Naja, bisschen Stolz auf dich wirst du schon hinkriegen, fang halt bescheiden an. Als es mir so schlecht ging, war ich schon stolz, wenn ich es gekämmt zur Arbeit geschafft habe- jetzt brauchts da schon mehr.
Ich hab ja gerne zu der Zeit meinen armen Kollegen mit Heulerei und Selbstmitleid genervt und da der zu den ganz großen unbekannten Philosophen gehört, hat er mir ein paar gute Ratschläge mit Langzeitwirkung gegeben.
Ich geb die mal ungefragt wieder.
An deiner Depression und der Trennung kannst du nichts ändern gerade. Auch Pobacken zusammenkneifen, kräftig Sport treiben und Freunde treffen- also ich habs nicht hinbekommen meistens. Ich war sehr gerne schluchzend auf dem Sofa zugange, mit Extremgrübeln beschäftigt. Keiner macht einen ja so gekonnt fertig wie man selbst.
Mein Kollege meinte damals, man erschafft sich seine Realität selbst, sprich Wahrnehmung ist subjektiv.
Und er riet dazu, mir schöne Dinge oder Dinge, die ich schon immer haben wollte zu gönnen. Im Rahmen natürlich.
Das war bei mir ein Ebike und mein eigener Brennofen.
Ich hatte tausendundeinen Grund damit zu warten oder es nicht zu tun, wozu auch, ist doch eh alles shice und für wen auch... usw.
Doch, mach das, meinte er. Kauf es dir. Und dann FEIERST du das mit dir selbst, trink einen feinen Wein, iss was Schönes, versprich mir das, das ist wichtig.
Feier deinen Brennofen. Und dass du ihn gekauft hast.
Ich kam mir mordsmässig bescheuert vor. Geld raushauen und das dann feiern, ja klar.
Aber ich habs gemacht. Mich sogar schick angezogen. Also bisschen schick.
Dann hab ich meine Badewanne mit einem Dschungel an Pflanzen verziert, eine Lichterkette aufgehängt und saugut riechendes Schaumbad geholt und mir ganz offiziell eingestanden, dass Baden grad das Einzige ist wozu ich mich abends aufraffen kann. Warum auch nicht.
Jetzt noch Musik dazu, harhar- und keiner stört und nervt.
Dann hab ich angefangen jede Woche EINE Sache zu machen die ich schon immer gerne mal gemacht hätte- das war meine Hausaufgabe. Nur eine.
Picknick am Fluss beim Heimradeln.
Die eine komische schwarze Gesichtsmaske ausprobieren.
Hollundersirup kochen.
Die andere Hausaufgabe war, endlich aufzuhören, schlecht und abfällig von mir zu reden. Und ständig Sätze zu sagen wie "das konnte ich noch nie, das ist halt so, so bin ich halt".
Der sehr langen Rede kurzer Sinn:
Nach einer sehr langen Zeit all dieser Übungen, die ich teilweise widerwilligst absolviert habe, kam langsam etwas im Gehirn an: Ich bins wert. ICH bin es wert.
Warum ich dich so zugeschwallt habe:
Probier aus eine schöne Sache pro Woche zu machen. Eine. Nur für dich.
Und schreib einmal pro Woche hier mal was Nettes über dich.
Und ich krieg einen Schreikrampf, wenn dir jetzt auch ein Grund einfällt warum das nicht geht. Versprochen.