QueenA
Mentorin
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beim Lesen deines Beitrags fällt mir vor allem auf, wie viel Verantwortung du im Alltag trägst und wie lange du schon versuchst, die Beziehung stabil zu halten und Konflikte zu entschärfen. Dass dein „Toleranzmaß“ irgendwann voll ist, ist unter solchen Umständen sehr nachvollziehbar.
Einige Dinge, die du beschreibst: Beleidigungen, Abwertungen, Kontrolle darüber wann du wohin gehst, Schuldzuweisungen für Dinge, die du gar nicht getan hast, das sind keine normalen Beziehungskonflikte mehr. Das sind Formen von respektlosem und verletzendem Verhalten, die auf Dauer sehr zermürbend sein können.
Besonders wichtig finde ich auch den Punkt mit den Kindern. Kinder lernen sehr stark über Beobachtung. Wenn sie erleben, dass ein Elternteil regelmäßig angeschrien oder abgewertet wird, kann sich das leider auf ihr eigenes Verhalten und ihr Verständnis von Beziehungen auswirken. Dass dir das Sorgen macht, ist sehr verständlich.
Du beschreibst außerdem etwas, das viele Menschen in solchen Dynamiken erleben: Man versucht lange zu erklären, zu beschwichtigen und Harmonie herzustellen und irgendwann merkt man, dass man selbst ständig auf der Hut ist. Dass du jetzt mehr Abstand zu dieser Rolle bekommst, wirkt eher wie ein gesunder innerer Schutzmechanismus.
Dass du Angst hast, klare Konsequenzen auszusprechen, ist ebenfalls sehr nachvollziehbar. Wenn jemand in Konflikten schnell laut wird, beleidigt oder unberechenbar reagiert, fällt es vielen Menschen schwer, Grenzen durchzusetzen. Das hat nichts mit Schwäche zu tun, sondern oft mit Selbstschutz.
Vielleicht könnte für dich weniger die Frage im Vordergrund stehen „Schmeiße ich ihn sofort raus oder nicht?“, sondern eher: Welche Grenzen möchtest du künftig nicht mehr überschreiten lassen? Welche Rahmenbedingungen brauchst du, damit du und die Kinder euch sicher und respektiert fühlen? Und was würde passieren, wenn du diese Grenzen ruhig, aber klar formulierst?
Wenn du Sorge hast, dass eine klare Grenze zu einer starken Eskalation führen könnte, wäre es sinnvoll, dir vorher Unterstützung zu organisieren. zB. durch vertraute Menschen in deinem Umfeld oder auch rechtliche Informationen zum gemeinsamen Haus einholen.
Du hast bereits sehr viel versucht und sehr lange alles mitgemacht. Manchmal beginnt Veränderung nicht damit, sofort eine große Entscheidung zu treffen, sondern damit, die eigenen Grenzen wieder ernst zu nehmen.
Alles Gute & viel Kraft! 🍀