Liebe @Zombie-Lady,
vielleicht lese und verstehe ich dich völlig miss, allerdings sitze ich gerade hier und es schüttelt mich. Wie gesagt, vielleicht ist das nur ein Missverständnis. Mein Eindruck ist, dass ihr euch ziemlich an euren Problemen vorbei therapiert. Ganz auffällig dabei, dass das Thema Alk. von Anfang an immer wieder in deinen Erzählungen anklingt, aber nie wirklich thematisiert wird. Du legst da teils lustige, teils anekdotische Deckmäntelchen drüber. Bewusst? Erst auf sehr direkte Nachfrage, sehr spät, kommt heraus, dass dein Partner offensichtlich eine mehr als innige Beziehung zu Alk. führt.
Zitat von Zombie-Lady: Indem er täglich Alk. trinkt.
Zitat von Zombie-Lady: Nicht ein oder zwei B., sondern Whiskey, Wodk., Schnap. etc. Ich weiß nicht genau, wie viel. Er versteckt die Flaschen zwischen seiner Wäsche und trinkt in seinem Schlafzimmer. Das Leergut bringt er früh morgens aus dem Haus.
Zitat von Zombie-Lady: Neulich habe ich wieder eine Wagenladung leerer Flaschen gefunden - hinten im Kleiderschrank versteckt und zwischen die Unterwäsche/Socken geschoben. Dutzende Flaschen Wodk., Whiskey, Schnap. und Likör.
Zitat von Zombie-Lady: Er tarnt die Trinkerei inzwischen bloß sehr viel besser. Schon seit Wochen ist er krank, hustet schlimm und schläft dadurch wenig. Medikamente schlugen bisher kaum an. Daher machte ich mir wenig Gedanken darüber, dass er stets sehr früh zu Bett ging bzw. sich in sein Schlafzimmer verzog. Inzwischen glaube ich, dass er dort trinkt (und P. schaut).
Hm, Ferndiagnosen mag ich nicht. Braucht es hier aber auch nicht. Wenn ich das lese, ist es für mich völlig logisch, dass dein Partner antriebslos, lethargisch, selbstbezogen, unaufmerksam und stellenweise lieblos agiert. Probleme bei der Arbeit? Ja, nun, was sonst. Trinkende Führungskräfte, ein Traum für jedes Unternehmen. Peinliches Schweigen, Minderleistungen werden so lange gedeckelt, bis es gar nicht mehr geht. Sofern er nicht in einer extrem reifen Organisation arbeitet mit einer hochentwickelten Firmenkultur. Natürlich ist da Ärger vorprogrammiert. Egal bei welchem Unternehmen.
Zitat von Zombie-Lady: Ich hab mich diesbezüglich beraten lassen bei den Anonymen Alk..
Zitat von Zombie-Lady: Ich bin bei Al-Anon in der Angehörigengruppe. Wir arbeiten an uns.
Zitat von Zombie-Lady: Er findet nicht, dass er ein Problem hat - wir haben mehrfach darüber gesprochen, dass ich mir Sorgen mache.
Zitat von Zombie-Lady: Bei Al Anon lernt man als Angehöriger jedoch, dass man auf das eigene Leben gucken und die eigene "Straßenseite" in Ordnung halten muss. Das habe ich inzwischen mit viel Elan und dem Mut der Verzweiflung angepackt.
Dann weißt du doch auch, was los ist, oder? Wen meinst du denn mit "wir arbeiten an uns"? Was ist denn eigentlich dein Ziel mit dieser Gruppe, was willst du damit erreichen? Eine innere Stimme sagt mir, du möchtest damit einen Fahrplan in die Hand bekommen, um dich in einer an sich schwer erträglichen Situation bleiben zu können. Nach dem Motto, wenn ich mich nur richtig verhalte -keine Alk-Polizei spiele und "vernünftig bin- dann wird alles gut. Achtung Spoiler: wird es nicht! Wenn er zugibt, ein Problem zu haben, muss er handeln. Da ist er offensichtlich noch nicht so weit. Du fängst ja auch toll auf.
Zitat von Zombie-Lady: Ich hab leider keine Lust dazu, nachgelagerte Prio zu sein.
Nummer 1 ist aber der Alk. Daran will er wohl auch nichts ändern. Was bedeutet das für dich?
Zitat von Zombie-Lady: Vielleicht Burnout, vielleicht Depressionen.
Zitat von Zombie-Lady: Mein Partner wirkt auf mich übellaunig, gereizt, faul und lieblos.
Jau. Da kannst du dann diskutieren, ob zuerst Freund Alk da war, der dazu geführt hat oder ob psychosomatische Beschwerden der Türöffner für the new best friend waren. Vielleicht auch der Unfall. Hilft dir aber am Ende des Tages nichts. Du kannst die Situation nicht verändern. Das kann nur dein Freund. Du bist allerdings für dich und dein Leben verantwortlich. Das Leben mit einem suchtkranken Menschen -jetzt mach ich's doch mit der Ferndiagnose- ist brutal anstrengend, schlägt auf die eigene Psyche, kostet Kraft und Energie. Hast du so viel davon? Schau da bitte ganz genau hin. Auch in punkto Ehrlichkeit zu dir, zu anderen.
Sind eigentlich die unterschiedlichen Therapeuten aus euere Paartherapie und aus deiner Einzeltherapie wirklich informiert, was hinter euren geschlossenen Türen wirklich passiert?