Zitat von Julika: Sind dies nicht Etikettierungen, und zwar ganz einfache und schlichte, die dazu dienen, die Eigenverantwortung außen vor zu lassen? Wenn ich die anderen einfach nur als Idioten usw bezeichne, hebe ich mich ab von denen und muss mich nicht weiter mit mir und meinen Baustellen beschäftigen.
Finde ich nicht.
Wenn ich z. B. in meinem Garten eine Solaranlage installiere und diese dann nach einiger Zeit in die Luft sprenge, weil ich auf den Hersteller die große Wut bekommen habe, und von jeder Versorgung abgeschnitten bin, dann bin ich ein Idiot. Waren an dem Projekt auch noch andere beteiligt, finanziell und der eigenen Energieversorgung wegen, dann bin ich zudem auch noch ein Ar*schl***, möglicherweise sogar ein kriminelles.
Oder leihe ich jemandem ohne jede Absicherung meinetwegen 10.000.- Euro, und der gibt sie mir, obwohl er es könnte, dann nicht zurück, so bin ich ein Idiot und jener eben ein Ar*schl***.
Für diese Feststellungen brauche ich wahrlich keine tiefschürfende Psychosezierung samt moderner Psycho-Nomenklatura (zu meiner Zeit war übrigens "Neurose" sehr in, von Depressionen, Narzissmus, Soziopathien usw. hingegen war keine Rede, das alles gab es damals gar nicht, und die Menschen haben durchaus nicht schlechter gelebt - aber die Dinge wandeln sich eben).
Du musst mir diese altbackene Primitivität halt bitte nachsehen. Ich gehöre zu den alten weißen Männern und habe mich gehütet, mich auf die (mir reichlich abwegig scheinende) Fährte der jungen bunten Frauen locken zu lassen.
Zitat von Julika: Ja, so ist es. Genau das gibt Opfern von "desaströsen Monstren" zu denken. Dass sie sich haben täuschen lassen, dass sie dieser schleichenden vernichtenden Entwicklung der Beziehung nichts entgegen gesetzt haben bzw nicht konnten. Dass sie diese desaströsen Einwirkungen auf die Psyche nicht wahrhaben wollten oder konnten. Dass solche Erkenntnisse langsam einsetzen, kann der Anstoß für die Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe sein und dann dazu beitragen, dass man über eine Trennung einfacher hinwegkommt. Und nicht wieder auf so ein Monstrum reinfällt. Ist doch sinnvoll.
Also meinesteils kann ich dazu nur sagen, dass ich mich unter keinen Umständen je als Opfer fühlen würde. Was nicht heißt, dass nicht auch ich schon getäuscht, abgezockt, hinters Licht geführt usw. worden wäre. Aber das hat mich nicht in eine Opferrolle gebracht. Und dazu habe ich nicht einmal eine therapeutische Hilfe gebraucht. Es hat schon gereicht, irgendwann die Erkenntnis zu gewinnen, dass das Leben als solches etwas ziemlich Wechselhaftes ist.
Und was meinst Du, was passierte, gelänge es, alle desaströsen Monstren restlos auszutilgen? Das gäbe eine bessere Welt? Solltest Du das glauben, dann hast Du keine Ahnung, wie freudlos das Leben ihrer "potentiellen" Opfer sein würde! Sie gingen mit hängendem Kopf durch eine für sie ganz trostlose, leere Welt, an der nichts einen tieferen Reiz für sie hat.
So, wie das Monstrum das Opfer braucht, so braucht auch das Opfer das Monstrum. Mögeng Dir diese Polarität und ihre Dynamik gefallen oder nicht.
Wir sind ja nicht hier auf dieser Welt, um es einfach warm und gemütlich und möglichst selig zu haben. Sondern, kann sein, um vielleicht etwas "weiser" zu werden. Und das wird nicht ohne entsprechende Prüfungen abgehen.