Zitat von Soraya:NO WAY!
Wenn mein Freund nur einen Hauch davon wüsste, was ich für den Anderen noch empfinde, würde er alle Stricke in unserer Beziehung reissen (...) Und dann erfuhr ich von der Anderen. Bhoaa... die Welt krachte zusammen. Ich dachte ich würde sterben!
Ihr haltet beide an eurer bisherigen Vorstellung der Kopplung von Vertrauen an Treue fest - ungeachtet der Erkenntnis, dass euer
beider Handeln und Gefühle diese Vorstellung längst ad absurdum geführt hat. Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität trägt sicher mit dazu bei, dass du dich in der Beziehung zu deinem Freund nur in Teilen wohl und wichtig fühlst - es ist dir verwehrt, bedeutsame Bereiche deines Selbsts und deines Gefühllebens offen und ehrlich mit ihm zu teilen, er selbst hat diese Erfahrung umgekehrt auch mit dir gemacht, und nach dem was du schreibst, wird sich das in Zukunft nicht ändern.
Wenn eine integrative Lösung für euch nicht in Frage kommt, wirst du dich tatsächlich früher oder später für eine Richtung entscheiden. Hast du es schon mal mit dem Klassiker der Entscheidungsfindung probiert, dem 5-10-Jahrestest? Wie fühlst du dich in 5 Jahren mit der einen, wie mit der anderen Entscheidung? Wie fühlst du dich in 10 Jahren? Passen die Gefühle zu der Vorstellung, die du von deinem Leben hast? Wirst du die Entscheidung an deine Vorstellung anpassen oder deine Vorstellung an deine Entscheidung?
Und - nicht so nebensächlich wie viele vielleicht meinen - bist du weiterhin bereit, oben erwähnte gegenseitige Einschränkung (fortgesetzte Tabuisierung eurer Erfahrungen mit Fremdgehen, Verleugnung bestimmter Bedürfnisse und damit eines Teils deiner Selbst) langfristig in deinen Beziehungen in Kauf zu nehmen? Letztlich ist es unter diesen Umständen mit der vielbeschworenen Ehrlichkeit und dem bedingungslosen Akzeptiertwerden durch den geliebten Menschen nicht weit her.
Möglicherweise ist es der fürsorgliche Teil von dir, der diese Problematik vorausahnt und sich daher gegen die Entscheidung für deinen Freund sperrt.
Warum er sich auch gegen die Entscheidung für den anderen Mann sperrt, dazu habe ich bislang keine klare Idee, aber ich bin sicher dass dir einiges dazu einfällt, wenn du dieser Frage nachspürst.
Noch ein Gedanke. Drehen wir dein Problem mal um von einer Verlust- zu einer Gewinnentscheidung, denken also nicht, du wüsstest nicht
wogegen du dich entscheiden sollst, sondern du wüsstest nicht,
wofür du dich entscheiden sollst. Aus dieser Perspektive könnte dein Hadern bedeuten, dass keiner der beiden Männer dir genug "bieten" kann, um dich zu einer Entscheidung für ihn zu bewegen. Wäre die Alternative, keinen von beiden zu nehmen/zu behalten, eine denkbare Lösung für dich?
Du siehst dich auf einem Selbstzerstörungskurs, und wahrscheinlich hast du damit gar nicht so sehr Unrecht. Und doch muss es bestimmte Dinge geben, die an dieser Situation gut und beschützend für dich sind. Die Frage bleibt also, was genau es ist, das das Zerstörerische bewirken soll, und welche entscheidenen Vorteile es für dich hat, die Entscheidungsblockade aufrecht zu erhalten. Möglicherweise steckt dort auch der Schlüssel für deine Lösungen.