Lieber @hahawi und alle anderen hier.
So wie Dich Kitzbühel beschäftigt, so ist etwas gestern geschehen, was mich absolut und vermutlich noch sehr lange beschäftigen wird.
Was noch nicht einmal viele meiner Freunde im RL wissen, ich bin in dem Viertel in Halle geboren, getauft und in den Kindergarten gegangen. Und ja ich rede über Halle und ich rede hier über Halle, weil es exakt das ist, was passiert, wenn Männer durchdrehen und weil gestern nicht nur zwei Menschen gestorben sind, sondern eine ganz große Gruppe von Menschen, bedroht wurde.
@Urmel_ ich schätze deine Beiträge sehr und ich habe immer wieder auch das eine oder andere gelernt, aber hier ist der Punkt: wenn Männer durchdrehen, sterben Menschen.
Gestern als ich zum ersten Mal darüber las, was passiert ist, war ich gerade in einem Raum mit 100 Leuten aus wenigstens 30 Nationen gelegen an der Champs Elysee. Neben mir stand ein Kollege aus Bahrein, eine von mir extrem geschätzt Freundin aus Dänemark und ein Herr, der aus Gambia stammt, aber im Moment in Ägypten arbeitet. Dazu wurde angeblicher Champagner gereicht, war Prosecco, diese Franzosen halt und ich wollte nur kurz etwas im Internet nachschlagen, welches ich zuHause wie dort genauso benutzen kann, weil es die EU ist.
Ich hatte bisher nicht wirklich viel Zeit auch nur ansatzweise zu überlegen, was das eigentlich mit mir macht.
Aber ich habe eine einzige Message: Daß irgendwo ein Schwachmat, sei es in Kitzbühel oder in Halle der Meinung ist, daß er an anderen auslassen muß, daß er selbst nix, aber auch gar nix auf die Ketten bekommt, ist KEIN Einzelfall: it is white male privilege.
Und das wird auch nicht dadurch irgendwie besser, daß Frauen auch grausam sind. Menschen sind grausam, aber wenn Männer durchdrehen, sterben Menschen.
Und dafür gibt es keine Relativierung, keine Entschuldigung und auch kein ja, f*cking aber.
Ich weiß nicht, wie viele hier Yom Kippur kennen, ich kenne ihn, ich war in Israel. Ich weiß nicht, wie viele hier Ostdeutschland kennen. Ich bin neben ganz vielen Dingen auch, Ostdeutsche. Es ist Teil meiner Biographie und meiner Identität. Und bisher hatte ich einen weißen blinden Fleck. Erst vor kurzem hatte ich mit einem sehr geliebten Menschen eine Debatte über Rassismus und Ostdeutschland und ich habe relativiert. Weil ich nicht wahrhaben wollte, daß dieser Ort, aus dem ich stamme, der auch tolle Menschen hervorgebracht hat, ein Problem hat.
Der Ort an dem ich jetzt lebe, wunderschön, ist zutiefst rassistisch, aber dessen Rassismus ist ein institutionalisierter. Frei gesprochen, Du musst keine Angst haben, daß einfach mal so nur weil Du anders bist eins auf Fresse kassierst. Es sei denn natürlich, Du erlaubst Dir als Frau Beischlaf zu verweigern, dann kriegst Du früher oder später auf Fresse.
Und das ist ein Problem!
Ich habe nicht die geringste Ahnung, wieso ein 27jähriger Nichtsnutz auch nur im Ansatz glaubt, daß sein Sch**ß-Ego es verdient, so gewürdigt zu werden, daß er hingeht und an Yom Kippur (mal wieder) Juden in Deutschland sterben sollen, aber ich habe keinerlei Zweifel, daß es exakt damit etwas zu tun hat, was @hahawi in seinem Ausgangspost angesprochen hat.
Und bevor jetzt die ersten daher gehen und erzählen, daß Rassismus etwas anderes als Se*ismus ist, nö ist es nicht.
Es bleibt, daß es eine Gruppe von Menschen auf diesem Planeten gibt, die nicht im Ansatz checken, was es heißt grundsätzlich ausgegrenzt zu werden. Und diese eine Gruppe wird gerade so langsam aber sicher nicht mehr bevorzugt behandelt, und damit kommen die nicht klar, sei es weil ihnen jemand sagt, nö mit dir mag ich nicht schlafen oder nö, du kriegst den Job nicht.
Und ein paar aus dieser Gruppe drehen systematisch (!) durch.
Und das ist nicht mein Problem, das Problem einer anderen Frau oder Menschen, die ihren religiösen Feiertag heiligen wollen oder Menschen die ne andere Hautfarbe haben. Sondern , daß ist schlicht und ergreifend deren Problem.
Weil aber diese Volliditoten diese unpackbar kleinen Menschen glauben, sie hätten ein Recht, auf Erfolg, Beischlaf oder Kohle, gehen die hin und machen es zu MEINEM Problem.
Und das ist white male privilege.
Und darüber reden wir.
Also hören wir auf zu relativieren, denn sonst willst eines Tages nur was im Internet nachschlagen und stellst fest, daß die eigene Relativierung Teil des Problems ist.
ch applaudiere @hahawi für diesen Thread, denn er hat Bewusstsein. Offensichtlich hat er mit ein paar Frauen gesprochen, es gehört und einen Moment erlebt, in dem ihm klar wurde, daß es da tatsächlich ein Problem gibt.
Wenn Männer durchdrehen, sterben Menschen; sie werden nicht einfach geschädigt, sie sterben.