Zitat von YsaTyto:naja, z.B. stecken die christlichen Strukturen ja noch tief in uns, auch in Bezug auf Liebesbeziehungen (mal unabhängig von der Frage, ob das gute oder schlechte sind, auch da wird es natürl. nie einen einheitlichen Konsens geben).
Es gäbe unzählige Bsp aus dem banalen Alltag. Ema erwähnte z.B. die Toleranz gegenüber männlicher "Grobheit", bei Frauen sieht das schon anders aus.
Generationsübergreifend ist das natürlich ganz normal. Natürlich gehen nicht mal eben von heute auf morgen Werte und Moral, die über Jahrhunderte in die Köpfe gepflanzt wurden, komplett flöten. Aber sie haben eben an Stellenwert verloren und damit auch viele Leute in eine Depression getrieben, eben weil sie dadurch auch Halt verloren haben. Viele Menschen können keine Kraft dauerhaft nur aus sich selbst ziehen. Burn-Out zeigt das ja immer wieder. Warum jetzt Grobheit bei Männern akzeptierter sein soll als bei Frauen, versteh mal wer will...
Zitat:Oder was säggsuelle Umtriebigkeit betrifft: er der Frauenschwarm, sie die Schla mpe.
Das ist übrigens ein absolutes Klischee und totaler Blödsinn bzw. ist es eine weibliche Definition. Männer sitzen nicht im Kreis und geben sich gegenseitig High-Fives dafür, dass einer mehrere Frauen hintereinander hatte. Wer bitte benennt denn Frauenhelden als Frauenhelden? Richtig: Frauen. Es hat ja auch einen Grund, warum die Mädels zu diesen Kerlen hinrennen.
Witzigerweise ist das mit Schla mpen dasselbe. Dazu hat's sogar schon diverse Studien u.a. in den USA gegeben an College Campussen etc. Da waren es die anderen Frauen/Mädchen, die die promiskuitiven Frauen als Schl*mpe hingestellt haben. Ob das nun aus Eifersucht, Neid oder was auch immer passiert, ist da auch völlig egal. Die meisten sozialen Interaktionen gehen da in der Tat von Frauen aus. Und das Witzige ist, dass genau dieser Trend dann hinterher gesellschaftlich den Männern zur Last gelegt wird und dann gejammert: "Ja, wenn eine Frau s*xuell aktiv ist, ist sie ne Schl*mpe, aber ein Mann ist der tolle Hecht..." - Ja, das Fass machen i.d.R. Frauen auf, dann "Hey, Mädels, reguliert euch doch mal selbst. Dann habt ihr das Problem auch nicht. Ähem..." - zum Anderen ist es rein biologisch gesehen, aber in der Tat als Mann etwas Besonderes mehrere Mädels um sich scharen zu können, denn auch das wird triebgesteuert geregelt. Und da Frauen leichter an S*x kommen (auch via Studien belegt) ist es als Mann eben toller viele S*xpartnerinnen zu haben. Ist genau so wenn eine Frau deutlich stärker als Männer ist, dann ist das auch spezieller oder "besonderer", wenn Du so willst, als wenn ein Mann stärker als Frauen ist, weil's halt nicht die Norm bzw. die Regel ist.
Hierzu mal ne Geschichte aus meiner Jugend. Wir hatten ein Mädel in der Klasse, die hatte gut jedes Wochenende nen anderen Kerl in der Kiste. Mein Kumpel kam irgendwann zu mir an und meinte: "Die Bundi-Matratze" aufgrund ihrer Vorliebe sich Bundeswehrsoldaten mit nach Hause zu nehmen. Ich wunderte mich allerdings, wie er auf den Term gekommen ist, weil er meist - sagen wir - einen anderen Humor hat. Und da kam ebenfalls raus, dass er exakt dieses Wort von anderen Klassenkameradinnen gehört hatte. Auch hier passt es exakt ins Bild, dass die anderen Mädels aus der Oberstufe ihr den Namen gegeben haben. Und warum? Weil sie sie billig fanden? Oder weil sie selbst gern S*x gehabt hätten? Who the f*ck cares... letztlich ging es doch nur um eine Aufwertung des eigenen Selbst in der Frauenclique.
Zitat:Du erwähntest die Familie/Ehe: ich werde z.B. oft drauf angesprochen (meistens sogar wohlwollend gemeint), warum ich denn nicht unter der Haube sei. Da spielt schon oft der Gedanke mit hinein, dass etwas mit mir nicht stimmen kann, wenn auch nicht böse gemeint. Ich leide darunter auch nichtmal ein bisschen, dennoch ist es auffällig.
Vllt stimmt ja auch in der Tat etwas nicht? Oder Du hast einfach nur keine Lust auf's Heiraten... wenn ich das weitere Geschriebene lese, glaube ich aber eher Ersteres. Ich erkläre dann warum.
Zitat:Meinem Eindruck nach wird es, vor allem ab einem gewissen Alter, schon gerne gesehen, wenn eine Frau verheiratetet ist und nicht wenige Frauen haben vor allem aus sozialen Gründen große Angst, sich scheiden zu lassen bzw Single zu sein.
Frauen lassen sich häufiger scheiden als Männer. Der Trend zur Scheidung geht aber mittlerweile wieder zurück. Ob das nun positiv oder negativ konnotiert ist, kann ich nicht sagen. Ich halte "Heirat" für Blödsinn, wenn man sich nicht sicher ist. Nur aus einem sozial-normativen Passus heraus zu heiraten, ist Käsekram. Das galt aber z.B. in den 60ern und 70ern bei Männern ebenfalls noch. Meine Großmutter sagte da über ihren Cousin immer "Der ist noch Junggeselle". Auch das wurde eher mit einem "Oh..." als mit einem "Yeey, Party" begleitet.
Zitat:Oder etwas wirklich völlig banales, das ich aber wirklich erlebe, wo ich gehe und stehe. Ich drücke es sehr plakativ aus: eine Frau ist noch immer zuständig für Haushalt und Ordnung. Vernachlässigt sie das, ist sie eine Schlam pe, einem Mann sieht man das nach und hilft ihm sogar mit 60 noch gern das auf die Kette zu bekommen.
Ob man Frauen da generell als reinlicher ansieht, aufgrund der Tatsache, dass man in den 20er, 30er Jahren eben dahin gelenkt hat (das auch in der *beep*) eine Ordnung zu finden, in der die Frauen zu Hause bleiben und das regeln, während Männer arbeiten gehen und das regeln, wäre eine wichtige Frage. Es ist aber auch in der Tat so, dass Frauen deutlich häufiger halbtags arbeiten und dadurch die Rolle auf sie fällt. Das finde ich auch fair. Denn wenn ich nur die Hälfte arbeite, dann mache ich auch mehr zu Hause. Hat ja auch was mit Hygiene etc. zu tun, newa? Ich kenne BTW auch genügend Männer, die mittlerweile "Wurst", "Lauch" usw. an den Kopf geschmissen bekommen, weil sie ihren Haushalt nicht geregelt kriegen... ABER ich kenne mittlerweile auch so viele Mädels, die damit komplett überfordert sind, wo ich manchmal denke: "Meine Güte... nimm einfach nen Schwamm, Du Hascherl."
Dieses Verlernen von Dingen scheint ja echt ne krasse Angewohnheit zu sein. Ich mache meinen Haushalt seit Jahren selbst. Jetzt wo ich mit meiner Freundin zusammen lebe, teilen wir uns das. Ich mache in diversen Fällen sogar mehr. Wenn sie aber jetzt - nehmen wir an - tagelang zu Hause wäre (ohne Krankheit usw.), dann wäre ich auch angepisst, wenn sie gar nichts tun würde.
Zitat:Vor kurzem erzählte mir eine Frau mit 4 Kindern, dass sie schon weit über dem Burnout hinaus ist (sie und ihr Mann sind beide berufstätig), aber weiterhin alles im Haushalt übernähme (auch das Soziale im Freundeskreis) weil es unausgesprochen und unhinterfragt auf ihre Kappe ginge, wenn sie das nicht mehr übernimmt. Das kann schon in die Richtung sozialer Ächtung gehen.
Du glaubst nicht, wie oft ich sowas oder ähnliches hörte.
Übrigens ist das keine Klage, sondern nur meine Beobachtungen.
Ja, das mag aus gewissen Generationen noch so entsprungen sein. Auch hier ändert sich generationsübergreifendes Verhalten eben nicht von heute auf morgen.
Zitat:Das sind auch nicht alles nur Fremdzuschreibungen. Meinem Eindruck nach versuchen viele Menschen auch ganz ohne Druck, Forderung von außen, alten Rollenvorstellungen gerecht zu werden.
"Ought Self" - sagte ich ja. Du lernst ja gewisse Rollen. Du hast Dein eigentliches Ich, dein Ideales Ich und Dein "Soll"-Ich, also das was gesellschaftlich so verlangt ist bzw. was Andere sehen sollen. Gibt ja etliche, die sich nen Sche*ß um den Haushalt kümmern, aber sobald Besuch kommt, muss alles tip top sein. Kann ja nicht sein, dass die Gäste nen falschen Eindruck bekommen.
Zitat:Ist es nicht auch noch heute eher eine Seltenheit, dass, wenn Kinder kommen, beide gut ausgebildet sind und gut verdienen, es meistens die Frau ist, die Zuhause bleibt, bzw ihre Arbeit weit zurück stellt?
Was Frauen zu 80% selbst so entscheiden... die meisten Frauen wollen dann nämlich selbst dem Nachwuchs nahe sein und eben nicht weiterhin "Karriere machen". Das ist auch so ne Agenda, die kompletter Blödsinn ist. Gerade in den skandinavischen Ländern, wo sogar feministische Parteien an der Regierung sind, zeigte sich das ja eindeutig. Ist das den Frauen vielleicht doch natürlich in die Wiege gelegt? Ich alleine kenne drei Frauen, die entweder "niemals Kinder" oder "Wenn... dann geh ich weiter arbeiten" gesagt haben und als der Stöpsel erstmal da war, eine komplette 180°-Wendung hingelegt haben.
Zitat:Ich möchte all das erstmal gar nicht bewerten. Ich weiß z.B. nicht, ob ich gerne einen Mann hätte, der Zuhause bei den Kiddies bleibt und ich schlage mich durch die Arbeitswelt. Ich denke nicht, dass ich das wollen würde. Mir geht es nur um die Frage, ob die alten Strukturen nicht doch noch sehr verankert sind.
Diese "alten Strukturen" sind IMO eher biologischer Natur denn rein gesellschaftlicher.
Zitat:ich möchte, dass wir ungleich bleiben
Und wie kommst Du jetzt auf die Hirnareale?
Ich gehe davon aus, dass wenn eine Evolution stattfindet, sie auch im Gehirn stattfinden wird und nicht nur unsere Körperbehaarung verschwinden lässt.
Zitat von YsaTyto:oder um auch mal einen Nachteil für die Männer zu erwähnen: als ich vielleicht 25 war unterhielt ich mich mit meinem Bruder über unsere Lebensgestaltung, unsere Ziele. . .Er damals bis zum Kollaps darum bemüht, beruflich etwas aus sich zu machen, ich hingegen machte irgend welche Jobs, las, war kreativ. . .aber ohne Ambitionen. Ich verstand absolut nicht, warum er sich einen solchen Druck machte. Er sagte in etwa das Folgende dazu: Najaaaaa, Du wirst damit als süße kleine Träumerin betrachtet werden. Würde ich als Mann wie Du leben, wäre ich hingegen einfach nur ein Loser.
Das soll jetzt kein Gesetz sein, aber da ist mMn schon viel dran.
Na ja, sicher... sowas kommt immer wieder vor, wobei ich da auch Männer kenne, denen das eher nachgesehen wurde als Mädels. Das hat auch viel mit familiärem Status zu tun. Wenn Du eine Familie hast, in der z.B. die älteste Tochter schon früh darauf getrimmt wurde auf die Kleineren aufzupassen, dann a) macht es was mit eben dieser Tochter, weil ihr Bild und ihr Drang nach "Versorgen" ja deutlich größer wird, weil auch gefördert und b) viele natürlich in der dann auch die "Macherin" sehen. Wenn die dann weniger reißt später als der kleine Bruder, dann würde sie vermutlich auch eher argwöhnisch betrachtet. Schon in diversen Familien gesehen... da sitzen dann auch so Jungs, die seit Jahren "Gitarre spielen" (aka rumklampfen, weil nie wirklich gelernt) und eben nichts machen, aber das wird akzeptiert, weil "der war schon immer so". Ich hatte so einen mal in der Band... das ging irgendwann nicht mehr gut.
Zitat von YsaTyto:Meine große Liebe ist ein sehr ehrgeiziger aktiver Mann, hochgebildet, kreativ usw., aber beruflich eine Null. Ich wollte nie einen Mann so sehr wie ihn und würde ihn noch immer wollen, würde er mal etwas zur Besinnung kommen.
Aber er riet mir schon damals, mich nicht gemeinsam mit ihm ins Elend zu stürzen weil er meinte, als Gatte nichtswürdig zu sein weil er nicht für unsere Family würde sorgen können. Das Thema war eine Qual für ihn, die er nie nur minimal ablegen konnte. In seiner Family sind alle Männer beruflich sehr erfolgreich, haben Family, klassische Rollenverteilung. Und für seine Family ist er deswegen einfach nur eine Niete. Leider hat er das übernommen.
So und hier jetzt zu meinem Posting von oben: Ich vermute eher, dass Du nicht unter der Haube bist, weil Du Dir ein gewisses Bild von "Mann" angeeignet hast und eben glaubst, das habe so zu sein. Du wirst da auch gefühlstechnisch innerlich immer vergleichen (tut ja letztlich jeder Mensch, nur Frauen ungefähr doppelt so stark). Und die Idee vom "Schicksal" oder was auch immer, hängt Frauen ja eher nach als Männern (obschon das mittlerweile viele Hansel übernommen haben). Wenn da schon Deine Idee von einem Kerl drinne sitzt: Also so wie er, nur eben beruflich top, dann wird die Auswahl unfassbar klein.
Was da seine eigene Hölle angeht: ja, die haben wir alle. Die Einen mehr, die Anderen weniger. Meist hat das auch nur etwas mit falschem oder übersteigertem Selbstwert und Ego zu tun. Da ginge es bei ihm eher mal darum zu ergründen, was ihn da traumatisiert und wie er das dann abstellen kann... dafür müsste man aber dadurch gehen und das auch selbst wollen. Und da bist Du die falsche Person für.