@plentysweet
ich picke mir gerade nur einen Punkt heraus:
Zitat:Siehst Du. Und Du hast es geschafft, dem Ganzen eine positive Bewertung zu geben. Und Du hast Halt erfahren. Und das ist der grosse Unterschied.
ja, aber das liegt eben auch an gewissen Privilegien, die ich neben den Beschwernissen, habe. Andere haben das nicht, was sie natürlich nicht von ihrer Verantwortung frei spricht.
Manche erfuhren nie Güte, keinerlei Bildung, haben nichts, was ihnen Freude bereitet, so wie z.B. ein Hobby, in dem sie sich wenigstens ausdrücken können. Sie gewinnen auch selten einen Menschen für sich weil sie teilweise auch noch dumm, hässlich usw. sind (natürlich nicht grundsätzlich).
Weißt Du, wie oft ich es sogar im therapeutischen Rahmen (Beratungsstellen usw.) erlebte, das ich klar bevorzugt wurde weil ich vernünftig wirke und gut aussehe, gepflegt bin usw., während ich beobachtete, dass Menschen, die ohnehin schon schwerstes zu tragen haben, nicht sooo große Hilfsimpulse auslösen. Eher Motto: wollen wir mal dafür sorgen, dass dieser Mensch wenigstens überlebt.
Ich habe einen einzigen Psychiater erlebt, der ganz klar die Unterprivilegierten bevorzugte und mit Herzblut behandelte.
Möchte das übrigens nicht verallgemeinern, aber beobachte diese Tendenz.
Ich selbst bin z.B. diejenige in meiner Familienchronik, der es von allen vielleicht noch am besten geht. Du glaubst nicht, was ich da in Bezug auf Hilsangebote für meine Angehörigen erlebte.
Vllt erinnert es der eine oder andere: vor langer Zeit erzählte ich von einer Szene hier bei uns am Bahnhof. Ein Mann, der ganz klar von Sinnen (nicht einfach nur übergeschnappt oder aggro) war, rannte wie ein wildes Tier herum und schrie aus voller Kehle, u.A. dass er Liebe brauche (nicht die romantische! Das war vollkommen klar). Er war auch herunter gekommen und manche glaubten, er wolle betteln. Ein Mann gab ihm Geld. Dieses Geld nahm er und schmiss es dem Geber wild tobend und schreiend vor die Füße, war dabei kaum noch imstande, zu artikulieren, was er braucht.
Im Grunde war er leider nur abstoßend. Es gibt ja auch Tobende mit irgend einer Art von Charme.
Ich schaute mir das eine Weile an, um abzuschätzen, wie gefährlich dieser Mann ist und da ich meiner Intuition sehr vertraue und ein Teil in mir sich mit ihm identifizierte, ging ich zu ihm, zog ihn zur Seite, befragte ihn. Erst antwortete er weiter schreiend und tobend, dann irgendwann redete er normal. Ein ganz einfacher Mann mit sehr beschränktem Vokabular. Leider ein Mensch, um den viele einen Bogen machen.
Naja jedenfalls redete und redete er, erzählte dann seine Geschichte, was ihn so quälte. Echt hammerhart! Ich konnte nicht anders und hielt ihn wie einen Freund lange im Arm, war mir der Gefahr durchaus bewusst, dass er sich nun an mich heftet, aber wie gesagt- ich vertraute meinem Gefühl und es ging ja auch gut aus. Er kam zu Sinnen und wurde ganz ruhig und traurig.
Wenige Tage später traf ich ihn zufällig wieder und hätte ihn kaum erkannt weil er eben 0% Irrer mehr war, aber ein tief trauriger belasteter Mann. Er dankte mir noch und ich staunte weil er feinfühlig gemnug war, zu checken, dass er mir jetzt nicht auf die Pelle rücken darf, was er natürlich zunächst zaghaft versuchte (nicht säggsuell. Er hatte so schwere existenzielle Probleme, dass er anderes im Sinn hatte, als zu flirten).
Mir geht`s nicht darum, mich hier als Samariter darzustellen. Meistens gehe ich am Leid vorbei weil es hier zu viel davon gibt. Aber diesen Mann habe ich nie vergessen und ich denke, dass man viel Leid verhindern kann, wenn es mehr Hilfe für diese Menschen gibt. Diese Szene zeigte ja auch, was viele brauchen. Einen Menschen, dem das eigene Schicksal nicht sch.gal ist.
Übrigens habe ich genau wie Du auch meistens Zuwendung in schweren Zeiten bekommen. Das war eine Ausnahmesituation/Lebensphase.