Zitat von YsaTyto:nehmen wir mal an, dass es tatsächlich so ist, dass sehr vieles, was wir tun, Sublimierung ist. Das bedeutet aber ja noch lange nicht, dass das Ausleben des ursprünglichen direkten Triebimpulses immer das Erfüllendere wäre.
Man kann ja auch auf den Sublimierungsgeschmack kommen
Ich weiß nicht - aber kann es sein, dass ich von Dir und @megan ob dieses Ausspruchs missverstanden worden bin wie ein warmer Gurkensalat?
Ich schrieb doch: Die Sublimierung
des Elends, und nicht: die Sublimierung,
das Elend.
Heißt, die Sublimierung, gelingt sie, ist aus verschiedensten Gründen das Erfüllendere und Geschmackvollere, keine Frage. Ich habe mich ja nicht dagegen, sondern dafür ausgesprochen.
Wobei es mir, nebenbei gesagt, für einen Mann ein noch dringlicheres Ziel zu sein scheint, die Triebe zu sublimieren. Als Frau kann man sich vielleicht gar nicht vorstellen, wie das ist, womöglich jahrelang von diesem Triebelend geplagt zu werden, von diesem Hunger, der sich an nichts laben oder gar sättigen kann. Daher erscheint mir die Sublimierung zumindest in manchen Fällen geradezu eine überlebenswichtige Notwendigkeit zu sein.
Und weil ich gerade von "sättigen" geschrieben habe: Den Trieb kann man auch durch Übersättigung loswerden (welche Möglichkeiten es gibt, Askese, Sublimierung, Übersättigung usw., hat übrigens schon Nietzsche sehr ausführlich abgehandelt). Wie das Fallbeispiel zeigt, das @leilani reingestellt hat. Auch wenn das unter Umständen, ist man gar zu sorglos und vor allem orientierungslos, eben auch unmittelbar in den religiösen Wahn führen kann. Und die Natur in die Krankheit überzuführen, scheint mir eine zwar vielleicht gut gemeinte, aber doch reichlich missglückte Übung geworden zu sein.
Meine optimale Welt wäre ja die: eine schranken- und hemmungsose Buhmswelt, in der sich die Trieblust an allen Ecken und Enden austoben kann, wie sie will. D. h. sobald eine Lust auf eine andere trifft (gleicher Natur natürlich), gehts auch schon los, ohne jede Umschweife. Und sei es im Leergutkämmerchen des Supermarkts, wenn man meinetwegen zufällig jemanden getroffen hat vor dem Waschmittelregal, der/die auch gerade Bock hat, ob man sie oder ihn je zuvor gesehen hat oder nicht. Das würde zum einen diesen ewigen Hunger gar nicht aufkommen lassen, zum anderen eben durch die Übersättigung in den meisten Fällen dann unweigerlich zur Sublimierung und Erlösung führen. Die Religionen haben sozusagen gerade das Gegenteil dessen gemacht, was Vernunft und Natur gebieten. (Im christlichen Fall: Die Erlösung gleich ans Kreuz geschlagen.) Und allein aus diesem Grund, der sich auch noch Zivilisation und Kultur nennt, ist nun alles verhunzt bis zur Unkenntlichkeit, bis zum Chaos und blanken Irrsinn. Irgendwann hat der Mensch sich in einem ausgearteten Anfall sich selber in den Weg gestellt, als Mahnmal und Widersacher seiner selbst, und ist darüber zum ... ja ich weiß nicht, was, geworden. Marmeladenzüchter vielleicht.