@Ricky Part 2
Ysa
Zitat:Du erwähntest die Familie/Ehe: ich werde z.B. oft drauf angesprochen (meistens sogar wohlwollend gemeint), warum ich denn nicht unter der Haube sei. Da spielt schon oft der Gedanke mit hinein, dass etwas mit mir nicht stimmen kann, wenn auch nicht böse gemeint. Ich leide darunter auch nichtmal ein bisschen, dennoch ist es auffällig.
Ricky
Zitat:Vllt stimmt ja auch in der Tat etwas nicht? Oder Du hast einfach nur keine Lust auf's Heiraten... wenn ich das weitere Geschriebene lese, glaube ich aber eher Ersteres. Ich erkläre dann warum.
Du bringst hier 2 Ebenen zusammen, die ich in diesem Themenkontext trennen würde weil es hier eben um Unterschiede zwischen Mann und Frau geht, bzw verschiedene (unbewusste) Blickwinkel auf die gleichen Umstände bei Mann und Frau:
1. denke ich persönlich, dass es mit mir zu tun hat, dass ich in den letzten Jahren keine schöne, langfristige Beziehung führe, ob nun verheiratet, oder nicht.
2. dass ich aber seit etwa meinem 30. Lebensjahr von jedem 3. Arzt, diesem und jenem Nachbarn und gerne auch von anderen Frauen, die bereits verheiratet sind und vielen anderen, so etwas höre, hat natürlich ganz andere Gründe. Die Frage, warum ich nicht unter der Haube bin und keine Kinder, kommt ja fast immer von fremden Menschen wie Nachbarn oder dergleichen. Und btw: für eine ernsthafte Antwort interessiert sich natürlich kaum einer von ihnen, was ja schon anzeigt, dass sie eher aufgrund von nicht reflektierten Bildern/Annahmen, fragen.
Neulich gerade habe ich es 2 Mal erlebt: meine auf die 80 zugehende Nachbarin fragte mich, warum ich nicht verheiratet bin und keine Kinder habe. Wie kennen uns recht gut, dennoch ist sie nun kein Mensch, der in die Tiefe geht. Ich antwortete also etwas locker "Wahrscheinlich weil ich krank im Kopf bin." (Kinder wollte ich übrigens nicht, obwohl ich sogar sehr gern welche hätte und zwar weil ich mich bisher psychisch nicht reif genug dafür fühlte).
Sie gab zurück, dass sie glaubt, dass ich eben zu schön sei und sich keiner traue, mich anzusprechen. Das sagte sie nicht weil ich so überbordend schön bin, sondern weil sie einfach extrem auf mich steht.
Und natürlich ist das vollkommener Unsinn. Es liegt definitiv an mir, nur tut das nichts zur Sache in Bezug auf die Frage nach alten (christlichen) Strukturen in uns; hier der Reflex zu glauben, eine Frau müsse ab einem gewissen Alter verheiratet sein und Kinder haben.
Ysa
Zitat: Meinem Eindruck nach wird es, vor allem ab einem gewissen Alter, schon gerne gesehen, wenn eine Frau verheiratetet ist und nicht wenige Frauen haben vor allem aus sozialen Gründen große Angst, sich scheiden zu lassen bzw Single zu sein.
Ricky
Zitat:Frauen lassen sich häufiger scheiden als Männer.
Ja, aber was tut das zur Sache? Was ich damit sagen wollte, ist, dass diese alten christlichen Strukturen noch immer sehr wirksam sind, wenn es um Scheidung/Ehe/Sinledasein geht, übrigens für Mann und Frau.
Dass es sich etwas verändert hat, ist mir auch klar. Meine Aussage war ja auch nicht, dass sich nichts verändert hat, sondern dass meinem Eindruck nach Altes noch eingefleischt ist in uns.
Und um die Frage danach ging es doch in NichtLustigs Beitrag, durch den unser beider Dialog überhaupt erst zustande kam.
Ich verstand sie so, dass sie aussagen wollte, dass diese alten Strukturen kaum noch wirksam sind und ich denke eben das Gegenteil. Womit ich übrigens nicht automatisch eine Benachteiligung der Frau impliziere- was Du mir aber auch automatisch in den Mund legst. Ich stelle erstmal ohne Wertung (wie ich mehrmals betonte) einen Unterschied fest, nicht mehr und nicht weniger.
Ysa
Zitat: Oder etwas wirklich völlig banales, das ich aber wirklich erlebe, wo ich gehe und stehe. Ich drücke es sehr plakativ aus: eine Frau ist noch immer zuständig für Haushalt und Ordnung. Vernachlässigt sie das, ist sie eine Schlam pe, einem Mann sieht man das nach und hilft ihm sogar mit 60 noch gern das auf die Kette zu bekommen.
Ricky
Zitat:Ob man Frauen da generell als reinlicher ansieht, aufgrund der Tatsache, dass man in den 20er, 30er Jahren eben dahin gelenkt hat (das auch in der *beep*) eine Ordnung zu finden, in der die Frauen zu Hause bleiben und das regeln, während Männer arbeiten gehen und das regeln, wäre eine wichtige Frage. Es ist aber auch in der Tat so, dass Frauen deutlich häufiger halbtags arbeiten und dadurch die Rolle auf sie fällt. Das finde ich auch fair. Denn wenn ich nur die Hälfte arbeite, dann mache ich auch mehr zu Hause.
wenn es so läuft, finde auch ich das fair, aber das ist doch gar nicht die Frage, Ricky !
Die Frage war, ob und inwieweit es noch immer alte Rollen für Mann und Frau gibt, ob nun fremdzugeschrieben oder selbst angenommen, ob das fair oder ungerecht ist.
Meine Aussage war nicht: ist das fair? Sondern: in der absoluten Mehrheit bleiben in dieser Konstellation Frauen Daheim und Männer übernehmen den beruflichen Part = die alten Rollen werden noch gelebt, bzw es gibt mMn sehr wohl noch diese Unterschiede.