Hallo Genderfrage,
ich nehme mir zum Antworten folgend auch Zitate von Dir als Strukturierungshilfe
>>Du schreibst: "Naja, ist es verwunderlich, dass viele Frauen darauf abfahren?"
Mit der Aussage hat sich bei Dir scheinbar schon eine Meinung manifestiert, dass "viele Frauen darauf abfahren".>>
Ich meine nicht die ?exuellen Praktiken von Dominanz und Unterordnung. Ich meine eigentlich nur schlicht und einfach den Erfolg der Buchreihe und der Filme. Also die Tatsache dass sehr viele Frauen großes Interesse an der Literatur und der Verfilmung gezeigt haben. Ehrlich gesagt, habe ich wenig Zeit, das hier auszuformulieren. Daran wird es liegen

Grundsätzlich bin ich einfach nur in diesen Thread gegangen, weil mich die Entwicklung der Diskussion geärgert hat. Ich beobachte Antworten unter Videos, Bildern und Kommentaren, die in die feministische Richtung gehen, schon eine ganze Zeit lang. Oft gibt es dann Beschimpfungen, Aberkennung der Weiblichkeit, die Unterstellung, dass sich alles als Verschwörung gegen Männer (wie Urmel) richte, und und und (..), (...). Je nach Forum gibt es da Unterschiede, aber auch in „gut gemeinten“ Diskussionen problematisch.
<<<Mit Vorsicht zu geniessen ist es, wenn aufgrund von Kino- und Bucherfolgen Verallgemeinerungen ausformuliert werden und sich (wenn auch unbewusst) zu einem Mainstream etablieren.<<<
Sehe ich auch so.
>>Grade in der westlich-zivilisierten und materialistisch orientierten Welt hat ausserdem der zunehmende Konsum von Por.grafie durch die Verbreitung via Internet, mit (bis auf wenigen Ausnahmen) ganz eindeutigen Rollenverhältnissen, einen wirklich sehr, sehr großen Einfluss auf Gedankeninhalte und Phantasien. Da kann ein Betrachter noch so aufgeklärt sein – Bilder prägen.<<
Dem kann ich nur zustimmen. Ich hatte kurz angedeutet, welche Medien die jungen Frauen meiner Generation als Mädchen in der Pubertät konsumiert haben. Natürlich beeinflussen die wiederholten Botschaften und Bilder auch Erwachsene, aber bei jungen Menschen, die in der Zeit der Pubertät Orientierung suchen, wirken sie noch stärker. Meine jetzt Ex-Freundin hatte große Schwierigkeiten, innig zu küssen und war in Bezug auf ihren Körper immer wieder unsicher. Sie selbst sagte, ?exuelle Intimität bereite ihr Stress und sie habe sich lange Zeit davon abgewandt, da sie sich durch die Inhalte aus den „Mädchenzeitschriften“, aufgrund der Por.s der Jungen ihrer ehemaligen Schulklasse und des Schönheitsideal unter Leistungsdruck gesetzt fühlt. Obwohl sie ganz klar wisse, dass die Dinge nicht realistisch sind, würden diese immer wieder in ihrem Kopf umher spuken. Ihr fiel es sehr schwer, sich innerlich von den Botschaften und Bildern zu distanzieren – und das obwohl sie diesen Schritt bewusst vollzogen hat und wirklich nicht blöd ist. In Kommentaren zu Beiträgen, in denen das Schönheitsideal, Inhalte aus Jugendzeitschriften u.Ä. kritisiert werden, fallen sehr schnell Kommentare wie, „Da lässt man sich doch nur beeinflussen, wenn man dumm ist.“, und es folgt kein Beitrag mehr, der in eine andere Richtung tendiert. (Bevor ich es vergesse

Ja, Männer werden auch beeinflusst).
Persönlich überlege ich, wie bei solchen Kommentaren oder noch wichtiger, Kommentaren a la Urmel am besten reagiert. In sehr vielen Onlinediskussionen und auch unter Videos feministischer Debatten, entwickelt sich die Diskussion genau in diese extreme, ich sag mal, "Jäger und Beute-Richtung" und es wird sofort eine Verschwörung gegen die Männer unterstellt. Die Argumentation auf rein wissenschaftlicher Basis fruchtet meist wenig und . Ich sehe es schon als hilfreich, in diesem Kontext überhaupt eine andere Sichtweise zu bringen, auch wenn diese dann nicht perfekt wissenschaftlich ausformuliert ist. Es sind ja nur kleine Antworten und die verwendete Sprache muss auch dem Anlass und dem Empfänger gerecht werden. Die Auseinandersetzung mit der "Jäger und Beute-Richtung" ist anstrengend

- aber man muss nicht immer Experte sein, um dagegen anzugehen. So sehe ich das.
>>Es gab z.B. in der Vergangenheit (besonders 80er/90er) Werbekampagnen, die gezielt auf Provokation durch das Brechen von Tabus (auch in Bezug auf ?exualität) gesetzt haben. Allein aus dem Grund, um sich im Bewusstsein der Konsumenten einzuprägen. Meiner Meinung nach, liegt viel von dem "Zauber" um Filme wie Fifty Shades of Grey darin begründet, dass die Büchse der Pandora (wieder mal) geöffnet wird – insofern, dass er bestimmte "verbotene" Phantasien (temporär) triggert, nicht aber stellvertretend für eine ?exuelle Norm oder Grundausrichtung steht. Und das ist ein grosser Unterschied.<<
Ich frage mich, ob mit Fifty Shades of Grey wirklich ein Tabubuch war. Wie es sich genau bei Oswalt Kolles Aufklärungsfilmen verhalten hat, weiß ich nicht. Ich kann nur sagen, dass mich Fifty Shades of Grey überhaupt nicht überrascht hat. Vielleicht, weil so viele ?exuelle Darstellungen zu jeder Zeit verfügbar sind, man gar nicht an ihnen vorbeikommt. Selbst die Hiphop-Videos aus meiner Jugend waren schon ziemlich abgebrüht. Höchstens das Schreiben aus weiblicher Sichtweise ist ja, ich will eigentlich nicht sagen

„erfrischend“.
>>kommt mir die derzeitige Entwicklung, das wiederkehrende Runterbrechen auf einseitig gelebte Rollen und ?exualität (sowie die fünfzig geheimnisvollen Facetten des Mr. Grey) rückläufig und im Kern stinkkonservativ vor.<<
Ja, die Autorin hat sich auch an den erzkonservativen Twilight Romanen orientiert, in der sich die jungfräuliche Schülerin Bella in den gefährlichen und dominierenden Vampir Edward verliebt. Die beiden heiraten später und bekommen ein Kind. Das Entstehen des Kindes wird nur angedeutet und jeglicher S. durch Leerstellen übergangen, jedoch wird im Detail beschrieben, wie das Vampirbaby Bellas Körper zerfetzt. Die Autorin ist Mormonin. Das Grundgerüst der Twilight-Reihe wurde für Fifty Shades of Grey übernommen. Der Unterschied besteht darin, dass S. detailliert beschrieben und durch SM ergänzt wird. Die Rollenverteilung bleibt gleich - was für ein Tabubruch. Wie soll man das nennen, Neu-Konservativ?
>>Es ist der ewig wiederkehrende naive Traum von Prinz und Prinzessin, welcher den Gral des Glücks verspricht.<<
Ich würde eher sagen, dass es Prinz und Aschenputtel sind. Der Milliardär und die Studentin stehen doch in einem sehr sehr großen Abstand zueinander. Das erinnert mich an gesellschaftliche Zustände früherer Zeiten. Auch wenn es noch nicht so weit gekommen ist, sehe ich das problematisch.