung, mit der du versucht hast die Verantwortung f├╝r die Kinder den Aff├Ąrenpartnern zuzuschieben, g├Ąbe es das von dir beschriebene Problem in der Form gar nicht. Dann w├Ąren n├Ąmlich gar nicht erst Mama und Papa mit gef├Ąlligst funktionierender Paarbeziehung allein zust├Ąndig f├╝rs Seelenheil des Kindes, sondern das "ganze Dorf" mit allen - Gro├čeltern, Tanten, Onkel, Nachbarn, Freunde... das Zusammenleben als steinzeitliche Sippe erm├Âglicht problemlos wechselnde Paarebenen und zugleich verl├Ąssliche, stabile Elternebene und d├╝rfte am ehesten der nat├╝rlichen Sozialstruktur des Menschen entsprechen. Da sind wir nur halt ziemlich weit von entfernt in unseren modernen Gesellschaften.


weshalb mir zu diesem ├Ąu├čerst durchdachten und vor Neutralit├Ąt nur so strotzenden Beitrags, nur noch folgendes einf├Ąllt, wenngleich es nicht aus meiner Schreibfeder stammt..leider..

Zitat von MissLilly:
Die Selbstverst├Ąndlichkeit mit der manche es als Freiheit bezeichnen f├╝r andere nicht verantwortlich zu sein.

Zitat von MissLilly:
Man ist f├╝r sich selbst verantwortlich. Das sagen diese "Nach mir die Sintflut"-Menschen sogar selbst. Aber das schlie├čt doch ein zu betrachten welchen Effekt meine Entscheidungen auf Umwelt und Mitmenschen haben. Das ist Teil der Definition von Verantwortung!

Zitat von MissLilly:
M├╝ndigkeit bedeutet Freiheit und das hei├čt eben nicht sich um andere keine Gedanken zu machen. Sich von moralischen ├ťberlegungen freizusprechen weil es anstrengend ist. Oder indirekt Beteiligte (wie die Kinder) als Kollateralsch├Ąden abzutun. Das ist einfach nur selbst wieder ein unm├╝ndiges - und unfreies - Kind sein.



Mein pers├Ânliches Fazit hierzu : Es ist immer wieder leicht Andere, die sich eben nicht den Anstrengungen moralischer ├ťberlegungen entziehen, des Moralapostel seins oder der lediglich "getriggerten Gef├╝hle" zu bezichtigen, obwohl man sich in Wirklichkeit nur ├╝ber das hier aufregt:

Zitat von MissLilly:
sowie den Beihilfe leistenden


Zitat von Nachtlicht:



Fortsetzung folgt....

23.06.2020 10:26 • x 4 #159


Lilly1981

Lilly1981


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Hallo Miss Lilly,

Mich hat deine Geschichte bis jetzt sehr ber├╝hrt und es tut mir leid, das du und ihr das so erleben musstet. Und deine Schreibweise ist so hervorragend. Ich warte auch auf die Fortsetzung und lese mit.
Lg

30.06.2020 23:43 • x 2 #160


MissLilly

MissLilly


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Kapitel 6 : Die Aussprache

W├Ąhrend mein Onkel so sch├Ąbig lacht, w├╝tet in mir mittlerweile ein Vulkan und ich bekomme zum ersten mal in meinem Leben einen Eindruck davon, wie sich das Wort "Hass" tats├Ąchlich anf├╝hlen muss. Vor meinem geistigen Auge sehe ich sein Gesicht vor mir und stelle mir dabei vor, wie ich in seine selbstverliebte "M├Âchtegern Don Johnson aus Miami Vice" Visage mit einer fetten Keule einschlage. So gedem├╝tigt f├╝hle ich mich gerade.
Ich hole tief Luft um ihn so richtig zu beschimpfen, da h├Âre ich pl├Âtzlich:
,,Schon gut, schon gut....MissLilly, mein Schatz , ich bin┬┤s Papa...was ist denn los"?
"Was los ist? Ja das frage ich dich, was los ist Papa! Wieso bist du bei Onkel XY und nicht auf dem Kreuzfahrtschiff...und wann wolltest du uns dar├╝ber informieren"?, frage ich w├╝tend, um dann als Antwort gleich den n├Ąchsten Hammer zu kassieren:
,, Beruhige dich doch bitte....Ich bin einen Tag fr├╝her als geplant vom Kreuzfahrtschiff gekommen und erst seit ein paar Stunden bei Onkel XY...ich wollte euch ├╝berraschen!"
Einen Augenblick lang scheint die Welt f├╝r mich still zu stehen und mein Sprachzentrum setzt aus. Ich kann einfach nicht fassen, wie man so dreist einfach weiter l├╝gen kann! Mir reicht es nun endg├╝ltig und ich wettere ohne Punkt und Komma drauf los.
Ich frage ihn wie man nur so peinlich und schei_sse sein kann und ob er glauben w├╝rde, das seine Kinder 3 Jahre alt sind und ihm seine ganzen L├╝genm├Ąrchen abkaufen w├╝rden. Im Schnelldurchlauf informiere ich ihn ├╝ber unsere neuesten Erkenntnisse und steigere mich immer weiter rein. Erst als ich anfange ihn w├╝st und wild zu beleidigen unterbricht mich, mein achso so hochgebildeter und akademischer Vater, dem nichts so verhasst war wie die "Jugendsprache" bzw. in diesem Moment wohl eher der gossenartige Ausdruck"!

"├äh MissLilly", sagt er mit tiefer und durchdringender Stimme. " Du vergisst wohl gerade mit wem du redest...ich bin immer noch dein Vater, also rei├č dich gef├Ąlligst zusammen und ├╝berlege dir gut was du sagst!"
Ich falle fast vom Glauben ab, das ausgerechnet dieser Mensch die Unverfrorenheit besitzt, mich jetzt auch noch mit drohendem Unterton zu ma├čregeln und mir was von Respekt zu erz├Ąhlt, anstatt mal bei sich selbst anzufangen!
"Ja, ein ganz toller Vater bist du....Ich rede genau so mit dir wie du es auch verdient hast ...Sch├Ąmen solltest du dich einfach nur noch f├╝r deine ganzen feigen und niedertr├Ąchtigen L├╝gen, anstatt mir ne Predigt dar├╝ber zu halten, wie ich mich benehmen soll", schleudere ich ihm entgegen.
Daraufhin tritt eine kurze Stille ein und ich h├Âre im Hintergrund den ber├╝hmten tiefen, selbstmitleidigen Seufzer meines Vaters, als er erneut ausholt und sagt:,, MissLilly, mein Schatz...ich verstehe das du du gerade w├╝tend bist und wenn es nach mir gegangen w├Ąre, dann h├Ątte ich schon viel fr├╝her mit euch geredet. Aber ich wollte euch nicht verletzten und habe das nur zu[b] eurem Besten getan. Ihr k├Ânnt das einfach noch nicht verstehen, aber eines Tages werdet ihr erwachsen sein und selbst Kinder haben, f├╝r die ihr Verantwortung tragt und dann werdet ihr wissen was ich meine!"[/b]

Nat├╝rlich! Es liegt mal wieder an uns Kindern und nur wir (!), sind einfach zu dumm daf├╝r, um verstehen zu k├Ânnen, das der ganze Betrug, all die L├╝gen, Hinterh├Ąltigkeit und Heuchelei ausschlie├člich zu unserem Besten erfolgt sind!
Dieser Satz ist ein Paradebeispiel daf├╝r, wie manch "Erwachsener" die Verantwortung f├╝r seine Entscheidungen und Verfehlungen, auf dem R├╝cken von Kindern abw├Ąlzt und dabei auch noch den M├Ąrtyrer spielt!
Als ich n├Ąmlich in diesem Moment merke, dass ich bei meinem Vater mit meinem Gebr├╝ll einfach nicht weiter komme, wechsele ich instinktiv die Taktik und entgegne ihm, dass er genau JETZT die Gelegenheit dazu hat, uns "dummen und unreifen" (so f├╝hlten wir uns schlie├člich anhand seiner Parolen) Kindern zu erkl├Ąren, was genau das Beste f├╝r uns, bei dieser ganzen Aktion ist?
Gespannt wie ein Pfeil auf einem Bogen, der bereit zum Abschuss ist, warte ich auf die Antwort meines Vaters.
Aber wie sollte es auch anders sein, ert├Ânt am anderen Ende der Leitung nur mal wieder der selbstleidige und diesmal sogar schon fast genervte Seufzer meines Vaters, als er beginnt die ganze Leier (frei von s├Ąmtlicher echter Argumentation) wieder von vorne abzuspulen.
"Mein Vater, das arme Opfer von Kindern die ihn einfach nicht verstehen k├Ânnen", ist das Einzige was bei uns tats├Ąchlich haften bleibt!
Ich bin einfach nur noch fassungslos ├╝ber die beispiellose Vehemenz meines Vaters, uns einfach keine ad├Ąquate Erkl├Ąrung f├╝r all das geben zu k├Ânnen bzw. wollen und befehle ihm nun, sich unverz├╝glich ins Auto zu setzten und zu uns kommen, weil ich den Eindruck habe das wir am Telefon so nicht weiter kommen.

Finaler Schlussakt dieser Bitte:,, Ich kann hier jetzt nicht weg...Onkel XY und ich haben noch wichtige Sachen zu besprechen. Ich kommen morgen zu euch und dann setzen wir uns mit Mama zusammen hin und wir erkl├Ąren euch alles in Ruhe!"
In diesem Augenblick habe ich schlagartig das Gef├╝hl, dass mir H├Âren und Sehen vergeht und stehe gef├╝hlt kurz vor der Ohnmacht, denn ich verstehe einfach gar nichts mehr.
Ich habe nicht Eindruck mit einem Menschen zu sprechen der mich gezeugt hat und was hei├čt hier eigentlich "wir werden euch dann alles in Ruhe erkl├Ąren?...Mama wei├č also auch schon ├╝ber alles Bescheid und nur wir Kinder haben kein Recht auf die Wahrheit?", blaffe ich ihm mittlerweile zynisch entgegen!
Aber es hilt alles nichts. Mein Vater beginnt nur wieder seine ├╝blichen "ihr versteht das alles nicht" Ausreden und so knalle ich w├╝tend und entnervt den H├Ârer mit den Worten auf, dass er da bleiben kann wo der Pfeffer w├Ąchst!

Mein Bruder, mit sichtlich passiv aggressiver Miene, steht stumm neben mir und schaut leer in den Raum hinein.
Ich hingegen laufe wie von der Tarantel gestochen im Wohnzimmer auf und ab und hab einfach keine Ahnung was ich jetzt machen soll! Wie soll ich Mama "schonend" beibringen, dass Papa sie betr├╝gt und das offensichtlich nicht erst gestern?!
Oder hat Papa zur Abwechslung vielleicht doch einmal die Wahrheit gesprochen und Mama wei├č ├╝ber all das l├Ąngst Bescheid?
Was mich in diesem Augenblick jedoch an meisten verletzt, ist die Tatsche, das mein Vater es noch nicht einmal f├╝r n├Âtig h├Ąlt zu uns zu kommen, wohlwissend das wir mit der ganzen Situation vollkommen ├╝berfordert und alleine zu Hause sind.
Sp├Ątestens bei diesem Gedanken werde ich wieder so w├╝tend, dass ich zum H├Ârer greife und ein zweites Mal meine Mutter bei der Arbeit anrufe. Als sie abhebt quatsche ich gleich drauf los und berichte ihr von den neusten Erkenntnissen und habe innerlich gro├če Sorge das sie wom├Âglich umkippen k├Ânnte. Zeitgleich entschuldige ich mich bei ihr daf├╝r, die ├ťberbringerin der schlechten Nachricht zu sein und das auch noch am Telefon tun zu m├╝ssen. Ich erwarte das sie jeden Moment anf├Ąngt zu weinen und uns sagt, dass sie umgehend nach Hause wird und ├╝berlege mir Geiste bereits tr├Âstende Worte f├╝r sie.
Doch entgegen meiner Erwartung st├Â├čt meine Mutter lediglich einen tiefen Szeufzer aus und sagt allen Ernstes:,, MissLilly, der Laden ist voll bis unters Dach und Frau N.(die Aushilfe) ist nicht zu erreichen. Ich kann hier jetzt nicht einfach weg. Ich versuche den Laden heute p├╝nktlich zu schlie├čen und dann komme ich nach Hause und reden wir in Ruhe ├╝ber alles. Ich hab dich ganz doll lieb und mach dir bitte keine Sorgen....Tsch├╝ss mein Schatz!"....und weg war sie!

Gef├╝hlt bin ich es, die gerade und quasi stellvertretend f├╝r meine Mutter bzw. im Sinne der Ehefrau umkippt, denn ich kann einfach nicht fassen, dass offenbar auch meine Mutter keinerlei Notwendigkeit oder Dringlichkeit darin sieht, sich mit dem soeben erfolgten Zusammenbrauch ihrer Ehe und noch viel weniger mit dem daraus resultierenden Zusammenbruch ihrer Kinder zu besch├Ąftigen, indem sie als erste Amtshandlung zu uns nach Hause kommt!
Meine Wut weicht in den darauffolgenden Stunden einer unbeschreiblich tiefen Entt├Ąuschung, denn mir wird unter anderem bewusst was genau der Satz :"Priorit├Ąten setzen", f├╝r Erwachsene bedeutet!

Fortsetzung folgt ....

01.07.2020 07:59 • x 4 #161


Lilly1981

Lilly1981


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Hallo Miss Lilly,
Hoffe bald kommt die Fortsetzung ohne zu stressen:)
Lg

12.07.2020 23:30 • #162


MissLilly

MissLilly


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Zitat von Lilly1981:
Hallo Miss Lilly,
Hoffe bald kommt die Fortsetzung ohne zu stressen:)
Lg




war gerade 1 Woche im Urlaub (├╝brigens in der Stadt in der ich die ersten 11 Jahre meines Lebens verbracht habe).
Habe unsere alte Strasse besucht und geschaut wer dort noch alles wohnt ect... Es war sehr sch├Ân, aber teilweise emotional auch sehr anstrengend f├╝r mich...
Fortsetzung folgt ganz sicher in K├╝rze

12.07.2020 23:36 • x 3 #163


MissLilly

MissLilly


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Kapitel 7 : Die Familienkonferenz

"Morgen" ist nun soweit. Mein Vater betritt mit gesenktem Kopf und einem gequetschten "L├Ącheln" die Wohnung.
Im Augenblick lege ich zwar keinen Wert auf eine Umarmung, trotzdem f├Ąllt mir aber auf das es keine f├╝r mich gibt!
Meine Mutter (mit hoch rotem Gesicht) und mein Bruder (mit steifer und ernster Miene) sitzen bereits auf der Couch, als mein Vater und ich das Wohnzimmer betreten.
Die Stimmung ist zum zerrei├čen gespannt und ich nehme zwischen meinen Bruder und meiner Mutter Platz. Mein Vater sitzt uns allen gegen├╝ber. F├╝r einen ganz kurzem Moment empfinde ich Mitleid f├╝r meinen Vater, weil das Bild was sich mir bietet, dem eines Angeklagten bei Gericht gleichkommt.
Mein Vater beginnt das Gespr├Ąch mit meinem Lieblingssatz:,, Kinder, ihr m├╝sst wissen das alles was ich und eure Mutter getan oder entschieden haben, immer nur in dem Gauben und der Absicht passiert ist, dass es f├╝r euch das Beste ist.
Ich wei├č das es euch schwerf├Ąllt das zu verstehen."
Ich schalte geistig jetzt schon ab, koche innerlich hoch und schaue zu meiner Mutter in der Erwartung, dass sie jeden Moment ausflippt. Nat├╝rlich passiert das aber mal wieder nicht und so unterbreche ich meinen Vater, indem ich ihm sagen das ich diesen sch_eiss Satz nicht mehr h├Âren kann und er jetzt bitte zum Punkt kommen und erkl├Ąren soll, warum er Mama mit einer anderen Frau betrogen hat und uns so lange angelogen hat.
Eben noch mit engelsgleichen Gesichtsausdruck wechselt dieser, gepaart mit dem ber├╝hmt tiefen Seufzer meines Vater in eine Art ruhige Aggression um, als er sagt:,, Sie (AF) hat damit absolut nichts zu tun und kann nichts daf├╝r. Die Ehe zwischen mir und eurer Mutter war schon lange kaputt und heute wei├č ich, dass wir sie viel fr├╝her h├Ątten beenden m├╝ssen, aber ihr ward einfach noch zu klein und meine Hoffnung zu gro├č, dass sich am Ende alle Opfer die wir f├╝r euch erbracht haben, sich doch noch auszahlen w├╝rden!"
Als ich das h├Âre, m├Âchte ich mich am liebsten direkt vom Balkon st├╝rzen, weil ich einfach nicht fassen kann, wie man unterschwellig soviel Schuld von sich auf seine Kinder abwerfen kann und es dabei offensichtlich noch nicht einmal merkt!
Sp├Ątestens jetzt kann ich nicht mehr an mich halten und schreie wie wild drauf los. Rein imagin├Ąr packe ich meinen Vater am Kragen und sch├╝ttle ihn dabei kr├Ąftig durch und das so lange bis er mir endlich das sagt, was ich wissen will!
Doch den einzigen "Erfolg" den ich dadurch erziele ist es, dass mein Vater jetzt ebenso aufdreht und mit fassunglosen Kopfsch├╝tteln seinen Blick auf meine Mutter richtet!
"Wie kannst du nur so ruhig dasitzen und nichts sagen? Sieh nur wie du die Kinder gegen mich aufgehetzt hast", zischt mein Vater meiner Mutter mit einer tief d├╝steren Miene zu.
Als ich sehe wie bei meiner Mutter die Tr├Ąnen beginnen zu flie├čen, fauche ich zur├╝ck das er es sein lassen kann, Mama so etwas vorzuwerfen, das sie noch nie etwas schlechtes ├╝ber ihn gesagt hat.
Daraufhin macht mein Vater den wohl gr├Â├čten Fehlers seines Lebens bei mir, denn er f├Ąngt tats├Ąchlich und ver├Ąchtlich an zu schmunzeln, neigt dabei den Kopf zu Boden und nickt dabei theatralisch resignierend. Ich werde Zeuge einer klassischen Opferhaltung, die mir im sp├Ąteren Leben noch ├Âfters begegnen sollte und diese Geste bei Konfrontationen dieser Art, f├╝r mich (so muss ich zugeben) bis heute das rote Tuch bedeuten.

Ab da war es dann vorbei mit einer gef├╝hlvollen und von Empathie begleiteten Familienkonferenz, da es nur noch abw├Ąrts ging. Der Verteidigungsmechanismus meiner Mutter in dieser Situation verlief eher schleppend, um nicht zu sagen erb├Ąrmlich und mein Vater wurde es nicht m├╝de ├╝ber die ganze Sache so zu sprechen, als w├Ąre sein ganzes Doppelleben gar nicht existent und h├Ątte dementsprechend mit der aktuellen Situation ├╝berhaupt nichts zu tun.
Er ergoss sich in Beschwichtigen und versicherte pausenlos, dass das ganze f├╝r uns Kinder, selbst nach einer Scheidung nichts ├Ąndern w├╝rde!
Das Wort Scheidung hingegen, war wohl das Einzige was meine Mutter kurzzeitig aus ihrer Lethargie riss und sie dazu bewegen konnte, meinen Vater mehr oder weniger durch unterschwellige Fragen ihren Standpunkt dazu klarmachen zu wollen.
Sie schaute meinen Vater teilweise wie ein kleines jammerndes Kind an und wechselte dann schlagartig in den ermahnenden Blick einer Mutter, w├Ąhrend sie versuchte ihn permanent an seine Pflicht als Ehemann und Vater zu erinnern. Ihr Schlagabtausch drehte sich nur um Sachlichkeiten. Ich war zutiefst schockiert dabei zusehen zu m├╝ssen, wie sie ihre Ehe, ├Ąhnlich einer Excell Tabelle bilanzierten und sie nicht einziges Wort, f├╝r die Trauer ├╝ber den Verlust ihrer Liebe zueinander ├╝brig hatten.
Nun denn, die ganze Konversation endete damit, dass wir keinen echten Schritt weiter waren.
Denn ausser das mein Vater jetzt ganz offiziell und fast schon selbstverst├Ąndlich sein Leben mit der AF, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu m├╝ssen weiterleben konnte, wurde f├╝r uns Kinder und unsere Zukunft mal rein gar nichts ver├Ąndert. Ganz im Gegenteil sah mein Vater sich auch noch weiterhin als das Opfer und wohlwollender M├Ąrtyrer in dieser Geschichte, da er zusicherte alle Kreditvertr├Ąge komplett auf seine Kappe zu nehmen.
"Wow", dachte ich. Kein Wort dar├╝ber wie es mit uns (seinen Kindern) in dieser Konstellation weitergehen sollte, ausser das er anmerkte, dass meine Mutter im Gegenzug f├╝r sein aufopferungsvolles Angebot daf├╝r auf s├Ąmtliche Unterhaltsanspr├╝che f├╝r sich und und uns verzichtet! Etwas was meine Mutter ja ohnehin schon die ganzen letzten Jahre getan hatte.
Und damit das alles auch wirklich "gut" funktionieren kann, empfahl mein Vater auch noch dreist und berechnend, im Sinne der steuerlichen Vorteile, zumindest auf dem Papier und somit offiziell verheiratet zu bleiben.
Im Alter von 15 Jahren war ich leider noch viel zu jung und rechtlich betrachtet noch viel zu ahnungslos, um diese Art der Ungerechtigkeit meinem Vater gegen├╝ber argumentieren zu k├Ânnen, aber intuitiv war mir irgendwie schon damals klar, dass das alles nicht wirklich fair und rechtens sein kann.
Doch lange Rede, kurzer Sinn...hatte ich jetzt wichtigeres zu tun, als mich jetzt auch noch um die rechtlichen Angelegenheiten meiner Eltern zu k├╝mmern (das kam nat├╝rlich trotzdem, aber erst etwas sp├Ąter), denn erst einmal brannte es in mir zu erfahren, f├╝r wen genau, mein Vater sein bisheriges Leben mit uns eingetauscht hatte.
Und so machte ich mich nur 2 Wochen nach dieser tollen Familienkonferenz auf den Weg zu meinem Vater und in meine alte Heimat, um mir selbst ein Bild von der "Neuen" machen zu k├Ânnen und handelte mir daf├╝r den ├ärger und Frust meiner Mutter ein. Wie immer weniger direkt, aber daf├╝r gekonnt unterschwellig, bezeichnete sie die Absicht meinen Vater in Anwesenheit der AF zu besuchen als illoyal, was zur Folge hatte, dass ich nun nicht mehr allein damit besch├Ąftigt war den Auseinandersetzungen mit meinem Vater standhalten zu m├╝ssen, sondern mich auch meine Mutter gegen├╝ber, permanent erkl├Ąren und rechtfertigen musste!
Mein Bruder bleib bei alle dem aussen vor, denn der sprach seit dem Tag der Offenbarung kein einziges Wort mehr mit meinem Vater und nahm so die Rolle des "treuen" Sohnes in den Augen meiner Mutter ein.

Fortsetzung folgt....

13.07.2020 07:46 • x 2 #164


Clementine44


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Aus meiner Sicht h├Ątte alles auf Paarebene gekl├Ąrt geh├Ârt um es euch dann gemeinsam zu sagen. So passieren halt Dinge, die idealerweise nicht sein sollten. Du warst ja voll involviert, obwohl dein Vater ja dich nicht betrogen hatte (im Sinne von Ehebruch), und dein Bruder vollzog offenbar auch gleich seine pers├Ânliche Scheidung vom Vater. Volles Versagen der sich trennenden Eltern. Dass das ganze keine liebevolle Ehe war zeichnete sich wohl seit Jahren ab.

17.07.2020 12:11 • #165



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