Zitat von YsaTyto:ich verstehe, aber für mich klingt das halt nach einem Pathologisierungs-Rundumschlag. Denn selbst im Falle einer wunderbaren Kindheit kann es kein Leben ohne tiefe Kränkungen geben.
Bzw. für mich liest es sich ein wenig so, als ob wir alle keine Aggros mehr hätten, wenn das Unmögliche gelänge- eine heile Kindheit.
Was aber mit all den Themen, die im weitesten Sinne des Wortes kränken? All die Verluste, Problematiken, die jeder Mensch erleben muss? Wie schwächer, gebrechlicher zu werden?
Oder Aggros, wenn man bei einer wichtigen Sache versagt? Oder Aggros, um sich vor zu großem Schmerz (z.B. Todesfall) zu schützen. Wenn ich es richtig erinnere, schrieb Dürrenmatt, dass er eine ganze Weile einfach nur stinksauer auf seine geliebte Frau gewesen sei, als sie verstarb.
Und was ist mit Aggros, um sich durchzusetzen? Mit Aggros, um Grenzen zu setzen? (meine jetzt im gesundem Maße, meinetwegen ach etwas stärker, jedenfalls nicht krankhaft). Oder auch softe Aggros beim Säggs.
Ich glaube, die heftigsten Aggressionen erlebte ich immer dann, wenn mir jemand extrem zu nahe tritt (psychisch) und wenn das wiederholt vorkommt, spüre ich heftige Wut. Sobald ich die fühlte, ließ ich ihr nicht freien Lauf, sondern wusste: allright Ysa, grenz Dich mal ab.
Da ging also keine Kränkung voraus, sondern es ist ein natürlicher Mechanismus, um meinen Raum zu schützen.
Moment mal! ich habe mit keiner Silbe gesagt, daß Aggression per se böse ist; ich habe Ricky's Einwurf bestärkend gesagt, daß zumindest ich mich den Neurowissenschfatlern, die Aggression für Reaktion und nicht für Instinkt halten, anschließe.
Erstens: all deine Beispiele, Versagen, Verlust, Zurückweisung, Ausgrenzung, physischer oder psychischer Missbrauch etc, sind (meinem Dafürhalten nach) Kränkungen. Diese lösen eben auch reaktiv Aggression aus. An der Stelle muß auch noch keine Bewertung erfolgen.
Die Bewertung setzt dann ein, wenn es um die Nutzung der Aggression geht. Einfach formuliert findet so eine Nutzung der Aggression zwischen zwei Polen statt, konstruktiv oder destruktiv. Wobei man eben da auch nicht mit so einer ein-Level Variante rangehen kann. Ein einfaches Beispiel wäre ein "jetzt reicht es mir", voller Wut geäußert. Das kann zu Veränderung führen, in dem man/frau sich (endlich) trennt, abgrenzt, etwas beginnt oder aufhört, dann ist Aggression ein durchaus gut zugbrauchender Motivator.
Oft genug aber geht Aggression aber in ein negativ destruktives Verhalten über. Bei bestimmten Frauen, wie hier ja schon auf über hundert Seiten brauchbar gemacht wurde, gegen sich selbst oder Kinder mit bestimmten Mitteln, bei bestimmten Männern eben zT gegen Frauen, gegen Kindern und eben auch gegen den Rest der Menschen.
Und negativ destruktive Aggression ist pathologisch, egal ob sie sich gegen sich selbst, andere, außenstehende oder Kinder richtet. Denn der Agierende hat bisher (noch) nicht gelernt, erwachsen und daher entweder aushaltend oder nach vorn konstruktiv handelnd mit der Aggression Umgang zu finden.
Dieser pathologische Zustand kann kurzfristig und vorübergehend sein bis hin zu langfristig und sich in einer Abwärtsspirale befindend.
Hier in diesem Thread ist nur mal jemand hingegangen und hat über die Brücke der Gesellschaft den männlichen Zugang von destruktiver Aggression thematisiert und auf den ersten 70 Seiten gab es dazu nur eine einzige Reflex-artige Bemerkung, Joh eh, Frauen sind aber auch aggressiv.
Und alles was ich vor zig Seiten, wenn auch sehr wütend thematisiert habe, war, daß, wenn man sich Aggression anschauen will, dann muß man sich Kränkung anschauen. Und wenn man sich die Kränkung als Ursache anschaut, dann kommt man bei weiblicher destruktiver Aggression tendenziell schneller (nicht ausschließlich) bei gemachten physischen Mißbrauchserfahrungen an und bei männlicher destruktiver Aggression, dann auch immer mal wieder beim Stacy-Problem.
Was ist das Stacy-Problem. Stacy ist eine Bezeichnung in bestimmten Foren, für eine aus deren Sicht normal aussehende Frau, die sich aber aufgrund geänderter Gesellschaftskonventionen nicht mehr dazu gezwungen sieht, jeden anderen gängigen Mann zu ehelichen (lies mit diesem den Gesellschaftsvertrag Beischlaf gegen Versorgung) eingehen zu müssen, daher ihre Ansprüche neu definiert und somit dafür sorgt, so deren Lesart, daß eine Reihe von Männern Partnerschaft (lies Beischlaf) verwehrt bleibt ohne deren unmittelbares Verschulden.
Ist die gleiche brillante Logik, der die Argumentation, die Ausländer nehmen uns die Jobs weg, anheim fällt.
Polemisch formuliert, mit ein paar Ausnahmen, ließe sich die Diskussion der letzten 120+ Seiten auch so zusammen fassen.
Ein Teilnehmer formuliert, ähm, wäre es möglich, daß es irgendwie so ein Ding gibt, daß Menschen mit Vorliebe für Lon(g)sdale-Pullis und einem extremen Kurzhaarschnitt, insbesondere gegenüber anderen Menschen mit politisches Neudeutsch Migrationshintergrund ziemlich aggro reagieren? Falls ja woher kommt das?
Runde eins ding, ding, ding: ja, nein, vielleicht. Aber Menschen mit Migrationshintergrund sind ja nicht alle lieb, die reagieren auch aggro.
Runde zwei ding, ding, ding: joah, eigentlich hat ja auch niemand gesagt, daß die nicht auch sche*ße sein können. Es wäret nur wegen der Herren mit diesen Pullis und dem Haarschnitt, könnte schon sein, daß des jetzt schon ein bissl auch übel ist.
Runde drei ding, ding, ding:
nein, nein, nein, also da müssen wir uns jetzt ganz dringend über die Grundproblematik unterhalten und die Herren mit dem Haarschnitt, waren ja nach der Völkerwanderung, im 13 Jahrhundert oder 1952 selbst Menschen mit Migrationshintergrund. Deshalb ist Deine Frage so jedenfalls nicht präzise.
Runde vier: Oida, Völkerwanderung war nicht im 13 Jahrhundert.
Runde 5: eh Menno, da war ein Komma.
Runde 6: also meine Tante hat nen Hamster und der kannte mal ein Meerschweinchen aus China und das war nett, hat sich aber die Haare abrasiert, ich finde wir sollten da jetzt echt nicht so genau sein.
Runde 7: Gibt es für das Meerschweinchen mit den abrasierten Haaren ne Quellenangabe?
Runde 8: guckst Du daily mail, wahlweise obskurer Professor aus Omaha mit ner Gastprofessor an der FH in Bukarest.
Pause: Wattebäuschen und gewitzelt, wer gestern vielleicht mit wem ne PIN geschrieben hat.
Ding, ding, ding es geht in die nächste Runde.
Runde 9: also ich hab mir jetzt Gedanken dazu gemacht, aber nicht den ganzen Thread gelesen, es wäret nur weil, naja so Pulli-Träger mit so einem Haarschnitt, haben schon ne Tendenz Menschen mit Migrationshintergrund für ihre Probleme verantwortlich zu machen, zumeist auch aggressiv.
Runde 10: Das haben aber die Lamas gegenüber den Alpakas im 17 Jahrhundert auch. Also so kann man nicht diskutieren und vergiß bitte nicht, ich bin ja von einem Alpaka, was extrem grausam zu mir war, großgezogen worden.
Runde 11: Haste ne Quelle?
Und so kommen 120+ Seiten zustande.
Meine Meinung war und ist, negative destruktive Aggression ist immer sche*ße. Und ja, um die Eingangsfrage zu beantworten, es gibt eine Tendenz bei negativer destruktiver männlicher Aggression, daß zunächst Frauen, entweder bestimmte oder eben Stacys draufgehen und danach wahllos Menschen, ab und zu gern bestimmte Gruppen, weil das mehr Aufschrei verursacht.
Ich habe auch kein Problem damit weibliche destruktive Aggression zu diskutieren, würde dafür aber nen eigenen Thread bevorzugen.
Ich finde es extrem spannend zu sehen, welche Gegenwehr bzw welchen Widerstand, diese einfache fast harmlose Eingangsbemerkung eigentlich ausgelöst hat. (ein Schelm, wer böses dabei denkt)
Ach und falls es dann doch mal wieder um die Frage, warum Männer bzw wenn Männer ausrasten, geht, dann bin ich auch gerne wieder am Start.
Weil naja, ich suche noch immer nach der Quelle für das Meerschweinchen mit dem Pulli und dem neuen Haarschnitt.
Fazit: ich habe an keiner Stelle behauptet, ich würde Aggression gern pathologisiert sehen, ich behaupte, es gibt eine From von Aggression, die ist pathologisch. Und nein, Aggression ist nicht per se pathologisch.
Und diesem Thread antwortend, es gibt eine Form von männlicher pathologischer Aggression.