Blanca
Mitglied
- Beiträge:
- 7300
- Themen:
- 30
- Danke erhalten:
- 13701
- Mitglied seit:
Zitat von pferdediebin:Ich hab durch die Liebe mehr gelitten als sie mir Freude gebracht hat, eben WEIL ich ihr so viel Bedeutung gegeben hab. Ich hab mich selbst vernachlässigt, denn nur geliebt sein gab mir Wert.
Dazu noch eine letzte Anmerkung:
Nicht nur Du gibst der Liebe so viel Bedeutung. Seit den 1990er Jahren wird vielmehr ein gesellschaftlicher Konformitätsdruck ausgeübt, unbedingt eine Beziehung führen zu müssen... ansonsten wird mal als "defizitär" abgestempelt.
Auf diese Weise wird zugleich der von Dir in den letzten Sätzen Deines Beitrags geschilderten Selbstliebe der Garaus gemacht.
Was ich persönlich besonders perv. daran finde ist, daß man Menschen erst gezielt solche "Werte" einredet - um sie dann mindestens genauso konsequent in teure Therapien zu stecken, wenn das auf Dauer schiefgeht, wo man ihnen dann genau das Gegenteil (Inneres Kind / Selbstliebe) wieder nahezulegen.
Ich finde Deine Fähigkeit zur Selbstreflektion prima. Aber eingedenk dieses Meinungsrahmens rate ich zu mehr Großzügigkeit, was Deine nachträgliche Sicht auf Deine frühere Lebensführung betrifft. Nicht Du allein warst es, die Beziehungen so viel Bedeutung gab, sondern diesen Schuh müssen sich auch und vor allem die Meinungsführer unserer Gesellschaft anziehen, die diese Überbedeutung von Liebesbeziehungen gezielt fördert. Wenn Massenmedien Menschen hartnäckig über soviele Jahre hinweg als "defizitär" darstellen, nur weil sie keine Beziehung haben, dann sind sie auch mitverantwortlich dafür, daß ein gesellschaftliches Klima entsteht, in dem solche Sichtweisen auf die Liebe reifen - bis der Reifen platzt.
Letztlich ist wichtig, daß Du Dich selbst wiedergefunden hast und jetzt so glücklich bist damit, daß Du gegen diesen Konformitätsdruck hoffentlich wahlweise anstinken oder ihn einfach an Dir abprallen lassen kannst, wenn er nochmal wagen sollte, Dich offen herauszufordern.